Dem Sprecher des deutschen Umweltministeriums fehlen die Worte. Dabei soll er nichts zum Emissionshandel sagen, nichts zum Klimawandel, noch nicht mal zum Dosenpfand. Es geht nur um Weihnachten."Dazu geben wir keine Auskunft", sagt der Sprecher. Er wolle den Deutschen schließlich das Fest nicht verderben.

Das hätte ihm durchaus gelingen können. Denn Weihnachten, das Fest der Liebe, hat auch eine Kehrseite. Es geht nicht nur um überfüllte Bahnen, Weihnachtsgedudel im Radio oder abgebrannte Weihnachtskränze. Das alles gibt es auch. Es geht vor allem um die Folgen unseres Konsums.

Ein paar Zahlen: In diesem Jahr wird jeder Deutsche rund 285 Euro für Geschenke ausgeben, hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg errechnet . Das sind 24 Euro mehr als im vergangenen Jahr. Der Einzelhandel rechnet mit einem Umsatz von rund 15 Milliarden Euro nur durch Geschenke – rund neun Prozent mehr als im Vorjahr. Die Deutschen schenken sich also noch mehr als im vergangenen Jahr, deutlich mehr sogar.

Das gilt selbst für Familien am unteren Ende der Einkommensskala. Glaubt man den Konsumforschern der GfK, planen Bürger mit einem Nettomonatseinkommen von weniger als 1.500 Euro noch mal 35 Euro mehr für Geschenke auszugeben als im Vorjahr. Keine andere Einkommensgruppe würde damit so stark zulegen. Schuldnerberater wie Stefan Bürkle von der Caritas berichten von einer großen Zahl von Menschen, die in der Vorweihnachtszeit in die Beratungsstellen kommen, weil sie für Geschenke neue Schulden gemacht hätten. Ihnen sei es schlicht peinlich, vor den Verwandten ohne Geschenk dazustehen. "Der Konsumdruck in der Weihnachtszeit ist enorm", sagt Bürkle.

Fast jeden zehnten Euro wird der Einzelhandel in diesem Jahr im Netz verdienen, schätzt der Hauptverband des deutschen Einzelhandels. Ein Großteil davon findet bei Internethändlern wie Amazon statt. Dort sind die Preise günstig, die Lieferzeiten kurz, und doch vielen noch nicht kurz genug. Im Forum von Amazon beklagt etwa ein Kunde, der Versandhändler sei zuletzt irgendwie langsamer geworden. Andere Kunden pflichten ihm bei. Es herrscht kollektives Einverständnis darüber, dass gerade an Weihnachten die Versandmaschine laufen muss.

Sechs Millionen Pakete, jeden Tag

Dabei funktioniert das System Amazon schon heute auch deshalb, weil das Unternehmen zu Stoßzeiten billige Leiharbeiter anheuert, die von einem Tag auf den anderen gefeuert werden können. Mehrere tausend solcher Aushilfen wird die Firma in diesem Jahr bundesweit einstellen, schätzt die Gewerkschaft ver.di. Die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter sind zweifelhaft , die Schichten lang.

Und das Geschenk ist noch lange nicht beim Kunden. Dafür sorgt die Deutsche Post mit ihrer Pakettochter DHL . Der Trend zum Versandhandel hat die Zahl der verschickten Pakete in den vergangenen Jahren stetig wachsen lassen. Kurz vor Weihnachten wird die DHL an manchen Tagen rund sechs Millionen Pakete verschicken, schätzt die Post. Rund 10.000 Aushilfen sollen dabei helfen, die Paketberge durch die Republik zu transportieren, insgesamt 40.000 Laster sind dafür notwendig. "Ein Tropfen auf den heißen Stein", seien die zusätzlichen Auslieferer, sagt Maik Brandeburger von Post-Gewerkschaft dpvkom. In einer Stadt wie Remagen stelle die Post nur zwei weitere Aushilfen ein – dabei gebe es elf Bezirke, die beliefert werden müssen. Auf die Postmitarbeiter kämen deshalb einige Überstunden zu, sagt Brandenburger.

"Orgie der Wertvernichtung"

Weihnachten ist nicht nur eine logistische Herausforderung. Es ist auch eine gewaltige Ressourcenschlacht. Dabei sind die rund 24 Millionen Weihnachtsbäume und zehn Millionen Weihnachtsgänse, die jedes Jahr verkauft werden, nur das eine. Es wird auch weit mehr Energie verbraucht als sonst.

Die Bahn setzt Sonderzüge ein, um die Deutschen zu ihren Familien zu transportieren, auf den Autobahnen staut es sich kilometerweit, der Benzinverbrauch steigt drastisch an. Am ersten Weihnachtsfeiertag registrieren die Energieversorger dann die "Gänsebratenspitze". Rund 480 Millionen Kilowattstunden verbrauchen die Deutschen an diesem Tag, um das Festessen zuzubereiten – rund ein Drittel mehr als an normalen Tagen.

Hinzu kommt der Müll, etwa durch das viele Geschenkpapier. Rund zehn Prozent mehr an Papierverpackungen landet an Weihnachten in den Mülltonnen, schätzt Jörg Lacher vom Bundesverband Sekundärstoffe und Entsorgung. Noch drastischer ist die Verschwendung von Lebensmitteln. Über das ganze Jahr verteilt werfen die privaten Haushalte in Deutschland rund 6,7 Millionen Tonnen von ihnen weg – rund zwei Drittel aller weggeschmissenen Lebensmittel, schreibt das Verbraucherschutzministerium. Mehr als die Hälfte wären dem Ministerium zufolge vermeidbar gewesen. An Weihnachten wächst die Menge noch einmal an, weil viele großzügiger einkaufen als sonst. Oft landen große Mengen im Müll.

Ökonomen wie der Amerikaner Joel Waldfogel halten Weihnachten für eine "Orgie der Wertvernichtung". Ganz so hart muss man es nicht sehen. Vielleicht würde es helfen, die Ansprüche ein wenig herunterzuschrauben. Und das Fest etwas gelassener anzugehen.