SolarstromKatar will weg vom Gas – ein bisschen

Das Gastgeberland der Klimakonferenz will die Gasbonanza nutzen, um mehr in Sonnenenergie zu investieren. Ein Solarland wird es dennoch nicht. von 

Die Skyline von Doha, der Hauptstadt von Katar

Die Skyline von Doha, der Hauptstadt von Katar  |  © Patrick Baz/AFP/GettyImages

Es ist ein enormes Gedränge aus Fotografen, Film- und Sicherheitsleuten. Ihre Hoheit Sheikha Moza bint Nasser persönlich ist gekommen, um der Einweihung der ersten Testanlage für Solarenergie in Katar beizuwohnen. Sie und ihr Mann, der Emir von Katar, gelten als die treibenden Kräfte hinter dem Wandel, den das Land zurzeit erlebt. Solarenergie ist ein Teil davon.

Bisher lebt Katar, diese kleine Halbinsel im persischen Golf, vor allem von Erdgas. Vor rund vierzig Jahren wurde vor der Küste das angeblich größte Erdgasfeld der Welt entdeckt. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Land zu einem der führenden Verarbeiter von Erdgas entwickelt – und damit zu einem der reichsten Länder der Erde.

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Die fossilen Ressourcen ermöglichen es den Katarern, an einem der lebensfeindlichsten Flecken der Erde ein komfortables Leben zu führen . Mit Strom aus Erdgas kühlen sie ihre Gebäude in der Hitze der Wüste und entsalzen ihr Trinkwasser. Mit den Erlösen aus dem Gasexport kaufen sie ihre Nahrung. In Katars Wüste gedeiht fast nichts: Weit mehr als neunzig Prozent der in Katar konsumierten Lebensmittel kommen aus dem Ausland .

Der Gas-Reichtum führt dazu, dass Katar pro Kopf die höchsten Emissionen weltweit ausstößt – nicht nur wegen des energieintensiven Lebensstils, sondern auch, weil die Verflüssigung des Erdgases für den Export so viel Energie verbraucht.

Alexandra Endres
Alexandra Endres

Alexandra Endres ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Jetzt sollen die Einnahmen aus den fossilen Ressourcen dazu beitragen, die Gesellschaft nachhaltiger zu gestalten. Dabei würden die Erlöse wohl ausreichen, um den Katarern auf Generationen hinaus ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen. Doch die Herrscher des Emirats wollen sich darauf nicht verlassen. Sie investieren in Bildung, Landwirtschaft und erneuerbare Energien.

Das Solar-Testfeld ist ein erster kleiner Schritt. Noch sieht es recht klein aus, eines Tages aber soll es eine Fläche von rund 30.000 Quadratmetern umfassen. Dann wäre es etwas mehr als vier Fußballfelder groß. Im Vergleich zu Deutschlands größtem Solarpark Lieberose (500.000 Quadratmeter Solarmodule) wäre aber selbst das verschwindend gering.

Omran al Kuwari dankt Sheikha Moza während der Einweihung des Solarparks für ihre "kontinuierliche Unterstützung". Al Kuwari ist der Chef von Green Gulf. Das Unternehmen soll, mit dem Segen des Emirs und seiner Ehefrau, von Doha aus das Geschäft mit erneuerbaren Energien und Energieeffizienz auf der arabischen Halbinsel, in Nordafrika und Asien vorantreiben. 20 Millionen US-Dollar nimmt Katar in die Hand, um sein Solar-Testfeld aufzubauen. In dem Solarpark will Green Gulf gemeinsam mit dem örtlichen Qatar Science & Technology Park (QTSP) und einer Tochter des US-Ölkonzerns Chevron etwa zwanzig unterschiedliche Photovoltaik- und Solarthermie-Technologien erproben.

Es bedarf so vieler Testmodule, weil die technischen Anforderungen an die Solarzellen alles andere als simpel sind. Das Klima in Katar ist extrem, die starke Sonne, der Wind, Staub und die Feuchtigkeitsverhältnisse können den Zellen zusetzen. Die sind für solche Bedingungen in der Regel nicht ausgelegt.

Leserkommentare
  1. Die Pro-Kopf CO2 Emissionen liegen in Qatar bei laessigen 40 Tonnen pa, doppelt so hoch wie in den USA, viermal so hoch wie in DE, fast 10-mal so hoch wie in China und 20-mal so hoch wie in Indien. Da sind natuerlich eine Investition von 20 Millionen $ eine gigantische Investition, insbesondere wenn man sich vergegenwaertigt, dass das Pro-Kopf Einkommen nur ca $ 110,000 $ pa betraegt. Und immerhin entspricht die Investition ca. 0.0001% des BIP. Das nenne ich aber einen oekonomischen Kraftakt aller erster Sorte. Wenn alle Staaten so engagiert waeren, braeuchten wir keine Klimakonferenzen mehr, die sind dann voellig nutzlos und sinnbefreit.

