UN-KlimakonferenzDas Kyoto-Protokoll wird bis 2020 verlängert

Es ist ein Mini-Kompromiss: Die Staaten haben auf der Klimakonferenz in Doha das Kyoto-Protokoll verlängert. Längst machen aber nicht alle mit. von afp, dpa und reuters

Das Kyoto-Protokoll wird bis Ende 2020 verlängert. Das beschlossen die fast 200 Teilnehmerstaaten auf dem UN-Klimagipfel in Doha . Nach langen Verhandlungen setzte sich der Präsident der Konferenz, Abdullah bin Hamad Al-Attiyah, quasi im Alleingang durch. Sein Kompromiss, dass das Kyoto-Protokoll ohne schärfere Verpflichtungen ab 2013 gelten soll, wurde angenommen.

Neben den 27 EU-Staaten machen etwa zehn weitere Länder bei dem neuen Abkommen Kyoto II mit. Ein Weltklimavertrag, bei dem sich alle Länder verpflichten sollen, ist erst ab 2020 geplant. Zwar beteiligen sich an Kyoto II nur noch Länder, die gerade mal 15 Prozent der Emissionen weltweit ausmachen. Dennoch gilt die Fortsetzung des Klimaschutzabkommens als wichtiges Symbol, damit andere Länder sich tatsächlich in einen Weltklimavertrag einbinden lassen. Das Kyoto-Protokoll läuft Ende des Jahre aus und ist das bisher einzige internationale Abkommen, das die Unterzeichner zur Verringerung klimaschädlicher CO2-Emissionen verpflichtet.

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In Doha wurde auch ein grober Fahrplan für das weitere Vorgehen festgelegt: 2014 soll es eine Überprüfung der zugesagten Ziele für die Minderung des CO2-Ausstoßes geben. Dann könnte auch die EU ihr bisheriges Emissionsziel auf minus 30 Prozent bis 2020 verschärfen – was in Doha am Widerstand Polens scheiterte.

Um auch die großen CO2-Emittenten USA und China sowie langfristig alle Staaten in eine Klimaschutzvereinbarung einzubeziehen, soll bis 2015 ein neues Abkommen ausgehandelt werden und dann 2020 in Kraft treten. Begrüßt wird der Vorschlag von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon für einen Weltgipfel für Klimaschutz 2014.

Klimaabkommen

Die Weltgemeinschaft verhandelt auf dem Klimagipfel in Doha fünf Punkte. Erstens haben die Verhandlungsparteien sich in Durban verpflichtet, endlich ein umfassendes, international gültiges Klima-Abkommen zu entwerfen, das 2015 verabschiedet werden soll und 2020 in Kraft tritt. In Doha will man ein Arbeitsprogramm formulieren, das möglichst konkrete Schritte festlegt, um das Ziel zu erreichen.

Kyoto-Protokoll Plus

Zweitens soll das Kyoto-Abkommen, das Ende des Jahres ausläuft, verlängert werden. An einer zweiten Phase werden sich aber nur noch wenige Staaten beteiligen. Gemeinsam verursachen sie nur rund 15 Prozent der globalen Emissionen. In Doha wird darüber verhandelt, wie hoch ihre Verpflichtungen sein werden, wie lange die zweite Kyoto-Phase dauern soll und ob die teilnehmenden Staaten nicht genutzte Emissionsrechte aus der ersten Phase in die zweite übertragen dürfen.

Weil die bisherigen Versprechen nicht ausreichen, will Deutschland mit der EU außerdem möglichst viele Staaten zu weiteren Zusagen bewegen. Die deutsche Regierung hofft auf eine Allianz der "Vorreiterstaaten".

Entwicklungsländer

Viertens geht es um die Frage, wie die Entwicklungsländer ihre Anpassung an den Klimawandel finanzieren können. Die Industriestaaten haben zugesagt, von 2010 bis 2012 eine Anschubfinanzierung in Höhe von 30 Milliarden Dollar zu leisten. Bis 2020 sollen 100 Milliarden Dollar jährlich fließen. Was in den Jahren dazwischen passieren soll, ist offen. Hilfs- und Umweltorganisationen fordern, künftig die Emissionen aus dem internationalen Schiffs- und Flugverkehr, die bisher nicht in den Zertifikatehandel einbezogen werden, finanziell zu belasten. Das würde Geld bringen und zugleich den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren.

Fünftens sollen unterschiedliche Verhandlungsstränge, die auf verschiedenen früheren Klimakonferenzen begonnen wurden, in Doha formal beendet und in eine einzige Verhandlungsplattform überführt werden. So will man die künftigen Klimagespräche erleichtern.

