FinanzkriseWer gegen Griechenland wettet, verliert

Wer sich im Sommer griechische Staatspapiere zulegte, wurde belächelt: Damals hatten sie Ramsch-Status. Doch in sechs Monaten wurden Traumgewinne erzielt. von 

Noch im Frühjahr waren die Inhaber griechischer Staatsanleihen nicht zu beneiden. Erst mussten sie beim Schuldenschnitt auf 53 Prozent ihres Anlagewerts verzichten, und dann wurden ihnen im Tausch gegen die alten Papiere auch noch neue Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten in die Depots gebucht, die wegen der miserablen Kreditwürdigkeit Griechenlands bei einem Bruchteil ihres Nennwerts notierten. Im Juni, als die Spekulationen über ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone ihren Höhepunkt erreichten, fiel die im Februar 2023 fällige Anleihe auf 14 Prozent ihres Nennwerts.

Doch wer damals zugriff und das als Ramsch bewertete Papier kaufte, kann sich jetzt über spektakuläre Gewinne freuen. Am heutigen Mittwoch notierte die Anleihe zeitweilig bei 49 Prozent des Nennwerts. Aus 10.000 Euro wurden so in sechs Monaten 35.000 Euro.

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Damit könnte die Renaissance der Griechen-Bonds noch nicht zu Ende sein. Am Dienstagabend stufte die Rating-Agentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Griechenlands gleich um sechs Stufen auf B- herauf . Das entspricht einer spekulativen Anlage. Zuvor hatte S&P Griechenlands Bonität mit SD bewertet, was Selective Default oder teilweiser Zahlungsausfall bedeutet.

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Standard & Poor's wertete jetzt nicht nur die Bonität des Landes kräftig auf, sondern korrigierte auch den weiteren Ausblick auf "stabil". Als Begründung nannten die Analysten das Bekenntnis der Euro-Länder zu einem Verbleib Griechenlands in der Währungsunion und die Verpflichtung Athens zu fiskalischen und strukturellen Reformen.

Austrittsrisiko deutlich gesunken

Die Höherstufung gab den Kursen der griechischen Staatspapiere am Mittwoch neuen Auftrieb. Bereits vor der Bekanntgabe des neuen Ratings hatte sich die staatliche Schuldenagentur PDMA am Dienstagvormittag kurzfristig frisches Geld besorgt. Das Land nahm 1,3 Milliarden Euro auf, mit 13 Wochen laufenden Geldmarktpapieren. Der Zinssatz lag bei 4,11 Prozent. Bei der vorangegangenen Auktion im November hatte er noch 4,2 Prozent betragen. Auch diese günstigeren Konditionen spiegeln das gewachsene Vertrauen in die Zukunft des Landes.

Jene Skeptiker, die noch vor wenigen Wochen den sicheren Untergang Griechenlands vorhersagten, werden damit nun von den Finanzmärkten Lügen gestraft. So bezifferte die Citigroup noch im Juli die Wahrscheinlichkeit eines Ausscheidens Griechenlands aus der Euro-Zone auf 90 Prozent. Inzwischen senkte die Bank das Risiko auf 60 Prozent. Der Krisenprophet Nouriel Roubini setzt die Wahrscheinlichkeit eines Euro-Austritts Athens inzwischen sogar bei weniger als 50 Prozent an.

Gewonnen haben einstweilen jene, die auf einen Verbleib des Landes im Euro setzten. Griechische Staatsanleihen haben 2012 in ihrer Anlageklasse weltweit die höchsten Renditen erbracht. Davon profitierten zahlreiche Hedgefonds, die teils dreistellige Millionengewinne verbuchten, aber auch viele Privatanleger.

Allerdings bleiben griechische Staatsanleihen hochspekulative Anlagen, denn das Land ist noch keineswegs über den Berg. Die Schuldenlast ist trotz des jüngsten Anleiherückkaufs nach wie vor erdrückend, ein Ende der wirtschaftlichen Talfahrt nicht in Sicht. Das letzte Urteil über die Griechen-Bonds ist also noch nicht gesprochen.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/mo.

