Gipfel in Brüssel : Griechenland erledigt, nun ist die EU dran

Die Euro-Finanzminister geben neue Milliarden-Hilfen für Griechenland frei. Die Regierung in Athen aber steht vor der nächsten Herkulesaufgabe.
Protest gegen die EU: Während in Brüssel das Gipfeltreffen stattfindet, holen städtische Angestellte in Athen die Flagge der Europäischen Union vom Mast. © John Kolesidis/Reuters

Die Erleichterung war Wolfgang Schäuble anzumerken. Nachdem Griechenland einen erfolgreichen Rückkauf seiner Schulden vermeldet hatte, gab der deutsche Finanzminister auf einer kurzen Pressekonferenz in Brüssel am Donnerstag die Auszahlung der nächsten Hilfstranche bekannt.

Schäuble und seine Kollegen hatten hoch gepokert – niemand wusste zuvor sicher, ob die griechischen Banken beim Schuldenrückkauf tatsächlich mitspielen würden. "Es war zum Stück ein Unterfangen, bei dem wir sagen mussten: Es wird hoffentlich gut gehen", gab der Minister unumwunden zu.

Griechenland hatte durch den Rückkauf seine Schuldenlast um 20 Milliarden Euro gesenkt. Insbesondere der Internationale Währungsfonds hatte auf den Schritt gedrängt, damit die Regierung in Athen langfristig seine Schuldenlast auf ein tragbares Maß reduzieren könne.

"Griechenland ist wieder aufgestanden"

Auch der griechische Regierungschef Antonis Samaras zeigte sich erleichtert. "Griechenland ist wieder aufgestanden, die Opfer des griechischen Volkes waren nicht umsonst", sagte er in Brüssel. Die Solidarität der Europäischen Union sei lebendig.

Insgesamt soll Griechenland nun in den kommenden Monaten 49,1 Milliarden Euro erhalten. Ursprünglich war von 44 Milliarden Euro die Rede. Schäuble sagte, der neue Finanzbedarf ergebe sich aus zusätzlichen Kosten für den Schuldenrückkauf. Am Ende musste die griechische Regierung den Anlegern mehr Geld bieten, um sie zum Verkauf der Staatsanleihen zu bewegen.

Schon kommende Woche soll der erste Batzen von 34,3 Milliarden Euro an Griechenland ausgezahlt werden. Die Auszahlung der folgenden Tranche (14,8 Milliarden Euro) ist für Anfang kommenden Jahres geplant. Diese nächste Rate knüpft die Troika, zu der neben der Europäischen Zentralbank und der EU-Kommission auch der Internationale Währungsfonds gehören, allerdings erneut an Bedingungen: Die Regierung in Athen müsse unter anderem im Frühjahr erfolgreich seine Steuerreform umsetzen. Das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche zieht die Troika im Fall Griechenlands also weiter durch.

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Kommentare

57 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Ich bin gespannt, wann Herr Schäuble auf die Rücklagen

der Sozialkassen, sprich Rentenversicherung, Gesundheitsfond in Deutschland zugreifen wird oder deren Zahlungsverpflichtungen an unsere Bürger terminlich nach hinten schiebt, weil er dringend erneute Gelder gen Süden versenden muss. Allein den Zahlungstermin der Rentenauszahlung auf das Monatsende zu legen, schafft Herrn Schäuble doch Spielraum f+r weitere 20 Milliarden €.

Macht weiter so. Irgendwann bekommen Schäuble und Merkel die Rechnung ihrer Bürger von diesen präsentiert.

@1 schäuble greift schon zu...

Die Zuschüsse für versicherungsfremde Leistungen sind ja bei der Krankenversicherung bereits gekürzt worden, der dumme Michel hat's einfach hingenommen!

Für die rentenrechtliche Gleichstellung der Mütter mit Geburten vor 1992 ist lt. Schäuble wegen Griechenland auch kein Geld da!

Der Finanzminister der besten Regierung muss halt Prioritäten setzten. Was sind schon deutsche Mütter gegen griechische Banken und Finanzmagnaten!

Klasse, dann ist ja alles bestens

Alles läuft gut, jeder gibt sich Mühe, die Griechen liefern, Europa liefert - besser könnte es gar nicht sein.

Der Bericht fabuliert von wegweisenden Entscheidungen zur Bankenaufsicht, (an der wir uns ab 2014 erfreuen können, also wenn Griechenland noch mal so ca. 30Milliarden nachgefasst hat).

Juncker ist sehr zufrieden und überhaupt optimistische Stimmung macht sich breit.

Ich sag's ja nur ungerne, aber das ist doch Quatsch.
Bislang ist doch nichts geschafft, oder? Die Schulden sind gesunken von einem Betrag, den Griechenland sicher nicht zurückzahlen kann auf einen Betrag, den sie höchstwahrscheinlich nicht zurückzahlen können.
Ob sie's je werden, steht eh'in den Sternen.

Nun, Jammern hilft nicht, aber überzogen dargestellter Optimismus hat bislang mehr Probleme geschaffen als gelöst.

Wem nutzt solch ein launiger Bericht. Wir glauben es nicht, die Griechen stört jedes Wort über deren Schulden.

Wer hat was so verzweifelt die Stimmung auf positiv zu setzen?

Hallo zensurzeit

Auch ich dache gleich: Wie ist denn das gmeint? Wer hat das gesagt?

War es ein Sprecher der deutschen Wirtschaft, der das sagte?

Waren es die Ratingagenturen, die nun ganz Europa unter Druck setzen wollen damit die Zinsen für die Kapitalgeber steigen?

Waren es die Arbeitgeberverbände, die nun wieder argumentieren können, daß die Löhne runter müssen, auch im restlichen Europa?

Ist aber auch egal. Die Regierunen lassen sich treiben. keiner regiert mehr, alle reagieren nur noch.