Nationale Armutskonferenz"Armut ist politisch gewollt"

Die Aufstiegschancen für Arme sind gering, das Armutsrisiko höher, als die Regierung zugibt. So lautet die Kritik der Nationalen Armutskonferenz in ihrem Schattenbericht. von dpa

Die Armut in Deutschland pendelt sich nicht nur auf hohem Niveau ein. Sie wird auch schöngerechnet von der Regierung und ist politisch gewollt – so lautet die Kritik der Nationalen Armutskonferenz (nak) in ihrem Schattenbericht .

Der Bericht soll einen Gegenentwurf zum offiziellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung darstellen. Die nak kritisiert, dass die Armutsquote seit Jahren zwischen 14 und 16 Prozent liegt. Wer in Deutschland arm ist, bekomme laut dem Bericht immer weniger Chancen, der Armut zu entfliehen. Vizesprecherin Michaela Hofmann spricht von einem Skandal. Nach ihrer Einschätzung ist "Armut politisch gewollt".

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Abzulesen sei das aus Hofmanns Sicht an den unzureichenden Hartz-IV-Sätzen und dem ausufernden Niedriglohn-Bereich. Kinder hätten auch nach der letzten Hartz-IV-Reform und dem damit verbundenen Bildungs- und Teilhabepaket "keine Chance, aus dem Armutskreislauf herauszukommen", sagte Hofmann.

Jeder Vierte arbeitet im Niedriglohnsektor

Inzwischen arbeitet laut dem Bericht jeder Vierte im Niedriglohnsektor. Etwa 7,6 Millionen Menschen – 9,3 Prozent der Bevölkerung – erhalten staatliche Leistungen zur Sicherung ihres Existenzminimums.

Die nak ist ein Zusammenschluss von Sozial- und Wohlfahrtsverbänden sowie Gewerkschaften. Sie fordert unter anderem gesetzliche Mindestlöhne, höhere Regelsätze und Förderprogramme gegen Wohnungsnot.

Wirtschaftsministerium sieht kein Problem in Altersarmut

Der Wissenschaftliche Beirat beim Wirtschaftsministerium hat sich am Dienstag zum Thema Altersarmut geäußert: Altersarmut sei derzeit kein drängendes Problem, heißt es in dem Gutachten, das dem NDR  vorliegt. Wenn es zum Problem werden sollte, sei das in erster Linie auf die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zurückzuführen. Dann könnten Geringqualifizierte und Menschen mit Migrationshintergrund betroffen sein. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen ( CDU ) hatte Altersarmut in der jüngsten Zeit häufig zum Thema gemacht. Sie schlägt zur Lösung des Problems eine Zuschussrente vor.

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Leserkommentare
    • Moringa
    • 18. Dezember 2012 17:17 Uhr

    'Hartz IV reicht dicke aus, wenn man im Stande ist zu rechnen. Es wurde ja auch schon aufgezeigt, dass die Sätze eigentlich viel zu hoch sind.'

    Das klingt ja nach echter Erfahrung. Wie lange leben Sie schon von diesen opulenten Sätzen und wieviel können Sie dabei monatlich noch sparen? Tipps könnten für andere Betroffene doch sicher hilfreich sein!

    18 Leserempfehlungen
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    denn er kann, dem Namen nach, vermutlich rechnen wie kaum ein zweiter.
    Es ist aber kaum vorwerfbar, wenn jemand nicht besonders gut rechnen kann, und man muss schon ziemlich gut im Rechnen und vor allem im Planen sein, wenn man von H4 gut leben will.

  1. 90. [...]

    Entfernt. Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen. Danke, die Redaktion/jk

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "wer ist die nak?"
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    • Otto2
    • 18. Dezember 2012 17:27 Uhr

    Entfernt. Der Kommentar auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile gelöscht. Danke, die Redaktion/jk

    "2005 BERLIN (Dow Jones-VWD)--Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hat vorgeschlagen, einen Ausbau des Niedriglohnsektors in Deutschland über Freibeträge bei den Lohnnebenkosten zu finanzieren . Der Niedriglohnsektor müsse gefördert werden, sagte Clement am Montagabend bei einer Diskussionsveranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion zum Thema "Soziale Marktwirtschaft" in Berlin. Dazu solle man "Grundfreibeträge auf Lohnnebenkosten diskutieren", schlug er vor. "Ich glaube, dass wir im Niedriglohnsektor mehr Jobs in Deutschland brauchen", sagte der Wirtschaftsminister. "

    Wenn das kein bekundetes Interesse daran ist, Armut zu verbreiten..... dann bin ich wohl blöde und bitte dies zu entschuldigen. Aber dies ist meine Meinung.
    Es wäre nett, wenn Sie meinen kommentar wiederherstellten.