    9 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    es kann ja nun sein, dass wir alle falsch liegen, aber vielleicht eben auch nicht.

    Mein Kommentar kritisierte das Verhalten den Hedgefonds und das Verhalten Der Zeit, wie über deren Gewinne berichtet wird.
    Welcher Teil war den nicht am Thema?

    • genius1
    • 19. Dezember 2012 19:20 Uhr

    Und was Passiert bei einer Revolution?

    Eine Leserempfehlung
    • Gerry10
    • 19. Dezember 2012 19:49 Uhr

    ...und deren Familien aber freuen...

    18 Leserempfehlungen
  2. Auch mit spanischen und italienischen Anleihen war und ist noch viel Geld zu verdienen.

    Ein Ausfall ist da sehr unwahrscheinlich.

    Wenn man von Griechenland und Argentinien absieht, fielen als letzt Saatsanleihen die vom deutschen Reich aus.

    Da zahlte Deutschland West aber noch lange.

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  3. Wie schrieb dazu Patrick Bernau in der F.A.S., der 2010 griech. Anleihen gekauft hatte und jetzt auch auf den Schuldenrückkauf hoffte:

    'Meine Anleihe hat Griechenland zurückgeholt, stattdessen bekam ich 20 neue.
    Aber ich musste schnell feststellen: Zum Zahlen war ich Kleinanleger gut genug, für den Schuldenrückkauf aber nicht. 1000 Euro muss man mindestens in einer Anleihe haben, damit man sie zurücktauschen darf. So viel Geld hatte ich den Griechen nun auch wieder nicht geliehen, dass nach der Teilung 1000 Euro pro Anleihe übrig blieben.

    Macht nix, denkt sich da der Investor, zum Glück ist ja der Kurs gestiegen, dann kann ich meine Anleihen ja auch an der Börse verkaufen. Aber selbst da hatte ich Pech. Erst war die Aktie vom Handel ausgesetzt, dann war der Kurs wieder unten. Und ein Blick ins Depot zeigt für alle 20 Anleihen ungefähr dasselbe. Kurswert der Anleihe: 7,70 Euro. Gebühren für den Verkauf: 9,90 Euro.
    Wir lesen dann wieder voneinander im Jahr 2042.'

    10 Leserempfehlungen
  4. abgerechnet wird zum Schluss! Jedenfalls für alle die Schäden jenseits der Zockerei, die real entstanden sind und dann auch gnadenlos auf die Wirtschaft zurückschlagen. Dann erst wird sich zeigen, um welchen Preis die Politik mit allen nur erdenklichen Tricksereien, Verschiebungen, Gesundbetereien und Schönfärbereien bis zum Exzess ebendiese Realität verschleiert hat. Irgendwann am Ende der Fahnenstange zählt nicht mehr das Wünschen, sondern nur noch das Zur-Kenntnis-nehmen und wirkliche Konsequenzen ziehen. Wann sind nochmal die nächsten Wahlen?

    3 Leserempfehlungen
    • ZPH
    • 19. Dezember 2012 20:15 Uhr
    7. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

    5 Leserempfehlungen
  5. Die griechische Bonität ist temporär gestiegen. Aber es gibt nichts umsonst. Der Preis dafür ist die sinkende Bonität der "Rettungs"länder und Steuerzahler, die für diese Konkursverschleppung gerade stehen sollen.

    In bezug auf die wirtschaftliche Leitungsfähigkeit ist gar nichts passiert. Im Gegenteil. Die Olivenstaaten rutschen ins ökonomische Desaster. Ich werde müden Cent in diese Schuldenpapiere stecken. Was S+P, Moods und Fitch da bewerten, ist mir völlig egal.

    5 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Finanzkrise | Griechenland | Anleihe | Auktion | Citigroup | Euro
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