Nationale Armutskonferenz : "Armut ist politisch gewollt"

Die Aufstiegschancen für Arme sind gering, das Armutsrisiko höher, als die Regierung zugibt. So lautet die Kritik der Nationalen Armutskonferenz in ihrem Schattenbericht.

Die Armut in Deutschland pendelt sich nicht nur auf hohem Niveau ein. Sie wird auch schöngerechnet von der Regierung und ist politisch gewollt – so lautet die Kritik der Nationalen Armutskonferenz (nak) in ihrem Schattenbericht .

Der Bericht soll einen Gegenentwurf zum offiziellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung darstellen. Die nak kritisiert, dass die Armutsquote seit Jahren zwischen 14 und 16 Prozent liegt. Wer in Deutschland arm ist, bekomme laut dem Bericht immer weniger Chancen, der Armut zu entfliehen. Vizesprecherin Michaela Hofmann spricht von einem Skandal. Nach ihrer Einschätzung ist "Armut politisch gewollt".

Abzulesen sei das aus Hofmanns Sicht an den unzureichenden Hartz-IV-Sätzen und dem ausufernden Niedriglohn-Bereich. Kinder hätten auch nach der letzten Hartz-IV-Reform und dem damit verbundenen Bildungs- und Teilhabepaket "keine Chance, aus dem Armutskreislauf herauszukommen", sagte Hofmann.

Jeder Vierte arbeitet im Niedriglohnsektor

Inzwischen arbeitet laut dem Bericht jeder Vierte im Niedriglohnsektor. Etwa 7,6 Millionen Menschen – 9,3 Prozent der Bevölkerung – erhalten staatliche Leistungen zur Sicherung ihres Existenzminimums.

Die nak ist ein Zusammenschluss von Sozial- und Wohlfahrtsverbänden sowie Gewerkschaften. Sie fordert unter anderem gesetzliche Mindestlöhne, höhere Regelsätze und Förderprogramme gegen Wohnungsnot.

Wirtschaftsministerium sieht kein Problem in Altersarmut

Der Wissenschaftliche Beirat beim Wirtschaftsministerium hat sich am Dienstag zum Thema Altersarmut geäußert: Altersarmut sei derzeit kein drängendes Problem, heißt es in dem Gutachten, das dem NDR  vorliegt. Wenn es zum Problem werden sollte, sei das in erster Linie auf die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zurückzuführen. Dann könnten Geringqualifizierte und Menschen mit Migrationshintergrund betroffen sein. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen ( CDU ) hatte Altersarmut in der jüngsten Zeit häufig zum Thema gemacht. Sie schlägt zur Lösung des Problems eine Zuschussrente vor.

Verlagsangebot

DIE ZEIT wird 70 ...

... und ihre Journalisten erzählen von den Geschichten ihres Lebens. Von Geheimnissen und Irrtümern unserer Zeitung. Und von den besten Lesern der Welt. Eine Festausgabe.

Mehr erfahren

Kommentare

360 Kommentare Seite 1 von 33 Kommentieren

Nak - Argumentation

Ich habe die Publikationen gerade mal überflogen; Argumentationsgrundlage für die These von gewollter Armut sind vor allem die Förderung des Niedriglohnsektors und so genannter prekärer Beschäftigungsverhältnisse, Unterschiede in Bildungschancen und deren Aufrechterhaltung, Behinderung der Justiz in Fällen von Wirtschaftskriminalität und die simple Verteilungsstatistik, die nun wirklich an feudale Verhältnisse erinnert.

Alles in allem wirkt´s auf den ersten Blick recht solide.

Positiv denken

Ganz recht, kalle11. Dafür gibt es keinen Beleg. Es sei denn, da wäre z.B. ein veröffentlichter Briefwechsel zwischen BDI-Präsident und Kanzlerin, in dem sich beide einig zeigen über die Notwendigkeit und Mindestgröße einer Arbeitslosen- und Geringverdienerreserve, um auf die noch verbliebenen Restgewerkschaften Druck ausüben zu können. Und genau diesen oder ähnlichen veröffentlichten Briefwechsel gibt es nicht. Das in etwa meinten Sie doch, oder?

