DohaKlimagipfel hofft auf den letzten Kraftakt

Noch immer herrscht Uneinigkeit auf dem Gipfel in Doha. Nun macht Präsident Al-Attiyah Druck und ruft zu einem Minimalkonsens auf. Er hofft auf zwei wichtige Kompromisse. von afp, dpa und reuters

Der katarische Präsident Hamad Al-Attiyah

Der katarische Scheich Hamad Al-Attiyah  |  © Mohamad Dabbouss/Reuters

Mit einer eindringlichen Rede hat der katarische Präsident des Klimagipfels in Doha die Verhandler zu einer raschen Einigung aufgerufen. "Die Zeit für den letzten Kraftakt ist gekommen", sagte Abdullah bin Hamad Al-Attiyah bei der Eröffnung des Plenums am Samstagmorgen. Er legte den Teilnehmern neue Kompromissvorschläge vor, über die nun weiter verhandelt werden muss.

Die Vorschläge beinhalten unter anderem eine Vereinbarung, das Ende des Jahres auslaufende Kyoto-Protokoll zum Kampf gegen die Erderwärmung bis 2020 zu verlängern. Zudem solle eine Entscheidung über eine größere finanzielle Hilfe für Entwicklungs- und Schwellenländer bei der Anpassung an die Klimaschutzziele auf nächstes Jahr verschoben werden. "Ich denke, das ist ein Paket, mit dem wir alle leben können", sagte Al-Attiyah. Er gestand ein, dass die neuen Vorschläge nicht alle Konfliktpunkte lösten. Aber man könne nicht ewig verhandeln: "Wir müssen die Konferenz in den nächsten Stunden beenden." Eigentlich hätte die Konferenz schon am Freitag zu Ende gehen sollen.

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In einer Nachtsitzung hatten Minister und Unterhändler zuvor um Kompromisse in zentralen Punkten gerungen. Auch für Bundesumweltminister Peter Altmaier , der maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt war, war es eine kurze Nacht. Im "Beichtstuhlverfahren" seien ihm Änderungswünsche von den Ländern vorgetragen worden. "Seit gestern Abend Reihe von Verbesserungen, keine Verschlechterungen, aber noch ist nichts entschieden", twitterte er am Samstagmorgen .

Streitpunkt Finanzen

"Die große Enttäuschung" nannte hingegen Martin Kaiser von Greenpeace den Kompromissvorschlag zu den Finanzen. In dem Papier gebe es für die kommenden drei Jahre keine konkreten Zusagen der Industriestaaten für die vom Klimawandel am stärksten betroffenen Länder. Entscheidungen würden auf das nächste Jahr vertagt, sagte er. Die Entwicklungsländer würden mit ihren Kosten für die Folgen des Klimawandels allein gelassen, kritisierte Ann Kathrin Schneider vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland .

"Der Doha-Gipfel geht besser ohne Einigung zu Ende als mit der Verabschiedung der vorliegenden Dokumente", sagte Schneider. Die Vorschläge seien so schwach, dass dem Klimaschutz ein Bärendienst erwiesen würde, würden sie tatsächlich so beschlossen. Die Verhandler müssten jetzt nachlegen. "Es muss mehr Geld bereitgestellt und die Klimaschutzziele müssen erhöht werden", forderte sie.

Besonders die USA wollen bisher keine Aussage über die künftige Finanzierung machen. Die EU hatte als Union zwar keine Zahlen vorgelegt, die großen Geldgeber in Europa , darunter Deutschland, hatten aber für das kommende Jahr Zusagen gemacht. Den Entwicklungsländern reicht das nicht. Sie fordern auch einen klaren Plan, wie bis 2020 die bereits beschlossene Summe von 100 Milliarden Dollar jährlich für Klimahilfen zustande kommen soll. Sie fürchten, mit Klimaschäden und Nahrungskrisen alleine gelassen zu werden.

Klimaabkommen

Die Weltgemeinschaft verhandelt auf dem Klimagipfel in Doha fünf Punkte. Erstens haben die Verhandlungsparteien sich in Durban verpflichtet, endlich ein umfassendes, international gültiges Klima-Abkommen zu entwerfen, das 2015 verabschiedet werden soll und 2020 in Kraft tritt. In Doha will man ein Arbeitsprogramm formulieren, das möglichst konkrete Schritte festlegt, um das Ziel zu erreichen.

