UN-Klimakonferenz : Umweltverbände sind enttäuscht vom Klimagipfel

Aufgeschobene Finanzhilfen für Entwicklungsländer, kaum Verpflichtungen zum Klimaschutz, eine schwache EU – für viele Umweltverbände ist der Klimagipfel gescheitert.
Aktivisten vom BUND demonstrieren in Berlin vor dem Brandenburger Tor gegen den Stillstand im Klimaschutz. © Kay Nietfeld/dpa

Auf die Beschlüsse der UN-Klimakonferenz in Doha haben Umweltverbände mit Enttäuschung reagiert. "Der Klimaschutz ist in Doha auf der Strecke geblieben. Die wachsweichen Beschlüsse der Konferenz leisten keinen Beitrag, um den globalen Temperaturanstieg zu bremsen", sagte Hubert Weiger , Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zum Ende des UN-Klimagipfels.

Vage Ankündigungen und die Bereitstellung viel zu geringer finanzieller Mittel reichten nicht aus, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu halten. Die beschlossene zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls enthalte zu große Schlupflöcher und zu niedrige Reduktionsziele für Treibhausgase. CO2-Emissionsrechte aus der ersten Handelsperiode würden nicht gelöscht, was künftige Klimaschutzbemühungen schwäche. "Das Kyoto-Abkommen ist nur noch eine leere Hülle", sagte der BUND-Vorsitzende.

Kritik äußerte Weiger auch am Verhalten der Bundesregierung . Ohne Rückendeckung von Kanzlerin Angela Merkel für ein höheres CO2-Reduktionsziel der EU sei die Position von Umweltminister Peter Altmaier mehr als schwach gewesen. "Merkel und Altmaier haben der lange absehbaren Aushöhlung des Kyoto-Protokolls tatenlos zugesehen. Deutschland ist mitverantwortlich dafür, dass der einzige verbindliche internationale Klimaschutzvertrag nur noch ein Schatten seiner selbst ist", sagte Weiger.

  Arme Länder bleiben mit Folgen alleine

Auch für die Entwicklungsorganisation Oxfam führen die Ergebnisse der UN-Klimakonferenz weder zu mehr Klimaschutz noch zu mehr Hilfen für die armen Länder bei der Bewältigung des Klimawandels. "Es ist unfassbar, wie die Regierungen auf diesen Klimakonferenzen vor allem versuchen, nicht den Klimawandel, sondern den Klimaschutz zu vermeiden – auf Kosten der Menschen in den armen Ländern, deren Ernten vertrocknen oder von den Feldern gespült werden", sagte der Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig.

Die Aufschiebung der Hilfe für Klimaopfer sei "unerträglich", sagte der Greenpeace-Leiter für internationale Klimapolitik, Martin Kaiser. Schon jetzt verlören Tausende Menschen ihre Heimat durch die Folgen der Erderwärmung, kämen durch Dürren und Überschwemmungen ums Leben.

Auch der WWF Deutschland sprach von einem schwachen Ergebnis der zweiwöchigen Verhandlungen. "Gemessen an den Erwartungen ist die Konferenzbilanz enttäuschend, gemessen an den Herausforderungen des Klimawandels ist sie vernichtend", sagte der Vorstand der deutschen WWF-Sektion, Eberhard Brandes. Besonders gravierend sei "das schwache Erscheinungsbild" der Europäischen Union gewesen.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

73 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Lobbyisten jammern auf hohen Niveau!

"Aufgeschobene Finanzhilfen für Entwicklungsländer, kaum Verpflichtungen zum Klimaschutz, eine schwache EU – für viele Umweltverbände ist der Klimagipfel gescheitert."

Wo kann man noch Staudämme bauen um Wasserkraftwerke zu installieren, Fische und Vögel durch Windkraftanlagen vertreiben und den Lebensplatz von Pflanzen durch riesige Speicherkraftwerke vernichten?

