WaffenindustrieDie bombensicheren Investments deutscher Banken und Versicherungen
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Deutsche Bank und Allianz verdienen am Rüstungshersteller Rheinmetall

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Glaubt man den Recherchen von Facing Finance, verdienen deutsche Finanzinstitute weiter am Geschäft mit der geächteten Streumunition. Dabei geht es um Firmen in den Vereinigten Staaten, Südkorea und Südafrika . Laut Facing Finance sind darunter Hersteller von Munition und Komponenten für Streugeschosse wie General Dynamics, Alliant Techsystems, L-3 Communications, Textron und Lockheed Martin.

Alle von Facing Finance genannten Unternehmen führen jedoch in ihren Produktlisten selbst keine Streubomben auf – sie bestreiten zudem, heute noch in den Bau von Streumunition verwickelt zu sein. Lediglich die amerikanische Firma Textron, dessen Aktien auch die Deutsche Bank und der Versicherer Allianz gehalten haben sollen, gibt offen zu, Streumunition herzustellen, etwa die Bombe vom Typ BLU-108. Die Allianz bezog am Montag zu den Vorwürfen Stellung: Man habe "Investments in Hersteller kontroverser Waffen (Streumunition, Anti-Personen-Minen, biologische und chemische Waffen) ausgeschlossen." Auch schließe man "Verbindungen zu Geschäften mit Waffen jeglicher Art in politisch instabilen Regionen aus". Würden Allianz-Kunden in Indizes wie etwa S&P 500 investieren, die wiederum Rüstungsfirmen abbilden, agiere "die Allianz nur als Treuhänder". Die anderen deutschen Finanzinstitute reagierten bis zur Veröffentlichung nicht auf Fragen von ZEIT ONLINE.

Deutsche Bank: keine Geschäfte mit Streubombenherstellern

Die Deutsche Bank hat im Jahr 2011 eine "Streumunitionsrichtlinie" verabschiedet. Im Geschäftsbericht der Bank aus dem gleichen Jahr heißt es, "dass bestehende Beziehungen zu Herstellern und Lieferanten von Streumunition sowie zu Zulieferern integraler Bestandteile zu beenden und keine neuen Verträge mit derartigen Firmen abzuschließen sind". Im November 2011 versprach die Bank öffentlich , alle Geschäfte mit Herstellern von Streubomben beenden.

Die Organisation Kritische Aktionäre glaubt dem nicht. Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank im Mai 2012 gab sie zu Protokoll, dass nach ihren Informationen die Deutsche Bank weiterhin an der Finanzierung von Streumunitionsherstellern beteiligt sei. "Auch nach dem offiziellen Ausstiegstermin am 9.11.2011 hat sie nachweislich Kredite an unterschiedliche Streumunitionshersteller vergeben und hält Aktien und Anleihen an denselben", schreibt die Organisation. Nach Angaben der Kritischen Aktionäre unterhält Deutschlands größtes Finanzinstitut auch Geschäftsbeziehungen zu 13 führenden Nuklearwaffenproduzenten wie BAE Systems oder Lockheed Martin.

Deutsche Finanzinstitute investieren laut der Studie von Facing Finance auch in Rüstungsfirmen aus der Bundesrepublik, beispielsweise in Rheinmetall. Das Unternehmen stellt unter anderem Panzer und geschützte Militärfahrzeuge her, Maschinengewehre, Flugabwehrsysteme und Munition. Auf der Hauptversammlung der Firma am 15. Mai 2012 in Berlin warb die Unternehmensführung damit, dass die Defence-Sparte erneut eine Umsatzrendite von mehr als zehn Prozent aufweise. Zum vierten Mal in Folge.

Facing Finance: Allianz ist an Rheinmetall beteiligt

Das überzeugte offenbar auch die Deutsche Bank und die Allianz. Die Allianz ist direkt an Rheinmetall beteiligt, wie aus den Zahlen von Facing Finance hervorgeht. Auch die Deutsche Bank verdient Geld mit Rheinmetall. Sie bietet unter anderem eine Anleihe an. In einer Produktbeschreibung der Deutschen Bank für eine Rheinmetall-Anleihe heißt es kurz und knapp: "RHEINMETALL AG ist ein im Industrie Sektor tätiges Unternehmen mit Sitz in Deutschland." Das Rüstungsgeschäft wird nicht erwähnt. Dafür erfährt der Anleger, dass der Zinssatz rund vier Prozent beträgt und die Mindeststückelung bei 1.000 Euro liegt.

