WaffenindustrieDie bombensicheren Investments deutscher Banken und Versicherungen

Eine Studie zeigt: Banken und Versicherungen investieren Millionen in die internationale Rüstungsbranche. Die Finanzkrise hat die Geschäfte noch lukrativer gemacht. Von Hauke Friederichs von 

Werkshalle des Rüstungsunternehmens Rheinmetall, Reparaturarbeiten am Panzer Luchs

Werkshalle des Rüstungsunternehmens Rheinmetall, Reparaturarbeiten am Panzer Luchs  |  © Ulrich Baumgarten/Getty Images

Die Börse reagierte schnell. Kaum hatte der Spiegel in der vergangenen Woche über den Wunsch der saudischen Regierung berichtet, Transportpanzer vom Typ Boxer von Deutschland kaufen zu wollen, stieg der Aktienkurs der deutschen Rüstungsfirma Rheinmetall – wenn auch nur leicht. Analysten hatten vor zu viel Euphorie gewarnt, das Geschäft sei politisch umstritten. Vor der Bundestagswahl 2013 werde die Regierung den Verkauf nicht genehmigen. Die Anlageberater der Commerzbank rieten deshalb nur zum „Aktien halten“ statt zum Kauf.

Eine Tochter von Rheinmetall, Deutschlands umsatzstärkstem Rüstungshersteller, der auch eine zivile Autozuliefersparte betreibt, baut den Boxer gemeinsam mit Partnern. Der Panzer kommt auch in Afghanistan zum Einsatz. Saudi-Arabien will offenbar 100 der Transportpanzer kaufen, neben 270 Kampfpanzern vom Typ Leopard 2 A7+. Auch am Bau des Leopard 2 ist Rheinmetall beteiligt.

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Rüstungsdeals wie mit den Saudis nützen nicht nur den Rüstungsfirmen wie Rheinmetall oder Diehl. Auch die Geldgeber – oft Banken und Versicherer – profitieren vom Handel mit Panzern, Bomben und Gewehren. Wie sehr die Finanzbranche bei Rüstungsherstellern engagiert ist, geht aus einer Studie der finanzmarktkritischen Organisation Facing Finance hervor, die ZEIT ONLINE exklusiv vorliegt.

Die Recherchen der Organisation belegen, dass die Deutsche Bank und andere große internationale Institute mit hohen Beträgen in Waffenhersteller investiert sind. Auch die Versicherer Allianz und Munich Re gehören zu den Investoren.

© ZEIT ONLINE

Der Organisation zufolge hat das Interesse an den Geschäften in den vergangenen Jahren sogar zugenommen. Die meisten Waffenhersteller weisen solide Umsatzzahlen auf und bescheren den Anlegern stabile Renditen. "Die Waffenindustrie wurde in den vergangenen Jahren immer attraktiver für Investoren, weil die Umsätze und Exporte wachsen", sagt Thomas Küchenmeister von Facing Finance.

Küchenmeister, einst Chef der Kampagne gegen Landminen, kämpft vor allem gegen die Finanzierung von Herstellern von Streubomben . Es handelt sich um Bomben, die entwickelt wurden, um große Flächen zu bombardieren. Nach dem Abwurf öffnen sie sich und setzen Hunderte kleine Sprengkörper frei, sogenannte Bomblets. Nicht alle dieser Minibomben explodieren, viele bleiben als Blindgänger liegen, bis jemand auf sie tritt. Dann gehen sie hoch und töten oft Zivilisten . Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass bis 2009 weltweit rund 14.700 Menschen durch Streumunition getötet wurden, darunter viele Kinder.

Verbot von Streubombenproduktion

Mehr als 100 Staaten haben vor zwei Jahren in Oslo ein "Übereinkommen über Streumunition" unterzeichnet, das Streubomben ächtet. Seit dem 1. August 2010 ist es in Kraft. Das Abkommen untersagt den Einsatz, Erwerb, die Entwicklung, Herstellung, Lagerung und Weitergabe von Streumunition. Wie bereits beim Abkommen über Antipersonenminen lehnen jedoch wichtige Produzenten von Streumunition das Abkommen ab – darunter die USA .

Deutschland gehört zu den Unterzeichnern der Konvention. Deutschen Rüstungsfirmen wie Rheinmetall ist es deshalb verboten, Streubomben herzustellen oder sich am Bau zu beteiligen. Die Frage ist jedoch, ob das Abkommen auch die Finanzierung von Streubomben verbietet. Einige Staaten beantworten diese Frage mit Ja, andere, wie Deutschland, mit Nein.

Leserkommentare
  1. Am 1. August ist das Übereinkommen zum Verbot von Streumunition in Kraft getreten. Schätzungen zufolge wurden bisher über 100.000 Menschen durch diese Waffen verletzt oder getötet. Die wichtigsten Produzenten und Anwender wie die USA, Russland und China haben das Abkommen nicht unterzeichnet.

