Klimawandel: Das Ende der Pasta
Der Klimawandel bedroht den weltweiten Weizenanbau. Makkaroni und Spaghetti könnten zum Luxusgut werden.
© Eric Miller/Reuters

Weizenfeld für Forschungszwecke der Universität Minnesota, USA (Archiv)
Eine Welt ohne Nudeln ist für die meisten Menschen unvorstellbar. Man denke sich nur, was in Italien los wäre: ein Kulturschock! Kinder würden lautstark ihre Spaghetti Bolognese verlangen. Im Norden Chinas sind Nudeln ein Grundnahrungsmittel, und es würde zu Aufständen kommen, würden sie fehlen.
Und doch ist eine solche Welt nicht ganz unwahrscheinlich. Zumindest dann, wenn wir nicht noch aggressiver als bisher gegen die Erderwärmung vorgehen. Nudeln werden aus Weizen gemacht, und Weizen, das zeigt uns eine steigende Zahl von Studien und empirischen Beobachtungen, wird besonders betroffen sein, wenn Stürme und extreme Trockenheit zunehmen und die Durchschnittstemperatur steigt. Die Erderwärmung macht das Wetter extremer, und extremes Wetter kann gefährlich werden. Nicht nur, weil unsere Küsten überschwemmt werden, sondern auch, weil solche Extremwetterlagen die Grundlage unserer menschlichen Existenz gefährden: die Fähigkeit, uns selbst zu ernähren.
Weizen, Mais und Reis – diese drei Rohstoffe bilden die Grundlage für die meisten Nahrungsmittel der Welt. Der Anbau aller Drei wird schon heute vom Klimawandel beeinflusst, Weizen aber besonders, weil er äußerst empfindlich auf höhere Temperaturen reagiert. Das führt zu Schwierigkeiten in der Nudelproduktion, aber auch in der Herstellung von Brot, dem Grundnahrungsmittel schlechthin.

lebt in San Francisco, USA. Der Journalist und Buchautor arbeitet unter anderem für The Nation, Vanity Fair und The New Yorker.
Wissenschaftler haben starke Belege für einen direkten Zusammenhang zwischen den steigenden Temperaturen und den weltweit sinkenden Erträgen in der Weizenproduktion. Allein in den vergangenen 50 Jahren sank wegen des Temperaturanstiegs die Weizenproduktion um 5,5 Prozent im Vergleich zur Situation, wenn es keinen Temperaturanstieg gegen hätte, hat David Lobell in einer Studie gezeigt. Er ist Professor am Zentrum für Lebensmittelsichelsicherheit und Umwelt der Stanford Universität. "Weizen mag es lieber kühl", sagt Frank Manthey, ein Professor an der Universität von North Dakota, der die regionale Weizenkommission berät. Dass die gestiegenen Temperaturen die Qualität und das Wachstum des Weizens schädigen ist für Manthey "ohne Zweifel".
Bis zum Jahr 2050, so sagen es die Wissenschaftler voraus, werden die weltweit führenden Weizenanbauländer Kanada, die USA, China, Indien und Russland Jahr für Jahr heißere Sommer erleben. Das Internationale Forschungsinstitut für Agrar- und Ernährungspolitik (IFPRI) schätzt, dass die Weizenproduktion bis dahin um 23 bis 27 Prozent zurückgehen könnte – es sei denn, der Klimawandel wird gestoppt oder die Wissenschaft entwickelt robustere Weizensorten. "Bislang fehlt es Forschung und Privatfirmen allerdings an Möglichkeiten, zumindest von der DNA-Seite der Saaten auf steigende Temperaturen zu reagieren", sagt Gerald Nelson von IFPRI. "Wir machen uns alle Sorgen."
In diesem Sommer konnte man die Zukunft besichtigen. Die USA erlebten eine Jahrhundertdürre. Mais- und Soyaernten brachen ein und ließen die internationalen Nahrungsmittelpreise in die Höhe schnellen. In Indonesien kam es zu Protesten, weil sich viele Menschen ihre Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten konnten. "Viele Pflanzen konnten diesen Wetterverhältnissen nicht standhalten", sagt Jay Fuhrer von der staatlichen Landwirtschaftskommission in North Dakota. "Das betrifft auch die Verbraucher."




Sicherlich ist das Bienensterben ein größeres Problem als ein Einbruch beim Weizenanbau. Aber das ist kein Grund, nicht auch über andere Veränderungen zu schreiben, die auf uns zukommen. Dass Pasta teurer wird, ist nicht lebensbedrohlich, aber der Aufhänger kann helfen, ein Bewusstsein (zumindest bei Pastaliebhabern) zu schaffen - Bewusstsein, das für einen Verhaltenswandel notwendig ist.
Offenbar ist bei Weitem noch nicht überall angekommen, dass es einen Klimawandel gibt, der das Leben auf der Erde verändert. Und den man nicht mit Geld und Öl beseitigen kann.
...passt vorne und hinten nicht.
Es ist ja zur Zeit sehr Verbreitet, hinter jedem landwirtschaftlichen Problem Monsanto, Gentechnik und böse Spekulanten zu vermuten. Das stimmt in aller Regel nicht.
Die einfache Foremnl mehr CO2 = mehr Pflanzenwachstum = mehr Ertrag stimmt so nicht. Die Weizenerträge sanken in den letzten 10 - 20 Jahren tatsächlich leicht, was neben dem Temperaturanstieg auch mit dem CO2-Anstieg zu tun hat. (es wurden bereits verschieden Artikel dazu gepostet, siehe auch hier: http://www.pflanzenforsch...)
Pflanzenzüchtung im Allgemeinen hat an den Mehrerträgen der modernen Landwirtschaft einen Anteil von ca. 50 %, Tendenz steigend. Hier also die Schuld zu suchen, ist absolut falsch.
Und aller Lieblingsfeind Monsanto hat mit Weizen auch nicht viel zu tun, da es bisher noch keinen gv-Weizen gibt, auch nicht von M.
Hybrid-Saatgut (das meinen Sie wohl mit "Einweg") hat erstmal nichts mit Gentechnik zu tun. Es bietet aber enorme Vorteile, unter anderem auch mehr Ertrag, und wird deshalb von den meisten Bauern angebaut. Es lohnt sich schlichtweg auch finanziell, auf teure Lagerhaltung und Saatgutaufbereitung zu verzichten und stattdessen jedes Jahr hochwertiges Saatgut nachzukaufen. (Nebenbei bemerkt: Hybrid-Weizen spielt in der Praxis bisher noch keine sehr große Rolle, die Forschung ist aber dran)
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