FinanzmarktTransaktionssteuer treibt Großinvestoren in die Derivate
Seite 2/2:

Französische Berufsvereinigung schlägt Alarm

Die Association française des marchés financiers (Amafi), eine französische Berufsvereinigung für Börsenhändler, schlägt Alarm, dass gleichzeitig das Angebot von Derivaten zugenommen habe, mit denen sich die Abgabe umgehen lasse. So genannte Contracts for Difference (CFD) nutzen vor allem Großinvestoren. Sie ermöglichen es, auf Kursgewinne oder Verluste bei Aktien zu setzen, ohne die Wertpapiere überhaupt zu besitzen. Damit entfällt die Transaktionsteuer. Mit einem ähnlichen Kniff haben Investoren in der Vergangenheit bereits die britische Börsenumsatzsteuer umgangen.

Die Finanztransaktionssteuer betrifft demnach vor allem Privatanleger, die derartige Umwege nicht gehen können. Eine solche Entwicklung stünde jedoch im völligen Gegensatz zu der Absicht, Banken und Investoren an den Kosten für den Kampf gegen die Schuldenkrise zu beteiligen und den so genannten Hochfrequenzhandel mit spekulativen Finanzprodukten zu bremsen.

Schärfere Kontrollen für außerbörsliche Derivate

Da Derivate nicht nur zu ihrem ursprünglichen Zweck der Absicherung gegenüber der Preisentwicklungen für tatsächlich benötigte Produkte vor allem Rohstoffe eingesetzt werden können, sondern auch für rein am Profit orientierte Finanzwetten, sind diese Instrumente in der Vergangenheit in Verruf geraten. Deshalb hatte das Europäische Parlament bereits im April schärfere Kontrollen für außerbörsliche Derivategeschäfte beschlossen. Der Bundestag hatte einen entsprechenden Gesetzentwurf am 13. Dezember verabschiedet. Frankreich hatte als erstes europäisches Land zudem vor Weihnachten einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Banken dazu verpflichtet, hochspekulative Transaktionen vom übrigen Bankgeschäft zu trennen.

"Wir bemerken seit dem Herbst eine erneute Zunahme des Derivategeschäfts", sagt auch Arnaud Poutier, Analyst bei dem auf Termingeschäfte spezialisierten französischen Online-Händler IG Markets. Allerdings, schränkt er ein, sei das eine weltweit zu beobachtende Tendenz. Deshalb sei es schwierig festzustellen, welcher Anteil davon der Transaktionssteuer geschuldet sei.

Ein dauerhafter Rückgang des Aktienhandels hätte gravierende Auswirkungen auf die Staatseinnahmen. Nach den ursprünglichen Plänen wollte Paris jährlich mindestens 1,5 Milliarden Euro am Aktienhandel mitverdienen. Eine Annahme, die Gilles Monat von Equiduct für außerordentlich optimistisch hält. Mehr als 300 Millionen im Jahr, sagt er, würden es sicher nicht werden. 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • sf2000
    • 25. Dezember 2012 8:51 Uhr

    ... dann macht man halt eine Transaktionssteuer, die auch Derivate einschließt. Mit dem Effekt, dass Großinvestoren fremde Finanzplätze aufsuchen und es wieder nichts wird mit den großen Einnahmen. Und dann denkt man halt wieder ein bisschen weiter. Irgendwann landet man dann einmal mehr bei dem berüchtigten "Primat der Politik" und der Feststellung, dass auf globaler Ebene keine Institution, schon mal gar nicht eine demokratisch legitimierte Institution existiert, die auf dem gleichen Feld wie die Finanzwirtschaft spielt. Und dann kann man vielleicht - so 50 Jahre von heute an - eine echte Strategie entwerfen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Moika
    • 25. Dezember 2012 11:44 Uhr

    Laßt die Politiker nur machen - es wird schon daneben gehen. Aber Sarkozy ist nicht der Einzige, der Sachverstand mit Populismus verwchselt. Man sollte Populismus vielleicht einmal gründlich untersuchen, der irgendwie ansteckend und sehr virulent sein muß.

    Unser Peer ist gerade auch auf dem besten Wege hinunter in die Nebel dieser Verheißungen, aus denen er vemutlich nicht mehr herausfinden wird. Aber der hatte, wird man später sagen, zumindest Sachverstand.

    Hat es ihm etwas genützt?

  1. [..] Machtwort gegen die Zocker, nach allgemeinem Verständnis die Hauptverantwortlichen für die Finanzkrise. "Der Finanzsektor hat sich verrückt verhalten, völlig verrückt" [..]

    ..Transaktionsteuer von 0.1% auf 0.2% angehoben..

    Demnach brach der Verkauf von betroffenen französischen Papieren um 18 Prozent ein.

