Klimawandel : Das Ende der Pasta
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Widerstand der Klimaskeptiker

Es sind Fragen, für die Amerika offenbar noch nicht reif ist. Der aktuelle Entwurf eines Landwirtschaftsgesetzes geht in keiner Weise auf die Herausforderungen des Klimawandels ein. Weder Demokraten noch Republikaner haben das Thema auf dem Schirm. Auch der Verband der US-Nudelhersteller beschäftige sich nicht mit dem Thema Klimawandel, erklärt ein Sprecher.

Die Entwicklungen gehen sogar in die andere Richtung. In North Dakato negiert der aktuelle Landwirtschaftskommissar, ein Republikaner, konsequent den Klimawandel. Auch den Chef von Philadelphia Macaroni, einem Unternehmen, das internationale Lebensmittelkonzerne wie Kraft und Campbell´s Soup mit Nudeln beliefert, interessiert das Thema nicht. "Wir kümmern uns nicht drum", sagt Firmenmanager Kevin Schulz. "Ich glaube nicht an den menschengemachten Klimawandel."

Selbst Klimaskeptiker passen Anbaumethoden an

Nur die Getreidebauern, sie reagieren inzwischen. Einer von ihnen ist Glen Bauer, ein 71-jähriger Haudegen, der sich selbst als "sehr konservativ" bezeichnet und noch immer darüber rätselt, ob es den Klimawandel tatsächlich gibt. Eigentlich ein überzeugter Anhänger des konventionellen Anbaus.

Doch seine Acker bewirtschaftet der Bauer inzwischen mit nachhaltigen Methoden. Er wechselt regelmäßig die Fruchtfolgen und verzichtet auf das Pflügen im Frühjahr und Herbst. Stattdessen belässt er die vertrockneten Pflanzen als natürliche Schutzdecke auf dem Feld. "Wenn das Wetter trockener und heißer wird, sollte man nicht pflügen", sagt Bauer. Die Pflanzendecke halte die Erde feucht bis ins nächste Jahr. Das lockt inzwischen die bislang verschwundenen Regenwürmer wieder an. Sein Nachbar pflüge weiterhin – und habe jedes Frühjahr mit gewaltigen Staubstürmen zu kämpfen.

Spaghetti und Makkaroni werden natürlich nicht über Nacht aus unseren Supermarktregalen verschwinden. Aber die Entwicklungen in North Dakota und Europa zeigen: Wir werden rasante Preisschwankungen erleben, in einem Jahr wird die Ernte vielleicht noch gut ausfallen, danach wieder einbrechen.

Das Ende der Pasta

Aber wir müssen handeln. Wir brauchen mehr Landwirte wie Glen Bauer und Fred Kirschemann, die verstanden haben, wie wichtig nachhaltige Landwirtschaft für die Zukunft unserer Ernährung ist. Und natürlich brauchen wir die Politik, die sich endlich zu einer ehrgeizigen Klimagas-Reduzierung durchringt, um den Klimawandel zu stoppen.

Sonst droht tatsächlich das Ende für unsere heiß geliebte Pasta.

Anmerkung: Der Text ist eine gekürzte Übersetzung des Stückes "The end of pasta", das erstmals am 10. Dezember 2012 aufThe Daily Beast/Newsweekerschienen ist. Bei der Übersetzung haben sich Ungenauigkeiten eingeschlichen: Zum einen fehlte der Hinweis auf die Originalstudie zum Rückgang der weltweiten Weizenproduktion durch den Temperaturanstieg. Außerdem wurde ergänzt, dass in Europa die Hartweizenproduktion auf nicht bewässerten Feldern zurückgehen könnte. Anfangs wurden "nicht bewässert" unterschlagen. (3. Januar 2013, muk)

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Kommentare

212 Kommentare Seite 1 von 24 Kommentieren

Wetterextreme

steigen?

Sie glauben der Münchner Rück oder wem? Bis jetzt ist davon nichts zu sehen.

Übrigens hat schon im Vorfeld des AR4 damals Chris Landsea, der Chef des US- Hurrikan- Centers, die Mitarbeit beim IPCC gekündigt, weil es damals keine Belege für die Häufung von Stürmen gab -und er musste sich wohl auskennen. Glaube, er hatte sich mit Ben Santers überworfen. Bis heute hat sich wohl auch nicht viel geändert, und selbst *Sandy* hätte z. B. den Niederländern ein leichtes Stirnrunzeln verursacht, die hätten die Sturmflutwehre geschlossen und NICHT EINE Welle wäre in Rotterdam über die hafenmauer geschwappt.