    Das Übereinkommen zum Verbot von Streumunition untersagt die Produktion, den Einsatz, die Verbreitung und Lagerung sämtlicher bislang zum Einsatz gekommener Streumunitionstypen.

    http://www.bpb.de/politik...

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    das von Ihnen angefhrte Abkommen enthält die von mir bereits ausgeführten Ausnahmen und ist daher lediglich jämmerliches Blendwerk und keineswegs das Ende der Verwendung von Clustermunition!

    Lesen Sie sich das Vertragswerk doch mal durch.

    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf einen angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/ls

  2. Zitat: "... Bei Opel-Bochum werden gerade ein paar Fachkräfte frei..."

    Nicht so voreilig! Da wird sich doch ganz sicher noch ein Unionspolitiker finden, der die Bochumer Opel-Mitarbeiter zu Kinderbetreuern umschulen will.

    Antwort auf "Bei Opel-Bochum"
    • Xdenker
    • 10. Dezember 2012 12:15 Uhr

    Wie sehr die Finanzbranche in Rüstung investiert ist, geht nur aus der Relation der Anlagen in Rüstung an den Gesamtanlagen der Branche hervor.

    Die Aktiva der Allianz beispielsweise betragen 641 Mrd. Euro, darunter 351 Mrd. EUR Finanzanlagen. Dementsprechend ist die Allianz, bezogen auf deren gesamte Kapitalanlagen, mit guten 0,1 Prozent (402 Mio. €) in Rüstungsunternehmen investiert. Ist das viel?

    Mir scheint, hier wird viel Wind um sehr wenig gemacht.

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    • Bregens
    • 10. Dezember 2012 18:24 Uhr

    .
    ...jedenfalls die, die noch am Leben sind, können ihr Statement, ob hier nicht viel Wind um wenig Wirkung gemacht wird, sicherlich kompetent kommentieren.

    Jeder Euro ist zuviel!

    • Coolie
    • 10. Dezember 2012 12:19 Uhr

    ...kann man jetzt natürlich verstehen, warum Konflikte entstehen und warum sie durch politisch fragwürdige Entscheidungen geschürt werden (siehe Syrien).

  3. Ich bin ein guter Mensch will ich mich an jedes Gesetz halte. Auch wenn ich weiß das einige gesetzt fehlen bzw überarbeitet gehören. Nur ist dass ohne Rückrad und Charakter. Und ein Unternehmer wird die kosten so gering wie möglich halten, System, da ist kein Platz für kontrollierenden schnickschnack

  4. "Jeder vernüngtige Büger hat Titel im Portfolio, die gute Dividenden erwirtschaften. Z.B. Thyssen oder Rheinmetall."

    Anders ausgedrückt sagen Sie: "Jeder sollte sich am Geschäft mit dem Tod beteiligen". Konsquenterweise müssten Menschen, die so denken auf möglichst viele, möglichst große Kriege hoffen. Mir wird zwar ziemlich schlecht dabei, aber jetzt wird wenigstens klar, warum Sie seit Monaten für eine Inavasion in Syrien plädieren.

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    ...ich bin möglicherweise genauso pazifistisch veranlagt wie Sie, nur erkenne ich die Realitäten, und Dichotomien auf der Welt, so kann eine deutsche Rüstungsfirma gleichzeitig dafür verantwortlich sein, Bundeswehrsoldaten vor Straßenminen zu bewahren, oder dass Kinderopfer eines Selbstmordanschlages mit dem Hubschrauber ins nächste Lazarett gebracht werden können, und sie kann sich an die Verbote der Regierung und der Gesetze halten, und sich kann sich in Grenzfällen der Diskussion der Aktionärsversammlung stellen.

    Alles Dinge, die vielleícht ein russischer oder anderer Konzern mit gleichem Sortiment nicht anbietet.

  5. das von Ihnen angefhrte Abkommen enthält die von mir bereits ausgeführten Ausnahmen und ist daher lediglich jämmerliches Blendwerk und keineswegs das Ende der Verwendung von Clustermunition!

    Lesen Sie sich das Vertragswerk doch mal durch.

    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf einen angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/ls

    Antwort auf "Verbot von Streubomben"
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    Das Abkommen ist dermaßen fragwürdig, weil es von möglicherweise sehr pazifistisch motivierten Personen mit betrieben wurde, diese Personen aber weder von der munitionstechnischen, noch von der militärischen Fachkenntnis her auch garnicht erkannt haben, wie sie vorgeführt werden.

    Vereinfacht formuliert: Es wurde lediglich ein Qualitätssprung in der technologischen Entwicklung der Munition, eben auf die Eben der erlaubten Bauformen hin, bewirkt und die nach meiner Meinung leicht verblödeten (wie sonst könnte man so einem Abkommen zustimmen?) Pazifisten waren von dem vermeintlichen Erfolg so geblendet, dass sie sich prima für eine neue Rüstungsrunde instrumentalisieren ließen!

    MfG KM

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Munition | Afghanistan | Banken | Saudi Arabien | Südafrika | Südkorea
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