Bei den Verhandlungen hatten erst Polen und dann Russland und die Ukraine die Verlängerung des Protokolls blockiert. Sie wollten keine zu strengen Auflagen für den Handel mit überschüssigen CO2-Verschmutzungsrechten. Teilweise entwertet wird die neue Vereinbarung daher auch durch eine Regelung, wonach vor allem in Osteuropa reichlich vorhandene überschüssige Emissionsrechte aus der ersten Periode, sogenannte "Hot Air", weiter genutzt werden kann. Mit bestimmten Einschränkungen dürfen diese Staaten die Zertifikate auch verkaufen, sogar noch über 2020 hinaus.

In dem Beschluss von Doha wird "tiefe Besorgnis" darüber ausgedrückt, dass die bisherigen Anstrengungen zur Emissionsminderung nicht ausreichen, um die Erderwärmung auf 1,5 bis zwei Grad zu begrenzen. Bislang ist bis zum Jahr 2100 laut wissenschaftlichen Prognosen eher eine Erwärmung um vier Grad oder mehr zu erwarten.

Entwicklungsländer scheitern mit ihren Forderungen

Die Entwicklungsländer hatten finanzielle Hilfen für den Klimaschutz und die Bewältigung der Klimafolgen gefordert. Dazu gibt es nur vage Versprechen in dem Beschluss. Dort heißt es zwar, dass ab 2020 mindestens hundert Milliarden Dollar pro Jahr "aus öffentlichen, privaten und sonstigen Mitteln" fließen sollen. Eine Vereinbarung, woher das Geld kommen soll oder wie viele Mittel in den Jahren bis 2020 zur Verfügung gestellt werden, wurde aber nicht erreicht. Darum soll es in einem Jahr auf der Klimakonferenz in Warschau gehen.

Bislang gibt es nur freiwillige Zusagen einiger europäischer Staaten für Zahlungen im kommenden Jahr oder in der Zeit bis 2015. Sie belaufen sich für 2013 auf knapp sieben Milliarden Euro, davon 1,8 Milliarden Euro aus Deutschland.

Die Entwicklungsländer erreichten auch nicht ihr Ziel, einen Entschädigungsanspruch für "Loss and Damage" festzulegen. Dabei handelt es sich um nicht mehr vermeidbare Schäden durch den Klimawandel, etwa wenn Flächen vom Meer überflutet werden und Bewohner umgesiedelt werden müssen.

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Leserkommentare
  1. Was soll das? Zeigt das nicht wieder, dass es mit Europa in wichtigen Fragen, des "Sichbewegen" hapert, man aber im Nehmen selbstverständlich zulangt. Aber schon Karol Woytila, dieser polnische Papa, wusste: Nehmen ist seliger, denn geben.

    • Halapp
    • 08. Dezember 2012 20:03 Uhr

    Der Schwanz will jetzt mit dem Hund wedeln. Nur noch
    15% der CO2 Erzeugergemeinschaft wollen beim CO2 vermeiden
    weitermachen. Aber für die nächsten Jahre wurden viele
    Termine gemacht für das Ehemaligentreffen der Klimaretter.

    Rahmstorf, Schellenhuber und Latif die sebst keine
    statistischen Erhebungen machen mit ihrem Institut
    verlegen sich jetzt auf Extremwetterlagen und die
    Häufigkeit ihres Auftretens. Da da die Datenlage noch
    unsicherer ist in der Vergangeheit, kann für die
    Zukunft munter spindisiert werden.
    Der Alarmismus geht weiter, muß wohl sonst verlieren
    Greenpeace ihre Spender.

  2. Die USA hat jetzt genug Erdöl. Thema ist erledigt, es sei denn, man erklärt den USA, AKW wären besser. China wird mit externer Unterstützung gebremste Klimakiller bauen und viele AKW. Windenergie, da sind die Chinesen führend. Also was solls? Wenn in Deutschland mal die Lichter ausgehen, lacht die ganze Welt über diese Öko-Esoteriker. Und wenn der Euro an die Wand fährt und die große Pleitewelle kommt, dann ist das hier sowieso alles Schnee von gestern! Der nächste Flieger nach Neuseeland geht wann?

    • Janspin
    • 08. Dezember 2012 20:20 Uhr

    In bin bin voll ihrer Meinung.

  3. Ich bin nicht mehr so häufig in den Foren unterwegs,
    aber, lieber Kein Einstein, grämen Sie sich nicht, auch ich empfinde, bei Ihrem hervorragenden Einsatz für eine wärmere Welt, für Sie ein gewisses Mitgefühl.
    Irgendwie will diese Welt und die Mehrzahl ihrer Staaten, sich nicht auf Ihre Thesen einlassen.