Windkraftanlagen sind vor allem toll, wenn sie nicht in der Nähe der eigenen Wohnung stehen.

Kontraproduktiv

Die Klimakonferenz ist gescheitert - nicht nur für die Umweltverbände. Die ganze Veranstaltung eine Farce von Anfang an, das hervorgewürgte Ergebnis eine Blamage. Zudem wegen der durch An- und Abreise sowie Klimatisierung der Konferenzräume verursachten CO2 Freisetzung auch noch kontraproduktiv. Na dann Prost... es lebe der Klimawandel!

Lindzens Aussagen wurden widerlegt

Und er hat sich selbst öffentlich für seine Fehler entschuldigt (ein bisschen, zumindest.)

Lindzens zentraler Punkt ist der Vorwurf, dass Wissenschaftler Daten frisieren um Alarmismus verbreiten zu können.

(In vielen Punkten, die hier immer wieder von Foristen gebracht werden, stimmt er übrigens mit der großen Mehrzahl der Wissenschaftler überein: Es wird wärmer, der CO2-Ausstoß steigt, CO2 ist ein Treibhausgas.)

Doch er selbst hat hier geschummelt, gerade in seinem wichtigsten Punkt. Und selbst nach der Richtigstellung verbreiten konservative englische Medien noch immer die alte Version seiner Aussage.

Herr Nehls, wieder einmal sagen Sie nur

die halbe Wahrheit:
Richard Lindzen hat beim Herunterladen von Daten einen Flüchtigkeitsfehler gemacht, weshalb er bittet, eine einzige Grafik aus seinem Vortrag vor dem UK-Unterhaus im Februar 2012 nicht weiter zu verwenden. Seine Kernbotschaft, dass die positiven Rückkopplungen der Erwärmung durch CO2 (die das IPCC unbedingt braucht, um auf seine alarmistischen Prognosen zu kommen) weit übertrieben wurden und sogar negative Rückkopplungen wahrscheinlicher sind, ist davon in keiner Form betroffen. Es spricht übrigens für Lindzen, dass er solche Irrtümer bereinigt, auch wenn sie banal sind, und sich dafür entschuldigt. (Und es spricht gegen Sie, wenn Sie deshalb bahaupten, Linzen sei widerlegt.)
Lindzens demütige Haltung würde ich gerne einmal beim IPCC sehen wollen (dessen Fans es vorziehen, die Gegner zu diffamieren, siehe DIE ZEIT: "Die Klimakrieger"), der sich mit "projections" aus dem Fenster hängt und mit >90%iger statistischer Sicherheit belegt, die auf der Basis von "forcing agents" für das Klima berechnet wurden, von denen zwei Drittel (nach eigener Aussage!) wissenschaftlich nicht oder kaum verstanden werden. Deshalb sind die Modelle auch jetzt schon von der realen Temperaturentwicklung widerlegt worden, soweit sie sich nicht sicherheitshalber auf eine so ferne Zukunft beziehen, dass die Autoren nur noch an ihrem Grab dafür ausgelacht werden könnten, falls sich dann noch irgendjemand für den vom IPCC produzierten Unsinn interessieren sollte.

Lindzen

hat versucht sich herauszureden, es habe sich "um den gleichen URL" gehandelt (was nicht stimmt), sein Fehler sei "unschuldigerweise" vorgekommen.

Das ist ziemlich unglaubwürdig für einen, der regelmäßig der anderen Seite die Unterdrückung bzw. Manipulation von Daten vorwirft. Und dass Herr Lindzen mit seinen Mutmaßungen (1 Grad Klimasensitivität des CO2) ziemlich allein auf weiter Flur steht, sollte auch nicht verschwiegen werden.

Im Übrigen war es nicht Lindzen selbst, der diesen Fehler gefunden hat, sondern Gavin Schmidt von realclimate.org.