Im übrigen ehrt Sie persönlich in besonderer Weise Ihre Annahme, dass die Regierung Merkel aus Scham die Armut im Lande schönrechne. Es ist Ihnen zu wünschen, dass Sie nie gezwungen werden, sich in diesem Punkte zu korregieren.

veröffentlichter Briefwechsel der Kanzlerin mit BDI-Präsident

"ein veröffentlichter Briefwechsel zwischen BDI-Präsident und Kanzlerin, in dem sich beide einig zeigen über die Notwendigkeit und Mindestgröße einer Arbeitslosen- und Geringverdienerreserve"

Dazu gibt's sicher einen Link, oder ist das eine geheime Veröffentlichung?

Haben den Link die Bilderberger oder Illuminati gelöscht?

51-Prozent-Demokratie

In den 80ern ist aus der dem Gemeinwohl verpflichteten Demokratie die 2/3 Gesellschaft von Thatcher geworden. Jetzt sind wir auf dem Weg zur 51%-Gesellschaft. Ob in Ägypten die Islamisten oder hier die Kapitalisten.
Die Mehrheit knechtet die Minderheit gnadenlos - das wird nicht funktionieren. Eine solche reine Mehrheitsdemokratie ist weder wünschens- noch erhaltenswert.

Schämen ist etwas anderes

Na, sie machen es sich einfach in ihrer Interpretation.
Übrigens, nach ihrer Vorstellung, müsste sich die Regierung auch für die Arbeitslosigkeit, den Haushalt, die Inflationsrate, die Schulden, die Subventionen, die Energiewende etc.... schämen, denn dies alles wird "Schön gerechnet".

Aber wahrscheinlich ist das auch der Grund warum die nichts zu Stande bekommen, wenn die sich doch dauernd schämen müssen.

(@Reda, Hoffe das war jetzt nicht zu dick aufgetragen)

Gerne belege ich meine Behauptung

"2005 BERLIN (Dow Jones-VWD)--Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hat vorgeschlagen, einen Ausbau des Niedriglohnsektors in Deutschland über Freibeträge bei den Lohnnebenkosten zu finanzieren . Der Niedriglohnsektor müsse gefördert werden, sagte Clement am Montagabend bei einer Diskussionsveranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion zum Thema "Soziale Marktwirtschaft" in Berlin. Dazu solle man "Grundfreibeträge auf Lohnnebenkosten diskutieren", schlug er vor. "Ich glaube, dass wir im Niedriglohnsektor mehr Jobs in Deutschland brauchen", sagte der Wirtschaftsminister. "

Wenn das kein bekundetes Interesse daran ist, Armut zu verbreiten..... dann bin ich wohl blöde und bitte dies zu entschuldigen. Aber dies ist meine Meinung.
Es wäre nett, wenn Sie meinen kommentar wiederherstellten.

Lässt sich verifizieren

Sie schreiben: "Armut politisch gewollt geht vermutlich hier im Forum runter wie Öl, aber gibt es dafür irgendeinen Beleg? "

Dazu homepage Bundesamt für Statistik: "Im Jahr 2010 arbeiteten 20,6 % aller Beschäftigten in Betrieben mit zehn und mehr Beschäftigten für einen Niedriglohn. Im Jahr 2006 lag der Anteil der Beschäftigten mit Niedriglohn noch bei 18,7 %. „Mit dieser Steigerung setzte sich ein längerfristiger Trend fort“, sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes, heute anlässlich einer Pressekonferenz in Berlin, auf der er Ergebnisse der Erhebung der Struktur der Arbeitsverdienste 2010 vorstellte."

Die HartzVIler und Arbeitslose können Sie gerne selbst dazu ergooglen.

Das halten Sie für normal in einer der führenden Industrienationen, die sich zudem vom Sozialsstaatsprinzipt offiziell keineswegs verabschiedet hat???

@24 hokan

dann lesen sie mal "das kapital" von karl marx.

er beschreibt genau diese zustände zu beginn der industriellen revolution in england.

es war den menschen verboten das land zu verlassen. so hat man sich ein heer billiger arbeitskräfte bzw. eine reserve arbeitsloser zugelegt, die mithalf die löhne so tief wie möglich zu halten.

das ist eine generelle praxis des kapitalismus, keine erfindung der regierung. wie einige vorredner schon angesprochen bzw. angedeutet haben, es ist ein gewollter zustand, mit dem es sich gut arbeitsmarkt- und sozialpolitik heutzutage machen läst.

die ganzen träumer, die davon nichts sehen wollen / können

(@15 patrick bateman: Wem wollen Sie denn das als Realität verkaufen? Ich lebe zufällig auch in Deutschland und meine und die der anderen Menschen ist ein komplett andere oder @5 patrick bateman: Ich würde eher sagen: Unterschiede sind gewollt)

die kennen keine leute die davon betroffen sind.
macht ja nichts. die gewohnheit von gutverdienenden ist die, sich von leuten zu entfernen und wegzusehen, denen es schlecht geht. man will keine realprobleme hören, außer mal im TV, aber das ist ja weit weg und auch nicht bei mir in der straße.......

