KonsumWas Weihnachten anrichtet

Müllberge, Akkordarbeit, Konsumstress: Die Deutschen feiern Weihnachten und konsumieren dafür wie nie. Das hat Folgen – auch für die Umwelt. von Sophie Schimansky

Dem Sprecher des deutschen Umweltministeriums fehlen die Worte. Dabei soll er nichts zum Emissionshandel sagen, nichts zum Klimawandel, noch nicht mal zum Dosenpfand. Es geht nur um Weihnachten."Dazu geben wir keine Auskunft", sagt der Sprecher. Er wolle den Deutschen schließlich das Fest nicht verderben.

Das hätte ihm durchaus gelingen können. Denn Weihnachten, das Fest der Liebe, hat auch eine Kehrseite. Es geht nicht nur um überfüllte Bahnen, Weihnachtsgedudel im Radio oder abgebrannte Weihnachtskränze. Das alles gibt es auch. Es geht vor allem um die Folgen unseres Konsums.

Anzeige

Ein paar Zahlen: In diesem Jahr wird jeder Deutsche rund 285 Euro für Geschenke ausgeben, hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg errechnet . Das sind 24 Euro mehr als im vergangenen Jahr. Der Einzelhandel rechnet mit einem Umsatz von rund 15 Milliarden Euro nur durch Geschenke – rund neun Prozent mehr als im Vorjahr. Die Deutschen schenken sich also noch mehr als im vergangenen Jahr, deutlich mehr sogar.

Das gilt selbst für Familien am unteren Ende der Einkommensskala. Glaubt man den Konsumforschern der GfK, planen Bürger mit einem Nettomonatseinkommen von weniger als 1.500 Euro noch mal 35 Euro mehr für Geschenke auszugeben als im Vorjahr. Keine andere Einkommensgruppe würde damit so stark zulegen. Schuldnerberater wie Stefan Bürkle von der Caritas berichten von einer großen Zahl von Menschen, die in der Vorweihnachtszeit in die Beratungsstellen kommen, weil sie für Geschenke neue Schulden gemacht hätten. Ihnen sei es schlicht peinlich, vor den Verwandten ohne Geschenk dazustehen. "Der Konsumdruck in der Weihnachtszeit ist enorm", sagt Bürkle.

Fast jeden zehnten Euro wird der Einzelhandel in diesem Jahr im Netz verdienen, schätzt der Hauptverband des deutschen Einzelhandels. Ein Großteil davon findet bei Internethändlern wie Amazon statt. Dort sind die Preise günstig, die Lieferzeiten kurz, und doch vielen noch nicht kurz genug. Im Forum von Amazon beklagt etwa ein Kunde, der Versandhändler sei zuletzt irgendwie langsamer geworden. Andere Kunden pflichten ihm bei. Es herrscht kollektives Einverständnis darüber, dass gerade an Weihnachten die Versandmaschine laufen muss.

Sechs Millionen Pakete, jeden Tag

Dabei funktioniert das System Amazon schon heute auch deshalb, weil das Unternehmen zu Stoßzeiten billige Leiharbeiter anheuert, die von einem Tag auf den anderen gefeuert werden können. Mehrere tausend solcher Aushilfen wird die Firma in diesem Jahr bundesweit einstellen, schätzt die Gewerkschaft ver.di. Die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter sind zweifelhaft , die Schichten lang.

Und das Geschenk ist noch lange nicht beim Kunden. Dafür sorgt die Deutsche Post mit ihrer Pakettochter DHL . Der Trend zum Versandhandel hat die Zahl der verschickten Pakete in den vergangenen Jahren stetig wachsen lassen. Kurz vor Weihnachten wird die DHL an manchen Tagen rund sechs Millionen Pakete verschicken, schätzt die Post. Rund 10.000 Aushilfen sollen dabei helfen, die Paketberge durch die Republik zu transportieren, insgesamt 40.000 Laster sind dafür notwendig. "Ein Tropfen auf den heißen Stein", seien die zusätzlichen Auslieferer, sagt Maik Brandeburger von Post-Gewerkschaft dpvkom. In einer Stadt wie Remagen stelle die Post nur zwei weitere Aushilfen ein – dabei gebe es elf Bezirke, die beliefert werden müssen. Auf die Postmitarbeiter kämen deshalb einige Überstunden zu, sagt Brandenburger.

Leserkommentare
  1. In meiner Familie haben wir schon vor Jahren entschieden, nur noch die Kinder zu beschenken. Jedes Jahr Geschenke besorgen für 10 Leute ist einfach Blödsinn. Nicht, weil es zu teuer ist, sondern weil die Hälfte eh im Müll landet. Hat doch sowieso jeder schon alles und die Wünsche die es gibt sind dann zu überdimensioniert für ein Weihnachtsgeschenk.

