GriechenlandRückkauf von Staatsanleihen wohl erfolgreich beendet

Die Frist für das Rückkaufprogramm griechischer Anleihen ist verstrichen, im Laufe des Tages soll das Ergebnis feststehen. Aus Finanzkreisen gab es ermutigende Signale. von dpa und reuters

Der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras in Athen

Der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras in Athen  |  © John Kolesidis/Reuters

Die Frist für den Schuldenrückkauf Griechenlands ist am Freitagabend abgelaufen. Ob das Rückkaufprogramm ein Erfolg war, ist bisher noch unklar. Im Laufe des Tages sei mit einem Ergebnis zu rechnen, hieß es aus dem Finanzministerium in Athen .

Ermutigende Signale kamen bereits von den einheimischen Banken . Die Geldhäuser wollten Finanzkreisen zufolge alle ihre Staatsanleihen an die Regierung verkaufen. Die Banken halten Anleihen mit einem Nennwert von etwa 17 Milliarden Euro. Insgesamt halten Privateigner griechische Staatsanleihen von gut 60 Milliarden Euro.

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Die vier griechischen Großbanken National Bank, Alpha, Eurobank und Piraeus Bank teilten am Freitagnachmittag mit, sie würden an dem Schuldenrückkauf teilnehmen. Allerdings ließen sie zunächst offen, wie viele ihrer Staatsanleihen sie an den Staat zurück verkaufen wollen. Griechischen Medien zufolge sollen sich auch zahlreiche Hedge-Fonds bereit erklärt haben, mit mehr als 15 Milliarden Euro am Rückkauf teilzunehmen.

Rückkauf ist Voraussetzung für weitere EU-Hilfen

Griechenland hatte das Rückkaufprogramm am Montag gestartet. Es ist Teil des neuen Hilfsprogramms für Griechenland, auf das sich die internationalen Geldgeber geeinigt hatten. Die griechische Regierung hatte darin den Haltern verschiedener Staatspapiere mit langen Laufzeiten das Angebot gemacht, diese für 30,2 bis 40,1 Prozent des ursprünglichen Werts zurückzukaufen.

Wegen der Schuldenkrise Griechenlands hatten die Staatsanleihen stark an Wert verloren . Wenn die Gläubiger das Angebot annehmen, sind sie vor weiteren Verlusten geschützt. Wie hoch ihre bisherigen Verluste sind, hängt davon ab, wann ein Investor zu welchem Preis die Anleihen gekauft hat.

Mit zehn Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungsfonds EFSF könnte Griechenland so Schulden von etwa 30 Milliarden Euro vom Markt nehmen. Das würde die Schuldenlast des griechischen Staates insgesamt deutlich verkleinern. Griechenland muss das Programm bis zum 13. Dezember abschließen. Dann wird die Euro-Gruppe bei einem Sondertreffen unmittelbar vor Beginn des EU-Gipfels voraussichtlich Hilfen an Athen von insgesamt rund 44 Milliarden Euro endgültig freigeben.

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Leserkommentare
    • edgar
    • 08. Dezember 2012 12:12 Uhr

    ... dass Sie nicht informiert sind, was hier passiert sein sollte:

    "1. Mit welchem Geld will Griechenland die Staatsanleihen zurückkaufen?
    2. Was ist eine Staatsanleihe noch wert, wenn man diese auf dem Markt nicht los kriegt bzw. diese uneinbringlich wird?"

    Ad 1: Ggf. mit neuen Schulden.
    Wenn Sie einen ausgestellten Schuldschein in Höhe von 100 € für z.B. 40€ zurückkaufen (die Ihnen ein guter Freund geliehen hat), haben Sie nun nur noch 40€ Schulden statt 100 €.

    Ad 2:
    Die muss nichts mehr wert sein. Wenn Sie o.g. Bekannten die Schulden bezahlt haben und er Ihnen den Schuldschein zurückgibt, können Sie diesen in den Mülleimer stecken oder was auch immer damit machen - er ist nichts mehr wert und muss auch nichts mehr wert sein.

    Antwort auf "Lustig...."
  1. 10. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Die Redaktion/mak

  2. Diejenigen, die ihr Geld in Lebensversicherungen investieren, können natürlich von Verwerfungen im Finanzmarkt betroffen sein. Das hat mit Steuergeldern erst mal nichts zu tun.

    Etwas anderes ist es natürlich, wenn der Staat mehr und mehr einstmals staatliche Leistungen privatisiert und wie am Beispiel der Rente passiert, die Leute regelrecht in die Arme privater Versicherungsträger jagt und das auch noch mit Steuergeldern bezuschusst.

    Die schlechte Angewohnheit vieler Marktradikaler, den Staat für seine Leistungen zu kritisieren und ihn dann wieder zu kritisieren, wenn die Privatisierung der einstmals staatlichen Leistungen zu Einbußen führen, entschuldigt das aber nicht.

    Ich finde, irgendwann sollten auch mal die Marktradikalen zu ihrer Verantwortung stehen und zumindest die Klappe halte. Ich fürchte allerdings, die sehen das anders. Sehr beliebt ist z. B. das Argument, zu den Einbußen wäre es nun gekommen, weil der Staat sich noch nicht weit genug zurückgezogen habe.