@22 seldon_x hat es auch verstanden bzw. das kapital gelesen. ich wage zu bezweifeln, das die ganzen "noch nie gesehen", "gibts bei mir nicht", usw. leute lieber wieder auf etwas lustiges und anspruchsvolles umschalten als sich mal mit der wirklichkeit zu beschäftigen.

Kapitalismus

hat selbstverständlich etwas mit Armut zu tun!
„In dem Begriff des freien Arbeiters liegt schon, dass er ein Armer ist, ein potenzieller und unsichtbarer Armer. Er ist seine ökonomischen Bedingungen nach bloßes lebendiges Arbeitsvermögen, ... Bedürftigkeit nach allen Seiten hin ... Als Arbeiter kann er nur leben, soweit er sein Arbeitsvermögen gegen den Teil des Kapitals austauscht, der den Lohnfonds bildet. Dieser Austausch selbst ist an für ihn zufällige, gegen sein organisches Sein gleichgültige Bedingungen geknüpft. Er ist also potenzieller, unsichtbarer Armer.“ K. Marx, Grundrisse
„Die sichtbare Armutsbevölkerung bildet das Invalidenhaus der aktiven Arbeiterarmee und das tote Gewicht der industriellen Reservearmee. ... Sie gehört zu den toten Kosten der kapitalistischen Produktion, die das Kapital jedoch großenteils von sich selbst ab auf die Schultern der Arbeiterklasse und der kleinen Mittelklasse zu wälzen weiß." K. Marx, Kapital I

Ist die Frage

Soweit ich weiß, hält Deutschland seit Jahren den letzten Platz in den westlichen Industriestaaten, was Chancengleichheit im Bildungssystem angeht.

Abgesehen davon ist unser Bildungssystem in einem desaströsen Zustand (und Schulen in schlechten Bezirken haben meist nicht einmal Geld für adäquates Möbiliar) und kann Defizite in der häuslichen Bildung nicht kompensieren. Wer in guten (im Sinne von reichen) Bezirken aufwächst, hat da schon ein mal einen gewaltigen Vorteil.

Die paar Kinder armer Eltern, die es dann in die Uni schaffen, haben durch Bafög - das in manchen Bundesländern kaum zur Finanzierung des Wohnraums reicht - einen ungleich höheren Druck und eine deutlich engere Zeitspanne zur Beendigung des Studiums.

Zum anderen: "Soweit ich weiß war es vor ein oder zwei Generationen Eltern noch möglich mit kaufkraftgleichem Einkommen X-fach mehr Kinder groß zu ziehen - wenn das nicht mehr geht, sind einfach die Ansprüche zu hoch!"

- eine andere Erklärungsmöglichkeit: nicht die Ansprüche sind gestiegen, sondern die Reallöhne sind gewaltig gesunken. Und damit wären wir wieder beim Thema; sofern man nicht zu den rechsten ca. 10% (die Zahlen variieren da um etwa 5%) gehört, hat man in den letzten zwei Dekaden gewaltige Einbußen in Kauf nehmen müssen.

Und dies ist eben nur möglich geworden durch eine Politik, die dies entweder gewollt hat (bzw. korrumpiert worden ist), oder ein erstaunliches Maß an Inkompetenz zur Schau gestellt hat.

Wichtiger die Frage:

Wenn auch die Armen, zumal als so große Gruppe, Wahlrecht haben, warum sehe ich dann in Parlamenten u. Gesellschaft so wenig Leute, die ihre Interessen vertreten?

Freilich wunderts mich wenig, wenn ich sehe: SPD ist laengst keine Sozialdemokratische Partei mehr. Linke wird diffamiert als SED-Nachfolger. Gruene werden diffamiert als Spinner. Piraten werden diffamiert als Oberspinner.