    Und selbst mit Mitte 30 noch Socken und Unterhosen von Mutti zu bekommen ist dann auch irgentwann peinlich.

    Aber das Allerschlimmste sind diese Gutscheine! Seit es Groupon & Co. gibt bekomme ich jedes Jahr neue Gutscheine geschenkt, von denen ich HÖCHSTENS ein Drittel einlöse.

    Von dem Geld kaufe ich lieber eine Kiste guten Wein und dann wird der Abend auch lustiger.

    15 Leserempfehlungen
    • Infamia
    • 03. Dezember 2012 17:07 Uhr

    Konsumieren wir nicht, bricht die Wirtschaft zusammen, konsumieren wir, bricht die Umwelt zusammen. Da steh ich nun und frage mich, was nun? Ich schenke gerne und ja, ich werde auch gerne beschenkt. Unsere Familie beschenkt sich gerne und da wir mit Sinn und Verstand schenken, schenken wir auch so, dass der andere was damit anfangen kann (man kann ja schließlich die fragen, die den anderen am besten kennen).

    So ist es dann ein Nullsummenspiel. Hätte ich es nicht geschenkt, hätte er oder sie es sich selbst gekauft. Oder was anderes. Dieses jährliche Geschwafel von Konsumterror nervt mich. Immerhin halten wir so die Wirtschaft am laufen. Ist doch auch was.

    Letztlich soll es doch jeder halten wie er will. Ich freu mich jedes Jahr drauf. Punkt!

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Immerhin halten wir so die Wirtschaft am laufen."

    Das schönste Weihnachtsgeschenk: die Wirtschaft wird beschenkt und darf weiterleben. Süß! Was bekommt sie denn dieses Jahr? Wieder Wachstum, wie in den letzten Jahren? Ist vielleicht nicht so originell, aber immer wieder gerne gesehen. Wachstum braucht man schließlich immer. Kann man gar nicht genug von haben.

    Disclaimer: Diese Polemik ist nicht böse oder gar persönlich gemeint und darf deshalb stehenbleiben. :)

    Ansonsten bleibt nur noch zu sagen: Eine Krawatte!

  2. Als Winteräpfel werden Apfelsorten bezeichnet die nach der Ernte im Herbst – meist im Oktober oder November – erst nach einer Lagerung im Winter genussreif werden (es handelt sich um so genannte Lagersorten). Diese Genussreife erreichen Winteräpfel in der Regel ab Dezember oder Januar – können aber auch bis März oder April – in einigen Ausnahmefällen bis in den Juni hinein gelagert werden. Ein Beispiel für extrem lange Lagerbarkeit ist der Rote Eiserapfel, der sich in Erdmieten bis zum Sommer des übernächsten Jahres halten kann.

    Eine eindeutige und klare Trennung von Winterapfel-Sorten und Herbstapfel-Sorten ist nicht möglich, da einige Sorten von Oktober bis März genussreif sind.

    In früheren Zeiten waren die lange lagerbaren Winteräpfel eine der wichtigsten Quellen für die Versorgung mit Obst. Typische Winterapfelsorten sind neben dem oben erwähnten Eiserapfel der Borsdorfer Apfel, Finkenwerder Herbstprinz, Glockenapfel, Gloster, Ontarioapfel, Rheinischer Bohnapfel und Altländer Pfannkuchenapfel, weiters Berlepsch, Cox Orange, Rote Sternrenette, Schöner von Boskoop und Weißer Winter-Calville (wegen des Geschmacks auch Erdbeer- oder Paradiesapfel genannt). Daneben gibt es noch viele weitere Sorten, die zum Teil nur regional verbreitet sind (sogenannte Lokalsorten, zum Beispiel Roter Pariner).
    (wiki)
    Dazu gäbe es noch die Variante Einkochen, Apfelringe, Mus, Gelee, usw...Ja, alles mit Aufwand verbunden...den hat jetzt der Chinese. Bei 3Euro/Tag Und die Umwelt geht krachen.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Naja..."
  3. Ich freue mich schon sehr auf den Januar, weil man dann endlich wieder entspannen kann. Selbst wenn ICH auf Konsum verzichte und versuche, Weihnachten für mich ganz ruhig zu begehen, kann man sich dem Tohuwabohu nicht entziehen. Will man nur kurz ein paar Einkäufe erledigen, gerät man in den großen Stau voller Weihnachtsmarkt- und Shoppingwütiger, die sich durch die Innenstädte quetschen. Auch die Klagen meiner Freunde, die nicht wissen, was sie bloß den Liebsten schenken sollen und daran verzweifeln, oder die sich über die hohen Preise beschweren, tragen zur Hektik bei. Dazu noch die unendlich vielen TV-Werbespots, die Glückseligkeit in perfekten Familien suggerieren, wo alle fröhlich um den Baum tanzen und sich alle sooo lieb haben. Das alles nervt kolossal, trotz meiner Zurückhaltung im Konsum. Wenn ich daran denke, dass Weihnachten im Einzelhandel ja schon am 31. August beginnt und wir bei sommerlichen Temperaturen mit Lebkuchen und Co. zugeballert werden, so wundert es mich nicht, dass ich spätenstens am 2. Advent reif für die Psychiatrie bin. Und fragt man den Normalbürger, warum wir eigentlich Weihnachten feiern, erhält man oft nur ein Schulterzucken. Da stimmt doch was nicht.