    "Das beweist, dass die Investoren ihr Verhalten darauf eingestellten haben. Sie wollen die Steuer vermeiden"

    Für mich beweist es eher, dass man nicht nur von "ver_rückt", sondern auch, in anbetracht von sage und schreibe 0.2% Steuern, von unanständig und gierig sprechen kann, pardon, muß.
    Wirklich nur beschämend.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Frage ist doch: Wie oft zahlt man 0,2% Steuern?
    Das ist doch der ganze Knackpunkt bei der Konzeption der Transaktionssteuer. Wenn die Leute das Geld Ping-Pong Artig hin und herschießen werden aus 0,2% schnell mal 30%. Und das ist was anderes.

    Das die gewünschten Einnahmen auf einem Denkfehler basieren hab ich mal in einem Beitrag ausformuliert:

    http://erleutherung.blogs...

    • wb99
    • 28. Dezember 2012 18:30 Uhr

    Es sind 0,2% vom *Umsatz*. Aber wahrscheinlich begreifst du gar nicht, was das bedeutet, im Unterschied zu einer normalen Gewinn- oder Einkommen- oder Lohnsteuer.

    Das ist ca. so, als ob du jedesmal, wenn du dein Geldbörsl zückst, 0,2% Steuer auf den gesamten Inhalt abführen müsstest, und beim Zurückstecken wieder.

    • Gerry10
    • 25. Dezember 2012 9:07 Uhr

    ...mit der Zockerei schluss zu machen?
    Wenn ja, dann ist das Ziel ja erreicht.
    Wer zocken will wird immer einen Weg finden, wer aber investieren will schaut eh auf den tatsächlichen Wert eines Unternehmens, KGV etc. und genau dafür waren Banken und vorallem Börsen ja gedacht.
    Mit anderen Worten die Richtung stimmt endlich(!) wieder...

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... wie sich die Autorin die Argumente zurecht legt.

    Etwas unverschämt wird es allerdings bei der Behauptung, dass die Transaktionssteuer vor allem Privatanleger beträfe. Privatanleger müssen, je geringer ihre Investitionssummen sind, umso mehr an Ausgabeaufschlägen und Bonifikationen bezahlen. Diese Zahlungen sind im einstelligen Prozentbereich und nicht wie die Transaktionssteuer im Dezimalbereich.

    Wenn der guten Frau Finkenzeller so sehr an den Unkosten der Privatanleger gelegen ist, sollte sie sich besser dafür stark machen, dass die Privatanleger weniger Depotgebühren und Provisionen an die ausführenden Banken zahlen müssen.

    Sie schreibt außerdem, als wäre es ihr eine stille Freude, dass sich die Banken nach dem staatlichen Eingriff nicht regulierte Bereiche suchen. Es ist der ewig gleiche sozialdarwinistische Denkfehler vieler Wirtschaftsjournalisten, dass sie sich mit den Mächtigen solidarisieren und sie damit die Interessen der meisten ihrer Leser verraten.

    Das Argument geht so: Die Mächtigen holen sich eh was sie wollen, also sollten wir ihnen zuspielen.

    Das ist die Kanzler-Schröder-Krankheit, die die Individuen nicht mehr erkennen lässt, dass ihre Sehnsucht zur Nähe der Macht die Umworbenen noch mächtiger macht und das Lob immer ungewisser. Eine in höchstem Maße demokratiegefährdende, urfeudale Grundeinstellung.

    • wb99
    • 28. Dezember 2012 18:33 Uhr

    Hast du den Artikel überhaupt gelesen?

    Die Anleger meiden die 100 Top-AGs (die Bluechips) und weichen stattdessen auf Derivate aus. Das nennst du zurück zur Normalität und weg von der Spekulation? Gratuliere.

  2. Der Autor verfolgt offenbar die Absicht die Transaktionssteuer als Dummheit darzustellen. Nach dem Motto: Haha, wir haben es Euch ja gesagt. Allerdings wurde sie nicht von der "Volksseele" erfunden sondern von einem Ökonomen namens Tobin und seither von durchaus intelligenten Menschen mit sachlichen Argumenten befürwortet.
    Die Journalisten schweben offenbar so hoch über der einfältigen Volksseele dass sie die Details aus dem Auge verlieren.
    Auch die suggerierte Schlussfolgerung man könne die Steuer nicht einführen, man müsse von vorne herein die Waffen strecken vor dem Finanzsektor, weil der sich immer heraus windet, ist natürlich falsch. Derivate gehören auch streng reguliert, sie sind volkswirtschaftlich weitgehend überflüssig aber lebensgefährlich für die Menschen. Es muss eben Schritt für Schritt bis zu einem globalen Regelwerk weiter gegangen werden, wie beim Klima-Problem.
    Bedeutet eigentlich ausgewogene Berichterstattung dass man auch dem Falschen, wie z.B. dem Lobbyismus für die Banken und Zocker eine Stimme gibt? Den Eindruck hat man oft in den Medien, auch den TV-Talks.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Tobinsteuer IST(!) die größtmögliche Dummheit, geboren aus der Lobby einiger linker Ideologen, hat sie samt und sonders nur negative Effekte.

