Finanzminister Wolfgang Schäuble und sein französischer Amtskollege Pierre Moscovici (v.l.) © Georges Gobet/AFP/Getty Images

Die Euro-Finanzminister müssen innerhalb weniger Wochen einen Nachfolger für ihren Vorsitzenden Jean-Claude Juncker finden. Das Treffen der europäischen Finanzminister war geprägt von Spekulationen über die Nachfolge des Luxemburgers.

Vor allem zwei Kandidaten werden für den Posten gehandelt: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und sein französischer Amtskollege Pierre Moscovici. Schäuble hatte bereits indirekt sein Interesse an dem Posten bekundet, und Bundeskanzlerin Merkel unterstützt seine Kandidatur.

Bisher allerdings lehnt die französische Regierung den CDU-Politiker an. Ein Grund dafür ist, dass Schäuble neben dem Amt weiterhin das deutsche Finanzministerium leiten wollte. Zudem startet in Deutschland der Bundestagswahlkampf – mit unklarem Ergebnis. Kann der Vorsitzende der Eurogruppe im Ernstfall kein Minister im Heimatland sein?

Gegen Schäuble spricht außerdem sein Stand bei den europäischen Finanzministern. Der deutsche Politiker hatte viele seiner Kollegen in den vergangenen Monaten verärgert, berichtet die Financial Times Deutschland unter Berufung auf Teilnehmerkreisen der Euro-Gruppe. Schäuble hatte Widerstand gegen Teile der geplanten Bankenunion geleistet und bei den Griechenland-Hilfen seine Taktik mehrfach geändert.

Gute Chancen für Moscovici

Als zweiter möglicher Nachfolger Junckers wird der französische Finanzminister Moscovici gehandelt. Einige Beobachter räumen ihm gute Chancen auf das Amt ein. Frankreich und Deutschland hatten offenbar vereinbart, den Posten in den nächsten Jahren im Wechsel zu besetzen.

Zunächst sollte Schäuble Junckers Nachfolger werden, Moscovici sollte ihn nach zweieinhalb Jahren ablösen. Die Abmachung sei nun so verändert worden, dass erst Moscovici und dann ein Deutscher den Posten übernehme. In der Bundesregierung wurden diese Informationen nicht bestätigt.

Gegen Moscovici spricht nach Einschätzung von Beobachtern sein Auftreten. Frankreichs Finanzminister sei in den vergangenen Monaten eher zurückhaltend gewesen und habe einen schwachen Eindruck gemacht.

Auch andere Kandidaten sind prinzipiell denkbar. Österreichs Finanzministerin Maria Fekter etwa sprach sich dafür aus, den Vorsitz der Euro-Gruppe mit einem Regierungschef zu besetzen. Der Vorteil wäre, dass die Person dann auch an den EU-Gipfeltreffen teilnehmen würde. Ein Finanzminister wäre nicht dabei.