Nationale Armutskonferenz "Armut ist politisch gewollt"
Die Aufstiegschancen für Arme sind gering, das Armutsrisiko höher, als die Regierung zugibt. So lautet die Kritik der Nationalen Armutskonferenz in ihrem Schattenbericht.
© Rolf Vennenbernd/dpa

Ein obdachloser Mensch sitzt vor einem leer stehenden Kino.
Die Armut in Deutschland pendelt sich nicht nur auf hohem Niveau ein. Sie wird auch schöngerechnet von der Regierung und ist politisch gewollt – so lautet die Kritik der Nationalen Armutskonferenz (nak) in ihrem Schattenbericht.
Der Bericht soll einen Gegenentwurf zum offiziellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung darstellen. Die nak kritisiert, dass die Armutsquote seit Jahren zwischen 14 und 16 Prozent liegt. Wer in Deutschland arm ist, bekomme laut dem Bericht immer weniger Chancen, der Armut zu entfliehen. Vizesprecherin Michaela Hofmann spricht von einem Skandal. Nach ihrer Einschätzung ist "Armut politisch gewollt".
Abzulesen sei das aus Hofmanns Sicht an den unzureichenden Hartz-IV-Sätzen und dem ausufernden Niedriglohn-Bereich. Kinder hätten auch nach der letzten Hartz-IV-Reform und dem damit verbundenen Bildungs- und Teilhabepaket "keine Chance, aus dem Armutskreislauf herauszukommen", sagte Hofmann.
Jeder Vierte arbeitet im Niedriglohnsektor
Inzwischen arbeitet laut dem Bericht jeder Vierte im Niedriglohnsektor. Etwa 7,6 Millionen Menschen – 9,3 Prozent der Bevölkerung – erhalten staatliche Leistungen zur Sicherung ihres Existenzminimums.
Die nak ist ein Zusammenschluss von Sozial- und Wohlfahrtsverbänden sowie Gewerkschaften. Sie fordert unter anderem gesetzliche Mindestlöhne, höhere Regelsätze und Förderprogramme gegen Wohnungsnot.
Wirtschaftsministerium sieht kein Problem in Altersarmut
Der Wissenschaftliche Beirat beim Wirtschaftsministerium hat sich am Dienstag zum Thema Altersarmut geäußert: Altersarmut sei derzeit kein drängendes Problem, heißt es in dem Gutachten, das dem NDR vorliegt. Wenn es zum Problem werden sollte, sei das in erster Linie auf die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zurückzuführen. Dann könnten Geringqualifizierte und Menschen mit Migrationshintergrund betroffen sein. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte Altersarmut in der jüngsten Zeit häufig zum Thema gemacht. Sie schlägt zur Lösung des Problems eine Zuschussrente vor.
- Datum 18.12.2012 - 14:31 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sk
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Eine Welt in Balance ist möglich - Prof. Dr.Radermacher:
http://www.youtube.com/wa...
Das Welt-Finanzsystem spielt mit der Nummer auf dem Rücken eines jeden Menschen.
danke für das video!
danke für das video!
Nie gehört... da wäre etwas Erläuterung hilfreich. Armut politisch gewollt geht vermutlich hier im Forum runter wie Öl, aber gibt es dafür irgendeinen Beleg? Dass von der Regierung Schöngerechnet wird heisst doch eher dass man sich der Armut schämt...
Ich habe die Publikationen gerade mal überflogen; Argumentationsgrundlage für die These von gewollter Armut sind vor allem die Förderung des Niedriglohnsektors und so genannter prekärer Beschäftigungsverhältnisse, Unterschiede in Bildungschancen und deren Aufrechterhaltung, Behinderung der Justiz in Fällen von Wirtschaftskriminalität und die simple Verteilungsstatistik, die nun wirklich an feudale Verhältnisse erinnert.
Alles in allem wirkt´s auf den ersten Blick recht solide.
Die "Schönrechnerei" ist für mich der Versuch, die Probleme unter den Teppich zu kehren.
Ganz recht, kalle11. Dafür gibt es keinen Beleg. Es sei denn, da wäre z.B. ein veröffentlichter Briefwechsel zwischen BDI-Präsident und Kanzlerin, in dem sich beide einig zeigen über die Notwendigkeit und Mindestgröße einer Arbeitslosen- und Geringverdienerreserve, um auf die noch verbliebenen Restgewerkschaften Druck ausüben zu können. Und genau diesen oder ähnlichen veröffentlichten Briefwechsel gibt es nicht. Das in etwa meinten Sie doch, oder?
Im übrigen ehrt Sie persönlich in besonderer Weise Ihre Annahme, dass die Regierung Merkel aus Scham die Armut im Lande schönrechne. Es ist Ihnen zu wünschen, dass Sie nie gezwungen werden, sich in diesem Punkte zu korregieren.
Entfernt. Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen. Danke, die Redaktion/jk
Na, sie machen es sich einfach in ihrer Interpretation.
Übrigens, nach ihrer Vorstellung, müsste sich die Regierung auch für die Arbeitslosigkeit, den Haushalt, die Inflationsrate, die Schulden, die Subventionen, die Energiewende etc.... schämen, denn dies alles wird "Schön gerechnet".
Aber wahrscheinlich ist das auch der Grund warum die nichts zu Stande bekommen, wenn die sich doch dauernd schämen müssen.
(@Reda, Hoffe das war jetzt nicht zu dick aufgetragen)
Sie schreiben: "Armut politisch gewollt geht vermutlich hier im Forum runter wie Öl, aber gibt es dafür irgendeinen Beleg? "
Dazu homepage Bundesamt für Statistik: "Im Jahr 2010 arbeiteten 20,6 % aller Beschäftigten in Betrieben mit zehn und mehr Beschäftigten für einen Niedriglohn. Im Jahr 2006 lag der Anteil der Beschäftigten mit Niedriglohn noch bei 18,7 %. „Mit dieser Steigerung setzte sich ein längerfristiger Trend fort“, sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes, heute anlässlich einer Pressekonferenz in Berlin, auf der er Ergebnisse der Erhebung der Struktur der Arbeitsverdienste 2010 vorstellte."
Die HartzVIler und Arbeitslose können Sie gerne selbst dazu ergooglen.
Das halten Sie für normal in einer der führenden Industrienationen, die sich zudem vom Sozialsstaatsprinzipt offiziell keineswegs verabschiedet hat???
Dass sich der Staat durch Sozialhilfe auch das Schweigen und Hinnehmen des Volkes erkauft, ist aber auch unwiderlegbar, nicht?
noch ein beitrag von gregor gysi
http://www.youtube.com/wa...
Ich habe die Publikationen gerade mal überflogen; Argumentationsgrundlage für die These von gewollter Armut sind vor allem die Förderung des Niedriglohnsektors und so genannter prekärer Beschäftigungsverhältnisse, Unterschiede in Bildungschancen und deren Aufrechterhaltung, Behinderung der Justiz in Fällen von Wirtschaftskriminalität und die simple Verteilungsstatistik, die nun wirklich an feudale Verhältnisse erinnert.