    Die Typen, die diese Steuer befürworten, haben von Märkten und Handel NullkommaNull Ahnung und auch die angeblich "Schuld" der Spekulation oder der Märkte an irgendetwas ist einfach nur ein übles Märchen um die Menschen in die Irre zu führen. Die Märkte sind die Menschen gegen die Sie agieren wollen

    Erst ruiniert man durch fehlende Anpassung a la Agenda die Haushalte, dann, wenn die Menschen massenhaft diese Länder meiden, sollen sie auch noch durch eine kumulative Steuer auf den Gesamtwert (also von wegen MwST - das ist meilenweit davon entfernt) dafür bestraft und enteignet werden.

    Als professioneller Risikonehmer werde ich natürlich immer Märkte finden, die mir meine Gewinnmöglichkeit sichern und ich werde auch immer mit Auslandsgesellschaften den Handel tätigen, so dass die Ideologen leer ausgehen. Den Schaden haben die betreffenden Länder. Was steht z.B. einer CFD-Plattform mit Euroanleihe CFD Handel in den USA oder Singapur entgegen?

    Die Tobinabzockidee sorgt für Zersplitterung der Märkte, d.h. Unregulierbarkeit und Intransparenz, für höhere erratische Preissprünge und größere Unverbindlichkeit der Preise. Der Kleine ist der Dumme, die Großen können zuerst diesen Quatsch umgehen, bei denen rentiert sich am ehesten. Auch die erhoffte zusätzliche Ausplünderung der Opfer der staatsverschuldeten Krisen geht in die Hose.

    • wb99
    • 28. Dezember 2012 18:36 Uhr

    > Bedeutet eigentlich ausgewogene Berichterstattung dass man
    > auch dem Falschen [...] eine Stimme gibt?

    Ich weiss es auch nicht. Glaubst du, ausgewogene Berichterstattung bedeutet, nur deiner Meinung eine Stimme zu geben?

  3. Im Artikel ist immer wieder die Rede von (Groß-)Investoren. Ist das nicht eigentlich ein Rieseneuphemismus? Denn von Investitionen kann bei diesen Leuten nicht wirklich die Rede sein. Klingt wohl besser als Spekulanten....
    Zweite Frage: Kann man Derivate nicht einfach auch in die Finanztransaktionssteuer mit aufnehmen? Natürlich wird sich da gewunden und versucht, die Steuer zu umgehen, dann muss der Gesetzgeber eben nachbessern, um mittelfristig diese Schlupflöcher zu schlioessen. mmer noch besser als ganz auf diese Steuer zu verzichten!

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die größten Investoren sind die Rentenkassen, die ihre Beiträge anlegen und Rendite erwirtschaften müssen. Der Anleger geht zu der Versicherung, welche die niedrigsten Beiträge verlangt und die höchsten Gewinne ausschüttet. Die Gekkos dieser Welt sind dagegen nur eine kleine Nummer.

  4. Die Diskussion um diese Steuer ist uralt. Genauso alt sind aber die Möglichkeiten sie zu umgehen.

    Privatleute können Aktien auch in Deutschland kaufen.

    Am letzten Börsentag wurden z.B. von L'Oreal in Dueutschland Aktien im Wert von ca. 400 TEURo gehandelt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...ist die französische Finanztransaktionssteuer fällig. Sie wird von ihrer Bank direkt abgeführt. So einfach ist es also nicht. Sie müssen schon komplett auf den Handel mit den betroffenen französischen Papieren verzichten.

  5. Da die Franzosen nicht dumm sind, werden sie eine Antwort auf die Abwanderung der Anleger in Derivatgeschäfte finden. Dies müsste eigentlich die Finanzminister der Euroländer zusammenschmieden um gemeinsam an einer Verbesserung der Transaktionssteuer zu arbeiten, indem beispielsweise auch auf Optionen, Swaps und Futures Transaktionssteuern erhoben werden oder Wettgeschäfte ganz verboten werden. Schließlich wollen die Regierungen die Finanzwirtschaft regulieren. Das haben sie ihren Wählern versprochen, oder etwa doch nicht?

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ganzbreitgrins: Das war VOR der Wahl

    • Mika B
    • 25. Dezember 2012 10:12 Uhr

    Mann muss sich nur an den Mehrwertsteuer Gesetzen Orientieren und diese auf den gesamten Finanzsektor Ausdehnen, halt zu anderen Sätzen, als das Rad mit einer "Transaktionssteuer" noch einmal Neu Erfinden zu wollen.
    Dort gibt es auch keine Schlupflöcher und wer wirklich will das auch der Finanzsektor Steuern wie jedes produzierende Gewerbe zahlt würde dieses auch schaffen, es fehlt halt der Wille...

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service