Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat ihre mehr als dreijährigen Ermittlungen erfolgreich abgeschlossen: Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der frühere Finanzvorstand des Unternehmens, Holger Härter , werden angeklagt. Die Strafverfolgungsbehörde wirft ihnen Manipulation des Aktienkurses des Sportwagenherstellers vor.

Demnach hätten beide im Jahr 2008 in öffentlichen Erklärungen des Unternehmens unrichtige Angaben über den Kauf von VW-Anteilen gemacht und ein Beherrschungsinteresse entgegen den tatsächlichen Absichten dementiert. Diese Anschuldigungen wiesen die Verteidiger der beiden Top-Manager als unbegründet zurück: Die Anklage werde keinen Erfolg haben, teilten deren Rechtsanwälte mit.

Die Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit dem gescheiterten Übernahmeversuch von VW . Im Oktober 2008 hatte die Porsche AG bekanntgegeben, den wesentlich größeren Konzern übernehmen zu wollen. Damals teilten die Zuffenhausener mit, bereits rund 43 Prozent der VW-Aktien zu halten und sich mittels Kaufoption den Zugriff auf weitere 31,5 Prozent der VW-Papiere gesichert zu haben.

Dementis beeinflussten Aktienkurs

Diese Ankündigen sorgten an den Börsen für einem exorbitanten Kursanstieg der VW-Aktie, die zeitweise über 1.000 Euro wert war. Später fiel die Aktie aber wieder, Porsche machte mehr als zehn Milliarden Euro Verlust und wurde schließlich von Volkswagen geschluckt . Was folgte, war die Demission von Wiedeking und Härter sowie ein langes juristisches Nachspiel. Investoren fühlen sich falsch informiert und um ihr Geld gebracht.

Diese Auffassung teilt auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart . Zwischen März und Oktober 2008, so die Ermittler, hätten Wiedeking und Härter mindestens fünf Mal dementiert, die Beteiligung an VW auf 75 Prozent zu erhöhen, obwohl Porsche das bereits seit Februar vorgehabt habe und erste Vorbereitungen bereits liefen. Diese Dementi hätten Auswirkungen auf den Börsenpreis der Volkswagen-Aktien gehabt, Anleger seien zum Kauf und Verkauf von Volkswagen-Aktien verleitet worden.

Vorwurf der Untreue fallen gelassen

Beide werden sich nun also womöglich vor dem Kadi verantworten müssen – vorausgesetzt, das Landgericht Stuttgart entscheidet, ob die Vorwürfe für die Aufnahme eines Gerichtsverfahrens ausreichen. Nicht mehr verhandelt wird dann der Vorwurf der Untreue. Diesen hat die Staatsanwaltschaft fallen gelassen. Davon, dass Wiedeking und Härter die Existenz ihres Unternehmens vorsätzlich aufs Spiel gesetzt haben, kann also keine Rede mehr sein.

Eine mögliche Anklage gegen Wiedeking könnte auch Auswirkungen auf die parallel laufenden zivilrechtlichen Milliardenklagen gegen die Porsche-Muttergesellschaft SE am Landgericht Braunschweig haben. Dort streiten Anleger um Schadenersatz. Sollte tatsächlich auch in Stuttgart ein Strafverfahren eröffnet werden, hätten Prozessbeteiligte aus den zivilen Verfahren die Chance auf Akteneinsicht, etwa über Protokolle aus Vorstandssitzungen.