GfK-KonsumklimaSchuldenkrise verdirbt den Deutschen die Kauflaune

Die schwächelnde Konjunktur verunsichert die Deutschen: Weil sie die Auswirkungen der Euro-Krise fürchten, geben sie weniger Geld aus. von afp, dpa und reuters

Die Verbraucherstimmung in Deutschland sinkt: Der Konsumklima-Index des Marktforschungsinstituts GfK fiel für den Januar um 0,2 auf 5,6 Punkte und steht damit auf den tiefsten Stand seit Dezember 2011. "Die Verunsicherung der Verbraucher durch den internationalen konjunkturellen Gegenwind setzt sich auch zum Jahresende 2012 fort", teilte die GfK mit. Es ist der dritte Rückgang in Folge – damit kehrt sich der seit dem Frühjahr andauernde Aufwärtstrend um. "Trotz der moderaten Verluste bleibt das Niveau des Konsumklima-Indikators aber weiter zufriedenstellend", hieß es von der GfK.

Vor allem die Euro-Schuldenkrise habe im Dezember dafür gesorgt, dass die Befragten die künftige konjunkturelle Entwicklung negativer einschätzten als in den Vormonaten. Davon beeinflusst ging auch die Bereitschaft zu teureren Anschaffungen zurück. Niedriger war der weiterhin hohe Wert zuletzt im Mai 2010, so die GfK. "Ob sich dieser Trend im kommenden Jahr fortsetzt, bleibt abzuwarten. Dies wird neben der Höhe der Inflation entscheidend davon abhängen, ob das hohe Beschäftigungsniveau beibehalten werden kann."

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Der private Konsum gilt eigentlich dank der guten Arbeitsmarktlage als Mittel gegen die Schuldenkrise. In Deutschland waren die Folgen der Schuldenkrise lange nicht zu spüren, inzwischen wird aber auch die exportorientierte deutsche Industrie in Mitleidenschaft gezogen , weil viele Handelspartner aus der Euro-Zone in der Rezession stecken. "Die Verbraucher gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten eine schwierigere Phase durchleben wird", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Die Konjunkturerwartungen sanken darum um 3,3 auf minus 17,9 Punkte.

Höhere Einkommen erwartet

Dennoch erwarten die Bürger, dass ihre eigenen Einkommen steigen werden: Hier stieg der Index um 3,4 auf 21,2 Zähler. Im Juni war er allerdings etwa doppelt so hoch. Die Verbraucher gingen zwar nicht mehr davon aus, dass sich ihre Einkünfte "mit der Dynamik entwickeln werden wie bislang". Sie erwarteten aber in den nächsten Monaten immer noch Einkommenssteigerungen, die über der Inflationsrate lägen, sagte Bürkl.

Die GfK verwies auf die Bedeutung einer stabilen Konsumentwicklung. Diese sei neben den Exporten eine wichtige Stütze der deutschen Wirtschaft und schaffe die Voraussetzungen, dass Deutschland nicht in eine Rezession abgleite. Falls keine nachhaltige Lösung für die europäische Schuldenkrise gefunden werde, stehe dem Konsum in Deutschland ein "sehr schwieriges Jahr" bevor, prognostizierten die Marktforscher.

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Leserkommentare
  1. Soso, die Deutschen halten sich beim Konsum zurück - vielleicht liegt es ja auch daran, daß immer mehr Deutsche immer weniger Geld haben, um zu konsumieren?

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    von Preissteigerungen bei Nahrung, Dingen des täglichen Bedarfs usw. steigen meine monatlichen fixen Ausgaben ab 1. Januar 2013 auf über 53,- Euro an - macht im Jahr rund 600 Euro. Ohne das ich mein Konsumverhalten in die eine oder andere Richtung verändere oder mein Einkommen sich in die eine oder andere Richtung verändert.

    Unter diesen Ausgaben befinden sich Mieterhöhung, Strompreiserhöhung, GEZ-Erhöhung, Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge. Alles Dinge, die ich nicht beeinflussen kann. Mit dem Stromverbrauch liege ich schon bei knapp der Hälfte einer vergleichbaren Durchschnittsfamilie. Was ich hier noch regulieren könnte, entzieht sich mir im Moment.

    • pat
    • 21. Dezember 2012 10:35 Uhr

    Ahh das steht es: GfK fiel für den Januar um 0,2 auf 5,6 Punkte und steht damit auf den tiefsten Stand seit Dezember 2011. "Die Verunsicherung der Verbraucher durch den internationalen konjunkturellen Gegenwind setzt sich auch zum Jahresende 2012 fort",

    ist eventuell ein Vorbote der Apokalypse?

