South Stream : Putins prekäre Pipeline

Russlands Präsident feiert den Baustart des umstrittenen Pipeline-Projekts South Stream. Er will die Konkurrenz bremsen – doch das wird vergeblich sein.
Russlands Präsident Wladimir Putin © Alexei Nikolsky/AFP/Getty Images

Wladimir Putin hat es eilig. Eigentlich war der offizielle Baustart für die Erdgaspipeline South Stream für das Jahr 2013 geplant. Doch Anfang dieses Jahres wies der russische Präsident den staatlich kontrollierten Gazprom-Konzern an, den Baubeginn der Pipeline auf 2012 vorzuverlegen. An diesem Freitag feiert er nun den Baubeginn des umstrittenen Projekts.

Die Pipeline verläuft von Russland aus durch das Schwarze Meer nach Bulgarien, kreuzt den Balkan und endet am Schluss in Italien. Russland verfolgt mit ihr zwei Ziele.

Erstens: South Stream soll die Ukraine als Transitland für Erdgaslieferungen von Russland in die EU ablösen. Schon seit Jahren streiten die Nachbarstaaten über Gaspreise und die Nutzung des ukrainischen Pipeline- und Speichersystems. Wird die Pipeline vollständig realisiert, schwächt dies die ukrainische Verhandlungsmacht gegenüber Russland erheblich.

Jonas Grätz

ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Center for Security Studies an der ETH Zürich. Sein Fachgebiet ist die russische Energiepolitik.

Der russische Gaspreis für die Ukraine liegt zurzeit über dem durchschnittlichen deutschen Importpreis. Russland bietet der Ukraine zwar einen Rabatt an, verlangt aber dafür Zugeständnisse: Entweder soll die Ukraine seinem Nachbarn das Pipeline- und Speichersystem günstig verkaufen. Oder sie soll der von Russland dominierten Zollunion mit Weißrussland und Kasachstan beitreten.

Bisher haben sich sämtliche ukrainischen Regierungen geweigert, sich auf diese Geschäfte einzulassen. Sie hätten weitreichende Folgen für die Annäherung an die EU und würden die Handlungsfreiheit der Ukraine erheblich schmälern. Allerdings sitzt Russland am längeren Hebel: Wenn die Ukraine eines Tages mit South Stream und mit Nord Stream (der deutsch-russischen Erdgaspipeline durch die Ostsee) vollständig umgangen werden kann, wird Russland neue Geschütze in Stellung bringen können. Es könnte die Erdgas-Versorgung der Ukraine ohne Folgen für die EU einstellen, bis die ukrainische Führung einknickt.

Zweitens: Mithilfe von South Stream will Russland außerdem verhindern, dass alternative Pipelines gebaut werden, die Erdgas aus der Region rund um das Kaspische Meer nach Europa bringen.

Russlands Einfluss auf Abnehmerländer schwindet

Das allerdings wird wohl nicht glücken. Das von der EU unterstützte Nabucco-Projekt ist zwar verkürzt worden, wird aber weiterhin verfolgt. Gaslieferant Aserbaidschan und das Transitland Türkei haben den Bau der TANAP-Pipeline beschlossen, die Gas bis in die EU liefern wird. Das Gas aus der TANAP-Pipeline ist begehrt: Zwei Projekte, die verkleinerte Nabucco-West-Pipeline nach Österreich und die TAP-Pipeline nach Italien, buhlen um einen Anschluss.

Das zeigt zugleich, dass der Einfluss Russlands auf die Abnehmerländer begrenzt ist. Selbst Staaten, die sich an der South Stream Pipeline beteiligt haben, wollen Diversifikation und interessieren sich für Nabucco. Gazprom hat ihnen zwar Preisnachlässe gewährt. Die Gaspreise in Staaten wie Italien, Ungarn oder Bulgarien sind aber immer noch höher als beispielsweise in Deutschland. Mit dem TANAP-Projekt zeigen die Türkei und Aserbaidschan ihre Bereitschaft, von Gazprom unabhängig zu agieren. Und auch für die EU-Kommission ist die politisch motivierte Strategie von Gazprom ein Ansporn, sich noch stärker um Diversifikation zu bemühen.

