GroßbritannienCameron kassiert Wachstumsprognosen

Großbritanniens Wirtschaft kommt nicht in Fahrt: Die Regierung muss die Wachstumsprognosen streichen und verlängert den Sparkurs. von 

Big Ben, London

Big Ben, London  |  © Johannes Eisele/AFP/GettyImages

Die britische Regierung muss ihre Wachstumsprognosen kräftig nach unten korrigieren. In diesem Jahr werde die Wirtschaft um 0,1 Prozent schrumpfen, statt wie bislang vorhergesagt um 0,8 Prozent wachsen, sagte Finanzminister George Osborne am Mittwoch vor dem Unterhaus in London . Auch für das kommende Jahr revidiert London die optimistischen Aussichten: Das Bruttoinlandsprodukt werde wohl nur um 1,2 Prozent zulegen. Bislang hatte die Regierung ein Wachstum von 2,0 Prozent für 2013 vorausgesagt.

Osborne musste zugeben, dass der geplante Schuldenabbau unter diesen Voraussetzungen Makulatur sei: Er habe sein Ziel verfehlt, sagte der Minister. Das rigide Sparprogramm der Regierung werde ein Jahr länger brauchen als geplant, um Wirkung zu zeigen. Heißt: Bis 2018.

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Die Eingeständnisse der Regierung zeigen, wie verfahren die wirtschaftliche Situation in Großbritannien ist. Eigentlich wollte die liberal-konservative Regierung die Schuldenquote ab 2015 oder 2016 absenken und ein Jahr später einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Daraus wird nun nichts.

Erst im Oktober hatte Osborne weitere Kürzungen bei den Sozialleistungen zur Sanierung des Haushalts angekündigt. Die Opposition wirft der Regierung vor, durch ihre Sparmaßnahmen das Wachstum abgewürgt und die Wirtschaft in eine Abwärtsspirale geführt zu haben. Premier David Cameron warnte jedoch bereits vor einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit, sollte der Sparkurs infrage gestellt werden.

Die Regierung muss nun auf der einen Seite die Ausgaben kürzen und auf der anderen Seite die Steuereinnahmen erhöhen. Osborne hofft laut der britischen Financial Times allein auf zusätzliche 2,46 Milliarden Euro jährlich indem er Steuerschlupflöcher für internationale Konzerne stopft. Für Unverständnis unter den Briten sorgt aber die gleichzeitige Ankündigung, den Unternehmenssteuersatz um einen Prozentpunkt auf 21 Prozent zu senken.

Vor allem sozial Schwächere werden unter dem Sparkurs der Regierung leiden. Osborne kündigte an, dass die Sozialhilfeleistungen in  den kommenden drei Jahren um maximal ein Prozent jährlich wachsen – also noch unterhalb der Inflationsrate. So werde die Regierung jährlich rund 4,5 Milliarden Euro allein im Sozialbudget sparen.

Um die Mittelschicht nicht zu sehr zu belasten, streicht die Regierung ihre Pläne, die Benzinsteuer um drei Prozentpunkte zu erhöhen – ebenfalls zur Freude der Autobranche.

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Leserkommentare
  1. sich verkalkuliert haben mit Pfund und EU-Hetze und am Ende froh gewesen wären über Euro und Gemeinsamkeit mit den EU-Staaten.

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    ...müsste Euroland auch England stützen.

    So drucken die Briten einfach Geld... (was am Ende noch große Probleme bereiten wird)

    • Mortain
    • 05. Dezember 2012 21:46 Uhr

    Bei einer Euromitgliedschaft würden die Briten mithaften oder schlimmstenfalls selbst zu einem "Pflegefall" werden. Egal wie es würde, im Euro würde nichts besser. Das Problem Großbritanniens ist ein anderes. Neben zu hohen Ausgaben in der Vergangenheit (Militär z.B., Atommacht), hat man keine Industriepolitik betrieben und das die ganze Wirtschaft ist zu stark auf Finanzdienstleistung ausgerichtet.

    Großbritannien war in den neunziger Jahren schon einmal fest mit dem europäischen Wechselkussystem verbunden. Als das Land Schwierigkeiten bekam, stieg es aus, konnte abwerten und die Lage stabilisierte sich. Dieser Weg wäre den Briten verschlossen und die Lage wäre vermutlich schlimmer. Es käme zu Unruhen und der Sündenbock stünde auch schon fest.

    Wo läge also der unschlagbare Vorteil einer Euromitgliedschaft für Großbritannien?

    • Klüger
    • 05. Dezember 2012 20:00 Uhr

    ... das kann man nur kurieren, indem man die Nahrungsrationen weiter kürzt!

  2. ...müsste Euroland auch England stützen.

    So drucken die Briten einfach Geld... (was am Ende noch große Probleme bereiten wird)

    Antwort auf "nicht das die Briten"
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    Also der Cameron hat nicht vor die Geldpresse anzuwerfen. Würde er dieses machen, so würde GB im Rating extrem abstürzen. Das Problem ist doch, dass auch die Briten sehr viele Verpflichtungen in Dollar und Euro haben. Die Inflation versaut den Wechselkurs bei der Schuldenrückzahlung.

