Mit einer eindringlichen Rede hat der katarische Präsident des Klimagipfels in Doha die Verhandler zu einer raschen Einigung aufgerufen. "Die Zeit für den letzten Kraftakt ist gekommen", sagte Abdullah bin Hamad Al-Attiyah bei der Eröffnung des Plenums am Samstagmorgen. Er legte den Teilnehmern neue Kompromissvorschläge vor, über die nun weiter verhandelt werden muss.

Die Vorschläge beinhalten unter anderem eine Vereinbarung, das Ende des Jahres auslaufende Kyoto-Protokoll zum Kampf gegen die Erderwärmung bis 2020 zu verlängern. Zudem solle eine Entscheidung über eine größere finanzielle Hilfe für Entwicklungs- und Schwellenländer bei der Anpassung an die Klimaschutzziele auf nächstes Jahr verschoben werden. "Ich denke, das ist ein Paket, mit dem wir alle leben können", sagte Al-Attiyah. Er gestand ein, dass die neuen Vorschläge nicht alle Konfliktpunkte lösten. Aber man könne nicht ewig verhandeln: "Wir müssen die Konferenz in den nächsten Stunden beenden." Eigentlich hätte die Konferenz schon am Freitag zu Ende gehen sollen.

In einer Nachtsitzung hatten Minister und Unterhändler zuvor um Kompromisse in zentralen Punkten gerungen. Auch für Bundesumweltminister Peter Altmaier , der maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt war, war es eine kurze Nacht. Im "Beichtstuhlverfahren" seien ihm Änderungswünsche von den Ländern vorgetragen worden. "Seit gestern Abend Reihe von Verbesserungen, keine Verschlechterungen, aber noch ist nichts entschieden", twitterte er am Samstagmorgen .

Streitpunkt Finanzen

"Die große Enttäuschung" nannte hingegen Martin Kaiser von Greenpeace den Kompromissvorschlag zu den Finanzen. In dem Papier gebe es für die kommenden drei Jahre keine konkreten Zusagen der Industriestaaten für die vom Klimawandel am stärksten betroffenen Länder. Entscheidungen würden auf das nächste Jahr vertagt, sagte er. Die Entwicklungsländer würden mit ihren Kosten für die Folgen des Klimawandels allein gelassen, kritisierte Ann Kathrin Schneider vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland .

"Der Doha-Gipfel geht besser ohne Einigung zu Ende als mit der Verabschiedung der vorliegenden Dokumente", sagte Schneider. Die Vorschläge seien so schwach, dass dem Klimaschutz ein Bärendienst erwiesen würde, würden sie tatsächlich so beschlossen. Die Verhandler müssten jetzt nachlegen. "Es muss mehr Geld bereitgestellt und die Klimaschutzziele müssen erhöht werden", forderte sie.

Besonders die USA wollen bisher keine Aussage über die künftige Finanzierung machen. Die EU hatte als Union zwar keine Zahlen vorgelegt, die großen Geldgeber in Europa , darunter Deutschland, hatten aber für das kommende Jahr Zusagen gemacht. Den Entwicklungsländern reicht das nicht. Sie fordern auch einen klaren Plan, wie bis 2020 die bereits beschlossene Summe von 100 Milliarden Dollar jährlich für Klimahilfen zustande kommen soll. Sie fürchten, mit Klimaschäden und Nahrungskrisen alleine gelassen zu werden.

Streitpunkte CO2-Emissionen und "Hot Air"

Beim Kyoto-Protokoll sieht das neue Kompromisspapier eine Verlängerung um acht Jahre bis Ende 2020 vor. So hatte es die EU gefordert. Entwicklungsländer hatten auf eine kürzere Laufzeit gesetzt, weil die Bereitschaft zu ehrgeizigeren CO2-Minderungszielen bisher nicht gegeben ist und sie keine schwachen Ziele festschreiben wollen. Nun könnte es 2014 eine Überprüfung geben, bei der Kyoto-II-Länder ihre Vorgaben bei der Minderung klimaschädlicher CO2-Emissionen erhöhen können.

Für die EU wäre das der Moment, sich zu einem Minus von 30 Prozent zu verpflichten. Bisher will die EU ihren CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 1990 senken. Besonders Polen sperrt sich dagegen . Auch die Bundesregierung ist hier uneins. Altmaier fordert eine Minderung um 30 Prozent, die FDP stemmt sich dagegen.

Auch strittig ist weiter die Frage der heißen Luft. Der bisherige Vorschlag würde Polen erlauben, einst zugebilligte überschüssige Verschmutzungsrechte aus der ersten Periode des Kyoto-Protokolls mit in künftige Abkommen zu nehmen. Greenpeace befürchtet, dass gerade nach 2020, wenn es einen neuen globalen Klimavertrag geben soll, diese Gutschriften an Länder wie die USA und China verkauft werden könnten und diese dann zu Hause weniger Klimaschutz leisten müssen.