Alles in allem wirkt´s auf den ersten Blick recht solide.
Die "Schönrechnerei" ist für mich der Versuch, die Probleme unter den Teppich zu kehren.
Ganz recht, kalle11. Dafür gibt es keinen Beleg. Es sei denn, da wäre z.B. ein veröffentlichter Briefwechsel zwischen BDI-Präsident und Kanzlerin, in dem sich beide einig zeigen über die Notwendigkeit und Mindestgröße einer Arbeitslosen- und Geringverdienerreserve, um auf die noch verbliebenen Restgewerkschaften Druck ausüben zu können. Und genau diesen oder ähnlichen veröffentlichten Briefwechsel gibt es nicht. Das in etwa meinten Sie doch, oder?
Im übrigen ehrt Sie persönlich in besonderer Weise Ihre Annahme, dass die Regierung Merkel aus Scham die Armut im Lande schönrechne. Es ist Ihnen zu wünschen, dass Sie nie gezwungen werden, sich in diesem Punkte zu korregieren.
Entfernt. Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen. Danke, die Redaktion/jk
Na, sie machen es sich einfach in ihrer Interpretation.
Übrigens, nach ihrer Vorstellung, müsste sich die Regierung auch für die Arbeitslosigkeit, den Haushalt, die Inflationsrate, die Schulden, die Subventionen, die Energiewende etc.... schämen, denn dies alles wird "Schön gerechnet".
Aber wahrscheinlich ist das auch der Grund warum die nichts zu Stande bekommen, wenn die sich doch dauernd schämen müssen.
(@Reda, Hoffe das war jetzt nicht zu dick aufgetragen)
Sie schreiben: "Armut politisch gewollt geht vermutlich hier im Forum runter wie Öl, aber gibt es dafür irgendeinen Beleg? "
Dazu homepage Bundesamt für Statistik: "Im Jahr 2010 arbeiteten 20,6 % aller Beschäftigten in Betrieben mit zehn und mehr Beschäftigten für einen Niedriglohn. Im Jahr 2006 lag der Anteil der Beschäftigten mit Niedriglohn noch bei 18,7 %. „Mit dieser Steigerung setzte sich ein längerfristiger Trend fort“, sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes, heute anlässlich einer Pressekonferenz in Berlin, auf der er Ergebnisse der Erhebung der Struktur der Arbeitsverdienste 2010 vorstellte."
Die HartzVIler und Arbeitslose können Sie gerne selbst dazu ergooglen.
Das halten Sie für normal in einer der führenden Industrienationen, die sich zudem vom Sozialsstaatsprinzipt offiziell keineswegs verabschiedet hat???
Dass sich der Staat durch Sozialhilfe auch das Schweigen und Hinnehmen des Volkes erkauft, ist aber auch unwiderlegbar, nicht?
noch ein beitrag von gregor gysi
http://www.youtube.com/wa...
ist heute Tatsache: gewollte und geförderte Armut.
Das ist nicht demokratisch, es ist nicht einmal kapitalistisch (wenn man mal von Adam Smith ausgeht). Es ist schlicht widerlich und ich fürchte, daß die Folgen gravierend sein könnten, wenn all die von Geburt an Chancenlosen Ihren Teil einfordern.
Hat man aus der Geschichte nichts gelernt?
<>
Wo genau zwischen Schulpflicht, Bafög und Studienbeitragsbefreiung soll denn da bitte die Chance verloren gegangen sein?
Soweit ich weiß war es vor ein oder zwei Generationen Eltern noch möglich mit kaufkraftgleichem Einkommen X-fach mehr Kinder groß zu ziehen - wenn das nicht mehr geht, sind einfach die Ansprüche zu hoch!
hat selbstverständlich etwas mit Armut zu tun!
„In dem Begriff des freien Arbeiters liegt schon, dass er ein Armer ist, ein potenzieller und unsichtbarer Armer. Er ist seine ökonomischen Bedingungen nach bloßes lebendiges Arbeitsvermögen, ... Bedürftigkeit nach allen Seiten hin ... Als Arbeiter kann er nur leben, soweit er sein Arbeitsvermögen gegen den Teil des Kapitals austauscht, der den Lohnfonds bildet. Dieser Austausch selbst ist an für ihn zufällige, gegen sein organisches Sein gleichgültige Bedingungen geknüpft. Er ist also potenzieller, unsichtbarer Armer.“ K. Marx, Grundrisse
„Die sichtbare Armutsbevölkerung bildet das Invalidenhaus der aktiven Arbeiterarmee und das tote Gewicht der industriellen Reservearmee. ... Sie gehört zu den toten Kosten der kapitalistischen Produktion, die das Kapital jedoch großenteils von sich selbst ab auf die Schultern der Arbeiterklasse und der kleinen Mittelklasse zu wälzen weiß." K. Marx, Kapital I
Wenn auch die Armen, zumal als so große Gruppe, Wahlrecht haben, warum sehe ich dann in Parlamenten u. Gesellschaft so wenig Leute, die ihre Interessen vertreten?
Freilich wunderts mich wenig, wenn ich sehe: SPD ist laengst keine Sozialdemokratische Partei mehr. Linke wird diffamiert als SED-Nachfolger. Gruene werden diffamiert als Spinner. Piraten werden diffamiert als Oberspinner.
"Hat man aus der Geschichte nichts gelernt?"
Wohl nicht.
Sie machen die Leute wieder arm. Das ist höchst bedenklich.
Was Smith begründet hat war nicht der Kapitalismus sondern eine Theorie des "freien" Marktes. Beides ist nicht nur nicht das Gleiche, die beiden Prinzipien widersprechen sich grundsätzlich. Ein erfolgreicher Kapitalist (bzw. ein kapitalistisches Unternehmen) ist stets darum bemüht die Preissteuerung durch Angebot und Nachfrage zu seinen Gunsten außer Kraft zu setzen. Denkt man das marktliberale Utopia konsequent zu ende, muss ihm das auch gelingen. Denn ohne zusätzliche Regulierung die Verteilungsfrage betreffend (Mindeslohn; Emplyee Stock Ownership Plan; Lohnauffüllung; etc.) führen zum einen Zinsen zum anderen die Fähigkeit von produktivem Kapital sich exponential zu vermehren zu einer Eigentumskonzentration - die es dann wiederrum erlaubt die (in der Theorie) ursprünglich markt-liberalen Spielregeln auszuhebeln.
Für eine Marktwirtschaft muss die Verteilungsfrage daher DIE zentrale Problemstellung für den Selbsterhalt sein!
- Was gleichzeitig politisch gewollte Armut nicht ausschließt, denn eine Antwort auf die Frage muss mitnichten egalitär sein. Ganz abgesehen davon, dass Begriffe wie "freier Markt" oder "Marktwirtschaft" zur Durchsetzung ganz anderer Politiken benutzt werden.
