KraftwerksbauSiemens streicht 1.100 Stellen in Deutschland

Konzernweit will Siemens sechs Milliarden Euro einsparen. Besonders die Energiesparte ist betroffen, dort werden viele Stellen wegfallen. Kündigungen soll es nicht geben. von dpa

Siemens-Arbeiter in einem Werk in Berlin

Siemens-Arbeiter in einem Werk in Berlin  |  © Johannes Eisele/AFP/GettyImages

Siemens streicht 1.100 Stellen in seiner Energiesparte in Deutschland. Betroffen seien die Standorte Erlangen , Offenbach , Duisburg , Mülheim an der Ruhr und Berlin , sagte ein Unternehmenssprecher. Der Stellenabbau soll bis Oktober 2013 abgeschlossen sein und wenn möglich ohne Kündigungen erfolgen. "Wir wollen das sozialverträglich machen. Wir suchen freiwillige Lösungen."

Siemens-Chef Peter Löscher will konzernweit in den nächsten zwei Jahren sechs Milliarden Euro einsparen , um das Unternehmen wieder so profitabel zu machen wie die Konkurrenten. Dazu soll die Energiesparte gut die Hälfte beitragen. Handlungsbedarf bestehe vor allem im Geschäft mit fossilen Kraftwerken und im Öl- und Gasgeschäft, sagte der Sprecher.

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Das Geschäft mit Dampfturbinen für Kohlekraftwerke in Europa und den USA sei praktisch zum Erliegen gekommen. Die Hauptkunden in Indien und China würden über Lizenzen und Partnerschaften beliefert, nicht aus Deutschland.

Probleme durch Iran-Sanktionen

Außerdem reduziere Siemens sein Geschäft mit konventioneller Technik für Atomkraftwerke, sagte der Sprecher. Ein weiteres Problem des Unternehmens: Wegen der EU-Sanktionen gegen den Iran ist das Öl- und Gasgeschäft in dem Land weggebrochen. Abschreibungen beim finnischen Atomkraftwerk Olkiluoto und im Iran hatten im vergangenen Jahr eine halbe Milliarde Euro gekostet.

Insgesamt will Siemens nach Berechnungen der IG Metall in Deutschland in den nächsten zwei Jahren rund 5.100 Arbeitsplätze streichen. Weitere 1.400 Stellen sollten ausgelagert oder durch Verkauf an andere Firmen übertragen werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind durch einen unbefristeten Vertrag eigentlich ausgeschlossen – es sei denn, Betriebsrat und IG Metall stimmen zu. Siemens hatte die Mitarbeiterzahl im Kerngeschäft in Deutschland im vergangenen Jahr um 3.000 auf 119.000 erhöht.

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Leserkommentare
  1. In Deutschland gehen (falls Sie das noch nicht bemerkt haben) momentan reihenweise Unternehmen rund um erneuerbare Energien pleite. Angefangen bei der Solarbranche, die regelrecht implodiert ist (http://www.focus.de/finan...) , sind mittlerweile auch Windkraft und andere Bereiche betroffen.

    Entgegen Ihren Mutmaßungen kann man also jedem Unternehmen, das nicht unter Einsatz enormer Mittel und Kapazitäten auf diesen Zug aufgesprungen ist, nur zu seinem hervorragendem Management gratulieren.
    Das gilt im Übrigen auch für die deutschen Automobilhersteller im Bezug auf die E-Mobilität, wie sich bereits abzeichnet. (http://www.zeit.de/auto/2...)

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    Antwort auf "Offensichtlich hat"
  2. Als in Chile lebender Deutscher sehe ich mit Besorgnis, wie dieser namhafte, renommierte Energiekonzern eine Fehlentscheidung nach der anderen in jüngster Zeit macht. Anstatt sich trendgerecht den weltweit technologischen Herausvorderungen stellt und die Palette der Eneuerbaren Energien und auch die Co-Generation mit Gasturbinen besser abdeckt. - Aber wieder mal aus der Sonnenenergie auszusteigen, nur weil der Chinese gegenwärtig PV-"dumping" betreibt, kann ich von der Siemens-Führungsriege absolut nicht verstehen.

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    • bayert
    • 21. Dezember 2012 17:19 Uhr

    Siemens möchte wieder die Qualitätsführerschaft (inkl. Einhaltung von Terminen) übernehmen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, rav
  • Schlagworte Siemens AG | IG Metall | Abschreibung | Atomkraftwerk | Betriebsrat | Euro
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