MilliardenverlustThyssenKrupp wird sich neu erfinden müssen

Wegen gigantischer Fehlplanungen fährt ThyssenKrupp ein Milliardenminus ein. Jetzt will sich der Konzern so weit wie möglich aus dem Stahlgeschäft verabschieden. von 

Ein ThyssenKrupp-Mitarbeiter im Stahlwerk Duisburg (Archiv)

Ein ThyssenKrupp-Mitarbeiter im Stahlwerk Duisburg (Archiv)  |  © Sean Gallup/Getty Images

Es ist ein Desaster, das ThyssenKrupp in Brasilien und den USA erlebt. Rund 3,6 Milliarden Euro muss Deutschlands größter Stahlproduzent dort abschreiben. Insgesamt hatte das Unternehmen nach früheren Angaben rund zwölf Milliarden Euro in zwei Werke bei Rio de Janeiro und Mobile, Alabama investiert. Zuletzt standen die beiden Betriebe aber nur noch mit einem Wert von sieben Milliarden Euro in den Büchern.

Insgesamt summieren sich die Verluste in diesem Geschäftsjahr auf rund fünf Milliarden Euro . ThyssenKrupp wird keine Dividende an seine Aktionäre ausschütten – das ist ein Novum in der Firmengeschichte.

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Die Ausflüge in einen brasilianischen Mangrovensumpf und in das Städtchen Mobile im US-Bundesstaat Alabama bringen den größten deutschen Stahlproduzenten und einen der wichtigsten Player im internationalen Stahlgeschäft ins Wanken. Sie zeigen, wie Fehlentscheidungen des Managements selbst extrem große Firmen wie ThyssenKrupp in die Knie zwingen können.

Totalreinfall in Südamerika

Der Konzern ist einer der großen Dax-Konzerne in Deutschland. Rund 150.000 Menschen arbeiten für ihn – zum Vergleich: Volkswagen beschäftigt rund eine halbe Million Arbeitnehmer weltweit. ThyssenKrupp machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 49 Milliarden Euro und war damit nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl der zweitgrößte der internationalen Stahlkonzerne, nach dem niederländisch-luxemburgischen Unternehmen ArcelorMittal. Unterm Strich verzeichneten die Essener aber schon im vorherigen Geschäftsjahr ein Minus von 988 Millionen Euro.

Die Verluste sind die Folgen von gigantischen Fehlinvestitionen in Südamerika . Vor zwei Jahren eröffnete der Konzern in Brasilien eine 5,2 Milliarden Euro teure Stahlhütte in Brasilien. Es war eine der größten deutschen Auslandsinvestitionen überhaupt – und sie entpuppte sich als Totalreinfall.

Um zu sparen, hatte ThyssenKrupp beim Bau auf günstigen Stahl aus China gesetzt. Der allerdings erwies sich als Schrott und musste teuer ersetzt werden. Die Geschichte des brasilianischen Werks ist eine Räuberpistole aus Korruptionsvorfällen, Umweltvergehen und Strafprozessen. Die Investition wurde zum Milliardengrab. Mit dramatischen Folgen für den Ruf des Stahlkochers: Ratingagenturen bewerten die Firma nur noch mit BB+ und schätzen den Geschäftsausblick "negativ" ein.

ThyssenKrupp ist allerdings inzwischen ein industrieller Mischkonzern. Aufzüge, U-Boote und Rolltreppen – all dies stellt das Unternehmen ebenfalls her. Vergleicht man die Umsätze der Stahlsparten internationaler Konzerne, belegt ThyssenKrupp nur Platz sechs im internationalen Ranking. Auch bei den produzierten Stahlmengen schafft es ThyssenKrupp nur ins Mittelfeld. Zu den größten Stahlkochern gehören weltweit neben AcelorMittal nur asiatische Firmen wie Nippon Steel aus Japan oder Bao Steel aus China. 

Leserkommentare
    • bernjul
    • 11. Dezember 2012 22:19 Uhr

    "Die Geschichte des brasilianischen Werks ist eine Räuberpistole aus Korruptionsvorfällen, Umweltvergehen und Strafprozessen. Die Investition wurde zum Milliardengrab."

    Tja, dass kommt davon, wenn man in Billigländer investiert. Wer hätte nur gedacht, dass es in Brasilien andere Spielregeln gibt als hier und dass dieses Land korrupt bis auf die Knochen ist. Das die Herren immer noch nicht begreifen, dass es nicht immer nur ausschließlich um Kosteneffizienz geht:

    "Gerade investiert ThyssenKrupp in zwei Aufzugwerke in China und Indien. Sie sollen für die Zukunft stehen."