<>
Wo genau zwischen Schulpflicht, Bafög und Studienbeitragsbefreiung soll denn da bitte die Chance verloren gegangen sein?
Soweit ich weiß war es vor ein oder zwei Generationen Eltern noch möglich mit kaufkraftgleichem Einkommen X-fach mehr Kinder groß zu ziehen - wenn das nicht mehr geht, sind einfach die Ansprüche zu hoch!
hat selbstverständlich etwas mit Armut zu tun!
„In dem Begriff des freien Arbeiters liegt schon, dass er ein Armer ist, ein potenzieller und unsichtbarer Armer. Er ist seine ökonomischen Bedingungen nach bloßes lebendiges Arbeitsvermögen, ... Bedürftigkeit nach allen Seiten hin ... Als Arbeiter kann er nur leben, soweit er sein Arbeitsvermögen gegen den Teil des Kapitals austauscht, der den Lohnfonds bildet. Dieser Austausch selbst ist an für ihn zufällige, gegen sein organisches Sein gleichgültige Bedingungen geknüpft. Er ist also potenzieller, unsichtbarer Armer.“ K. Marx, Grundrisse
„Die sichtbare Armutsbevölkerung bildet das Invalidenhaus der aktiven Arbeiterarmee und das tote Gewicht der industriellen Reservearmee. ... Sie gehört zu den toten Kosten der kapitalistischen Produktion, die das Kapital jedoch großenteils von sich selbst ab auf die Schultern der Arbeiterklasse und der kleinen Mittelklasse zu wälzen weiß." K. Marx, Kapital I
Wenn auch die Armen, zumal als so große Gruppe, Wahlrecht haben, warum sehe ich dann in Parlamenten u. Gesellschaft so wenig Leute, die ihre Interessen vertreten?
Freilich wunderts mich wenig, wenn ich sehe: SPD ist laengst keine Sozialdemokratische Partei mehr. Linke wird diffamiert als SED-Nachfolger. Gruene werden diffamiert als Spinner. Piraten werden diffamiert als Oberspinner.
"Hat man aus der Geschichte nichts gelernt?"
Wohl nicht.
Sie machen die Leute wieder arm. Das ist höchst bedenklich.
Was Smith begründet hat war nicht der Kapitalismus sondern eine Theorie des "freien" Marktes. Beides ist nicht nur nicht das Gleiche, die beiden Prinzipien widersprechen sich grundsätzlich. Ein erfolgreicher Kapitalist (bzw. ein kapitalistisches Unternehmen) ist stets darum bemüht die Preissteuerung durch Angebot und Nachfrage zu seinen Gunsten außer Kraft zu setzen. Denkt man das marktliberale Utopia konsequent zu ende, muss ihm das auch gelingen. Denn ohne zusätzliche Regulierung die Verteilungsfrage betreffend (Mindeslohn; Emplyee Stock Ownership Plan; Lohnauffüllung; etc.) führen zum einen Zinsen zum anderen die Fähigkeit von produktivem Kapital sich exponential zu vermehren zu einer Eigentumskonzentration - die es dann wiederrum erlaubt die (in der Theorie) ursprünglich markt-liberalen Spielregeln auszuhebeln.
Für eine Marktwirtschaft muss die Verteilungsfrage daher DIE zentrale Problemstellung für den Selbsterhalt sein!
- Was gleichzeitig politisch gewollte Armut nicht ausschließt, denn eine Antwort auf die Frage muss mitnichten egalitär sein. Ganz abgesehen davon, dass Begriffe wie "freier Markt" oder "Marktwirtschaft" zur Durchsetzung ganz anderer Politiken benutzt werden.
Diese Entwicklung ist allgemein und international und historisch bekannt. Der Mensch ist, was die Verteilung von Wohlstand innerhalb einer Gesellschaft angeht, einfach nicht lernfähig. Einige wollen immer mehr und sind außerstand zu sehen, dass sie damit die Gemeinschaft destabilisieren. Irgendwann endet es dann wieder in Blut und Tränen und der Zyklus geht von neuem los. Na ja, wer keine Probleme hat, schafft sich welche oder wie war das...
Ich würde eher sagen: Unterschiede sind gewollt. Wir brauchen uns doch nicht zu wundern, dass der Anteil der armen Menschen in DE immer weiter steigt, wenn Arme (weil niedrig- oder gar-nicht-qualifiziert) hier einwandern.
Jemand der daheim arm war, weil er nichts konnte, kann hier verhältnismässig sogar noch weniger und bleibt daher arm. Zudem verstärkt er die Möglichkeit der Lohndrückerei für Niedrigqualifizierte.
"Wer in Deutschland arm ist, bekomme laut dem Bericht immer weniger Chancen, der Armut zu entfliehen."
Wenn ich arm bin, weil ich leider nur schlecht qualifiziert bin, dann bleib ich das selbstverständlich auch oder rutsche tendenziell noch weiter ab. Wieso sollte jemand, der zwar älter wird aber nicht schlauer im Kapitalismus plötzlich mehr Geld bekommen?
Bildung wäre die einzige Möglichkeit des Aufstiegs. Ich habe an verschiedenen Universitäten im Ausland studiert um sagen zu können: Da ist Deutschland vorbildlich. Keine oder nur geringe Studiengebühren sind nur ein Argument.
Natürlich muss man sich in der Schule erstmal anstrengen um an die Uni zu kommen. Da ist es evtl. schon ein bisschen schwieriger in Deutschland.
... ist schlicht falsch.
Bitte bilden Sie sich zu den Themen "Armutsgründe", "Aufstiegschancen" und "Vermögensverteilung" weiter.
"Natürlich muss man sich in der Schule erstmal anstrengen um an die Uni zu kommen."
Genau dieser Aspekt begegnet mir im Gespräch mit Freunden (einige davon Lehrer) in den letzten Jahren Häufiger. Scheinbar wächst eine (man erlaube mir den plakativen Begriff) bildungsferne Unterschicht heran, die allein aus eigener Kraft heraus keine Chance hat. Auch nicht auf Bildung. Denn in den meisten Bundesländern wird Schulbildung kaputtgespart und ein einzelner Lehrer ist schlicht nicht in der Lage dazu, in 30 Personen starken Klassen 10 Problemfälle auch noch individuell zu betreuen. Ich meine hier Kinder, die aus verwahrlosten Elternhäusern kommen und zT bei Einschulung Probleme haben, Deutsch zu sprechen. Den Kindern selbst kann man wohl keinen Vorwurf machen, denn sie hatten keine Wahl, was ihr Elternhaus anging. Den Eltern wird man die Kinder nicht wegnehmen können (und wollen).
Ich sehen also bis zu der Einsicht, dass wir - als Gesellschaft - ein Problem haben und den daraus resultierenden politischen Weichenstellungen zu Gunsten von Betreuung und Bildung keine Verbesserung in Bezug auf Armut in diesem Land.