    Ich werde in diesem Jahr meine Freunde bitten, den Betrag, den sie eigentlich für mein Weihnachtsgeschenk ausgeben wollten, an eine von mir unterstützte Tierschutzorganisation zu spenden. Das dürfte auch weniger Stress für sie bedeuten. Sozusagen ein Geschenk von mir an meine Freunde...

    5 Leserempfehlungen
  4. Böser Deutscher = Verpestet Umwelt, weil er Geschenke für 285 Euro kauft und dadurch die Umwelt zerstört
    Guter Deutscher = Verkauft Saudi-Arabien 200 Leopard A7+-Panzer zum Kartätschen der dortigen aufsässigen Bevölkerung und sichert den Benzin-Nachschub (http://www.zeit.de/politi...)

    Frohes Fest Euch allen, besonders aber den ZEIT Redakteuren, die uns die Welt so kompetent erklären.

    5 Leserempfehlungen
    • Azenion
    • 03. Dezember 2012 17:21 Uhr

    Alles menschliche Wirken ist am Ende eine "Orgie der Wertevernichtung". Man muß also differenzieren.

    Unsere Weihnachtsbräuche haben durchaus Pluspunkte, die man als Werte ansehen kann: Verstreut lebende Familien treffen sich, die Kinder haben was, worauf sie sich gemeinsam freuen können -- und die Wirtschaft macht ein Geschäft, was ja nicht nur schlecht ist.

    Als Branche, die *nur* Werte vernichtet, fällt mir da eher das Marketing ein. Da werden ein paar Marktanteile verschoben oder Wünsche geweckt, ohne die man vorher auch glücklich gewesen ist. Und dafür wird man ungefragt mit Werbung belästigt oder gar physisch zugemüllt.

    4 Leserempfehlungen
    • Plupps
    • 03. Dezember 2012 17:27 Uhr

    Verschuldung für Präsente ist natürlich Quatsch - aber abgesehen davon, arbeitet man um etwas zu sparen und den Rest auszugeben. Wer mehr hat, als er unbedingt braucht, verjubelt das Geld irgendwie immer "unnötig". Wenn man das so sehen will.
    Ob für Mode, Auto, Reisen oder Präsente scheint mir da ziemlich einerlei - Also so what?
    In der Presse wird immer nach verschiedenen Mass geurteilt: Reisen sind irgendwie besser und Lametta und Böller sind immer besonders ungelitten

    4 Leserempfehlungen
  5. Weihnachten ist unschuldig denn man hätte sich das Geschenkte eh selbst gekauft und wenn nicht im Dezember dann eben irgendwann im Jahr.

    Nein das stimmt nicht. Geschenke werden in der Regel gekauft, weil es sich eben so gehört und weil man dumm dasteht wenn man nichts hat. Und deswegen ist auch ein großer Teil der Geschenke nicht wirklich brauchbar für den Beschenkten.

    Und genau da beginnt dann der Konsumterror. Schenken als Gesellschaftszwang. All dieses blöde Dekozeug, dass man seinen Tanten und Omas schenkt, weil man absolut nicht weiss was denen gefällt.

    Gehen Sie dochmal über den Weihnachtsmarkt. Wieviel von dem Kram ist wirklich brauchbar. Wieviel davon landet irgentwann zwischen dem 25.12 und 27.12 in einer dunklen Ecke, im Keller oder sogar im Müll?

    Sinnvolles Schenken ist ja in Ordnung, aber ein nicht unerheblicher Teil der Menschheit findet eben nicht jedes Jahr erneut ein sinnvolles Geschenk.

    Was den Stress angeht gebe ich Ihnen aber Recht. Manche (meist weibliche) Familienmitglieder sind da oft mit zuviel Engagement dabei.

    4 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Konsum | Amazon | DHL | Ver.di | Benzinverbrauch | Deutsche Post
Service