Die Veranstaltung hatte fast schon Symbolcharakter. Auf dem Klimagipfel in Doha luden die Nichtregierungsorganisation Germanwatch und Jugendliche der Klima-Initiative Youthinkgreen zur Pressekonferenz mit Peter Altmaier . Doch der Minister kam 15 Minuten zu spät. Zehn Minuten später war schon wieder alles vorbei.

Die Jugendlichen wollten Altmaier auffordern, sich in den verbleibenden Stunden in Doha für ein möglichst ambitioniertes Verhandlungsergebnis einzusetzen. Er werde ihr Anliegen in seinem Herzen tragen, erwiderte der Minister, und engagiert verhandeln. Sie wünschte, er behielte die Botschaft auch im Kopf, erwiderte daraufhin die 18-jährige Klimabotschafterin Judith Gebbe. Wenig später war Altmaier wieder verschwunden.

Das Auftreten des Ministers irritiert in Doha viele Beobachter. Zu Hause hatte er noch öffentlichkeitswirksam verkündet, dass er sich auf dem Klimagipfel ganz besonders für ein ambitionierteres Emissionsminderungsziel der Europäer einsetzen werde – und im Interview mit dem Fernsehsender Phönix en passant die polnischen Nachbarn brüskiert, als er sagte: "Wir wären auch ohne Polen im Stande, uns als Europäer zu diesem 30-Prozent-Ziel zu bekennen. Ich plädiere sehr entschlossen dafür."

Seine parlamentarische Staatssekretärin Katherina Reiche , die ihn in Doha vertrat, düpierte derweil die Partner in der Europäische Union und ihren Chef gleich mit. Tage vor dem Gipfelende gestand Reiche schon ein, dass sich die Europäer in Doha vermutlich nicht würden auf das 30-Prozent-Ziel einigen können – und gab damit eine wichtige Karte im Verhandlungspoker aus der Hand. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard soll darüber alles andere als erfreut gewesen sein.

Womöglich wollte der Minister durch seine offenen Worte nur auf schnellere Fortschritte in der Klimapolitik drängen und seiner Sorge Ausdruck verleihen, dass es zu langsam vorangeht. Doch in der Öffentlichkeit kamen seine Statements anders an. In Doha hatten viele den Eindruck, Altmaier hänge sich zu sehr aus dem Fenster, ohne sich vorher eine passende Strategie überlegt zu haben. Der Minister scheine zu glauben, er könne "zu einer Konferenz fahren, ohne das mit den europäischen Staaten gemeinsam vorzubereiten", kritisierte beispielsweise Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser, "und ohne dass er sich hier ins Zeug legt".

In seiner Rede im Plenum am Donnerstag ließ Altmaier das heikle 30-Prozent-Thema und den Konflikt mit Polen komplett unerwähnt. Lieber verwies er auf die deutschen Verdienste um den Klimaschutz, auf die Energiewende und die Tatsache, dass Deutschland seine Mittel zur Klimafinanzierung im kommenden Jahr um rund 400 Millionen Euro erhöhen wird .

Tatsächlich wird die Finanzzusage der Deutschen in Doha allgemein als Erfolg gewertet. Positiv aufgenommen wurde auch die Nachricht von der Gründung eines katarischen Klimainstituts, an dem das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) beteiligt ist. Und die Energiewende ist sowieso im Fokus – wenn sie gelingt, kann Deutschland beispielgebend sein für viele andere Länder. Allein für den Versuch, sein Energiesystem so grundlegend umzubauen, erntet Deutschland in Doha viel Anerkennung.

Dennoch scheint es auf dem Gipfel bei den Deutschen zu haken. Altmaier wecke "Hoffnung auf eine neue Führungsrolle Europas , die dringend notwendig wäre", offenbar ohne sie einlösen zu können, sagte Greenpeace-Klimaexperte Kaiser. "Das ist entweder fahrlässig, oder es ist naiv."