AnleihenrückkaufGriechenland verringert Schulden erfolgreich

Die Regierung in Athen hat ihre Schuldenlast um mehrere Milliarden Euro reduziert. Allerdings hat der Anleihenrückkauf wohl weniger gebracht als zunächst erhofft. von dpa, reuters und

Bankautomaten in Athen

Bankautomaten in Athen  |  © Yorgos Karahalis/Reuters

Griechenland ist der geplante Rückkauf von Staatsanleihen mit Einschränkungen gelungen . Dabei hat die Regierung in Athen eigene Anleihen mit einem Ausgabewert von mehr als 30 Milliarden Euro zu niedrigerem Preis zurückgekauft. Das meldete das staatliche griechische Fernsehen (NET) unter Berufung auf Kreise des Finanzministeriums.

Das Ziel war, mit zehn Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungsfonds EFSF etwa 30 Milliarden Euro Anleihen rückzukaufen, die zuvor im Wert stark gesunken waren. Dadurch sollten die griechischen Schulden um 20 Milliarden Euro sinken.

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Allerdings zahlte die Regierung mehr als geplant für den Rückkauf der Anleihen . Für jeden Euro des Ausgabepreises legte Griechenland 33,5 Cent hin. Eigentlich sollte dieser Wert geringer sein, um den Schuldenstand des Landes noch weiter zu drücken.

Schuldenquote weniger reduziert als gewünscht

Mit dem Rückkauf hätte die Schuldenquote im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt bis 2020 auf 124 Prozent gesenkt werden sollen. Nun wird ein Wert von 126,6 Prozent erwartet, hieß es in EU-Kreisen.

Vergangenen Freitag war die erste Frist für den Rückkauf abgelaufen. Dem Vernehmen nach fehlten damals etwa vier Milliarden Euro, um das Ziel des Rückkaufs zu erreichen.

Kurzfristig am Geldmarkt finanziert

Die vier griechischen Großbanken National Bank, Alpha, Eurobank und Piraeus Bank hatten bereits mitgeteilt, sie würden an dem Schuldenrückkauf teilnehmen. Der Rückkauf ist Bedingung des neuesten Hilfsprogramms für das überschuldete Griechenland, auf das sich die internationalen Geldgeber geeinigt hatten.

Zugleich sicherte sich das Land am Geldmarkt kurzfristig insgesamt 4,38 Milliarden Euro, um das Haushaltsdefizit zu mindern. Der Staat nahm 2,763 Milliarden Euro Kredit mit einer vierwöchigen Laufzeit und 1,625 Milliarden Euro für eine 26-wöchige Laufzeit auf, teilte die Schuldenagentur PDMA mit.

Der Zinssatz lag wenige Zehntelpunkte niedriger als frühere, vergleichbare Kredite. Die Regierung in Athen muss sich kurzfristig immer wieder neues Geld besorgen, bis das Geld der neuen Hilfstranche aus Brüssel und dem Internationalen Währungsfonds aus dem vereinbarten Rettungspaket in Höhe von knapp 44 Milliarden Euro fließt. Dies wird aber nicht vor Ende Dezember geschehen.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit inhaltlichen Beiträgen. Danke, die Redaktion/jz

  2. Erst leihe ich mir Geld, dann sorge ich dafür dass die Schuldscheine kaum noch etwas wert sind und kaufe sie "günstig" mit erneut geliehenem Geld zurück.

    Das hat schon fast etwas von einem Schneeballsystem aber unsere Politik scheint ja vom "Erfolg" der Masche begeistert zu sein.

    • MaxRei
    • 11. Dezember 2012 18:03 Uhr

    Griechenland verringert seine Schuldenlast, dafür müssen die offiziellen Kreditgeber mehr Geld nach Griechenland überweisen, was höhere erwartete Verlust bedeutet. Zugleich haben sich griechische Banken, deren Rekapitalisierung ansteht von riskanten Anleihen getrennt und ihren Wert realisiert. Tendenziell ein Vorteil für die Einleger/Gläubiger und ein Nachteil für die Aktionäre, da diese in positiven Zukunftsszenarien weniger Gewinn machen werden. Detailliert dargestellt werden die Implikationen hier: http://makrointelligenz.b...

  3. 4. [...]

    Entfernt, kein konstruktiver Beitrag. Danke, die Redaktion/se

  4. ist doch nichts anderes als ein weiterer Schuldenschnitt; man kann dieses Vorgehen auch mit dem jahrzehntenlangem Abwertungsmechanismus der Drachme gleichsetzen. Ein Betrug am Kreditgeber ist es, sonst nichts.

    Wie man dieses Vorgehen, das ja Andere schädigt, als Erfolg bezeichnen kan, verstehe ich nicht.

  5. Von Erfolg kann keine Rede sein. Die Aktion ist eine Farce. Wenn der Rückkauf mit eigenen Geld erfolgt wäre (z.B. aus Privatisierungserlösen), hätte ich Hr. Samaras ein Glückwunsch-Telegramm geschickt.

    Aber wie immer kommt das Geld von den Geberländern. "Schlechtes Geld" (marode Anleihen v. A. im Besitz der GR-Banken) wird durch gutes Geld ersetzt (später folgende Rekapitalisierung). Hedgefonds haben ein gutes Geschäft gemacht.

    Das sind Taschenspielertricks, die die grundlegenden Probleme in keiner Weise lösen. Sie belasten die Haushalte der Geberländer zusätzlich und zögern die notwendige Insolvenz weiter hinaus.

    So geht das Vertrauen in den Euro und die Handlungsfähigkeit der Euro-Retter immer mehr verloren.

    • ic_fly2
    • 11. Dezember 2012 20:11 Uhr

    Die Anleihen wurden etwas über dem Marktpreis bei bekanntgabe gekauft, d.h. die Gläubiger konnten ihre Verluste etwas veringern, da sie die Wertverluste der Anleihen vermutlich schon abgeschrieben hatten. Ansonsten wurden lediglich Buchverluste in reale Verluste umgewandelt. Das Geld ist weg, so oder so.

  6. @ic_fly2
    Wenn's nur das wäre. Das Problem sind die GR-Banken. Diese hatten die Anleihen noch nicht auf Marktwert abgeschrieben. Durch den Verkauf der Anleihen zum ungefähren Marktpreis ist deren EK nun gesunken, so dass sie eigentlich geschlossen werden müssten. Einziger Ausweg: sie müssen "rekapitalisiert" werden. Das Geld hierfür kommt aus dem ESFS. Wer hätte das gedacht?!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, tst
  • Schlagworte Anleihe | Bruttoinlandsprodukt | Euro | Griechenland | Kredit | Regierung
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