Damit hängt es aber mehr an

dem Bezirk, in dem man wohnt, und nicht am Einkommen der Eltern. Und zum Punkto Studienkosten - soweit ich weiß, kann man sich die Stadt frei aussuchen, und während dem Studium auch H4 beziehen. Wenn man damit natürlich in München Studieren möchte wirds eng mit den Wohnkosten und Studiengebühren, aber da wirds auch für Mittelständer kritisch - hängt also auch nicht an Armut an sich.

Bei ihrer These mit den Reallöhnen muss ich ihnen klar widersprechen, wenn ich von meinen Eltern höre, wie sie aufgewachsen sind, ist es unmöglich, dass die Kaufkraft des Großelterlichen Einkommens höher war als heute H4. Zu dritt im Zimmer, die ganze Woche Kartoffeln und Brot, Freitags Fisch und Sonntags Fleisch. Kein TV, erst spät Telefon, Wäsche mit der Hand waschen, und die Kids zu zweit baden um Wasser zu sparen...

ALGII gibt es für Studenten nur im absoluten Ausnahmefall.

"Und zum Punkto Studienkosten - soweit ich weiß, kann man sich die Stadt frei aussuchen, und während dem Studium auch H4 beziehen"

Da muss ich Sie leider korrigieren. ALGII gibt es für Studenten nur im absoluten Ausnahmefall.
Bafög ist neben (meist privaten) Stipendien die einzige Form der Studienfinanzierung ohne Arbeit oder zahlungswillige Eltern/Dritte. Zudem habe ich in meinem Bekanntenkreis die Erfahrung gemacht, dass Bafög, je nach dem wie sehr getrickst wird, sehr willkürlich verteilt wird.

So einfach ist das nicht

Der Bafög Höchstsatz ist nicht schlecht (würde auch über dem liegen, was ich von meinen Eltern bekomme), nur kriegt den halt fast niemand. Ich kenne viele, die nur den halben Satz bekommen und den Rest müssten die Eltern beisteuern. Nur ist daheim dann oft nicht soo viel zu holen und wer will schon die Differenz von den Eltern einklagen?

Meiner Meinung nach bietet das deutsche Bildungssystem grundsätzlich jedem eine halbwegs faire Chance. Ich glaube eher, dass es oft am Willen oder Interesse scheitert.
Akademikerkinder wachsen mit dem Ziel auf, selbst irgendwann zu studieren. Das ist bei Kindern aus bildungsferneren Schichten mit Sicherheit anders.
Unser Schulsystem liefert dazu auch einen 'guten' Beitrag, in dem die Kinder zur Hausaufgabenbetreuung nach Hause entlassen werden. Da ändert sich dann natürlich auch nicht mehr viel.
Das ist meiner Meinung nach der wesentliche Unterschied zwischen den Bildungsschancen von Akademikerkindern und den Chancen der Kinder aus weniger begünstigten Schichten.

"Ansichtssache" Richtig!

"Soweit ich weiß war es vor ein oder zwei Generationen Eltern noch möglich mit kaufkraftgleichem Einkommen X-fach mehr Kinder groß zu ziehen - wenn das nicht mehr geht, sind einfach die Ansprüche zu hoch!"

Wenn Sie es nicht genau Wissen, dann Fragen Sie doch mal die älteren Semester in der Verwandschaft, was Die sich mit ihrem damaligen Einkommen leisten konnten.

Da sind Statistiken, welche Produkte in Bezug auf geleistete Arbeitszeit (Beispiel: damals 10 Minuten für ein Glas Bier - heute 5 Minuten) vergleichen wollen, sehr Ungenau.

Zu meiner Zeit, 40 Überstunden im Monat waren Normal, weniger schon Kurzarbeit. Ich konnte (ab 1975) zwei mal im Jahr in Urlaub Fahren. 3 Wochen Teneriffa und 2 Wochen Seefeld in Tirol. Dafür hatte ich keine Ausgaben für Produkte die es Damals nicht gab!

Zu der Zeit war ich Junggeselle, mit einer Steuerbelastung, die heute Alleinverdiener mit Familie haben.

Seien Sie Versichert, das Kaufkraftgleiche Einkommen war damals höher als Heute!

Zum Nachdenken im Link:

https://docs.google.com/v...

Zinszahlungen fürs Geldsystem mit Einrechnen.

Sie vermischen da etwas!