Darauf kommt es viel mehr an:
- In welcher Familie wurden Sie geboren?
Bei Müllers oder von und zu Guttenberg oder Leyen? Wieviel Geld wird oder wurde geerbt, um Unternehmen gründen oder weiterführen zu können?
- In welcher Region Sie geboren werden.
In Berlin hat jeder fünfte einen Hochschulabschluss oder ist promoviert. Dennoch höchste Arbeitslosenquote
- Ihr Lebensalter
Wenn Sie meinen, Sie könnten dann einfach der Arbeit immer nachziehen, ist mit 45 meist Schluss. Nomadentum kann auch nicht jeder leben, besonders Familien nicht.
Zunächst einmal wird angefragt, ob Sie sich Ihr Studium im Ausland selber finanziert haben (Ersparnisse, Jobben), wenn ja Respekt, wenn nein, dann können Sie es ruhig zugegeben, bin auch während des Studiums von meinen Eltern unterstützt worden, habe aber auch gejobbt.
Nun zu Ihrer These, dass Bildung das Mittel zum Aufstieg sei.
1. Bildung ist erstmal Nichts, Wissen veraltet schnell, gefragt sind in Zukunft Fähigkeiten. Wichtig ist daher, sein berufliches oder akademisches Fachgebiet zu verstehen und zu beherrschen, systematisches Verständnis, um mit den jeweiligen Neuentwicklungen Schritt halten zu können.
2. Ob Sie es glauben oder nicht, es gibt Menschen, die können sich in der Schule noch so anstrengen, aber das Abitur um an die Uni zu kommen, schaffen sie nicht. Genauso wie so Leute gibt -wie mich- die relativ anstrengungslos die Hochschulreife erlangt haben (Ok, Mathe war mal mit etwas üben verbunden).
Was ich Ihnen damit sagen will: Menschen haben unterschiedliche Talente. Einige Talente decken sich mit den Anforderungen an das Abitur, andere weniger. Jedoch ist keiner deswegen blöder oder fauler als der Andere. Denn die Leute die nicht ins Abitur-Schema passen, sind durchaus in der Lage auf anderen Gebieten zu brillieren.
Und auch diese Menschen haben einen Anspruch darauf, dass ihre Arbeit anständig bezahlt wird, weil sie auch Talente haben (Trotz Abi kann ich bspw. keine Fenster putzen).
Sie setzen unbewusst 2 Prämissen voraus, die so leider nicht gegeben sind:
1. Prinzipiell kann jeder - sogar ohne teure Nachhilfestunden - einen guten Schul- und Berufs- oder Studienabschluss erreichen. Das ist zwar ein schönes Menschenbild, entspricht aber leider nicht der Realität, selbst mit viel Nachhilfe schaffen es Manche leider nicht zum Abitur oder Berufsabschluss.
2. Wer eine bestimmte Qualifikation erreicht hat, besitzt die gleichen Chancen wie jeder andere mit dieser Qualifikation. Alleine schon die Erfolge der "Anonymen Bewerbung" wiederlegen dies.
Bei der Bewerbung kommt es auf den Namen an (ein Jurist mit von und zu vor dem Familiennamen wird ohne Prädkatsexamen noch eingeladen, einer mit türkischem Namen auch mit Prädikatsnote nicht), den Habitus (der lässt sich nicht mal eben antrainieren, das ist der berühmte "Stallgeruch"), den familiären Hintergrund (kann ich bei der Bewerbung als Chemiker mit dem Chef über Bach-Kantaten philosophieren?) und schließlich Vitamin B (und das scheint immer wichtiger zu werden!). Mit den höchsten Verdienst aus meinen Absolventenjahrgang hat derjenige mit den schlechtesten Noten, einem Adelsprädikat im Namen und guten Beziehungen...
Wer in den letzten Jahren Bewerbungsprozesse mitmachen musste, hat den Eindruck, es werden im Grunde nur Schauspieler gesucht, nicht Ingenieure, Chemiker, Informatiker usw., und das lernt man in der Familie, nicht in der Schule.
Um an einer guten Bildung zu partizipieren braucht man Geld - manchmal viel Geld. Das weis ich aus eigener Erfahrung. Dank der Politik der letzten 15 Jahre werden die prekären Arbeitsbiografien zunehmend dramatischer. Woher sollen denn die Betroffenen das Geld für Bildung hernehmen? Zumal viele öffentlichen Bildungsinstitutionen, entgegen den Beteuerungen der Politik, systematisch kaputtgespart werden. Es ist keine Überraschung, dass die Armut immer rasanter ansteigt. Diese Tatsache wird einfach "entschärft" oder besser gesagt "gefälscht". 2,6% unserer Bevölkerung leben in Armut, das sind 2,6% zuviel.Und das in einem der "reichsten Länder". Traurig, traurig und eine Schande obendrein!
"Bildung wäre die einzige Möglichkeit des Aufstiegs."
Tja, wenn es denn wahr wäre. Dieses Märchen erfüllt sich doch nur noch ganz selten.
Kontakte per Geburt sind übrigens die wesentlich bessere Möglichkeit. Das wird sich wahrscheinlich nie ändern.
... ist schlicht falsch.
Bitte bilden Sie sich zu den Themen "Armutsgründe", "Aufstiegschancen" und "Vermögensverteilung" weiter.
"Natürlich muss man sich in der Schule erstmal anstrengen um an die Uni zu kommen."
Genau dieser Aspekt begegnet mir im Gespräch mit Freunden (einige davon Lehrer) in den letzten Jahren Häufiger. Scheinbar wächst eine (man erlaube mir den plakativen Begriff) bildungsferne Unterschicht heran, die allein aus eigener Kraft heraus keine Chance hat. Auch nicht auf Bildung. Denn in den meisten Bundesländern wird Schulbildung kaputtgespart und ein einzelner Lehrer ist schlicht nicht in der Lage dazu, in 30 Personen starken Klassen 10 Problemfälle auch noch individuell zu betreuen. Ich meine hier Kinder, die aus verwahrlosten Elternhäusern kommen und zT bei Einschulung Probleme haben, Deutsch zu sprechen. Den Kindern selbst kann man wohl keinen Vorwurf machen, denn sie hatten keine Wahl, was ihr Elternhaus anging. Den Eltern wird man die Kinder nicht wegnehmen können (und wollen).
Ich sehen also bis zu der Einsicht, dass wir - als Gesellschaft - ein Problem haben und den daraus resultierenden politischen Weichenstellungen zu Gunsten von Betreuung und Bildung keine Verbesserung in Bezug auf Armut in diesem Land.
Darauf kommt es viel mehr an:
- In welcher Familie wurden Sie geboren?
Bei Müllers oder von und zu Guttenberg oder Leyen? Wieviel Geld wird oder wurde geerbt, um Unternehmen gründen oder weiterführen zu können?
- In welcher Region Sie geboren werden.
