Die Katarer wollen die neuen Technologien nicht einfach kaufen, sondern sie gemeinsam mit ausländischen Partnern selbst entwickeln. "Wir wollen selbst zu Experten werden und unsere eigenen Kapazitäten aufbauen, finanziell und technologisch", sagte QTSP-Chef Tidu Mani während der Einweihung des Solar-Testfelder.

Für Green-Gulf-Chef al Kuwari sind die Erneuerbaren eine Herzensangelegenheit. "Unser Lebensstil ist nicht richtig", sagt er. "Jeder hat fünf Autos, all unsere Nahrung wird importiert." Ursprünglich arbeitete er im Öl- und Gasgeschäft, in Großbritannien , in Japan und im Mittleren Osten. Dann wechselte er zur grünen Energie. "Ich habe gesehen, wie die Verhaltensweisen in anderen Teilen der Welt sich ändern", sagt er.

Er wolle helfen, auch sein Land nachhaltiger zu machen – durch die Entwicklung Erneuerbarer und durch mehr Energieeffizienz. Eigentlich sei der sparsame Umgang mit Ressourcen in der Kultur der Katarer verwurzelt, sagt al Kuwari. "Bevor wir reich wurden, lebten wir in der Wüste und sparten Wasser wie sonst niemand." Erst die Gas-Bonanza habe das geändert.

Ums Geschäft geht es dem Firmenchef natürlich auch. Solarenergie sei "eine gute Möglichkeit, unsere Wirtschaft zu diversifizieren" sagt al Kuwari. Man wolle Expertise erwerben und Jobs schaffen. Das werde sich lohnen: "Die Nachfrage nach Solarenergie in der Region steigt, die Kosten für Solarzellen sinken, zugleich werden fossile Brennstoffe teurer." Und dann sei da noch der Klimawandel. Alles zusammen beschere der Sonnenenergie eine aussichtsreiche Zukunft.

Katar will sich keine CO2-Reduzierungsziele setzen

Bis zum Jahr 2015 sollen die Tests auf dem Versuchsgelände abgeschlossen sein. Irgendwann in der Zukunft will Katar dann in der Lage sein, seine Gebäude mit Sonnenenergie zu kühlen und sein Trinkwasser mit Solarkraft zu entsalzen. Selbst die Nahrungsmittel des Landes sollen dann zum großen Teil in Katar selbst erzeugt werden – mit Hilfe von Wasser, das in solarbetriebenen Anlagen entsalzen wurde. Es sind gigantische Pläne, aber sie sind realistisch, glaubt al Kuwari. "Wir Katarer halten unsere Versprechen", sagt er.

Doch bei allem erklärten Bemühen um mehr Nachhaltigkeit: Der Gastgeber des diesjährigen Klimagipfels ist nicht bereit, sich selbst verbindliche Emissionsziele aufzuerlegen. Dabei könnte das ein Signal sein für eine Konferenz, die in den ersten acht Verhandlungstagen bislang in keinem Punkt irgendwelche Fortschritte erreicht hat.

Die Präsidentschaft der Katarer mache zu wenig Druck, sagen viele. Stattdessen halte sie sich zurück und überlasse es den Verhandlungsparteien, vorwärts zu streben. Für eine Konferenz, von der von Anfang an nicht viel erwartet wurde, ist das kein gutes Zeichen.

Und so relativiert auch Green-Gulf-Chef al Kuwari seine Schwärmerei für Solarstrom. Er sei sich sicher, für Katar werde Erdgas auch in Zukunft die wichtigste Energiequelle bleiben. "Die Sonne kann es nur ergänzen."