KlimagipfelWarum die Deutschen in Doha ein schlechtes Bild abgeben

Minister Altmaier und Staatssekretärin Reiche erscheinen auf dem Klimagipfel konzeptlos. Hintergrund: Konflikte mit der FDP und eine ohnmächtige EU. von 

Die Veranstaltung hatte fast schon Symbolcharakter. Auf dem Klimagipfel in Doha luden die Nichtregierungsorganisation Germanwatch und Jugendliche der Klima-Initiative Youthinkgreen zur Pressekonferenz mit Peter Altmaier . Doch der Minister kam 15 Minuten zu spät. Zehn Minuten später war schon wieder alles vorbei.

Die Jugendlichen wollten Altmaier auffordern, sich in den verbleibenden Stunden in Doha für ein möglichst ambitioniertes Verhandlungsergebnis einzusetzen. Er werde ihr Anliegen in seinem Herzen tragen, erwiderte der Minister, und engagiert verhandeln. Sie wünschte, er behielte die Botschaft auch im Kopf, erwiderte daraufhin die 18-jährige Klimabotschafterin Judith Gebbe. Wenig später war Altmaier wieder verschwunden.

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Das Auftreten des Ministers irritiert in Doha viele Beobachter. Zu Hause hatte er noch öffentlichkeitswirksam verkündet, dass er sich auf dem Klimagipfel ganz besonders für ein ambitionierteres Emissionsminderungsziel der Europäer einsetzen werde – und im Interview mit dem Fernsehsender Phönix en passant die polnischen Nachbarn brüskiert, als er sagte: "Wir wären auch ohne Polen im Stande, uns als Europäer zu diesem 30-Prozent-Ziel zu bekennen. Ich plädiere sehr entschlossen dafür."

Alexandra Endres
Alexandra Endres

Alexandra Endres ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Seine parlamentarische Staatssekretärin Katherina Reiche , die ihn in Doha vertrat, düpierte derweil die Partner in der Europäische Union und ihren Chef gleich mit. Tage vor dem Gipfelende gestand Reiche schon ein, dass sich die Europäer in Doha vermutlich nicht würden auf das 30-Prozent-Ziel einigen können – und gab damit eine wichtige Karte im Verhandlungspoker aus der Hand. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard soll darüber alles andere als erfreut gewesen sein.

Womöglich wollte der Minister durch seine offenen Worte nur auf schnellere Fortschritte in der Klimapolitik drängen und seiner Sorge Ausdruck verleihen, dass es zu langsam vorangeht. Doch in der Öffentlichkeit kamen seine Statements anders an. In Doha hatten viele den Eindruck, Altmaier hänge sich zu sehr aus dem Fenster, ohne sich vorher eine passende Strategie überlegt zu haben. Der Minister scheine zu glauben, er könne "zu einer Konferenz fahren, ohne das mit den europäischen Staaten gemeinsam vorzubereiten", kritisierte beispielsweise Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser, "und ohne dass er sich hier ins Zeug legt".

Klimaabkommen

Die Weltgemeinschaft verhandelt auf dem Klimagipfel in Doha fünf Punkte. Erstens haben die Verhandlungsparteien sich in Durban verpflichtet, endlich ein umfassendes, international gültiges Klima-Abkommen zu entwerfen, das 2015 verabschiedet werden soll und 2020 in Kraft tritt. In Doha will man ein Arbeitsprogramm formulieren, das möglichst konkrete Schritte festlegt, um das Ziel zu erreichen.

Kyoto-Protokoll Plus

Zweitens soll das Kyoto-Abkommen, das Ende des Jahres ausläuft, verlängert werden. An einer zweiten Phase werden sich aber nur noch wenige Staaten beteiligen. Gemeinsam verursachen sie nur rund 15 Prozent der globalen Emissionen. In Doha wird darüber verhandelt, wie hoch ihre Verpflichtungen sein werden, wie lange die zweite Kyoto-Phase dauern soll und ob die teilnehmenden Staaten nicht genutzte Emissionsrechte aus der ersten Phase in die zweite übertragen dürfen.