In Berlin hat jeder fünfte einen Hochschulabschluss oder ist promoviert. Dennoch höchste Arbeitslosenquote
- Ihr Lebensalter
Wenn Sie meinen, Sie könnten dann einfach der Arbeit immer nachziehen, ist mit 45 meist Schluss. Nomadentum kann auch nicht jeder leben, besonders Familien nicht.
Zunächst einmal wird angefragt, ob Sie sich Ihr Studium im Ausland selber finanziert haben (Ersparnisse, Jobben), wenn ja Respekt, wenn nein, dann können Sie es ruhig zugegeben, bin auch während des Studiums von meinen Eltern unterstützt worden, habe aber auch gejobbt.
Nun zu Ihrer These, dass Bildung das Mittel zum Aufstieg sei.
1. Bildung ist erstmal Nichts, Wissen veraltet schnell, gefragt sind in Zukunft Fähigkeiten. Wichtig ist daher, sein berufliches oder akademisches Fachgebiet zu verstehen und zu beherrschen, systematisches Verständnis, um mit den jeweiligen Neuentwicklungen Schritt halten zu können.
2. Ob Sie es glauben oder nicht, es gibt Menschen, die können sich in der Schule noch so anstrengen, aber das Abitur um an die Uni zu kommen, schaffen sie nicht. Genauso wie so Leute gibt -wie mich- die relativ anstrengungslos die Hochschulreife erlangt haben (Ok, Mathe war mal mit etwas üben verbunden).
Was ich Ihnen damit sagen will: Menschen haben unterschiedliche Talente. Einige Talente decken sich mit den Anforderungen an das Abitur, andere weniger. Jedoch ist keiner deswegen blöder oder fauler als der Andere. Denn die Leute die nicht ins Abitur-Schema passen, sind durchaus in der Lage auf anderen Gebieten zu brillieren.
Und auch diese Menschen haben einen Anspruch darauf, dass ihre Arbeit anständig bezahlt wird, weil sie auch Talente haben (Trotz Abi kann ich bspw. keine Fenster putzen).
Sie setzen unbewusst 2 Prämissen voraus, die so leider nicht gegeben sind:
1. Prinzipiell kann jeder - sogar ohne teure Nachhilfestunden - einen guten Schul- und Berufs- oder Studienabschluss erreichen. Das ist zwar ein schönes Menschenbild, entspricht aber leider nicht der Realität, selbst mit viel Nachhilfe schaffen es Manche leider nicht zum Abitur oder Berufsabschluss.
2. Wer eine bestimmte Qualifikation erreicht hat, besitzt die gleichen Chancen wie jeder andere mit dieser Qualifikation. Alleine schon die Erfolge der "Anonymen Bewerbung" wiederlegen dies.
Bei der Bewerbung kommt es auf den Namen an (ein Jurist mit von und zu vor dem Familiennamen wird ohne Prädkatsexamen noch eingeladen, einer mit türkischem Namen auch mit Prädikatsnote nicht), den Habitus (der lässt sich nicht mal eben antrainieren, das ist der berühmte "Stallgeruch"), den familiären Hintergrund (kann ich bei der Bewerbung als Chemiker mit dem Chef über Bach-Kantaten philosophieren?) und schließlich Vitamin B (und das scheint immer wichtiger zu werden!). Mit den höchsten Verdienst aus meinen Absolventenjahrgang hat derjenige mit den schlechtesten Noten, einem Adelsprädikat im Namen und guten Beziehungen...
Wer in den letzten Jahren Bewerbungsprozesse mitmachen musste, hat den Eindruck, es werden im Grunde nur Schauspieler gesucht, nicht Ingenieure, Chemiker, Informatiker usw., und das lernt man in der Familie, nicht in der Schule.
Um an einer guten Bildung zu partizipieren braucht man Geld - manchmal viel Geld. Das weis ich aus eigener Erfahrung. Dank der Politik der letzten 15 Jahre werden die prekären Arbeitsbiografien zunehmend dramatischer. Woher sollen denn die Betroffenen das Geld für Bildung hernehmen? Zumal viele öffentlichen Bildungsinstitutionen, entgegen den Beteuerungen der Politik, systematisch kaputtgespart werden. Es ist keine Überraschung, dass die Armut immer rasanter ansteigt. Diese Tatsache wird einfach "entschärft" oder besser gesagt "gefälscht". 2,6% unserer Bevölkerung leben in Armut, das sind 2,6% zuviel.Und das in einem der "reichsten Länder". Traurig, traurig und eine Schande obendrein!
"Bildung wäre die einzige Möglichkeit des Aufstiegs."
Tja, wenn es denn wahr wäre. Dieses Märchen erfüllt sich doch nur noch ganz selten.
Kontakte per Geburt sind übrigens die wesentlich bessere Möglichkeit. Das wird sich wahrscheinlich nie ändern.
So weit würde ich nicht gehen.
Armut wird m. E. jedoch billigend inkauf genommen. Im Ergebnis ergibt das jedoch lediglich einen graduellen Unterschied, da so oder so keine geeigneten Maßnahmen ergriffen werden, um gegenzusteuern.
Bei zwei der drängendsten sozialen Problemen (Schere zwischen Arm und Reich; Erhöhung der Altersarmut), die geeignet sind, in nicht allzu ferner Zukunft den sozialen Frieden in unserem Land zu gefährden, müssen wir seit der letzten BT-Wahl auf drei verlorene Jahre zurückschauen.
Es dürfte klar sein, dass die "Nationale Armutskonferenz" natürlicherweise an einer statitisch hohen Armutsquote interessiert ist - es geht immerhin um hunderte Milliarden an sozialer Umverteilung.
Zuerst aber müsste man klären, wie definiert man Arm! Ist man arm, wenn man weniger als 70% des mittleren Einkommens hat oder erst, wenn es weniger als 60% sind oder gar erst, wenn man unter der Hälfte liegt. Nimmt man die 60% als Definitionsgrenze, dann gilt ein Luxemburger mit 2.100 Euro im Monat als arm, ein Rumäne mit 110 Euro dagegen nicht!
Wie arm ist also Arm?
Die Nak geht von den 60% des Medians aus (siehe hier: http://nationalearmutskon... ).
Natürlich kann man sagen, daß diese Armut nichts mit der Armut in beispielsweise Nordkorea zu tun hat. Dennoch ist es meines Wissens mithin ziemlich gut belegt, daß die psychologischen Effekte von Armut vor allem durch den relativen - nicht den absoluten - Mangel an Besitz entstehen, sowie durch Verschuldung.
Daher halte ich diese Definition durchaus für nützlich.
Armut ist immer relativ! Natürlich ist ein Rumäne in Rumänien mit 200,- Euro reicher als ein Luxemburger in Luxemburg mit 2000,-! Da müssen Sie sich nur mal die unterschiedlichen Preise anschauen!
