Deutsche BahnMehrkosten von einer Milliarde bei Stuttgart 21 befürchtet

Das umstrittene Bahnprojekt soll Medienberichten zufolge deutlich teurer werden als angenommen. Baden-Württembergs Landesregierung sieht das Kostenrisiko bei der Bahn. von dpa

Das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 wird nach Schätzungen der Deutschen Bahn erheblich teurer werden als angenommen. Ein Informant sagte der Zeitung Die Welt , es sei davon auszugehen sei, "dass drastische Mehrkosten anfallen. Wenn es bei einer Milliarde Euro bleibt, können alle Beteiligten froh sein."

Gründe für die Kostensteigerung sind laut Recherchen der Welt Nachforderungen der Landesregierung, nicht vorhergesehene Probleme bei den Arbeiten und "zu optimistische Annahmen seitens der Projektplanung und fehlende Puffer – schlicht krasse Fehlplanung".

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Am 12. Dezember kommt der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn zusammen. Bei dem Treffen werde der Vorstand über seine aktuelle Prognose informieren, sagte ein Sprecher des S-21-Kommunikationsbüros. Zu den genannten Zahlen äußerte der Sprecher sich nicht. Anders als zu anderen Treffen hätten die Kontrolleure für dieses Treffen keine Unterlagen zur Vorbereitung erhalten, schreibt die Welt .

Eine Kostenexplosion bei Stuttgart 21 sei gerade für den Bahnvorstand Volker Kefer heikel. Er ist für die Technik, Netz, Bahnhöfe und Bauprojekte zuständig. Sein Vorgänger Stefan Garber war von Bahnchef Rüdiger Grube Anfang 2010 abberufen worden, nachdem es zu weiteren Kostensteigerungen gekommen war. Grubes Vertrag wurde vergangene Woche vorzeitig von der Bundesregierung verlängert.

SPD fordert umfassende Aufklärung

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann ( Grüne ) zeigte sich von der Kostensteigerung wenig überrascht: "Mehrkosten von einer Milliarde Euro sind für mich völlig real", sagte er der Welt . Sein Ministerium weise seit Längerem darauf hin, dass die Gelder nicht reichen werden.

Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 hängen am Jahrestag der Volksabstimmung am 27. November 2012 ein Banner mit der Aufschrift "Kostendeckel nicht verhandelbar" auf.

Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 hängen am Jahrestag der Volksabstimmung am 27. November 2012 ein Banner mit der Aufschrift "Kostendeckel nicht verhandelbar" auf.  |  © Franziska Kraufmann/dpa

Der Vize-Fraktionschef der SPD , Florian Pronold , forderte gegenüber der Zeitung: "Der Bundestag muss umfassend über drohende Kostensteigerungen bei S 21 informiert werden. Wir erwarten, dass Minister Ramsauer in der nächsten Ausschusssitzung am 11. Dezember für umfassende Aufklärung sorgt." Ein Sprecher des baden-württembergischen Verkehrsministeriums sagte, das Land werde sich nicht an Kostensteigerungen beteiligen. "Von daher wird die Bahn das volle Kostenrisiko tragen."

Zwar ist Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CDU) nicht unmittelbar für die Vorgänge bei dem Projekt verantwortlich, er gilt aber als einer der einflussreichsten Befürworter des Aus- und Umbaus in Stuttgart und Unterstützer von Grube.
 

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Leserkommentare
  1. aber wen kümmert´s? Seien wir doch froh, daß das Geld nicht für asbestfreie Schulen oder eine menschenwürdige Seniorenbetreuung ausgegeben wird.

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    ...und schaufeln das Geld nach Griechenland. Ich wette dort würde niemand gegen so einen Bahnhof demonstrieren.

    • bayert
    • 02. Dezember 2012 21:42 Uhr

    könnte man in jeder größeren Stadt einen Tiefbahnhof bauen. Gegen die Kosten der GR-Rettung ab 2014 wird S21 ein Schnäppchen sein.

    Geld verschwenden kann man viel einfacher und die Berliner sind sogar noch viel besser darin.

    Interessant ist es, einmal wieder festzustellen daß alle (bisher) 3 Kritiker Ihres Beitrages die gleiche, lächerliche Argumentation verwenden:

    Verschwendung soll dann nicht schlimm sein, wenn woanders noch mehr verschwendet wird...

    Meine Damen und Herren Immobilienprojekt¹-Befürworter:

    Haben Sie keine anderen Argumente?
    Bessere vielleicht...???

