"Denke!" steht in knallgelben, übermannshohen Buchstaben an der Uferpromenade in Doha , der Corniche. Auch an vielen anderen Orten in der Hauptstadt Katars sind die Parolen unübersehbar. Sie rufen die Passanten auf, ihr Gehirn zu gebrauchen. "Erforsche!", steht auf Plakaten entlang der Straße; "Lerne!", "Schaffe!", "Staune!", "Wachse!" und "Erfinde!"

Katar soll zu einer Wissensgesellschaft werden. Dahinter steckt Scheicha Moza bint Nasser al Missned persönlich. Sie ist die zweite Frau des Emirs von Katar, Scheich Hamad bin Khalifa al Thani, und eine der mächtigsten Frauen am persischen Golf.

Es ist ihre Stiftung, die  Qatar Foundation for Education, Science and Community Development (QF) , die die Slogans ausgegeben hat. Scheicha Moza setzt ihren Einfluss ein, um Katar zu dem Land zu machen, das ihr Sohn, Kronprinz Tamim, in der Vision der Herrscherfamilie für das Jahr 2030 beschrieben hat. Es soll ein "lebendiges und wohlhabendes" Land sein, "mit wirtschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit für alle und Harmonie zwischen Menschen und Natur".

Der öffentliche Auftritt

Normalerweise spielen die Frauen arabischer Herrschers am Golf keine so exponierte Rolle. Als sich Moza vor neun Jahren das erste Mal an der Seite ihres Mannes in der Öffentlichkeit zeigte, sollen ihre Untertanen schockiert gewesen sein. Doch einschränken lässt sich die Scheicha nicht. Mittlerweile tritt sie auch ohne ihren Mann öffentlich auf.

Ihr dringliches Ziel ist, der Jugend des Landes eine bessere Ausbildung zu verschaffen. Keine kleine Aufgabe in einem Land, in dem so manchem Kind aus reichem Haus schwer zu vermitteln ist, wofür es sich noch anstrengen sollte. Schließlich scheint der Wohlstand durch die immensen Gasvorräte Katars auf Generationen hinaus gesichert. Wofür hart arbeiten?

Trotz Reichtums an Bildung arbeiten

An Geld herrscht in Katar kein Mangel. Seit das Land vor knapp zwanzig Jahren ein Verfahren entwickelte, seine reichen Gasvorräte zu verflüssigen und so besser zu verkaufen, ist es zu einem der reichsten Länder der Welt aufgestiegen. Der Staatshaushalt verzeichnet Überschüsse in Milliardenhöhe . Viel Geld für ein kleines Land mit rund 1,8 Millionen Einwohnern, von denen die einheimische Bevölkerung nur rund 20 Prozent ausmacht.

Auch die Stiftung QF wird mit diesem Geld finanziert. Und Scheicha Moza besucht Schulen, Forschungsinstitute und Universitäten. Sie lockt die besten Forscher ins Land. Mitten in Doha hat sie eine kleine Uni-Stadt aus dem Boden stampfen lassen, genannt Education City , in der mehrere renommierte internationale Universitäten und Think Tanks angesiedelt sind. Viele sind Ableger von Instituten aus den USA , etwa die Georgetown University , die Carnegie Mellon University oder die Rand Corporation.

Nachhaltigkeit

Als kürzlich die Minister zum Klimagipfel in Katar eintrafen, erschien Scheicha Moza höchstpersönlich zur Einweihung der ersten Solar-Testanlage und drückte den Startknopf. Großes Gedränge, um sie herum Security und schwarz gewandete Frauen. In Zukunft soll das Land weniger abhängig von fossilen Brennstoffen werden – die Katarer hoffen, dass in der Solartechnologie neue wirtschaftliche Chancen, Exportmärkte und Jobs stecken. Die Frau des Emirs setzte da mit ihrem Auftritt ein starkes politisches Signal für mehr Nachhaltigkeit. Für ihren weisen Ratschluss, ihre Unterstützung und Führung dankte ihr prompt Omran al Kuwari, der Chef eines der am Testfeld beteiligten Unternehmen.