  2. Die Binnenkonjunktur schwächelt seit Jahren - das ist bekannt und nichts Neues. Die deutsche Wirtschaft setzt seit Jahren immer mehr und mehr auf Export, grundsätzlich ist das ja nicht falsch, nur: den Export kann man nicht beeinflussen und die wirtschaftliche Lage der Exportpartner auch nicht. Jetzt bricht ein Teil des Exports in die europäischen Länder weg - Griechenland, Spanien etc., auch dank Entscheidungen unserer Regierung. Lohndumping trägt dazu bei, die Lage zu verschärfen.
    Seit 2008 war abzusehen, daß das passieren könnte - da ist es nämlich schon mal passiert; ich erinnere mich an die Artikel in der ZEIT darüber, wie die Firmen in Deutschland betroffen waren und wie der Containerhafen in Hamburg verwaist war.
    Große Teile unserer Wirtschaft scheinen aber davon auszugehen, daß der Export quasi naturgegeben immer so weitergeht - nun, das muß nicht unbedingt der Fall sein. Desto wichtiger wäre es, den Binnenkonsum anzukurbeln - dazu müßten allerdings höhere Löhne her, ein Verzicht auf Niedriglöhne generell, höhere Renten und auch höhere Hartz-IV-Sätze. Der Bedarf nach mehr Konsum in Deutschland ist nämlich durchaus da, wenn man sich umschaut.

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    ## Große Teile unserer Wirtschaft scheinen aber davon auszugehen, daß der Export quasi naturgegeben immer so weitergeht - nun, das muß nicht unbedingt der Fall sein. Desto wichtiger wäre es, den Binnenkonsum anzukurbeln - dazu müßten allerdings höhere Löhne her, ein Verzicht auf Niedriglöhne generell, höhere Renten und auch höhere Hartz-IV-Sätze. Der Bedarf nach mehr Konsum in Deutschland ist nämlich durchaus da, wenn man sich umschaut. ##

    Binnenkonsum ist doof, weil die Gewinne schmälernd.
    Die Bundesregierung wird eher versuchen, neue Absatzmärkte auf dem Mars oder unter dem Meer zu erschließen - die Bundesbank leiht willigen Kunden auch gerne das Geld für den Konsum - damit sich ja nichts änder braucht...

  3. Nun bin ich doch etwas verwundert.

    Im Mai 2012 titelte ZO noch:
    "Deutsche sind so reich wie nie"
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-05/vermoegen-wachstum

    Vielleicht heißt dies:
    Ein kleiner Teil der Deutschen kann, unabhängig der Wirtschaftslage, unbeschwert konsumieren da ihr Reichtum steigt und steigt;
    und der Großteil der Bürger schaut in die Röhre beim Thema Vermögen/ Konsum.

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    das Problem schon angesprochen:
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-05/vermoegen-wachstum?commentstart=1#...
    denn die Zahlen allein sagen wenig aus.

  4. von Preissteigerungen bei Nahrung, Dingen des täglichen Bedarfs usw. steigen meine monatlichen fixen Ausgaben ab 1. Januar 2013 auf über 53,- Euro an - macht im Jahr rund 600 Euro. Ohne das ich mein Konsumverhalten in die eine oder andere Richtung verändere oder mein Einkommen sich in die eine oder andere Richtung verändert.

    Unter diesen Ausgaben befinden sich Mieterhöhung, Strompreiserhöhung, GEZ-Erhöhung, Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge. Alles Dinge, die ich nicht beeinflussen kann. Mit dem Stromverbrauch liege ich schon bei knapp der Hälfte einer vergleichbaren Durchschnittsfamilie. Was ich hier noch regulieren könnte, entzieht sich mir im Moment.

  5. . . .die sagen über Ist-Zustand gar nichts und über Entwicklungen wenig aus. Ich wohne im Ruhrgebiet, das laut dem Armutsbericht neben Berlin ja schwer angeschlagen ist, und. .? In meinem Bekanntenkreis shoppen alle wie verrückt, natürlich in unterschiedlichen Preisklassen. Der Geschäftsführer einer mittelständischen Firma haut Kohle `raus, der wird jetzt Vater, da darf der Kinderwagen auch 1000 Euro kosten. Die Leute in Angestelltenverhältnissen kaufen auch wie irre, Frauen schöne Schuhe für preisreduziert 155 Euro und anderes. Die haben zwar weniger Geld zu Verfügung und klagen auch. Aber der Konsum gehört zum Lebensstil und ein ja gut entwickeltes System vom kurzfristigen Kreditmöglichkeiten streckt ja die Kostenbelastung. Aber geschoppt wird, koste es was es wolle, ehrlich.

    • rahotcl
    • 21. Dezember 2012 11:04 Uhr

    Man sollte sich vielleicht erstmal über das Zustandekommen und die Zusammensetzung des Gfk-Index informieren, bevor man gleich wieder die Armutskeule aus der Schublade holt.

    Von den 3 Komponenten Konjunkturerwartung, Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung wird lediglich die Konjunkturerwartung mit -17.9 negativ bewertet. Einkommenserwartung, sowie Anschaffungsneigung liegen mit 21.2 bzw 20,1 noch deutlich im positiven Bereich.

    Die Zahlen sind alles mögliche, aber mit Sicherheit kein Hinweis darauf, wie schlecht es den Leuten in Deutschland geht,

  6. ist die Ursache. Das klingt für Leute die für das Shoppen kaum was ausgeben können wie blanker Hohn.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, AFP, dpa, nf
  • Schlagworte Einkommen | Euro-Zone | Export | Konsum | Rezession | Verlust
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