Kyoto-Protokoll Plus

Zweitens soll das Kyoto-Abkommen, das Ende des Jahres ausläuft, verlängert werden. An einer zweiten Phase werden sich aber nur noch wenige Staaten beteiligen. Gemeinsam verursachen sie nur rund 15 Prozent der globalen Emissionen. In Doha wird darüber verhandelt, wie hoch ihre Verpflichtungen sein werden, wie lange die zweite Kyoto-Phase dauern soll und ob die teilnehmenden Staaten nicht genutzte Emissionsrechte aus der ersten Phase in die zweite übertragen dürfen.

Weil die bisherigen Versprechen nicht ausreichen, will Deutschland mit der EU außerdem möglichst viele Staaten zu weiteren Zusagen bewegen. Die deutsche Regierung hofft auf eine Allianz der "Vorreiterstaaten".

Entwicklungsländer

Viertens geht es um die Frage, wie die Entwicklungsländer ihre Anpassung an den Klimawandel finanzieren können. Die Industriestaaten haben zugesagt, von 2010 bis 2012 eine Anschubfinanzierung in Höhe von 30 Milliarden Dollar zu leisten. Bis 2020 sollen 100 Milliarden Dollar jährlich fließen. Was in den Jahren dazwischen passieren soll, ist offen. Hilfs- und Umweltorganisationen fordern, künftig die Emissionen aus dem internationalen Schiffs- und Flugverkehr, die bisher nicht in den Zertifikatehandel einbezogen werden, finanziell zu belasten. Das würde Geld bringen und zugleich den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren.

Fünftens sollen unterschiedliche Verhandlungsstränge, die auf verschiedenen früheren Klimakonferenzen begonnen wurden, in Doha formal beendet und in eine einzige Verhandlungsplattform überführt werden. So will man die künftigen Klimagespräche erleichtern.

Streitpunkte CO2-Emissionen und "Hot Air"

Beim Kyoto-Protokoll sieht das neue Kompromisspapier eine Verlängerung um acht Jahre bis Ende 2020 vor. So hatte es die EU gefordert. Entwicklungsländer hatten auf eine kürzere Laufzeit gesetzt, weil die Bereitschaft zu ehrgeizigeren CO2-Minderungszielen bisher nicht gegeben ist und sie keine schwachen Ziele festschreiben wollen. Nun könnte es 2014 eine Überprüfung geben, bei der Kyoto-II-Länder ihre Vorgaben bei der Minderung klimaschädlicher CO2-Emissionen erhöhen können.

Für die EU wäre das der Moment, sich zu einem Minus von 30 Prozent zu verpflichten. Bisher will die EU ihren CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 1990 senken. Besonders Polen sperrt sich dagegen . Auch die Bundesregierung ist hier uneins. Altmaier fordert eine Minderung um 30 Prozent, die FDP stemmt sich dagegen.

Auch strittig ist weiter die Frage der heißen Luft. Der bisherige Vorschlag würde Polen erlauben, einst zugebilligte überschüssige Verschmutzungsrechte aus der ersten Periode des Kyoto-Protokolls mit in künftige Abkommen zu nehmen. Greenpeace befürchtet, dass gerade nach 2020, wenn es einen neuen globalen Klimavertrag geben soll, diese Gutschriften an Länder wie die USA und China verkauft werden könnten und diese dann zu Hause weniger Klimaschutz leisten müssen.


 

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Leserkommentare
    • Halapp
    • 08. Dezember 2012 11:03 Uhr

    Damit ein jährliches Reiseziel erhalten bleibt. Egal was
    dabei herauskommt.
    Es reicht doch, wenn die Vorstände der NGOs dahinreisen, es
    muß doch nicht der ganze Anhang mit ins Hotel.
    CO2 ist von den armen Ländern mit Hilfe der Klimawissen-
    schaftler zur Anspruchsgrundlage für Fördermittel hoch-
    stilisiert worden. Greenpeace hat in eigener Machtvollkommenheit gleich einmal 100Mrd Dollar als Mindest-
    Größe vorgegeben, die die Industrieländer bezahlen sollen.
    Klar, daß diese Länder alle CO2 Anhäner sind.
    Die weltweiten Vorteile der Klimaerwärmung müssen dringen von den Klimafolgeabschätzern wissenschafatlich erarbeitet werden.
    Bisher sind das alles nur vage Annahmen, die sich auf die
    Nachteile konzentrieren.

