GroßbritannienStarbucks will freiwillig mehr Steuern zahlen

Am Ende war der politische Druck zu hoch: Zumindest in Großbritannien lenkt die US-Kaffeekette ein. Sie will mehr Körperschaftssteuern zahlen. von 

Starbucks Filiale in London, Großbritannien

Starbucks Filiale in London, Großbritannien  |  © Dan Kitwood/Getty Images

Nach Informationen der britischen BBC will Starbucks sein Firmenkonstrukt in Europa überarbeiten, um höhere Körperschaftssteuern in Großbritannien zu zahlen. Am Mittwoch schon soll das Unternehmen nähere Details dazu bekannt geben, hieß es.

Für die britische Regierung wäre das ein erster Erfolg im Kampf gegen die Steuerpraktiken internationaler Konzerne. Seit Wochen stehen in Großbritannien Firmen wie Starbucks, Amazon und Google in der Kritik, weil sie kaum Körperschaftssteuer zahlen. Auch der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble kämpft gegen die Steuerflucht von Großunternehmen.

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Am Montag hatte der britische Haushaltsausschuss einen Bericht vorgelegt, der die Steuersparmodelle internationaler Firmen analysiert. Demnach hat Starbucks in all den 15 Jahren, die das Unternehmen in Großbritannien präsent ist, permanent Verluste erwirtschaftet – mit Ausnahme eines Jahres.

Mit feiner britischer Ironie schreibt der Ausschuss: "Wir finden es schwer zu glauben, dass ein kommerzielles Unternehmen mit einem Marktanteil von 31 Prozent, das seinen Aktionären und Investoren gegenüber verantwortlich ist, einen angemessenen Gewinn zu machen, offenbar Jahr für Jahr Verluste erwirtschaften soll." Zumal das Unternehmen vor seinen Aktionären mit einer Rendite von 15 Prozent auf die britischen Geschäfte werben würde.

Der Ausschuss ist unter anderem empört über einige Steuersparkonstrukte. Dazu gehört ein Kredit, den die britische Starbucks-Gesellschaft an die US-Gesellschaft abzahlen muss und dessen Zinsen viel höher seien als üblich. Zudem leiste das Unternehmen Lizenzzahlungen an eine niederländische Tochter und kaufe Kaffeebohnen in der Schweiz ein. Man habe den Verdacht, dass dies alles nur passiere, um den zu versteuernden Gewinn möglichst niedrig zu halten, so der Haushaltsausschuss. Laut BBC bezeichnet die Ausschussvorsitzende diese Praktiken als "abscheulich" und als "eine Beleidigung" für alle britischen Unternehmen und Privatleute, die ehrlich Steuern zahlen würden.

Das Thema Steuerflucht sorgt in Großbritannien für Unmut. Am Mittwoch wird Finanzminister Georg Osborne einen Zwischenbericht zum Haushalt vorlegen. Das Land steckt in der Schuldenfalle. London rechnet allein in diesem Jahr mit rund 7,7 Milliarden weniger an Körperschaftssteuern im Vergleich zum Vorjahr. Bei der Mehrwertsteuer könnten sich die Verluste in den Jahren 2008 bis 2014 sogar auf zwölf Milliarden Euro summieren – mehr als die Kosten der Olympischen Spiele in London.  Umso wichtiger ist es für die britische Regierung zurzeit,  Steuerschlupflöcher für Unternehmen zu stopfen.

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Leserkommentare
    • Kapla
    • 04. Dezember 2012 20:21 Uhr

    wahrscheinlich auf dem Rücken der Angestellten.

    http://www.guardian.co.uk/business/2012/dec/03/starbucks-slash-lunch-breaks

    "Starbucks is cutting paid lunch breaks, sick leave and maternity benefits for thousands of British workers, sparking fresh anger over its business practices."

    Das hört sich nach amerikanischer Art an, nicht nach feiner, englischer.

  1. Klappt doch, brauch man gar nicht über vernünftige internationale Regulierung zur Steuerflucht zu reden. Flexisteuer quasi.
    Einmal Double Irish und Dutch Sandwich zum Mitnehmen bitte.

  2. "Starbucks will freiwillig mehr Steuern zahlen"

    "Freiwillig" ist aber nur aus Versehen in den Titel gerutscht, oder? Schöner Propaganda-Coup der Firma.