    Ein billiges Argument, denn so lange es größere Menschengemeinschaften gibt, wird es auch in irgendeiner Weise ein Management geben, das das Zusammenleben organisiert. Dass dieses Management sich aus Mitgliedsbeträgen finanzieren wird, ist auch nicht schwer zu raten.

    Nun ja, auch das Utopia der Marktliberalen existiert nur im Konjunktiven. Es wünschte mir nur, dass sie zu dieser Einsicht fähig wären.

    • bayert
    • 08. Dezember 2012 13:23 Uhr

    die Wortwahl lässt nichts gutes ahnen. Warten wir auf die Details.

  3. Und wer glaubt denn, dass diesmal nicht wieder mit allen nur denkbaren rechnerischen Tricks gearbeitet wird (gearbeitet worden ist), um mit knapper Mühe ins Ziel zu kommen? Das erinert mich a ein Schulkind, dass mit Müh und Not und sträksten Interventionen der Eltern die Vierer im Zeugnis gerettet hat und nun doch noch, der Familienehre wegen, aufs Gymnasium geschickt wird, in der Hoffnung, das möge sich doch in den nächsten Jahren bessern (das Kind wird ja reifer und lernt dazu). Naja!?! Es gibt keine neutrale Stelle, die diesen Schuldenrückkauf seriös bewerten kann. Tatsache ist: Das positive Ergebnis ist mal wieder "alternativlos". Also ... das konnte garnicht schief gehen! Noch Fragen?

    • Bornie
    • 08. Dezember 2012 14:32 Uhr

    Man sollte nicht vergessen:
    Griechenland hat sich 1000 Euro geliehen.
    Die Anleihe wurde getauscht in Anleihen im Wert von 320 Euro.
    Nun werden die Anleihen gegen Anteile des ESFS getauscht.
    Wenn das nicht mal ne Prima Enteignungmethode ist weiss ich's auch nicht.

    • Rumple
    • 08. Dezember 2012 15:40 Uhr

    Es ist doch für Griechenland egal, wer die Anleihen hält, und zu welchem Preis dieser jemand sie gekauft hat. Auszahlen hätten sie ihn nach Ablauf an jeden Eigner gemusst - oder die Insolvenz erklären.

    Wenn Griechenland nun einen Teil umschulden kann, dabei 60% seiner kurzfristigeren Schulden loswird, und gleichzeitig mit längeren Laufzeiten Geld bekommen hat, dann ist das für Griechenland sehr positiv.

    • Pepa
    • 08. Dezember 2012 16:50 Uhr

    "Und schon wieder wurden
    Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert."

    M.E. diesmal eben genau nicht. Ich lasse mich natürlich gerne eines Besseren belehren ...

    Lieber edgar, dann versuch ich das mal. Ich denke den griechischen Banken ist der Rückkauf ihrer Anleihen für ca. 1/3 des ursprünglichen Wertes recht leicht gefallen. Warum? Der erfolgreiche Rückkauf der Staatsanleihen war Bedingung für die Auszahlung der nächsten Hilfstranche über 44 Mrd. €. Was man wissen sollte. Von den 44 Mrd. € sind 23,1 Mrd. € für die Rekapitalisierung der griechischen Banken vorgesehen. Für mich ist das durchaus eine Sozialisierung von Verlusten.

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    • edgar
    • 08. Dezember 2012 17:44 Uhr

    ... (dass Banken Rekapitalisiert werden sollen ist ja bekannt).
    Was und wie das genau laufen soll.

    Ist ja auch bereits in D geschehen.
    Eine Sozialisierung von Verlusten kann erst nach (eventuell vielen) Jahren konstatiert werden (wenn die Bank nicht bereits morgen pleite ist). Möglicherweise könnte der Staat sogar einen Gewinn daraus ziehen.
    Es handelt sich also lediglich um eine Spekulation, dass die Verluste sozialisiert werden.

    Und wenn Sie schreiben:
    "den griechischen Banken ist der Rückkauf ihrer Anleihen für ca. 1/3 des ursprünglichen Wertes recht leicht gefallen. Warum?"

    Ist meine Antwort darauf: Besser 1/3 als nichts (wobei es fraglich ist, für welchen Preis die Banken die Anleihen gakauft haben).

    Insgesamt ist der Gewinner der griechische Staat, der jetzt einen Teil seiner Schulden um 70% reduzieren konnte. Der Staat ist wohl eine gemeinschaftliche (soziale) Angelegenheit. Aus dieser Sichtweise wurden sogar die Gewinne(!) aus dem Schuldenerlass sozialisiert.

    Ins Besondere auch, wenn man sieht, dass Hedge-Fonds, also juristische Privatpersonen, Gläubiger waren (unabhängig davon, zu welchem Preis sie die Papiere gekauft hatten), die zunächst höchstens mittelbar Gewinne dadurch haben, dass Banken rekapitalisiert werden.
    Wobei allerdings noch nicht klar ist, in welcher Größenordnung sich diese an der Aktion beteiligt haben.

    Sie sehen - und scheinen es zu wissen - die Dinge sind sehr vielschichtig - da ist jene Aussage, gegen die ich mich wandte doch zu trivial.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Finanzministerium | Griechenland | Medien | Anleihe | EU-Gipfel | Euro
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