    ---

    ¹ Und bitte erzählen Sie den Bürgern nicht länger die Lüge vom "Bahnhofsbau". In Wahrheit geht es um die Verwertung der freiwerdenden Flächen, und aus genau diesem Grunde muss der Bahnhof ja auch zwingend in den Untergrund - sonst werden ja keine Flächen frei...

    • Isi 1st
    • 02. Dezember 2012 19:37 Uhr

    ...ein Schelm, der böses dabei denkt.
    Nur der Deutsche Michel hat mal wieder nix verstanden.
    Abwarten, bis die ersten echten/technischen Bauprobleme auftauchen.

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    "die ersten echten/technischen Bauprobleme " Meinen Sie Wie bein Flughafen Berlin-Brandenburg?

    Der bisher vernachlässigte brandschutz wird ähnlich wie beim Berliner Flughafen mit mehreren Milliarden zu Buche schlagen.

    • xpeten
    • 03. Dezember 2012 10:00 Uhr

    Bitte achten Sie auf Ihren Ton. Danke, die Redaktion/mo.

  2. Also 1 Milliarde X 4,5 = 4,5 Milliarden

    4,5 Milliarden waren als absolute Kostengrenze veranschlagt.

    Macht zusammen 9 Milliarden, also das Doppelte.

    • Hampara
    • 02. Dezember 2012 19:41 Uhr

    Das ist doch ein absoluter Witz, was man da gemacht hat mit dem alten Mann Geisler als Schlichter. Damit war doch von vorneherein klar, dass der Bahnhof gebaut wird und nichts anderes.

    Dabei hätte es absolut genügt, nur einen einzigen Satz in die Verträge zu schreiben:

    Ein festgelegtes Kostenziel wir eingehalten und jeder Cent Mehrkosten wird von der Deutschen Bahn getragen.

    Mitz diesem Satz wären die Arbeiten am Bahnhof auf der Stelle eingestellt worden, und all diese medienwirksame Schlichterei hätte man sich sparen können.

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    • Zack34
    • 02. Dezember 2012 19:42 Uhr

    hätte die Bahn zustimmen müssen.

    "und jeder Cent Mehrkosten wird von der Deutschen Bahn getragen."
    ------------------------
    Was glauben Sie, wem gehört die DB?

    • Zack34
    • 02. Dezember 2012 19:41 Uhr
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    Wir kippen den Billionen Schuldenberg in das Stuttgart 21 Milliardenloch und alles Paletti :-)

    • Klüger
    • 03. Dezember 2012 1:57 Uhr

    ... der Kopfbahnhof könnte laut Aussage eines Experten der Deutschen Bahn noch deutlich ausgebaut werden.

    Bei S21 ist das, wie Sie anmerkten, eher nicht möglich.

    DIeses ganze Projekt stammt noch aus einer Zeit, in der eine "Hoppla-jetzt-komm-ich!"-Politik gemacht wurde.

    Es kommt, wie es kommen muss, das wird ein Milliarden-Desaster und nachher will's keiner gewesen sein!

  3. Dieser Bahnhof wäre dann quasi übersättigt: Ökonomisch zu teuer, übertriebener Reiseluxus, städtebaulich zu groß für eine kleine Stadt. Niemand braucht Stuttgart 21! Man kann so wunderbar nach Stuttgart reisen.

    Eine Milliarde Euro - wieviele völlig heruntergekommene deutsche Bahnhöfe kann man davon in menschenwürdige Zustände verwandeln?

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    sondern womöglich auch Kapazität:

    http://www.stuttgarter-ze...

    Bisher hat die Bahn in Sachen Planungssicherheit bzgl Kosten und Sicherheitskonzepte ja nachweislich rumgelogen ohne Ende. Es ist zumindest damit zu rechnen, dass Christoph Engelhart in der Tendenz recht behält und die Bahn auch bei der Kapazität rumgelogen hat. 32 Züge/h wären so wenig, dass man zuerst denkt, das ist doch n Witz.

    Interessant ist auch dies:

    http://www.stern.de/wirts...

    Im Grunde wurde die Bevölkerung in der Volksabstimmung angelogen, um Nein zu stimmen, so mein Eindruck bisher.

    Ihrer Anmerkung „Niemand braucht Stuttgart 21!“ ist zu widersprechen. Denn erinnern Sie sich bitte an die eigentlichen Beweggründe für dieses Projekt: Einmalig große Innenstadtflächen in Bestlage werden durch die derzeitigen Bahnhofsanlagen blockiert. Die Idee, auf Kosten der Allgemeinheit diese Flächen zu „entwickeln“, die gigantischen Baukosten unter Vorspiegelung unwahrer Kosten-Nutzen-Analysen den Bürgern unterzujubeln und die überproportionalen Gewinne der anschließenden „Inwertsetzung“ der Oberflächenbebauung durch die meist privaten Investoren abzuschöpfen, ist doch ein Musterbeispiel für neoliberales Handeln. Und genau dafür sind solche Projekte vonnöten.