Lindzen blieb da nichts als der geordnete Rückzug - wohingegen die englische Rechtspresse weiter von einer "schallenden Ohrfeige" schwadroniert, die Lindzen irgendwem angeblich verpasst haben soll - da ist wieder die Lüge, die es um den Globus macht bevor die Wahrheit sich erst die Stiefel angezogen hat.

Man muss eigentlich nicht darauf hinweisen, dass Rückkopplungen durch Wasserdampf selbstverständlich von Klimaforschern berücksichtigt werden, dass die Forschung selbstverständlich Unsicherheiten einräumt, wo sie nun einmal existieren, und dass Herrn Lindzens Aussagen (2005 vor dem House of Lords) in Übereinstimmung mit dem Gros der Klimaforscher stehen:

CO2 ist ein Treibhausgas, die CO2-Konzentration steigt, und es wird deswegen wärmer auf der Erde.

Es ist oft so, dass andere auf einen Fehler aufmerksam machen!

Wundert mich nur, dass Sie niemanden kennen, der eine Klimasensitivität bei CO2-Verdopplung von 1 Grad oder weniger annimmt. Ich kenne viele. Sogar das IPCC gehört dazu! Deshalb sind die Modelle ja auf die Wasserdampfrückkopplung angewiesen, wenn sie einen gefährlichen Temperaturanstieg ausweisen sollen! Nur haben die Modellierer "vergessen", dass Wasserdampf in der Atmosphäre gerne seinen Aggregatszustand ändert und zu Tröpfchen oder Eiskristallen - und somit zum (fast) Schwarzstrahler und zum Reflektor (Albedo-Erzeuger) wird - und statt weiterer Erwärmung, Abkühlung bewirkt (trotz frei gewordener Kondensationswärme). Weshalb sind Regen und Schnee wohl kalt? Dies erklärt Lindzens Kernaussage, dass eine CO2-Erhöhung eher negative als positive Rückkopplungen hervorbringt.
Sie haben recht, es ist wissenschaftlich korrekt, Unsicherheiten zu quantifizieren, wenn aber die Verfasser der Summary for Policy Makers aus hochgradigen Unsicherheiten, eine 90-99%ige Sicherheit fabrizieren, dann ist das öffentlich finanzierter Wissenschaftsbetrug, den die 2000 Wissenschaftler, die angeblich hinter dem IPCC stehen sollen, entweder gar nicht merken (weil sie mit der Basic Science nichts am Hut haben) oder wohlwollend hinnehmen (weil er Forschungsgelder bringt) oder aber mit geballter Faust in der Hosentasche zur Kenntnis nehmen. Die meisten der letzteren werden dann nach der Emeritierung (d.h. nach Erreichen der Unabhängigkeit) zum bekennenden "Klimaskeptiker" (oder besser Klimarealisten).

Die Sache mit den Schwarzstrahlern

heisst richtig "Schwarzkörperstrahlung". Fachmann in der Materie sind Sie also erwiesenermaßen nicht (was man auch an Ihrer exzessiven Verwendung von Polemik erkennt.)

Die Schwarzkörperstrahlung hat nicht das IPCC, sondern der Herr Lindzen "vergessen" (wir wollen ja nicht so weit gehen, dies "unterschlagen" zu nennen ..), siehe Trenbert e.a. 2010, oder hier.

Lindzen/Choi (2009) ist von Fachleuten in der Luft zerrissen worden, und als Laie sollten Sie nicht einfach nachreden, was dazu auf den Skeptikerseiten geschrieben wird.

Interessant, Herr Nehls,

Ihre scharfsinnige Analyse, wie Sie einen Fachmann identifizieren. Ich empfehle Ihnen eine Überraschungsumfrage unter den 2000 IPCC-nahen Wissenschaftlern, sie sollen z.B. den Treibhauseffekt beschreiben. Ich garantiere Ihnen, dass nach Ihren Kriterien mehr als 90% keine Fachleute sind, weil sie unvollständige oder teilweise falsche Angaben machen werden.