    • Mortain
    • 05. Dezember 2012 21:46 Uhr

    Bei einer Euromitgliedschaft würden die Briten mithaften oder schlimmstenfalls selbst zu einem "Pflegefall" werden. Egal wie es würde, im Euro würde nichts besser. Das Problem Großbritanniens ist ein anderes. Neben zu hohen Ausgaben in der Vergangenheit (Militär z.B., Atommacht), hat man keine Industriepolitik betrieben und das die ganze Wirtschaft ist zu stark auf Finanzdienstleistung ausgerichtet.

    Großbritannien war in den neunziger Jahren schon einmal fest mit dem europäischen Wechselkussystem verbunden. Als das Land Schwierigkeiten bekam, stieg es aus, konnte abwerten und die Lage stabilisierte sich. Dieser Weg wäre den Briten verschlossen und die Lage wäre vermutlich schlimmer. Es käme zu Unruhen und der Sündenbock stünde auch schon fest.

    Wo läge also der unschlagbare Vorteil einer Euromitgliedschaft für Großbritannien?

    Antwort auf "nicht das die Briten"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    England war mal eine führende Industrienation.

    Deren Hauptproblem ist eigentlich ihre Randlage in Europa. Der Transport der Waren zu den Konsumenten ist teuer und auch sehr zeitaufwändig. Was früher den Aufstieg zur Weltmacht überhaupt erst möglich gemacht hatte, ist heute ein Fluch.

  3. davon muß und wird sich UK freimachen, denn auch denen dämmert es langsam, dass Milliarden in Banken buttern und ein paar reiche Investmentbanker im Land auf Dauer auch nicht das gelbe von Ei sind. Steuereinahmen wäre z.B. eine feine Sache.
    Wenn sie jetzt Starbucks nachgehen, zeigt dass wo die Reise hingeht.

    UK hat arbeitslose Jungendliche zu Hauf, wir haben Ausbildungsplätze, die unbesetzt sind - kann da was zusammengehen? Wenn hier ein Brite Bäcker oder Metzger lernt, dann hat er im eigenen Land eine goldene Zukunft.

  4. Also der Cameron hat nicht vor die Geldpresse anzuwerfen. Würde er dieses machen, so würde GB im Rating extrem abstürzen. Das Problem ist doch, dass auch die Briten sehr viele Verpflichtungen in Dollar und Euro haben. Die Inflation versaut den Wechselkurs bei der Schuldenrückzahlung.

    Antwort auf "Dann aber..."
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    • dyon75
    • 06. Dezember 2012 7:19 Uhr

    Komisch nur, dass - trotz Quantitative Easing - weder in den USA noch in GB die Inflationsrate explodiert ist bzw das Rating signifikant heruntergesetzt wurde. Cameron argumentiert zwar mit der 'bond vigilantes', aber er nutzt das Argument vor allem dafuer, um das staatliche Sozialsystem weiter zu zerstoeren (so scheint es zumindest, wenn man den Artikel liest)

  5. England war mal eine führende Industrienation.

    Deren Hauptproblem ist eigentlich ihre Randlage in Europa. Der Transport der Waren zu den Konsumenten ist teuer und auch sehr zeitaufwändig. Was früher den Aufstieg zur Weltmacht überhaupt erst möglich gemacht hatte, ist heute ein Fluch.

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    die "randlage "ist nicht das problem. das problem ist die industrie. die ist naemlich fast nicht mehr vorhanden bzw. in auslaendischer hand. dazu kommt noch die einseitige hinwendung zum finanzplatz london als alles seligmachender "wirtschaftszweig".

  6. ...um die PPIGS Laender zu unterstuetzen. Nur Deutschland hat momentan das Netto, aber auch nur wegen der Finanzmogelei. Deswegen ist die EU nicht tragbar weil sie insgesammt nicht genug produziert, und es auch in Zukunft nicht produzieren wird. Deutschland alleine finanzierte den EU Traum auf Kosten der Vernichtung eigener Interessen.
    Wenn man hier die Ignoranz von vielen Kommentaren liest dann koennten einem die Haare zu Berge stehen. Erstens braucht Deutschland Griechenland ueberhaupt nicht. Die PIIGS Staaten kaufen sowieso nicht Deutsch sondern Franzoesich oder Italienisch. Deutschland's Exportwirtschaft braucht die USA, Suedamerika, und besonders Asien, auch den Mittelosten, aber total nicht die anderen EU Laender. Schon alleine der Anstieg von Innenkonsum gefuettert durch bessere Loehne, lockeren Kredit, mehr Arbeitsplaetze wuerde den Verbrauch der anderen EU Staaten von deutschen Waren decken.

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    • dyon75
    • 06. Dezember 2012 7:35 Uhr

    ... scheint mir Europa als Exportziel deutscher Waren nicht zu sein, zumindest wenn man sich Statistiken anguckt (etwa: http://de.statista.com/st...). Italien (als Teil der PIIGS) und Frankreich (als kuenftiger Teil der PIIGS :-)) ist uebrigens auch unter den Top-Ziellaendern.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte David Cameron | Bruttoinlandsprodukt | Euro | Finanzminister | Haushalt | Mittelschicht
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