Klimawandel : Das Ende der Pasta
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Bakken-Ölboom treibt Agrarlandpreise hoch

Hinzu kommt: Die Verlagerung der Weizenproduktion nach Westen kollidiert derzeit mit den Plänen einer Industrie, die etwas ganz anderes vorhat mit den Prärien North Dakotas.

Donny Nelson ist Getreidebauer in Clark Creek, einem kleinen Kaff im Nordwesten von North Dakota. Schwerfällig müht sich sein Truck den Hügel hinauf, hoch zu Nelsons acht Hektar Land, das er einmal von einem Großvater geerbt hat. Noch bis zum vergangenen Sommer hat Nelson hier Hartweizen angebaut. Jetzt sind fast sechs der acht Hektar zubetoniert und von einem Zaun umgeben. Zwei grüngelbe Ölpumpen wippen monoton auf und ab, sie erinnern an metallene Vögel, die mit ihrem Schnabel in einen Teich tippen. Sie gehören dem Ölkonzern Hess.

Lukratives Geschäft mit Ölförderrechten

"Wir können die Ölfirmen nicht fernhalten", sagt Nelson. Selbst nicht auf seinem eigenen Grund und Boden. Seine Familie besitze nur die Rechte an der Oberfläche, erklärt der Landwirt. Die Rechte an den Bodenschätzen gehören einer anderen Person. Diese habe sie wiederum an die Firma Hess verpachtet. Und deswegen müsse er auch den Bau einer zweiten Ölförderstation und das Verlegen von Pipelines auf seinem Acker ertragen.

Das Land, auf dem Nelsen steht, ist das Epizentrum des Ölförderbooms in den USA. Hier liegt die Bakken-Formation , eines der größten Ölfelder in den USA – genau unterhalb der wichtigsten Weizengebiete der USA. Das treibt inzwischen die Preise für Ackerland in die Höhe. Allein Hess bewerbe sich in seiner Kommune um 150 neue Bohrgenehmigungen, erzählt Nelson. Dazu kämen noch 150 in der Nachbargemeinde. Insgesamt geht es um 300 Förderstationen auf gerade einmal 15 Quadratkilometern Fläche.

Der Ölboom ist Fluch und Geschenk zugleich : Die Arbeitslosenquote ist in North Dakota auf zwei Prozent gesunken, die Steuereinnahmen sprudeln. Bauer Opland fährt Richtung Westen, zum Städtchen Minot. 18 Hotels sind hier in den vergangenen Monaten für die Ölarbeiter hochgezogen worden. Rund 1.600 Hektar kostbares Land wurden dafür mit Beton versiegelt. "Das Land werden wir nicht bewirtschaften können, zumindest nicht zu unseren Lebzeiten", sagt Opland.

Doch es geht nicht nur um North Dakota. Überall auf der Welt ändert sich gerade die Art und Weise, wie der Weizen angebaut werden kann. Drei Viertel der weltweiten Hartweizenproduktion kommen aus der Mittelmeerregionen. Der Klimawandel wird Südeuropa sogar noch härter treffen als North Dakota. Allein in Italien und Frankreich werden die Ernten auf nicht bewässerten Flächen bis zum Jahr 2050 um bis zu 15 Prozent zurückgehen, weil Hitzewellen und Dürren die Regionen heimsuchen werden, schätzt die Europäische Umweltagentur. Dazu kommt ein steigender Wasserbedarf für die Bewässerung. In Spanien und Portugal könnten die Ernten sogar um bis zu 25 Prozent einbrechen.

Barilla empfiehlt nachhaltige Landwirtschaft

Bei Barilla hat man inzwischen auf die neue Situation reagiert. Der größte italienische Nudelhersteller versucht seit Längerem seine Versorgung mit Weizen weltweit besser zu verteilen. Seinen Getreidebauern empfiehlt der Konzern sogar explizit "traditionelle Anbaumethoden". Wer den Anbau variiere und die Fruchtfolgen wechsele, könne die Klimagasemissionen um bis zu 55 Prozent reduzieren, heißt es bei dem Unternehmen. Die Firma nimmt den Klimawandel offenbar ernst.

Einige Landwirte in den USA folgen bereits den Ratschlägen . Fred Kirschemann aus North Dakota ist einer der Vorreiter nahhaltiger Landwirtschaft. Seit den fünfziger Jahren baut seine Familie im Herzen des Bundesstaats Weizen an. Im Jahr 1980 stellte sie auf Bioanbau um. Konventionelle Landwirtschaft habe gleich zwei große Nachteile, ist Kirschemann überzeugt: Zum einen heize sie durch ihren massiven Verbrauch von fossilen Energien den Klimawandel an. Zum anderen seien Agrarpflanzen besonders verletzlich gegenüber den Folgen des Klimawandels.

Kirschemann macht ein Gedankenspiel: Wie sieht die Welt in zehn Jahren aus? "Wir werden noch mehr extreme Wetterereignisse haben, der Ölpreis liegt bei 300 US-Dollar und Dünger und Pflanzenschutzmittel werden immer teurer", sagt er. "Mit diesen Fragen müssen wir uns heute beschäftigen."

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Kommentare

212 Kommentare Seite 1 von 24 Kommentieren

Wetterextreme

steigen?

Sie glauben der Münchner Rück oder wem? Bis jetzt ist davon nichts zu sehen.

Übrigens hat schon im Vorfeld des AR4 damals Chris Landsea, der Chef des US- Hurrikan- Centers, die Mitarbeit beim IPCC gekündigt, weil es damals keine Belege für die Häufung von Stürmen gab -und er musste sich wohl auskennen. Glaube, er hatte sich mit Ben Santers überworfen. Bis heute hat sich wohl auch nicht viel geändert, und selbst *Sandy* hätte z. B. den Niederländern ein leichtes Stirnrunzeln verursacht, die hätten die Sturmflutwehre geschlossen und NICHT EINE Welle wäre in Rotterdam über die hafenmauer geschwappt.