ZEIT ONLINE: Herr Neuneck, im abgelaufenen Jahr war viel von der Bazooka die Rede. Damit war meist der Einsatz großer Geldmengen durch die Europäische Zentralbank gemeint, um die Märkte zu beruhigen. Wie treffend finden Sie den Vergleich?

Götz Neuneck: Solche Begriffe sollen die Dramatik der Lage beschreiben. Sie sind spektakulär und eingängig. Viel dramatischer ist aber doch, dass große finanzielle Instabilitäten zu realen Kriegen führen können. Ich erinnere da nur an das Klima vor dem Zweiten Weltkrieg.

ZEIT ONLINE: Was ist die Bazooka für eine Waffe?

Neuneck: Die Bazooka ist den Deutschen eher als Panzerfaust ein Begriff. Es handelt sich um raketenangetriebene, über die Schulter verschießbare Granaten, die sich durch eine Hohlladung angetrieben durch die Panzerung brennen. Der Ruf der Waffe rührt daher, dass eine Rakete mit einer panzerbrechenden und daher durchschlagenden Wirkung kombiniert wird.

ZEIT ONLINE: Wer hat die Waffe erfunden?

Neuneck: Es gab zwei Entwicklungen. Die erste Erfindung war die Hohlladung, die 1880 von dem amerikanischen Physiker Charles E. Munroe forciert wurde. Die zweite war die Kleinraketenentwicklung, die im Jahr 1918 von Robert Goddard begonnen wurde. Ab 1937 entwickelte eine deutsche Gruppe unter Carl Cranz und eine Schweizer Gruppe die Grundzüge der Waffe. Als "Vater der Bazooka" gilt der amerikanische Leutnant Edward Uhl, der vor allem das röhrenartige Startgerät entwarf. Ironischerweise war die Bazooka in den USA ursprünglich ein populäres Jazz-Blasinstrument!

ZEIT ONLINE: Wann kam die Waffe erstmals zum Einsatz?

Neuneck: Die Amerikaner und Deutschen haben die Bazooka erstmals in größerer Zahl im zweiten Weltkrieg eingesetzt. Die Waffe war damals aber zu ungenau. Auf kurzer Distanz wurde sie deshalb meist nur gegen Bodenziele und nicht gegen Panzer abgefeuert. Das Verschießen war auch gefährlich für den Schützen. Die damalige Kriegsführung war stark auf die Panzerwaffe abgestellt. Erst in den letzten Kriegstagen erlangte sie eine größere Bedeutung, als die deutschen Truppen sich schon auf dem Rückzug befanden.

ZEIT ONLINE: Die Bazooka ist einige Jahrzehnte alt. Wie wichtig sind ihre Nachfolger auf den heutigen Kriegsschauplätzen?

Neuneck: Moderne Panzer haben sich heute auf die Bedrohung durch panzerbrechende Waffen längst eingestellt. Sie verfügen oft über eine Aktivpanzerung oder stärkere Schilde. Es gibt seit langem einen Wettlauf zwischen der Offensive, also dem Geschoss, und der Defensive, der Panzerung. Eine moderne Bazooka ist dennoch eine große Bedrohung für jeden Panzer. Sie ist billig und leicht zu transportieren.

ZEIT ONLINE: Welche Hersteller von Bunker- oder Panzerfäusten sind heute bedeutend?

Neuneck: In Deutschland stellt das Unternehmen Dynamit Nobel Defence Panzerfäuste für die Bundeswehr her. Auch in den USA, Schweden , Russland und China gibt es wichtige Produzenten.