Weil die bisherigen Versprechen nicht ausreichen, will Deutschland mit der EU außerdem möglichst viele Staaten zu weiteren Zusagen bewegen. Die deutsche Regierung hofft auf eine Allianz der "Vorreiterstaaten".

Entwicklungsländer

Viertens geht es um die Frage, wie die Entwicklungsländer ihre Anpassung an den Klimawandel finanzieren können. Die Industriestaaten haben zugesagt, von 2010 bis 2012 eine Anschubfinanzierung in Höhe von 30 Milliarden Dollar zu leisten. Bis 2020 sollen 100 Milliarden Dollar jährlich fließen. Was in den Jahren dazwischen passieren soll, ist offen. Hilfs- und Umweltorganisationen fordern, künftig die Emissionen aus dem internationalen Schiffs- und Flugverkehr, die bisher nicht in den Zertifikatehandel einbezogen werden, finanziell zu belasten. Das würde Geld bringen und zugleich den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren.

Fünftens sollen unterschiedliche Verhandlungsstränge, die auf verschiedenen früheren Klimakonferenzen begonnen wurden, in Doha formal beendet und in eine einzige Verhandlungsplattform überführt werden. So will man die künftigen Klimagespräche erleichtern.

In seiner Rede im Plenum am Donnerstag ließ Altmaier das heikle 30-Prozent-Thema und den Konflikt mit Polen komplett unerwähnt. Lieber verwies er auf die deutschen Verdienste um den Klimaschutz, auf die Energiewende und die Tatsache, dass Deutschland seine Mittel zur Klimafinanzierung im kommenden Jahr um rund 400 Millionen Euro erhöhen wird .

Tatsächlich wird die Finanzzusage der Deutschen in Doha allgemein als Erfolg gewertet. Positiv aufgenommen wurde auch die Nachricht von der Gründung eines katarischen Klimainstituts, an dem das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) beteiligt ist. Und die Energiewende ist sowieso im Fokus – wenn sie gelingt, kann Deutschland beispielgebend sein für viele andere Länder. Allein für den Versuch, sein Energiesystem so grundlegend umzubauen, erntet Deutschland in Doha viel Anerkennung.

Dennoch scheint es auf dem Gipfel bei den Deutschen zu haken. Altmaier wecke "Hoffnung auf eine neue Führungsrolle Europas , die dringend notwendig wäre", offenbar ohne sie einlösen zu können, sagte Greenpeace-Klimaexperte Kaiser. "Das ist entweder fahrlässig, oder es ist naiv."

Leserkommentare
  1. weil wir einen schlechten Umweltminister haben.

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    ja, er macht einfach eine schlechte Figur.

    Minister Altmaier und Staatssekretärin Reiche erscheinen auf dem Klimagipfel konzeptlos - weil sie konzeptlos SIND!

    Ausstieg aus dem Ausstieg vom Atomausstieg.

    Energiewende? - Ja, irgendwie schon, aber mit gaaaanz viel Ausnahmen für die Industrie. Besonders für die, die vile Strom braucht...

    Modernes Infrastrukturkonzept? - Fehlanzeige, dafür Gigaliner auf deutschen Straßen...

    uswuswusw...

    Jeder kann sich selbst ein Bild über seine Kompetenz zu dem vom ihm verantworteten Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit machen. Mehr dazu hier:
    http://www.bundestag.de/b...

    Für mich stellt sich die Frage: wie kann so einer Minister für dieses Amt werden?

    Wir können es ihr nicht aufzwingen. Sie wollen nicht. Also passiert es nicht.

  2. ...leider weder rational noch vorausschauend bei diesem Thema. Ich rechne nicht damit das das 2 Grad Ziel eingehalten werden kann.

    Die Skeptiker haben gewonnen. So bitter und einfach ist das Fazit.
    Das liegt weniger an Stichaltigen Argumenten, sondern an der frohen Botschaft die sie verkünden.