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    längst bekannt und werden von niemandem verschwiegen. Sie werden nur von den Nachteilen weit aufgewogen - und das sollten Sie nicht länger verschweigen.

    Wenn Sie allerdings neue, bisher unbekannte Fakten kennen sollten Sie diese nicht mehr wie bisher in diesem Forum veröffentlichen, sondern sich z.B. direkt an eine Stelle wenden, die Ihnen (und der Welt) weiterhilft. BMU, IPCC, die UNO - suchen Sie sich's aus.

    Nur: neu sollten Ihre Ideen schon sein (und das glauben Sie eben selbst nicht, oder?)

  1. längst bekannt und werden von niemandem verschwiegen. Sie werden nur von den Nachteilen weit aufgewogen - und das sollten Sie nicht länger verschweigen.

    Wenn Sie allerdings neue, bisher unbekannte Fakten kennen sollten Sie diese nicht mehr wie bisher in diesem Forum veröffentlichen, sondern sich z.B. direkt an eine Stelle wenden, die Ihnen (und der Welt) weiterhilft. BMU, IPCC, die UNO - suchen Sie sich's aus.

    Nur: neu sollten Ihre Ideen schon sein (und das glauben Sie eben selbst nicht, oder?)

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    • Halapp
    • 08. Dezember 2012 11:34 Uhr

    einer Klimaerwärmung in Deutschland wie in vielen nördlichen
    Länder größer sind als die Nachteil?
    Mit wärmeren Wintern könnten wir in Deutschland das Heizgas
    einsparen, daß wir im sonnenarmen Winter dringend zur
    Stromerzeugung benötigen.
    Leider sind die letzten 16 Jahre die Winter im Durchschitt
    nicht mehr wärmer geworden, trotz kräftiger Erhöhung des
    CO2-Ausstoßes. Warum ist eigentlich die Korrelation CO2 -
    Klimaerwärmung seit 16 Jahren im Eimer.

    Herr Nehls,
    Erst vor 1 oder 2 Wochen kam der Bericht von SFMeteo für das Jahr 2011.
    Es war
    - noch nie so warm.
    - Noch nie so Trocken.
    - Noch nie so sonnig.
    Jede Aussage implementierend das Wetter war noch nie so schlimm wie 2011.

    http://www.tagesschau.sf....

    Was man dabei offensichtlich verschwiegen hat war:

    - Bei den Ernten wurden ebenfalls sämtliche Rekorde gebrochen, mit wenigen ausnahmen den 2011 gab es in gewissen Regionen auch heftigen Hagelschlag.

    Das Wetter war 2011 in der Schweiz noch nie so optimal wie in diesem Jahr. Aber das hört man gar nicht gerne.

    Man hat lieber Berichte von;
    Überschwemmungen, Hagelschlag, Unwetter, Sturm, extreme Trockenheit, am liebsten hätte man es wohl wenn das Wasser rationiert werden müsste, oder weite Landstriche komplett ausgedorrt.

    Wissen Sie was komisch ist?
    Wenn beide Pole komplett abgeschmolzen wären und die Temperaturen komplett ausgeglichen sein würden, gäbe es kein Wetter mehr. So gesehen haben wir Glück das alleine die Position der Sonne dafür sorgt, dass immer Temperaturunterschiede zwischen den einzelnen Luftschichten existieren werden.

    Wäre das Eis komplett weg, dann wäre die Wahrscheinlichkeit eher ausgeglicheneres Wetter zu erhalten höher, als umgekehrt.

  2. Ach wie einfach war das früher!
    Da gab es mit George W. Bush einen Schurken, dem man alles Böse auf der Welt in die Schuhe schieben konnte. Aber nun, wer ist jetzt der böse Fiesling, der die Welt in den Abgrund stoßen will!

  3. Es kann keine Lösung geben.
    Treibstoff Steuer werden gebraucht.
    Also darf es auch keine technische Lösung geben um CO² zu reduzieren.

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    Besonders die Wirkung des Quadrat-Sauerstoffs wird ja völlig unterschätzt.

    • Halapp
    • 08. Dezember 2012 11:34 Uhr

    einer Klimaerwärmung in Deutschland wie in vielen nördlichen
    Länder größer sind als die Nachteil?
    Mit wärmeren Wintern könnten wir in Deutschland das Heizgas
    einsparen, daß wir im sonnenarmen Winter dringend zur
    Stromerzeugung benötigen.
    Leider sind die letzten 16 Jahre die Winter im Durchschitt
    nicht mehr wärmer geworden, trotz kräftiger Erhöhung des
    CO2-Ausstoßes. Warum ist eigentlich die Korrelation CO2 -
    Klimaerwärmung seit 16 Jahren im Eimer.