"Unsre Bedürfnisse und Genüsse entspringen aus der Gesellschaft; wir messen sie daher an der Gesellschaft; wir messen sie nicht an den Gegenständen ihrer Befriedigung. Weil sie gesell. Natur sind, sind sie relativer Natur." (Marx) Ein H4er hat heute sicher einen höheren als ein König vor 2000 Jahren. Wenn alle zu Fuß gehen, ist das eben so...wenn einer reich ist, hat er vllt. ein Pferd, irgendwann konnte sich jeder Kaleschen leisten, der Reiche hatte dann eine eigene Dampfyacht, heutzutage Privatjet und Weltraumflug vs. Zweiwagen im car-port. Trotzdem ist der Zweitwagen-Besitzer arm hier und heute:
"Ein Haus mag groß oder klein sein, solange die es umgebenden Häuser ebenfalls klein sind, befriedigt es alle gesellschaftlichen Ansprüche an eine Wohnung. Erhebt sich aber neben dem kleinen Haus ein Palast, und das kleine Haus schrumpft zur Hütte zusammen. Das kleine Haus beweist nun, daß sein Inhaber keine oder nur die geringsten Ansprüche zu machen hat; und es mag im Laufe der Zivilisation in die Höhe schießen noch so sehr, wenn der benachbarte Palast in gleichem oder gar in höherem Maße in die Höhe schießt, wird der Bewohner des verhältnismäßig kleinen Hauses sich immer unbehaglicher, unbefriedigter, gedrückter in seinen vier Pfählen finden."
http://www.mlwerke.de/me/...
Armut ist, wenn man am gesellschaftlichen Leben nicht mehr oder nur stark eingeschränkt teilnehmen kann und kaum Möglichkeiten hat seine Situation aus eigener Kraft zu verbessern. Daher ist sie natürlich eine relative Größe.
Daher sollte man m.E. das Augenmerk bei der Armutsbekämpfung auf die Chancengerechtigkeit legen. Transferleistungen sollten m.E. so hoch bemessen sein, dass die gesellschaftliche Teilhabe möglich ist. Transferleistung alleine reichen aber nicht und höhere Transferleistungen sind auch nicht per se besser. Ebenso wichtig sind m.E. nämlich strukturelle und kulturelle Aspekte, die Integration statt Ausgrenzung fördern, auf positive Motivation statt Bestrafung setzen, Aufstieg durch Bildung erlauben und den freien Zugang zu Bildungsmöglichkeiten sicherstellen.
Ist mir ein Rätsel, wie die Redaktion diesen Beitrag auch noch empfehlen kann. Natürlich bezieht sich Armut auf das regionale Einkommen und auf die regionalen Lebenshaltungskosten. So definiert sich _jede_ Vermögensangabe.
Für Arbeit und Soziales sind im Bundeshaushalt übrigens rund 130 Milliarden vorgesehen. So viel zu den "hunderten von Milliarden an sozialer Umverteilung".
ntfernt. Nutzen Sie den Kommentarbereich bitte, um sich über den konkreten Artikelinhalt auszutauschen. Danke. Die Redaktion/cv
...steigt die Armutsquote, da das Durchschnittseinkommen steigt, demnach mehr Menschen weniger als 60% verdienen. Wir haben eine Arbeitslosenquote so niedrig wie nie, werden wieder zum Ziel verstärkter Einwanderung als Südeuropa etc. Unser Armutbegriff muss in Ländern der sog. Dritten Welt doch geradezu arrogant wirken.
Ob der arbeitende Mittelstand genug Geld verdient, dass Leistungsanreize beliben, um sich ein bescheidendes Vermögen aufzubauen, Familien zu gründen etc. etc., ist eine andere Frage, und zwar der Verteilungsgerechtigkeit.
Die offizielle Definition der relativen Armut liegt bei 60% des Durchschnittseinkommens. Das zumindest eine halbwegs sinnvolle Näherung, da es eine Korrelation zwischen dem Preisniveau und dem Durchschnittseinkommen gibt.
Allerdings sehe ich es inzwischen auch kritisch, dass in dieser Diskussion ähnlich wie bei Mindestlöhnen immer vom Bundesschnitt ausgegangen wird.
In Duisburg kann man von 1.300 Euro netto halbwegs gut leben, in Stuttgart oder München reicht das kaum, um eine heruntergekommene Studentenbude mieten zu können. Das Preisniveau in Deutschland variiert drastisch.
Eine sinnvollere Armustdefinition würde auf Ebene der Länder und im Süden sogar der Regierungsbezirke (der Unterschied zwischen Regensburg und München ist größer als der zwischen Essen und Regensburg) die Lebenshaltungskosten berücksichtigt.
... Sie denken zu kompliziert. Unsere Regierung ist da simpler gestrickt und hat ja z.B. festgelegt, dass einem Hartz IV-Bezieher für eine Wohnung maximal Zweihundert-Irgendwas Euro im Monat zustehen.
Das doppelte rumänische Armutsgrenzen-Sälär klingt in der Rumänischen Pampa nach Schlaraffenland. In den neuen Bundesländern ist es insgesamt gesehen adäquat. Aber in den deutschen Ballungszentren, wie München (wo das durchschnittliche Netto-Haushaltseinkommen deutlich über 4000 Euro liegt), bekommen Sie dafür einen guten Garagen-Stellplatz im Zentrum.
Gleiche Lebensbedingungen gibt es schon in Deutschland nicht. Sie sind auch gar nicht zu gewährleisten -- wie ein Bundespräsident sagte und prompt dafür an den Pranger gestellt wurde.
Da sollten wir wohl endlich aufhören, uns bei den Löhnen an China-Indien-Kongo und bei den Ansprüchen an Skandinavien-Schweiz-Singapur zu orientieren. Wir leben in Deutschland und hier sind die wachsenden Probleme, die im Artikel sehr deutlich beschrieben sind.
Die geldgeile Ichlings-Gesellschaft, die sich schon seit längerem in Deutschland entwickelt, ist mir ehrlich gesagt zuwider. Das ist subjektiv.
Objektiv kann ich aber sagen, dass die Menschheit nur in sozial zusammengehörigen Gruppen zu dem aufgesteigen konnte, was sie heute ist. Gesellschaften, die das missachten und die Chancen, die ein intelligenter Umgang miteinander bietet, vergeben, sind schon früher gnadenlos ausradiert worden. Warum sollte es uns anders gehen?
Kai Hamann
Logo, dass dieses Statement von der Redaktion empfohlen wird. Dieser Gedanke zur Armut ist letztlich noch immer eines der größten Argumente politisch nicht aktiv werden zu müssen; "Wir wissen nicht ob die Menschen wirklich arm sind... Armut ist da eh ein sehr schwammiger Begriff. Hier mal ein Bsp. zu H4 in einer siebenköpfigen Familie..."
Ich würde sehr gerne das Notleiden der Banken genauso relativiert zu hören bekommen.
Sie stellen die Frage wer als arm gilt.
Hier die Antwort:
Jeder Sechste gilt aktuell in Deutschland als arm!