    Nehmen Sie es demokratisch, nehmen Sie es einfach hin.

    [...]
    Besonders herzlichst
    -Magic-

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au

  4. In dem von Ihnen verlinkten Artikel mit dem Titel "Die Klimakrieger" dürfen Sie gerne meine Kommentare Nr. 537 und 539 nachlesen.

    Falls es Ihnen entgangen sein sollte, dieser Artikel bringt kein einziges ernst zu nehmendes wissenschaftliches Argument hervor, verleumdet in inquisitorischer Manier seriöse Wissenschaftler und bemitleidet solche, die sich ganz klar der Manipulation von Daten schuldig gemacht haben, als Mobbingopfer. Dieses Niveau ist des Akademikerblatts Die Zeit wirklich nicht würdig!

  5. Nach 6 Jahren intensiven, ergebnisoffenen Einarbeitens in die Erderwärmungs- und später Klimawandelstory bin ich kein Fachfremder mehr (auch deshalb, weil ich einen soliden naturwissenschaftlichen Hintergrund mitbringe). Jedes einzelne meiner Argumente (auch wenn sie Sie langweilen sollten) reicht aus, das ganze Lügengebäude des Klimaalarmismus in allergrößte Bedrängnis zu bringen. Dass es nicht schon lange, wie ein Kartenhaus zusammengeklappt ist, liegt an den Milliardensummen (Stichwort ökoindustrieller Komplex etc.), die hier im Spiel sind und die tausende von gut situierten Profiteuren hervorgebracht haben. Dazu gehört ja auch der jährliche Klimatourismus zu den touristisch attraktivsten Standorten dieser Erde. Ganze Institutionen (IPCC, PIK etc. etc.) haben als einzige Existenzberechtigung den anthropogenen Klimawandel. Die werden doch diesen Trumpf nicht kampflos aufgeben!
    Vor diesem Hintergrund versteht sich der "wissenschaftliche Konsens" in dieser Sache. Wissenschaft war aber noch nie eine Frage demokratischer Mehrheiten!
    Im Übrigen habe ich bisher an den Tankstellen immer nur Geld liegen gelassen. Von der bösen Erdölindustrie habe ich (leider) noch nie einen Pfennig erhalten (abgesehen von dem generellen Wohlstand, den Sie und ich zu einem großen Teil der Erdölindustrie verdanken.)

    Antwort auf "Das übliche"
  6. leider sind offenbar Sie Opfer von Desinformation geworden (und das verständlicherweise bei all der Klimapropaganda an allen Ecken), sonst wären nicht so viele Fehleinschätzungen in Ihrem Kommentar: Ob Sie's glauben oder nicht, ich war knapp 30 Jahre in diversen Projekten in Entwicklungsländern tätig (ganz sicher zum Nutzen derselben!), und habe mich schließlich in einem solchen niedergelassen, wo ich meinen eigenen Lebensunterhalt erwirtschafte und nebenbei noch einer ganzen Reihe von Familien ein gutes Auskommen ermögliche. Auch für künftige Generationen habe ich vorgesorgt: Meine Frau und ich haben 5 Kinder großgezogen, die inzwischen, soweit sie in D. sind, vielleicht auch Ihre Rente erwirtschaften.
    Von der bösen Erdölindustrie habe ich (leider) bisher noch nie einen Pfennig erhalten (abgesehen von dem generellen Wohlstand, den Sie und ich zu einem großen Teil der Erdölförderung verdanken.)

    Wenn ich von "wir" rede, dann freue ich mich zusammen mit den Entwicklungsländern, dass in Doha kein Abkommen zustande kam, weil die versprochenen Milliarden ja nur zur Erhaltung der Unterentwicklung und der Subsistenzwirtschaft investiert werden. Nichts Anderes bedeutet green economy ( = Decarbonisierung = Desindustrialisierung = Armutsförderung).

    Meine besten Grüße AGlatzle

    Antwort auf "Fehlinformationen"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist am weitesten in Deutschland und Dänemark fortgeschritten, Ländern mit dem höchsten Lebensstandard weltweit.

    Lügenpropaganda bleibt Lügenpropaganda, auch wenn sie von unbezahlten Fußtruppen verbreitet wird.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP, nf
  • Schlagworte Europäische Union | Kyoto-Protokoll | Doha | Entwicklungsland | Klimakonferenz | Klimawandel
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