Rheinmetall betreibt mit Diehl zudem die Firma Gesellschaft für intelligente Wirksysteme (GIWS), die ein Artilleriegeschoss verkauft, das sich in der Luft teilt. Die GIWS und deren Mutterkonzerne legen Wert darauf, dass es sich dabei nicht um Streumunition handelt. "Diese Munition oder Komponenten, die zur Herstellung derartiger Munition verwendet werden, gehören nicht zu den Produkten, die von Rheinmetall, deren Tochtergesellschaften oder Beteiligungen entwickelt, produziert, zusammengebaut, gewartet oder geliefert werden", heißt es bei Rheinmetall. "Dies gilt ebenfalls für Antipersonenminen, die bereits durch das Ottawa-Übereinkommen von Dezember 1997 untersagt sind."

Lediglich bei einem Rüstungsunternehmen in der Liste von Facing Finance halten sich die großen Finanzinstitute zurück: Heckler & Koch. Grund dafür dürfte unter anderen die schlechte Bewertung durch die Ratingagentur Standard & Poor’s sein. Die Agentur stuft die Kreditwürdigkeit des Gewehrbauers auf "CCC" und damit am Ende seiner Skala ein. Ausblick: "negativ".

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Leserkommentare
    • Gerry10
    • 10. Dezember 2012 11:10 Uhr

    Sex, Drogen und Waffen.
    Die Erste ist leider zu dezentralisiert um für Megaunternehmen interessant zu sein und die Zweite ist mit hohen Nebenkosten verbunden(Forschung) oder illegal und dadurch ist auch die Konkurrenz demensprechen.
    Bleibt nur noch die Waffenindustrie.
    Die ist legal, immer im Wachstum und deren Produkte werden ständig verbraucht, es besteht also ein gewaltiger Kundenverkehr.

  1. >> Vor der Bundestagswahl 2013 werde die Regierung den Verkauf nicht genehmigen. <<

    ... ist schon echt was Lästiges für die Wirtschaft. Ich empfehle die erprobte Vorgehensweise der Atomwirtschaft:

    "Eine Liste mit vermeintlich wohlgesinnten Journalisten, Argumentationshilfe für Union und FDP, eine U-Boot-Strategie für die SPD: Die Atomlobby hat den Wahlkampf bis ins Detail vorbereitet - um ihn aktiv zu steuern."
    aus: http://www.spiegel.de/wir...

    Dann wird Angela es schon richten.

  2. wo uns die Chinesen noch nicht einge- oder überholt haben. Also fördert sie ausgiebig, ansonsten kaufen die Interessenten eben ihre Kugelspritzen und Panzer eben woanders.

    • Ullrich
    • 10. Dezember 2012 11:19 Uhr

    Das passt alles perfekt zusammen:
    Die Krisenmacher und ihre politischen Geschäftsführungern (Regierungen) investieren das Geld der Steuerzahler in Rüstung, Krieg und Aufstandsbekämfpung, materiell wie personell nachdem sie die Bevölkerungen in Sachen Bankenrettung als Geiseln genommen haben.

    Besser geht es nicht.

  3. werden gerade ein paar Fachkräfte frei. Zudem sollte Deutschland in der Drohnenproduktion aufholen, in der EU wächst gerade ein riesiger Bedarf für einen immer weiter ausuferndes Überwachungsgebilde heran. Ein toller EU-Binnenmarkt für Dronen.

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    Zitat: "... Bei Opel-Bochum werden gerade ein paar Fachkräfte frei..."

    Nicht so voreilig! Da wird sich doch ganz sicher noch ein Unionspolitiker finden, der die Bochumer Opel-Mitarbeiter zu Kinderbetreuern umschulen will.

  4. glauben wir natürlich den reinherzigen Leuten von Facing Finance." Alle von Facing Finance genannten Unternehmen führen jedoch in ihren Produktlisten selbst keine Streubomben auf – sie bestreiten zudem, heute noch in den Bau von Streumunition verwickelt zu sein." So was aber auch...

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    ##Alle von Facing Finance genannten Unternehmen führen jedoch in ihren Produktlisten selbst keine Streubomben auf – sie bestreiten zudem, heute noch in den Bau von Streumunition verwickelt zu sein." So was aber auch...##

    Ein Metzger verkauft sein Kalbfleisch doch auch nicht unter der Bezeichnung Kuh-Baby-Aas, oder?
    Und alternatives Wirkmittel oder Smart Submunition klingt doch auch viel netter als Streubombe...

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  • Schlagworte Munition | Afghanistan | Banken | Saudi Arabien | Südafrika | Südkorea
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