    • Otto2
    • 19. Dezember 2012 11:25 Uhr

    Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/ls

    • 可为
    • 18. Dezember 2012 17:21 Uhr

    wirft eine andere, viel kompliziertere Fragestellung auf, nämlich die, ob nicht jeder Mensch von Grund auf gleich Schlau ist - und wenn dem so ist, wer macht dann die schlechter bezahlten Berufe?
    Laut ihrem Kommentar machen dies zur Zeit die Kinder aus sozial schwachen Familien, ihrem Wunsch entsprechend machen es die, die die schlechtesten Lehrer abbekommen, oder von ihren Eltern schlechter erzogen wurden. Ist das fairer?

    Es gibt nach wie vor Bedarf an allen Berufen, und irgendwer muss sie machen - "Fairness" erreichen sie nur, wenn sie jeden gleich bezahlen, und das das nicht funktioniert wurde zu Genüge bewiesen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Was hier im Forum..."
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    eingestufte Fragestellung, an welchem Punkt Gleichheit anzusetzen ist, ist die mit Abstand älteste Frage zu diesem Thema.
    Und wie es richtig heißt: gleiche Chancen.
    Denn was klar ist, dass Menschen unterschiedlich sind. Nicht jeder möchte oder ist in der Lage, Bundespräsident (zu) werden. Theoretisch aber sollte jeder die Möglichkeit haben, diesen Platz einzunehmen.
    Für dieses Ansinnen, der Chancengleichheit, könnten durchaus altgriechische Aspekte der Polis in Teilen übernommen werden. Z.B., das es ein Rotationsverfahren für bestimmte öffentliche Positionen gäbe. Mit Losverfahren sind alle BürgerInnen in einem Topf, außer jenen, die schon das Amt inne hatten und einer oder je nach Amt, mehrere werden auf begrenzte Zeit auf diesen Posten berufen.
    Allein dieses Gedankenspiel zeigt auf, was die Bildung in Deutschland leisten müsste, damit diese Ämter von jedem(r) in zwar unterschiedlicher, aber angemessener Weise ausgefüllt werden könnte.

    • Otto2
    • 18. Dezember 2012 17:27 Uhr
    92. [...]

    Entfernt. Der Kommentar auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile gelöscht. Danke, die Redaktion/jk

    Antwort auf "[...]"
  2. Wikipedia
    Der Herrenmoral ordnet Nietzsche auch Begriffe wie vornehm zu. Die vornehme Art Mensch fühlt sich als wertbestimmend, [...] sie ist wertschaffend, schreibt Nietzsche. Die Herrenmoral ist also ein Moralsystem für Menschen, die gestalten, die Macht haben, die ein Gefühl der Fülle, der Macht, die überströmen will, das Glück der hohen Spannung, das Bewußtseins eines Reichtums, der schenken und abgeben möchte, besitzen. Auch der vornehme Mensch helfe dem Unglücklichen, aber nicht oder fast nicht aus Mitleid, sondern mehr aus einem Drang, den der Überfluss von Macht erzeugt.

    Antwort auf "@Tangens alpha"
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    so singulär wie ihre Ansichten ist dessen Tangens.

    Mit freundlichsten Grüßen aber selten so gelacht

    Ach du lieber Himmel! Von vornehmen Philosophen, die von Bergen herabstiegen, Gott für tot erklärten und sonst noch allerlei Firlefanz auf Lager hatten, haben wir eigentlich genug. Auch die Meinung Nietzsches, die Antike sei am Sklaventum zugrunde gagangen, die Moderne laufe aber Gefahr, am Mangel an Sklaventum zugrunde zu gehen, hilft hier nicht weiter. Blonde Bestien, und seien sie noch so vornehm, braucht in dieser Diskussion wirklich keiner. Wir haben mittlerweile ein Grundgesetz, in dem die Sozialstaatlichkeit verankert ist. Selbst vornehme Philosophen haben nicht das Recht, daran zu rütteln.
    Darum das - zugegeben strapazierte - Zitat des (Schweizer) Aufklärers Pestalozzi: "Wohltätigkeit ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade." Und auf diese Wohltätigkeit können die Armen verzichten - egal, wie vornehm der Spender sich gibt, egal von welchem Berg er herabstieg und egal, wo er predigte.
    Es geht um soziale Gerechtigkeit und nicht um Größenwahn. Die Zeiten sind - Gott sei Dank! - vorbei.