'Zu dritt im Zimmer, die ganze Woche Kartoffeln und Brot, Freitags Fisch und Sonntags Fleisch. Kein TV, erst spät Telefon, Wäsche mit der Hand waschen, und die Kids zu zweit baden um Wasser zu sparen...'

Ich bin selber so aufgewachsen, wie Sie es beschreiben: wir hatten zu dritt ein einziges Kinderzimmer, die Nahrung war ähnlich, TV und Telefon hatten wir nicht und wir wurden auch im gleichen Badewasser gebadet........ allerdings hatte das nicht unbedingt etwas mit dem Einkommen zu tun, sondern eher mit der Situation nach dem Krieg.

Fernseher waren ein absolutes Luxusgut und entsprechend teuer, Telefon für Privatpersonen war in den Fünfzigern durchaus noch nicht üblich, und da der Badeofen mit Kohlen angeheizt werden mußte, das entsprechend mühsam war und zeitaufwändig, wurden wir eben zu dritt in die Wanne gesetzt. Zentralheizung war zu dieser Zeit in normalen Wohnungen noch nicht vorhanden.

Sicher hat ein Millionär sich das alles leisten können - aber eben nur ein Millionär - die normalen Arbeiter und Angestellten dürften in den Fünfzigern alle so wie oben beschrieben gelebt haben, schon allein deshalb, weil die Infrastruktur mäßig war, es wesentlich weniger Telefonleitungen gab und Zentralheizungen eben auch nicht. Kohleöfen bzw. Heizölöfen waren normal, ebenso wie Kachelöfen, die ebenfalls mit Kohlen beheizt wurden. Es war nicht nur eine Geldfrage, sondern auch eine Frage des technischen Fortschritts.

Kapitalismus bringt Wohlstand für alle!

Freilich braucht es hierzu ein angemessenes und stetiges Wirtschaftswachstum (etwa 2%p.a.).

Gerade für den ärmeren Teil der Bevölkerung ist Wachstum von essentieller Bedeutung:

"Wachstum gibt ihnen (den Armen) die Chance, ihre Lage zu verbessern, ohne dass dadurch den 'Reichen' mehr abgenommen werden muss. Die mit einer verstärkten Umverteilung einhergehenden negativen Anreizeffekte können so vermieden werden."
(Peter Bofinger: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, S. 287)

Nach Erhard: Nicht in der Division, sondern in der Multiplikation des Bruttosozialprodukts liegt die Lösung. Das Wirtschaftswunder hat diese Auffassung eindrücklich bestätigt.

Conclusio: Wir brauchen nicht weniger, sondern MEHR Kapitalismus. Dann wird es auch den Armen schrittweise besser gehen (siehe etwa China, das mit einem enormen "turbokapitalistischen Wachstum" 30 Mio. Menschen aus der absoluten Armut befreien konnte!).

Zurück in die 50er-Jahre

Damals hatten nur sehr wenige Menschen einen Fernseher oder eine Waschmaschine.
Stellen Sie sich einfach vor, Alle würden sich mit dem damaligen Lebensstandard zufrieden geben. Wie glauben Sie würde sich das auf die deutsche Wirtschaft auswirken?

Mich nervt auch, dass die Aufstockungen von Löhnen als Sozialleistung deklariert wird. Es ist eine Wirtschaftssubvention, denn ohne diese Aufstockung müssten die Firmen mehr bezahlen, sonst könnten diese Menschen einfach nicht mehr arbeiten, da sie sich entweder die Fahrt zur Arbeit oder das Essen nicht mehr leisten könnten.
Sklaven wären wohl teuerer, denn normalerweise geht man mit seinem Eigentum (von Ausnahmen abgesehen) pfleglich um, man möchte schließlich möglichst lange einen Nutzen daraus ziehen.

DAS ist die richtige Frage!

"Wenn auch die Armen, zumal als so große Gruppe, Wahlrecht haben, warum sehe ich dann in Parlamenten u. Gesellschaft so wenig Leute, die ihre Interessen vertreten?"
------------------------------
DAS ist die richtige Frage. Solange SPD und CDU ihre Ewigkeitsvormacht manifestieren, ist alles in Ordnung. Alle, die es wagen dagegen vor zu gehen werden diffamiert und gebasht. Linke, FDP, Piraten, gegen jede gab es bereits Kampagnen. Und hier haben die Armen selbst mitgemacht oder zumindest geschwiegen!