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Kommentare

32 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Der fossile Energie-Zar

.
"... Präsident Putin setzt dabei auf politische statt wirtschaftliche Logik. Bei Nord Stream ist dieses Kalkül aufgegangen ..."

und

"... South Stream ist daher vor allem eins: ein politisch motiviertes Investitionsprogramm, das die Ukraine unter Druck setzen und Diversifikation verhindern soll ..."

Einmal Oligarch, immer Oligarch.

Deutschland kann an der Ukraine maßnehmen, was passieren wird wenn man sich zu sehr von diesem einen Zaren abhängig macht.

@5 "... zu kurz gedacht ..." ?

.
Sie irren.

Es ist ja nun jetzt nicht so, dass die Chinesen überhaupt kein Gas kaufen wollen, egal von wo her.

Die schippern das Zeug sogar per Gastankschiff zu sich heim, also ist die Alternative, eine Pipeline nach Osten zu bauen eher eine Frage der Zeit.

Mit China bei den Russen um Gas zu konkurrieren ist für Deutschland (und Westeuropa) ungefähr so sinnvoll wie der Vollidiotenplan, mit China am Weltmarkt um die niedrigsten Löhne zu konkurrieren.

(Beides Gerhard Gazprom-Ideen übrigens, ein Schelm wer Böses dabei denkt ...)

Deutschland und Westeuropa müssen wirtschaftlich mehr für den Binnenmarkt tun und energetisch mehr auf regenerative und wesentlich sparsamere Technologien setzen.

Mit den regenerativen Spartechnologien oder gar Kreislauftechnologien könnte sogar eine Zeitlang zusätzlich ein Exportvorsprung gehalten werden .... man kann diesen Vorteil aber auch weiter verschlafen und dafür immer wieder irgendwelchen gutzahlenden Interessengruppen eine Steuerermässigung nach der anderen grundlos hinterherwerfen ... (Stichwort Ökosteuer-Nachlässe für Energieverschwender).

.......

Europa wirtschaftet sich eben selber herunter. Und Europa wäre noch unbedeutender, würde es South-Stream oder North-Stream nicht geben. Baut Russland diese Pipelines, wird Sie das auch nutzen. Baut Sie das nicht, hat Russland es noch einfacher sich nach Asien zu orientieren. Chinesen zahlen bisschen weniger, sind aber weniger paranoid als die Europäer. Mit denen kann man konstruktiv reden. Auf die ist Verlass. Da kann man dafür schon mal einen Rabatt geben.

@ 4 a1854173

"Jeder Ökonom würde genauso handeln". Natürlich aber deswegen gibts ja Konkurrenz und Kartellbehörden, die es aber leider oft nicht bringen.

Putin ist also Ökonom mit dem Ehrgeiz, zum Monopolisten zu werden. Politische Ziele sind irgendwann immer inbegriffen, schon um den Bestand zu sichern.

Er handelt also wie jeder Ökonom, der weder Konkurrenz noch Begrenzung unterworfen ist. Gefällt Ihnen das so besser? Im Ergebnis ändert sich allerdings nichts.

...............

Das allerdings wird wohl nicht glücken. Das von der EU unterstützte Nabucco-Projekt ist zwar verkürzt worden, wird aber weiterhin verfolgt.

Nabucco ist praktisch Tot!
Man hat noch nicht mal gesicherte Gaslieferanten, Aserbaidschan könnte nicht ansatzweise die nötige Gasmenge liefern (im besten Fall 1/4 der Pipeline Kapazität) um die Pipeline wirtschaftlich betreiben zu können.
Nun will auch RWE aussteigen aus Nabucco aussteigen!