    • 可为
    • 18. Dezember 2012 17:31 Uhr

    wenn man es nicht mit dem gleichen Lohn für alle schafft, und nicht durch etwas zufälliges wie Wohlstand des Elternhauses, werden immer diejenigen mit den größten Ellenbogen die bessere Ausbildung erhalten. Danach werden sie die Elite, und damit die Meinungsmacher und Politiker stellen.

    Das könnte fast bedeuten, dass sich das Modell gleicher Bildungschancen für alle in regelmäßigen Abständen selbst abschafft...

    Antwort auf "Was hier im Forum..."
  3. eingestufte Fragestellung, an welchem Punkt Gleichheit anzusetzen ist, ist die mit Abstand älteste Frage zu diesem Thema.
    Und wie es richtig heißt: gleiche Chancen.
    Denn was klar ist, dass Menschen unterschiedlich sind. Nicht jeder möchte oder ist in der Lage, Bundespräsident (zu) werden. Theoretisch aber sollte jeder die Möglichkeit haben, diesen Platz einzunehmen.
    Für dieses Ansinnen, der Chancengleichheit, könnten durchaus altgriechische Aspekte der Polis in Teilen übernommen werden. Z.B., das es ein Rotationsverfahren für bestimmte öffentliche Positionen gäbe. Mit Losverfahren sind alle BürgerInnen in einem Topf, außer jenen, die schon das Amt inne hatten und einer oder je nach Amt, mehrere werden auf begrenzte Zeit auf diesen Posten berufen.
    Allein dieses Gedankenspiel zeigt auf, was die Bildung in Deutschland leisten müsste, damit diese Ämter von jedem(r) in zwar unterschiedlicher, aber angemessener Weise ausgefüllt werden könnte.

    2 Leserempfehlungen
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    • 可为
    • 18. Dezember 2012 17:38 Uhr

    ob jemand Bundespräsident oä werden kann, ist es ebenfalls nicht gerade fair. Und jeden dazu auszubilden wäre ganz einfach unbezahlbar^^

  4. Arm ist für mich ein z.B. Rumäne mit 150 Euro im Monat(kaufkraftbereinigt) der weder fließend Wasser noch Zentralheizung hat, keine Waschmaschine, keinen Kühlschrank besitzt, notwendige Medikamente selbst kaufen muß und keine aufwendige Operation erwarten kann.
    Nach ihrer Definition wäre dieser Mann aber nicht arm, weil er in Rumänien lebt und man dort erst mit weniger als 100 Euro armutsgefährdet ist. Ich würde Ihnen empfehlen - testen sie es aus, was ärmer ist: mit 956 Euro in Deutschland leben oder mit 100 Euro in Rumänien!

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    so verlockend sie auch ist und vom globalen Standpunkt sogar richtig, bleibt ungenügend, da es keine Systemeinheit zwischen Rumänien und Deutschland gibt. Sie müssten die Organisationseinheit Nationalstaat aufheben und entweder einen, aus geographischer Perspektive, Europastaat etablieren, in welchem dieser Vergleich ohne wenn und aber zulässig ist oder besser gleich den Weltenstaat.
    Und dann werden die Armen der einzelnen Länder eben angeglichen in ihrer Armut und sie haben hier in Deutschland dann eben rumänische Verhältnisse.

    Damit hilft man aber weder dem rumänischen, deutschen, indischen, oder sonst welchen Armen, indem man sie gegeneinander vergleichend ausspielt - nach dem Motto: sei froh, woanders krepieren sie schon nach einem Jahr.

    • Centime
    • 18. Dezember 2012 17:58 Uhr

    Musste doch tatsaechlich nachlesen ob Sie mich meinten. Aber Sie antworten auf meinen Kommentar.Wie definiere ich denn Armut? Wie kommen Sie darauf einen Menschen als nicht als arm zu betrachten nur weil er aus Rumaenien kommt?
    Ihren Beitrag verstehe ich nicht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sk
  • Schlagworte Bundesregierung | CDU | NDR | Ursula von der Leyen | Wirtschaftsministerium | Bevölkerung
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