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  2. Was im deutschen Diskurs gerne unterschlagen wird:

    http://www.world-nuclear....

    http://nucpros.com/conten...

    Die Golfstaaten setzen auch auf Kernenergie, um ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und ihren Treibhausgasausstoß zu senken. Noch dazu lässt sich mit der Abwärme von Kernkraftwerken vorzüglich Wasser entsalzen.

    Das die Wüstenstaaten schlechthin auf Kernenergie setzen ist schon bezeichnend. Nur die Kernenergie kann 24h CO2-armen Strom produzieren. Die Klimaanlagen laufen dort auch nachts.

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    was die Sheik's mit dem radioaktiven Abfall machen?

  3. was die Sheik's mit dem radioaktiven Abfall machen?

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    • Guido3
    • 04. Dezember 2012 11:07 Uhr

    Das man man sich zukünftig selbst mit Lebensmittelns versorgen kann, in dem man mit durch Entsalzungsanlagen gewonnenen Ackerbau betreibt, ist eher unwahrscheinlich.

    Bei der Entsalzung wird die abgeschiedene Salzlauge bisher zurück ins Meer geleitet. Schon heute wird am persischen Golf in unvorstellbarem Ausmaß Trinkwasser durch Entsalzung aus dem Persischen Golf gewonnen.
    Dieser wird nur durch die schmale Straße von Hormuz nur mit wenig "Frischwasser" aus dem Arabischen Meer versorgt. In naher Zukunft wird der Salzgehalt des Wassers dramatisch steigen. Das erschwert zum einen massiv die Entsalzung und zum anderen wird es die Biologie des persischen Golfes stark verändern.

    Vielleicht können wir in Zukunft tauschen: Für einen Tanker voll Flüssiggas bekommen die Katarer dann einen Tank voll mit bestem deutschem Trinkwasser. Oder man baut gigantische Entsalzungsanlagen im Oman (liegt am arabischen Meer/Indischen Ozean) und dann eine 1000km lange Wasserpipeline nach Katar und Saudi-Arabien.

    @road90: Es ist nicht ganz so trivial. Die klimatischen Bedingungen sind da sehr speziell. 100% Solarenergie ist vorerst auch deshalb noch problematisch, weil das Speicherproblem noch nicht gelöst ist. Am besten sieh es da noch bei der solarthermischen Verstromung aus.

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  4. .
    "... Signal sein für eine Konferenz, die in den ersten acht Verhandlungstagen bislang in keinem Punkt irgendwelche Fortschritte erreicht hat ..."

    Reistes Greenwashing, Feigenblatt aus der Portokasse:

    "... 20 Millionen US-Dollar nimmt Katar in die Hand, um sein Solar-Testfeld aufzubauen. ..."

    Vgl.: http://www.ipicture.de/da...

    und http://de.wikipedia.org/w...

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    • vonDü
    • 04. Dezember 2012 8:48 Uhr

    so wie alle.

    Bei der Empörung über andere, vergessen wir zu häufig, dass wir auch nicht diejenigen sind, die alles Vernünftige ohne Zeitverzögerung angehen und umsetzen.

    Beklagen wir uns heute über die fehlende Demokratie in einer Region, wird am nächsten Tag beklagt, dass ein Regime nicht einfach ganz undemokratisch anordnet, was vernünftig wäre.

    Aus deutscher Perspektive sind die anderen bei der Rettung der Welt immer zu langsam und nicht weit genug. Bei ihren Nachbarn und fast überall auf der Welt, gelten Staaten wie Katar und andere, als progressive Avantgarde in Sachen Umweltschutz.

    Wenn es so dringend ist, wie man in Deutschland glaubt, sollte man sich über jeden freuen, der etwas tut, anstatt immer nur den Blick auf das zu richten, was noch nicht getan ist.

    Klimaangst, Dosenpfand, Mülltrennung und Atomausstieg, haben uns nicht so sehr "erhöht", dass wir beim Suchen der "Splitter" bei anderen, unsere eigenen "Balken" im Blickfeld außer acht lassen könnten.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Gas | Katar | Energie | Energieeffizienz | Lebensstil | Nordafrika
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