    • Ne_uter
    • 02. Dezember 2012 19:41 Uhr

    Ich finde es toll, dass hier eine Haltestelle der Bahn für die Zukunft entsteht. Was zählen da die minimalen Mehrkosten gegenüber den unendlichen Mehrkosten für den "Hauptstadtflughafen"

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    "Ich finde es toll, dass hier eine Haltestelle der Bahn für die Zukunft entsteht. Was zählen da die minimalen Mehrkosten gegenüber den unendlichen Mehrkosten für den 'Hauptstadtflughafen'."
    Auch wenn die Mehrkosten des neuen Flughafens natürlich mehr als kritisch zu betrachten sind und das Bauprojekt kaum weniger zweifelhaft als Stuttgart 21, so wird der Flughafen zumindest eines der wichtigsten Luftfahrtdrehkreuze in Deutschland, wenn nicht gar in Europa. Es wird inklusive Mehrkosten 4,3 Milliarden kosten, die Hauptstadt mit der Welt verbinden, bis zu 30 Millionen Menschen jährlich überall hin transportieren und 3 Flughäfen ersetzen.
    Stuttgart 21 ist der Bahnhof einer eher kleineren Landeshauptstadt abseits der Hauptverkehrsströme, wird sogar mehr kosten als der Flughafen und nur einen Bruchteil der Kapazität des Berliner Flughafens erreichen. Und das konnte der vorherige Bahnhof im Grund auch schon.
    Zudem wird der Flughafen in Berlin neben dem Passierbetrieb, Fracht- und Spezialflüge abfertigen, Flugzeughangars beherbergen, Technologieunternehmen aufnehmen usw. Im Bahnhof Suttgart 21 wird es einen Bäcker, einen Taschenladen und ein paar Zeitungskioske geben.

    • Afa81
    • 02. Dezember 2012 22:28 Uhr

    ...bis das Brandschutzssystem im S21 Bahnhof eingebaut wird :-)

    Bei S21 ist sicher noch nicht das letzte Wort gesprochen, bzw. die letzte Rechnung eingereicht worden.

    Ich finde, man sollte künftig einen Bahnhof mit 1 Euro und einen Flughafen mit 3 Euro kalkulieren. Einfach, um das Niveau niedriger zu halten. Am Ende läuft es im Baugeschäft ja nicht anders als im Gesundheitswesen: "Wieviel kann ich rauspressen?"

    Die Mehrkosten belaufen sich bei recht fortgeschrittenem Baustand des BER auf derzeit 1,7 Mrd. €. Packen wir meinetwegen noch 300 Mio. drauf. Epic fail - keine Frage. Aber nach seriösen Kostenschätzungen dürften die Mehrkosten bei S 21 diejenigen vom BER locker übertreffen. Der Mehrwert von S 21 tendiert jedoch gen null. Wenn jetzt schon eine Mrd. gleichsam zu Baubeginn zusätzlich veranschlagt werden muss, kann man getrost von mehr als drei Mrd. ausgehen. Auch die Neubaustrecke nach Ulm dürfte sich erheblich verteuern.

    Vieregg und Rössler schätzen allein die Kosten der Neubaustrecke Wendlingen - Ulm auf 4,55 Mrd. (Preisstand: 2. Quartal 2010), die Bahnprognose betrug 2,9 Mrd. - also ein Aufschlag von 1,65 Mrd. €. Wohlgemerkt ohne den Tiefbahnhof und ohne Abschätzung von Inflationsrisiken. Die zu erwartende Kostensteigerung beim Bahnhofsprojekt gaben V&R mit fast 90 % an. -> http://www.kopfbahnhof-21...

  4. Das wird nicht die letzte Milliarde sein, die man drauflegen muss für einen Durchgangsbahnhof, der kaum Zeitvorteile bringt und die Leistungsfähigkeit des Kopfbahnhofs in wichtigen Aspekten nicht erreicht, insbesondere maximale Abfertigungen/Stunde, Warten auf Anschlusszüge ... Kurz: die sinnloseste Baugrube Deutschlands.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Stuttgart | Bahn | Peter Ramsauer | SPD | Bundesregierung | CDU
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