    Na, dann viel Glück in Indien und China. Die haben ja auch keine Probleme mit Korruption oder Umweltvergehen. ^^

    2 Leserempfehlungen
  1. hat für die Stahlkocher schon immer kein Geschäft erbracht.

    Würden alle Automobilhersteller ihre Kunden wieder mit Lieferzeiten belegen wäre das Stahlgeschäft kalkulierbarer geworden.

    Am Ende wird dieser Konzern mit der langen Tradion auch im Waffengeschäft wohl zerschlagen und die Sparte die übrig bleiben wird wird wohl auch wieder die Rüstung sein, leider.

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  2. warum will sich T-K aus dem Stahlgeschäft völlig zurückziehen? Das ist doch ihr Kerngeschäft, damit sind sie groß geworden. Auf dem Qualitätsstahlsektor macht ihnen so schnell niemand was vor. Hier hat man das Know how, hier hat man die Fachleute. Hier muß nur jemand an die Spitze, der für seinen Job und seine Leute brennt und nicht so ein flachgebügelter Jurist, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat!!! Was sich heute auch rächt, ist die Schließung der Hennrichshütte in Hattingen. Hier sind Anfang der 90er Jahre die modernsten Hochöfen der Welt angefahren worden, um nach 8 Jahren wieder aufzuhören. Welch eine Managerglanzleistung!!!

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    • genrik
    • 12. Dezember 2012 9:12 Uhr

    Wieder einmal "Nieten in Nadelstreifen"? Und die Konkurrenz mit der eigenen Tochterfirma, die Erfahrung im Bau von Stahlwerken besitzt, aber leider 55 Millionen Euro teurer war als die chinesischen "Spezialisten"? Gier frißt Hirn, und Inkompetenz hat Hochkonjunktur.

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    • NWJ
    • 12. Dezember 2012 10:28 Uhr

    Herr Cromme reiht sich ein in die unzähligen Namen von unfähigen Unternehmensführern. Krankhafte Selbstüberschätzung zeichnen sie aus. Aber auch hier zeigt sich wieder, wie sinnlos die Institution Aufsichtsrat ist. Ein Haufen unfähiger Mitglieder, einschliesslich ihrer Arbeitnehmervertreter. Zum grossen Teil fehlt die Qualifikation, fachlich als auch menschlich. Und wie man nicht anders erwarten konnte, sitzt (saß) auch ein Herr Steinbrück in dem Aufsichtsgremium von Thyssen-Krupp. Was hat er da wohl gemacht? In der Nase gebohrt oder Reden geschrieben? Da stelle man sich vor, ein Herr Cromme als die Führungsfigur "Sauberer Unternehmensführung" und Herr Steinbrück als Kanzler dieser Republik. Da kann man nur noch auswandern.

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  3. Das Warmwalzwerk in Alabama ist das Feinste was es in dieser Technologie heute gibt. Das ist auch nicht das Problem. Das Konzept rechnet sich nur mit Brammen aus Brasilien. Die Kosten hierfür wurden aber falsch - zu niedrig - angesetzt. Demnach kann die Alabama-Anlage nicht wirtschaftlich arbeiten und ist nicht ausgelastet; entsprechende Verluste sind die Folge.
    Der Zeit-Artikel ist in manchen Punkten schlecht recherchiert. Es wurde keine Schrottstahl gekauft. Vielmehr wurde die Kokerei des brasilianischen Stahlwerks in China gekauft, obwohl mit TK-Uhde ein Top-Unternehmen auf dem Gebiet des Kokereibaus sogar im eigenen TK-Konzern vorhanden war. TK-Uhde war aber den Entscheidern zu teuer, somit bestellte man in China. Da waren zu dem Zeitpunkt aber alle Kräfte mit Olympia beschäftigt...Das Ergebnis war eine Pfuschkokerei, welche in der Zwischenzeit von TK-Uhde neu genaut wurde.

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    • bigbull
    • 12. Dezember 2012 16:38 Uhr

    Billigste Lösungen des weiteren Aufbaus von Thyssen-Krupp
    wurden soliden Lösungen vorgezogen.
    Nicht chinesische Firmen ist der Vorwurf des Versagens
    zu machen sondern ausschließlich dem deutschen Management
    und dem deutschen Aufsichtsrat.
    Beide,das Management und der Aufsichtsrat haben total
    versagt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte ThyssenKrupp | Volkswagen | Auslandsinvestition | Brasilien | China | Euro
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