    "Alles ist gut so wie es ist, wir haben keinen nennenswerten Einfluß auf das Klima!"
    Das läßt sich einfach besser Verkaufen als die unangehneme Wahrheit, das unser tun auf Erden auch konseqeunzen hat.
    Die maximal Hypothese der Zweifler (CO2 hat keinen Einfluß auf das Klima) , ist auch leichter an den Mann und die Frau zu bringen als differenzierte und hochkomplexe Aussagen von Wissenschaftlern, die sich ständig erklären müssen, während RWE Manager und ähnlich "qualifizierte" und "unabhängige Zeitgenossen" einfach nur wilde Behauptungen aufstellen müssen.

    Als Feigenblatt des guten Willens schickt man dann aber trotzdem Leute wie Altmaier an die Front.
    Ohne Konzept und Substanz. So kann man dann wenigstens heute und in 50 Jahren behaupten, man habe alles versucht und die Schuld irgend wem anders in die Schuhe schieben.

    MfG

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    • xpeten
    • 07. Dezember 2012 11:34 Uhr

    leider sind die Uninformierten, die Ignoranten und diejenigen, die an der Umweltzerstörung profitieren und deswegen die Augen verschließen, nach wie vor in der Mehrheit.

    Wenn jemand etwas zu sagen hat, dann sollte er sich mit seinem Namen vorstellen. Seine Identität verbergen - das macht auch der Ku-Klux-Klan.

    Nun zur Sache. Sie - lieber @alliance1979 - bezweifeln, daß das "2-Grad-Ziel" eingehalten werden kann. Da frage ich Sie: Wessen 2-Grad-Ziel? Hat die Erde ein 2-Grad-Ziel? Die Atmosphäre? Die Sonne vielleicht? Merken Sie nicht, was für ein grotesker Unsinn darin liegt, wenn ein Politiker verkündet, jetzt würde ordentlich Geld eingesammelt, und dann würde die Temperatur der Erde gesteuert?

    Das "2-Grad-Ziel" ist lächerlich. Denn das Geschehen auf der Erde folgt einer Vielzahl natürlicher Prozesse, und nicht dem Geschwätz von Politikern oder jenen als "Klimaforschern" bezahlten Scharlatanen.

    Einige dieser Prozesse bilden gemeinsam das "Kühlsystem der Erde". Das ist für mich mittlerweise der faszinierendste Teil der Erde, denn in ihm spielt eine Komponente die Hauptrolle, von der man es zumindest als ZEIT-Konsument am wenigsten erwartet: es sind (Trommelwirbel) ... die "Treibhausgase"! Die Rolle der IR-aktiven Gase liegt nämlich darin, daß sie ständig Energie ins Weltall abstrahlen - 70 Prozent der Kühlung stammen von ihnen. Wenn sie aber kühlen, können sie nicht die Erde wärmen - die ganze grüne Theorie ist Humbug! Den Beweis liefert übrigens der Mond. Weil ihm "wärmende" Treibhausgase fehlen, müßte er kälter sein als unsere Wüsten (Bodentemperatur Sahara bis 80°C). Tatsächlich ist er heißer - bis über 130°C!

  3. 3. Das...

    ..freut mich sehr. Aber wer behauptet denn das es "gegenwärtig keine überzeugende Theorie, wie der seit Beginn der Erdgeschichte permanent vorhandene Klimawandel vonstatten geht." ?

    Sie oder Herr Schmidt? Einfach nur behauptungen aufstellen.

    Außerdem handelt es sich nicht um ein rationales oder logisches Argument. Das sich das Klima ständig gewandelt hat, wird von der Wissenschaft ja nicht verneint. Im gegenteil, sie forscht auf diesem Gebiet. Das sie persönlich überhaupt wissen wann (und das) es Warm und Eiszeiten gegeben hat, verdanken sie den selben Menschen, die heute von der Globalen Erwärmung sprechen.

    Das eine glaubt man weil es in die Argumentation paßt, das andere nicht weil man ja skeptisch ist ;).

    Hinzu kommt das "es war schon immer so", deshalb als Argument nicht funktioniert, weil es nicht wissenschaftlich ist.