Kapitalismus ist nicht "freier" Markt

Was Smith begründet hat war nicht der Kapitalismus sondern eine Theorie des "freien" Marktes. Beides ist nicht nur nicht das Gleiche, die beiden Prinzipien widersprechen sich grundsätzlich. Ein erfolgreicher Kapitalist (bzw. ein kapitalistisches Unternehmen) ist stets darum bemüht die Preissteuerung durch Angebot und Nachfrage zu seinen Gunsten außer Kraft zu setzen. Denkt man das marktliberale Utopia konsequent zu ende, muss ihm das auch gelingen. Denn ohne zusätzliche Regulierung die Verteilungsfrage betreffend (Mindeslohn; Emplyee Stock Ownership Plan; Lohnauffüllung; etc.) führen zum einen Zinsen zum anderen die Fähigkeit von produktivem Kapital sich exponential zu vermehren zu einer Eigentumskonzentration - die es dann wiederrum erlaubt die (in der Theorie) ursprünglich markt-liberalen Spielregeln auszuhebeln.
Für eine Marktwirtschaft muss die Verteilungsfrage daher DIE zentrale Problemstellung für den Selbsterhalt sein!
- Was gleichzeitig politisch gewollte Armut nicht ausschließt, denn eine Antwort auf die Frage muss mitnichten egalitär sein. Ganz abgesehen davon, dass Begriffe wie "freier Markt" oder "Marktwirtschaft" zur Durchsetzung ganz anderer Politiken benutzt werden.

Verstand für Alle!

Es geht hier nicht um Blockbildung und eine stumpfe Diskussion was Kapitalismus kann oder Sozialismus nicht. Durchaus sollte die Frage erlaubt sein, welche systemischen Probleme im Kapitalismus liegen. Bspw. die Bankenrettungen der letzten Jahre, in welchem Zusammenhang sehen sie hier ein Monopol? Vielmehr sind es strukturelle Sachzwänge die es unmöglich machen solche Institute pleite gehen zu lassen. Sie haben letztlich mehr Macht als jede "demokratische" Entscheidung dieser Welt. Binnen weniger Wochen wurden Milliarden, völlig undemokratisch, umverteilt und in Bundeshaushältern wird um jeden Euro gefeilscht? Also wenn hier in ihren Augen alles richtig läuft dann...
Die Frage bleibt welche Steuerbarkeit, welchen Nutzen dieses System letztlich für die Menschen hat. Und das steht eben auch im Zusammenhang mit Armut. Sie ist nicht systemisch gewollt aber sicherlich systemisch verursacht und somit auch systemimmanent.

@ 193

Und damit hat sich niemand "arm" gefühlt der wurde nicht ausgegrenzt.
DAS war damals normal!

Aber damals ist nicht heute und kann daher nicht mehr der Standard sein.

Sobald Menschen nicht mehr am sozialen und öffentlichen Leben teilnehmen können, sich an Tafeln versorgen müssen und von der Mehrheit ausgegrenzt, bzw. verachtet werden sind diese Menschen arm im wirtschaftliche Sinne. Und noch ärmer durch die permanente Verletzung ihrer Menschenwürde.

Und bitte,bitte nicht wieder Bild-Artikel oder RTL-Dokusoap.
Mißbrauch gab es immer, gibt es immer und wird es auch immer geben.
Selbst dann, wenn sie Menschen einen Chip implantieren der aufzeichent was er tut, wohin er geht, wofür er sein Geld ausgibt, welche Fernsehsendung er sieht, etc..
Mißbrauch läßt sich nie zu 100% verhindern.

Aber ev. sieht man mal genauer hin, wo der größte Mißbrauch betrieben wird und um welche Summen es jeweils geht. Ob Oben oder Unten????

Problem und Lösung allgemein bekannt

Diese Entwicklung ist allgemein und international und historisch bekannt. Der Mensch ist, was die Verteilung von Wohlstand innerhalb einer Gesellschaft angeht, einfach nicht lernfähig. Einige wollen immer mehr und sind außerstand zu sehen, dass sie damit die Gemeinschaft destabilisieren. Irgendwann endet es dann wieder in Blut und Tränen und der Zyklus geht von neuem los. Na ja, wer keine Probleme hat, schafft sich welche oder wie war das...