Ist doch klar, dass Lindzen angegriffen wird, wenn er gefährlich kompetent am Bein des Tischleins Deck' Dich sägt! Lindzen/Choi haben 2011 eine überarbeitete Version veröffentlicht, in der die unbedeutenden Fehler aus 2009 korrigiert wurden, ohne dass sich an der Substanz der Botschaft etwas geändert hätte.

Kritik, Herausforderungen und Debatten sind das Normalste im Wissenschaftsbetrieb. Aber genau das ist es ja, was das IPCC unterbinden will mit seiner unsinnigen Botschaft: "The science is settled".

Seit ich den selektiven Umgang mit wissenschaftlichen Fakten durch die IPCC-Funktionäre kennengelernt habe, der mit todernster Miene hinter "hehrer Wissenschaftsmethodik" versteckt wird. Und wenn ich dann noch die vielen Kopfnicker und Ja-Sager im IPCC-Umfeld sehe, dann wird eben die Polemik zu einer Art Überdruckventil. Neben fachlich unbestechlicher Argumentation erscheint mir die Polemik eine durchaus angemessene Form, auf Unfug zu reagieren.

Ich habe heute noch was anderes zu tun, Herr Nehls, Sie haben das letzte Wort!

Und zu dem 2011er Update noch dies:

Lindzen selbst bekam erhebliche Fehler in seiner Arbeit von 2009 nachgewiesen und charakterisierte sein eigenes Werk später mit den Worten "es war voller dummer Fehler .. es war ärgerlich".

Als er und Choi 2011 ein Update vorlegten wurde dies von vier Sachverständigen (von denen zwei noch dazu von Lindzen selbst ausgewählt worden waren) als "qualitativ unzureichend" und voller falscher Rückschlüsse zur Veröffentlichung abgelehnt.

Doha liegt im Trend, Klimaschutz nicht.

Die meisten Menschen wollen mit der Problematik und den Kosten des gegenwärtigen Lebensstils der über die natürlichne Verhältnisse geht, nicht unmittelbar konfrontiert werden. Die Vertreter und Mandatare in Doha handeln entsprechend vage. Es wird - wie so oft in unserer Geschichte - Katastrophen benötigen zum Umdenken: Deichbau an Deutschlands Küsten erforderte viele Hundert Menschenleben in vielen Katastrophen zuvor, Fukushima war das vorerst letzte Beispiel zur Trendwende. Es müssen Hunderte in den Alpen und den Flussläufen Mitteleuropas umkommen und Tausende Flüchtlinge vor den Stränden Italiens und Spaniens im Mittelmeer ertrinken, bis *wir* bereit sind, die Kosten für prophylaktische Massnahmen zu tragen. Pakistan und Bangladesch sind immer noch zu unbedeutend für bundesdeutsche Ausgaben in 2012-2016, von sehr günstigen Produktionskosten für unsere Weihnachtsgeschenke einmal abgesehen.

Bis die Umweltkrise vor der Haustür steht

Solange man nicht selbst unmittelbar betroffen ist, wird man auch nichts unternehmen wollen, denn all unsere Wirtschaft baut nicht darauf auf nachhaltig zu sein, auch wenn man das gern anpreist, sondern versucht maximal das Schlimmste zu verhindern. Auf politischer Ebene ist das, wenig überraschend, ein weiteres mal nicht gelungen und man sendet damit auch ein negatives Signal an den Rest der Welt. Man bekommt den starken Eindruck es wäre denjenigen egal. Um es kurz zu fassen: Unternehmen oder Parteien, die sich absichtlich oder grob fahrlässig an der Vernichtung aller Lebensgrundlage beteiligen, sind in Ihrer Organisation nicht untersützenswert. Als Begründung dürfe schon alleine ausreichend sein, dass deren oberstes Ziel sein sollte, ihre eigene Lebensgrundlage zu erhalten. Oder hat man es angesichts der Zukunftsprognosen bereits aufgegeben Umweltbemühungen aktiv anzustreben?