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    • hairy
    • 08. Dezember 2012 12:27 Uhr

    Allein schon die Zunahme der Wetterextreme wiegt vermutlich mögliche Vorteile wieder auf. Überschwemmungen wie Trockenheiten bei uns werden die Landwirtschaft schwer treffen, geschweige Landwirtschaften weiter südlich. Anstieg des Meeresspiegels führt zu massiven Überschwemmungen an Küsten. Stürme von größerer Kraft erzeugen größere Schäden. Usw. usf.

    Unsere gesamte Weltwirtschaft und -kultur hat sich über Jahrtausende im Zusammenspiel mit rel. konstanten Klimaverhältnissen entwickelt. Innerhalb weniger Jahrzehnte sich umzustellen, dürfte ein extrem teurer und schmerzlicher Prozess werden. Daran kann niemandem gelegen sein. Optimismus, dass es alles nicht schlimm sei, ist hier unangebracht.

    Selbst wenn ich nicht weiß, ob die offenbare Erwärmung menschengemacht ist, würde ich immer noch fordern, dass wir was tun. Vielleicht ist es nutzlos. Aber vielleicht können wir das Schlimmste abwenden - und den Versuch ist es unbedingt wert.

  4. Besonders die Wirkung des Quadrat-Sauerstoffs wird ja völlig unterschätzt.

    • Mika B
    • 08. Dezember 2012 12:04 Uhr

    und dieser Handel mit Verschmutzungsrechten oder Klimahilfen ist nur ein riesen Geschäft für die Spekulanten.
    Wir sehen gerade beim Strompreis, wer am Schluss die Zeche zahlen muss, nicht der Verursacher sondern der Verbraucher oder Steuerzahler, egal ob er sich Umweltgerecht Verhält oder nicht.
    So langsam glaube ich das die USA Recht haben bei diesen Zirkus und Geschachere nicht mehr Mitzuspielen.
    Die Erderwärmung kommt so oder so ob mit dem Handel um Verschmutzungsrechte oder ohne, dies ist lediglich ein Mittel den Verbraucher vorher noch kräftig in die Tasche zu Greifen.
    Also entweder ihr belangt die Verursacher auch auf eventuellen zeitweisen Abwandern einiger Arbeitsplätze oder dem Schmälern von Gewinnen oder man sollte die Erwärmung kommen lassen, denn auch dies wird die Menschheit Überleben und sich Anpassen.

  5. Herr Nehls,
    Erst vor 1 oder 2 Wochen kam der Bericht von SFMeteo für das Jahr 2011.
    Es war
    - noch nie so warm.
    - Noch nie so Trocken.
    - Noch nie so sonnig.
    Jede Aussage implementierend das Wetter war noch nie so schlimm wie 2011.

    http://www.tagesschau.sf....

    Was man dabei offensichtlich verschwiegen hat war:

    - Bei den Ernten wurden ebenfalls sämtliche Rekorde gebrochen, mit wenigen ausnahmen den 2011 gab es in gewissen Regionen auch heftigen Hagelschlag.

    Das Wetter war 2011 in der Schweiz noch nie so optimal wie in diesem Jahr. Aber das hört man gar nicht gerne.

    Man hat lieber Berichte von;
    Überschwemmungen, Hagelschlag, Unwetter, Sturm, extreme Trockenheit, am liebsten hätte man es wohl wenn das Wasser rationiert werden müsste, oder weite Landstriche komplett ausgedorrt.

    Wissen Sie was komisch ist?
    Wenn beide Pole komplett abgeschmolzen wären und die Temperaturen komplett ausgeglichen sein würden, gäbe es kein Wetter mehr. So gesehen haben wir Glück das alleine die Position der Sonne dafür sorgt, dass immer Temperaturunterschiede zwischen den einzelnen Luftschichten existieren werden.

    Wäre das Eis komplett weg, dann wäre die Wahrscheinlichkeit eher ausgeglicheneres Wetter zu erhalten höher, als umgekehrt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, nf
  • Schlagworte Bundesregierung | FDP | Greenpeace | Peter Altmaier | Finanzen | Bundesumweltminister
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