    Reiche Witwe mit vielen Erben stirbt am Herzinfarkt? Kann kein Mord gewesen sein, da Menschen schon immer daran gestorben sind.

    Sie müssen den Einzelfall betrachten und Analysieren. Nicht darüber philosophieren was war und deshalb immer sein wird...

    MfG

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf
  4. ...nichts erreichen! Symtomatisch für diese Bundesregierung!

    5 Leserempfehlungen
  5. zum Thema Klimaskeptiker und erschrecken Sie! Sop werden wir hinters Licht geführt und manipuliert!

    http://www.zeit.de/2012/4...

    4 Leserempfehlungen
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    Sehr schöner Artikel!

    Es ist immer interessant was andere zu einem ganz bestimmten Artikel schreiben.

    ACHTUNG: Ich habe das Teil selbst noch nicht gelesen, aber ich fürchte mich nicht. Das mach ich sobald ich alle Kommentare auf Zeit gelesen habe.

    http://journalistenwatch....
    http://climatetruth.com/K...
    http://kaltesonne.de/?p=6816

    Normalerweise Linke ich nicht auf EIKE ausnahmsweise mache ich es aber, da sich ein offensichtlich Intervieweter selbst äussert.
    http://www.eike-klima-ene...

    Was mich wirklich Beidruck ist, dass so viele unreflektiert, den gesamten Artikel als Wahrheit akzeptieren ohne selbst den kleinsten Teil überprüfen zu können.

    http://rewig-muenchen.de/...
    http://brightsblog.wordpr...
    http://vorarlblog.at/exte...

    Es gibt hier wesentlich mehr Beiträge die das geschriebene in der ZEIT unterstützen. Entscheidend ist aber der Inhalt, und Inhaltlich gesehen reichen die wenigen Artikel, da insbesondere offensichtlich Interviewete sich persönlich äussern.

  6. 6. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

  7. ... und sie wird mit Sicherheit ein Vielfaches von dem kosten, was wir j-e-t-z-t an überlebenswichtigen Zukunftsentscheidungen vor uns her schieben! Dabei gibt es mehr als genug Möglichkeiten, in Zukunftstechnologie zu investieren, die einen entscheidenden Fortschritt in Nachhaltigkeit und Resourcenschonung einleiten könnten. Hilfe zur Selbsthilfe ist der einzig richtige Weg für die notleidenden Völker der 3. Welt. Dort vor Ort zu investieren, bringt eine echte Verbesserung für die Menschen. Die Wirklichkeit: Ausbeutung durch Niedrigstlöhne (Sklaverei, körperliche und seelische Gewalt), Ausbeutung der Rohstoffe (China). Waffenhandel: die weltweiten Umsätze und Verbreitung von Waffen steigen von Jahr zu Jahr. Die sinnlose Abholzung der Regenwälder in Indonesien und Brasilien, von skrupellosen Holzkonzernen und Palmölherstellern schonungslos und radikal durchgesetzt, vernichtet unwiederbringlich eine in Millionen Jahren gewachsene unglaublich große Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren. Wer stoppt diesen Wahnsinn?
    Die jetzt lebende Generation trägt die Verantwortung für alle zukünftigen Menschen auf dieser Welt!

    3 Leserempfehlungen
  8. seit Jahren bemühe ich mich, Literatur und Medienberichte beider Lager zu "Konsumieren" (Befürworter wie Skeptiker).
    Es ist wie mit der Religion: die einen glauben daran, die anderen nicht.
    Alle bedienen sich derselben Forschungsergebnisse und fokussieren auf das, was ihren eigenen Zielen opportun erscheint.
    Daher ist es wurscht, ob man Befürworter oder Skeptiker ist, denn es gibt kein Licht, hinter das man geführt werden könnte.
    Meine subjektive persönliche Lebenserfahrung ohne Anspruch auf wissenschaftliche Maßstäbe.

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  • Schlagworte Peter Altmaier | Europäische Union | CDU | Katherina Reiche | Doha | Phoenix
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