15,6 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen gelten als arm. Das bedeutet, dass jedem Sechsten weniger als 940 Euro im Monat zur Verfügung stehen.
Das zur Verfügung stehende Einkommen des oberen Fünftels der Bevölkerung ist 4,5 Mal so hoch wie das des unteren Fünftels.Bezüglich der Armutsquote existieren in Deutschland erhebliche regionale Unterschiede. Bayern und Baden-Württemberg finden kaum Erwähnung und Gebiete, wie Nordrhein-Westfalen (seit Jahrzehnten rotgrünschwarzgelb) oder Mecklenburg-Vorpommern, stehen ganz oben auf der Liste der höchsten Armutsdichte. In Nordrhein-Westfalen stieg die Armutsquote in den Jahren von 2006 bis 2010, besonders Dortmund und Duisburg gelten als gefährdete Ballungszentren.Die Lebenserwartung von Geringverdienern sank in den letzten Jahren in Deutschland. Im Jahr 2001 wurde diese Gruppe noch 77,5 Jahre alt. Mittlerweile fiel diese Zahl im Jahr 2010 auf 75,5 Jahre. Der Regelsatz für Hartz-IV-Empfänger liegt derzeit bei 364 Euro.
Und Ihr Vergleich mit Entwicklungsländern, wie Rumänien wird von neoliberalen Politikern immer gerne genommen, um die Armut zu verniedlichen.Bei den nächsten Wahlen 2013 haben wir die Möglichkeit etwas gegen diese Politik der neoliberalen ausschließlich am Markt orientierten Politik von CDU/CSU-FDP, SPD/Grüne zu unternehmen. Meine Stimmen bekommen DIE LINKEN Direktkandidat und Partei.
Ich halte es für falsch Armut am Durchschnittseinkommen/Median festzumachen. Armut sollte sich daran definieren, ob der Mensch Mangel an lebenswichtigen Dingen, wie Essen, Wohnung oder Kleidung leidet.
Die aktuelle Armutsdefinition sagt nur, dass die einkommen sehr unterschiedlich sind.
Beispiel: Ich wäre mit 1 Mio. € pro Jahr nicht arm, selbst wenn die Mehrheit in Deuschland 10 Mio. € pro Jahr verdienen würde solange sich die Kosten für die lebensnotwendigen Dinge nicht erhöhen würden.
Die Nak geht von den 60% des Medians aus (siehe hier: http://nationalearmutskon... ).
Natürlich kann man sagen, daß diese Armut nichts mit der Armut in beispielsweise Nordkorea zu tun hat. Dennoch ist es meines Wissens mithin ziemlich gut belegt, daß die psychologischen Effekte von Armut vor allem durch den relativen - nicht den absoluten - Mangel an Besitz entstehen, sowie durch Verschuldung.
Daher halte ich diese Definition durchaus für nützlich.
Armut ist immer relativ! Natürlich ist ein Rumäne in Rumänien mit 200,- Euro reicher als ein Luxemburger in Luxemburg mit 2000,-! Da müssen Sie sich nur mal die unterschiedlichen Preise anschauen!
"Unsre Bedürfnisse und Genüsse entspringen aus der Gesellschaft; wir messen sie daher an der Gesellschaft; wir messen sie nicht an den Gegenständen ihrer Befriedigung. Weil sie gesell. Natur sind, sind sie relativer Natur." (Marx) Ein H4er hat heute sicher einen höheren als ein König vor 2000 Jahren. Wenn alle zu Fuß gehen, ist das eben so...wenn einer reich ist, hat er vllt. ein Pferd, irgendwann konnte sich jeder Kaleschen leisten, der Reiche hatte dann eine eigene Dampfyacht, heutzutage Privatjet und Weltraumflug vs. Zweiwagen im car-port. Trotzdem ist der Zweitwagen-Besitzer arm hier und heute:
"Ein Haus mag groß oder klein sein, solange die es umgebenden Häuser ebenfalls klein sind, befriedigt es alle gesellschaftlichen Ansprüche an eine Wohnung. Erhebt sich aber neben dem kleinen Haus ein Palast, und das kleine Haus schrumpft zur Hütte zusammen. Das kleine Haus beweist nun, daß sein Inhaber keine oder nur die geringsten Ansprüche zu machen hat; und es mag im Laufe der Zivilisation in die Höhe schießen noch so sehr, wenn der benachbarte Palast in gleichem oder gar in höherem Maße in die Höhe schießt, wird der Bewohner des verhältnismäßig kleinen Hauses sich immer unbehaglicher, unbefriedigter, gedrückter in seinen vier Pfählen finden."
http://www.mlwerke.de/me/...
Armut ist, wenn man am gesellschaftlichen Leben nicht mehr oder nur stark eingeschränkt teilnehmen kann und kaum Möglichkeiten hat seine Situation aus eigener Kraft zu verbessern. Daher ist sie natürlich eine relative Größe.
Daher sollte man m.E. das Augenmerk bei der Armutsbekämpfung auf die Chancengerechtigkeit legen. Transferleistungen sollten m.E. so hoch bemessen sein, dass die gesellschaftliche Teilhabe möglich ist. Transferleistung alleine reichen aber nicht und höhere Transferleistungen sind auch nicht per se besser. Ebenso wichtig sind m.E. nämlich strukturelle und kulturelle Aspekte, die Integration statt Ausgrenzung fördern, auf positive Motivation statt Bestrafung setzen, Aufstieg durch Bildung erlauben und den freien Zugang zu Bildungsmöglichkeiten sicherstellen.
Ist mir ein Rätsel, wie die Redaktion diesen Beitrag auch noch empfehlen kann. Natürlich bezieht sich Armut auf das regionale Einkommen und auf die regionalen Lebenshaltungskosten. So definiert sich _jede_ Vermögensangabe.
Für Arbeit und Soziales sind im Bundeshaushalt übrigens rund 130 Milliarden vorgesehen. So viel zu den "hunderten von Milliarden an sozialer Umverteilung".
ntfernt. Nutzen Sie den Kommentarbereich bitte, um sich über den konkreten Artikelinhalt auszutauschen. Danke. Die Redaktion/cv
...steigt die Armutsquote, da das Durchschnittseinkommen steigt, demnach mehr Menschen weniger als 60% verdienen. Wir haben eine Arbeitslosenquote so niedrig wie nie, werden wieder zum Ziel verstärkter Einwanderung als Südeuropa etc. Unser Armutbegriff muss in Ländern der sog. Dritten Welt doch geradezu arrogant wirken.
Ob der arbeitende Mittelstand genug Geld verdient, dass Leistungsanreize beliben, um sich ein bescheidendes Vermögen aufzubauen, Familien zu gründen etc. etc., ist eine andere Frage, und zwar der Verteilungsgerechtigkeit.
Die offizielle Definition der relativen Armut liegt bei 60% des Durchschnittseinkommens. Das zumindest eine halbwegs sinnvolle Näherung, da es eine Korrelation zwischen dem Preisniveau und dem Durchschnittseinkommen gibt.
