Obwohl Italien weiter stark unter der europaweiten Rezession leidet, hat Montis entschlossene Politik Maßnahmen schon erste Erfolge gebracht. Bevor Berlusconis Partei der Regierung Ende letzter Woche die Unterstützung aufkündigte, war der Zinssatz für zehnjährige Staatsanleihen auf unter 4,5 Prozent gefallen . Im kommenden Jahr wird Italien vor Zinszahlungen auf existierende Schulden wohl einen Haushaltsüberschuss von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften.

Dennoch ändern Montis Verdienste an einer traurigen Wahrheit wenig: Um Italien wirklich für die Zukunft in Schuss zu bringen, sind noch viel weitreichendere Reformen nötig. Die Kosten der Politik müssten drastisch gekürzt werden. Die Zahl der italienischen Provinzen sollte verringert werden. Berufsmonopole sollten weitgehend abgeschafft und die Macht der Notare gebrochen werden. Das Steuersystem ist viel zu kompliziert. Das momentane italienische Wahlrecht ist eine Katastrophe. Für all diese Themenfelder hatte Monti weitere Reformen geplant , die aufgrund fehlender Zeit oder Unterstützung nicht beschlossen werden konnten.

Wille zu Reformen ist verpufft

Die Hoffnung darauf, dass solch grundsätzliche Strukturreformen jetzt noch angegangen werden, ist sehr gering. Bisher hat jede europäische Regierung, wenn es Knall auf Fall ging, dem Druck der Märkte – und von Angela Merkel – stattgegeben, und Budgetkürzungen verabschiedet. Das wird wohl selbst in Italien so bleiben. Der politische Wille zu echten Reformen aber ist auf absehbare Zukunft verpufft.

Falls Berlusconi es tatsächlich zum fünften Male schaffen sollte, Ministerpräsident zu werden , dann wird er es so halten wie schon immer: ein paar kleine Geschenke ans Volk, ein paar größere Geschenke an sich selbst, und sonst – niente . So hat er zum Beispiel jetzt schon angekündigt, eine von ihm abgeschaffte und von Monti wiedereingeführte Immobiliensteuer wieder abzuschaffen. Ansonsten hat Berlusconi über sein Wahlprogramm bisher fast nichts verlauten lassen.

Eine Regierung unter Pier Luigi Bersani, dem Kandidaten des Mitte-Links-Bündnisses, wäre sicherlich verantwortungsvoller. Aber entschlossene Reformen wären von ihm auch nicht zu erwarten. Im letzten Jahr wandte sich seine Partei gegen viele von Monti angeregte Strukturreformen oder verwässerte diese nach Möglichkeit. Die Lockerung des Kündigungsschutzes, so hat Bersani jetzt schon angekündigt, würde er als Wahlsieger rückgängig machen wollen.

Sparhaushalte statt echter Veränderung

Für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Italiens verheißt all dies nichts Gutes. Über den Nutzen großer Etatkürzungen sind sich Wirtschaftswissenschaftler uneins. Trotzdem werden in der Zukunft wahrscheinlich weitere Sparhaushalte auf Italien zukommen. Über den Nutzen struktureller Veränderungen sind sich Wirtschaftswissenschaftler dagegen weitgehend einig. Gerade dafür scheint es in Italien aber kaum noch Unterstützer zu geben.

Es ist unwahrscheinlich, dass dreizehn Monate Monti genug waren, um die italienische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. In den nächsten Jahren wird Italien wohl eine bittere Medizin schlucken müssen, die umso schlechter schmeckt, da ihr Nutzen getrost bezweifelt werden darf: mehr Sparen, aber fast keine echten Reformen.

Falls es wirklich so kommt, wird das Land des schönen Lebens und guten Essens in den nächsten Jahren ganz schön leiden und hungern. Vielleicht noch viel mehr als unter dem so undankbar verstoßenen Mario Monti.