  3. Nicht das, was Starbuck macht, meine ich.
    Jetzt tut man so, als würde man jetzt erst erkennen, wie internationale Konzerne ihre Gewinne dahin verschieben, wo sie am wenigsten Steuern zahlen müssen.

    Als Buchhalter ist mir dies alles bekannt und alles ist legal. Die Gesetze wurden von denen gemacht - die Verschiebung der Gewinne wurde von denen erst ermöglicht - , die jetzt so tun, als wäre das unrecht, was da geschiet.

    Vor kurzem gab es hier schon mal einen Artikel, da wurde geschrieben, daß man die anklagen wolle, die es sich erlaubt hätten Steuerschlupflöcher zu ihrem Vorteil auszunutzen. Das hier ist genau das Gleiche.

    Na ja, gut daß wir mal darber gesprochen haben....

    Erwähnenswert ist noch, daß das scheiwzer Modell: "die Reichen handeln ihre zu zahlenden Steuern, an den Gesetzen für die Allgemeinheit vorbei, mit den Behörden aus"
    So ähnlich wie mit dem Schwarzgeld in der Schweiz.

    Dabei fällt mir wieder ein, was die FDP 2005 im Wahlkampf forferte: Die Zahlung von Löhnen sollte in das Ermessen der Arbeitgeber gestellt werden. Auch nicht schlecht.
    Steuern zahlen wie man will, LÖhne zahlen wie man will. Das Paradies ist nah.

    Eine Leserempfehlung
  4. "The American company is accused of paying no corporation tax on sales of £1.2 billion in the last three years and of paying just £8.6 million in tax over the past 14 years of its work in Britain."

    Warum wollen die jetzt mehr als Null zahlen?? Warum zahlen die nicht den gesetzlichen Satz?

    Ein Beweis dafür, das große Unternehme den Profit wenigen zufließen lassen und der Allgemeinheit keinen Nutzen bringen.

    Von einem Starbucks-Arbeitsplatz kann man sich keinen Starbucks-Kaffee leisten.
    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au

    • Sikasuu
    • 05. Dezember 2012 11:20 Uhr

    Wenn unsere Parlamente/Regierungen .... zu DUMM sind diese schon seit Jahrzehnten geübte Praxis zu bemerken und das Steuerrecht so zu ändern dass dies unterbunden wird, haben SIE BEWUST, fast schon mit VORSATZ versagt!
    .
    Von wem war noch einmal der Satz: Steuerpolitik ist Wirtschafts/Industriepolitik?
    .
    ALLE international agierenden Firmen nutzen diese Praxis.
    .
    Beim Kaffewirt oder Google geht das Geschrei jetzt los,macht das doch mal bei Deutscher Bank,VW,Daimler,Siemens, Eon,...... da möchte ich mal die Lobby rotieren sehn!
    .
    Es gibt schon seit Jahrzehnten den Spruch/Denkansatz, dass internationale Unterenehmen NETTO keine oder MINUS Beträge zum Steueraufkommen leisten wenn man Förderung und Steuern miteinander verrechnet!
    .
    Kopfschüttelnde Gruesse
    von
    Sikasuu

    Eine Leserempfehlung
    • Sikasuu
    • 05. Dezember 2012 11:28 Uhr

    Zitat:....Wir finden es schwer zu glauben, dass ein kommerzielles Unternehmen mit einem Marktanteil von 31 Prozent, das seinen Aktionären und Investoren gegenüber verantwortlich ist, einen angemessenen Gewinn zu machen, offenbar Jahr für Jahr Verluste erwirtschaften soll.".....
    ####
    Solche Fälle gibt es auch hier!

    Ein Kleinbetrieb in DE wird nach 3-4 Jahren mit Verlusten als "Hobby" angesehen und kann steuerlich nicht mehr geltend gemacht werden:-) das sollte doch auch bei GROßbetrieben möglich sein?

  5. Der Autorin des Artikels sei der neue US-Dokumentarfilm "We're not broke" (WIR sind nicht pleite!)empfohlen.

    Mehr dazu erfährt man unter folgenden Links:
    www.takeoneaction.org.uk/calendar/details/758 bzw.
    www.werenotbrokemovie.com

    „Empörend!”, kann man nur sagen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte BBC | Google | Wolfgang Schäuble | Starbucks | Amazon | Finanzminister
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