Allerdings sehe ich es inzwischen auch kritisch, dass in dieser Diskussion ähnlich wie bei Mindestlöhnen immer vom Bundesschnitt ausgegangen wird.
In Duisburg kann man von 1.300 Euro netto halbwegs gut leben, in Stuttgart oder München reicht das kaum, um eine heruntergekommene Studentenbude mieten zu können. Das Preisniveau in Deutschland variiert drastisch.
Eine sinnvollere Armustdefinition würde auf Ebene der Länder und im Süden sogar der Regierungsbezirke (der Unterschied zwischen Regensburg und München ist größer als der zwischen Essen und Regensburg) die Lebenshaltungskosten berücksichtigt.
... Sie denken zu kompliziert. Unsere Regierung ist da simpler gestrickt und hat ja z.B. festgelegt, dass einem Hartz IV-Bezieher für eine Wohnung maximal Zweihundert-Irgendwas Euro im Monat zustehen.
Das doppelte rumänische Armutsgrenzen-Sälär klingt in der Rumänischen Pampa nach Schlaraffenland. In den neuen Bundesländern ist es insgesamt gesehen adäquat. Aber in den deutschen Ballungszentren, wie München (wo das durchschnittliche Netto-Haushaltseinkommen deutlich über 4000 Euro liegt), bekommen Sie dafür einen guten Garagen-Stellplatz im Zentrum.
Gleiche Lebensbedingungen gibt es schon in Deutschland nicht. Sie sind auch gar nicht zu gewährleisten -- wie ein Bundespräsident sagte und prompt dafür an den Pranger gestellt wurde.
Da sollten wir wohl endlich aufhören, uns bei den Löhnen an China-Indien-Kongo und bei den Ansprüchen an Skandinavien-Schweiz-Singapur zu orientieren. Wir leben in Deutschland und hier sind die wachsenden Probleme, die im Artikel sehr deutlich beschrieben sind.
Die geldgeile Ichlings-Gesellschaft, die sich schon seit längerem in Deutschland entwickelt, ist mir ehrlich gesagt zuwider. Das ist subjektiv.
Objektiv kann ich aber sagen, dass die Menschheit nur in sozial zusammengehörigen Gruppen zu dem aufgesteigen konnte, was sie heute ist. Gesellschaften, die das missachten und die Chancen, die ein intelligenter Umgang miteinander bietet, vergeben, sind schon früher gnadenlos ausradiert worden. Warum sollte es uns anders gehen?
Kai Hamann
Logo, dass dieses Statement von der Redaktion empfohlen wird. Dieser Gedanke zur Armut ist letztlich noch immer eines der größten Argumente politisch nicht aktiv werden zu müssen; "Wir wissen nicht ob die Menschen wirklich arm sind... Armut ist da eh ein sehr schwammiger Begriff. Hier mal ein Bsp. zu H4 in einer siebenköpfigen Familie..."
Ich würde sehr gerne das Notleiden der Banken genauso relativiert zu hören bekommen.
Sie stellen die Frage wer als arm gilt.
Hier die Antwort:
Jeder Sechste gilt aktuell in Deutschland als arm!
15,6 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen gelten als arm. Das bedeutet, dass jedem Sechsten weniger als 940 Euro im Monat zur Verfügung stehen.
Das zur Verfügung stehende Einkommen des oberen Fünftels der Bevölkerung ist 4,5 Mal so hoch wie das des unteren Fünftels.Bezüglich der Armutsquote existieren in Deutschland erhebliche regionale Unterschiede. Bayern und Baden-Württemberg finden kaum Erwähnung und Gebiete, wie Nordrhein-Westfalen (seit Jahrzehnten rotgrünschwarzgelb) oder Mecklenburg-Vorpommern, stehen ganz oben auf der Liste der höchsten Armutsdichte. In Nordrhein-Westfalen stieg die Armutsquote in den Jahren von 2006 bis 2010, besonders Dortmund und Duisburg gelten als gefährdete Ballungszentren.Die Lebenserwartung von Geringverdienern sank in den letzten Jahren in Deutschland. Im Jahr 2001 wurde diese Gruppe noch 77,5 Jahre alt. Mittlerweile fiel diese Zahl im Jahr 2010 auf 75,5 Jahre. Der Regelsatz für Hartz-IV-Empfänger liegt derzeit bei 364 Euro.
Und Ihr Vergleich mit Entwicklungsländern, wie Rumänien wird von neoliberalen Politikern immer gerne genommen, um die Armut zu verniedlichen.Bei den nächsten Wahlen 2013 haben wir die Möglichkeit etwas gegen diese Politik der neoliberalen ausschließlich am Markt orientierten Politik von CDU/CSU-FDP, SPD/Grüne zu unternehmen. Meine Stimmen bekommen DIE LINKEN Direktkandidat und Partei.
Ich halte es für falsch Armut am Durchschnittseinkommen/Median festzumachen. Armut sollte sich daran definieren, ob der Mensch Mangel an lebenswichtigen Dingen, wie Essen, Wohnung oder Kleidung leidet.
Die aktuelle Armutsdefinition sagt nur, dass die einkommen sehr unterschiedlich sind.
Beispiel: Ich wäre mit 1 Mio. € pro Jahr nicht arm, selbst wenn die Mehrheit in Deuschland 10 Mio. € pro Jahr verdienen würde solange sich die Kosten für die lebensnotwendigen Dinge nicht erhöhen würden.
Ich habe die Publikationen gerade mal überflogen; Argumentationsgrundlage für die These von gewollter Armut sind vor allem die Förderung des Niedriglohnsektors und so genannter prekärer Beschäftigungsverhältnisse, Unterschiede in Bildungschancen und deren Aufrechterhaltung, Behinderung der Justiz in Fällen von Wirtschaftskriminalität und die simple Verteilungsstatistik, die nun wirklich an feudale Verhältnisse erinnert.
Alles in allem wirkt´s auf den ersten Blick recht solide.
In den 80ern ist aus der dem Gemeinwohl verpflichteten Demokratie die 2/3 Gesellschaft von Thatcher geworden. Jetzt sind wir auf dem Weg zur 51%-Gesellschaft. Ob in Ägypten die Islamisten oder hier die Kapitalisten.
Die Mehrheit knechtet die Minderheit gnadenlos - das wird nicht funktionieren. Eine solche reine Mehrheitsdemokratie ist weder wünschens- noch erhaltenswert.
In den 80ern ist aus der dem Gemeinwohl verpflichteten Demokratie die 2/3 Gesellschaft von Thatcher geworden. Jetzt sind wir auf dem Weg zur 51%-Gesellschaft. Ob in Ägypten die Islamisten oder hier die Kapitalisten.
Die Mehrheit knechtet die Minderheit gnadenlos - das wird nicht funktionieren. Eine solche reine Mehrheitsdemokratie ist weder wünschens- noch erhaltenswert.
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