KlimawandelDas Ende der Pasta

Der Klimawandel bedroht den weltweiten Weizenanbau. Makkaroni und Spaghetti könnten zum Luxusgut werden. von Mark Hertsgaard

Weizenfeld für Forschungszwecke der Universität Minnesota, USA (Archiv)

Weizenfeld für Forschungszwecke der Universität Minnesota, USA (Archiv)  |  © Eric Miller/Reuters

Eine Welt ohne Nudeln ist für die meisten Menschen unvorstellbar. Man denke sich nur, was in Italien los wäre: ein Kulturschock! Kinder würden lautstark ihre Spaghetti Bolognese verlangen. Im Norden Chinas sind Nudeln ein Grundnahrungsmittel, und es würde zu Aufständen kommen, würden sie fehlen.

Und doch ist eine solche Welt nicht ganz unwahrscheinlich. Zumindest dann, wenn wir nicht noch aggressiver als bisher gegen die Erderwärmung vorgehen. Nudeln werden aus Weizen gemacht, und Weizen, das zeigt uns eine steigende Zahl von Studien und empirischen Beobachtungen, wird besonders betroffen sein, wenn Stürme und extreme Trockenheit zunehmen und die Durchschnittstemperatur steigt. Die Erderwärmung macht das Wetter extremer, und extremes Wetter kann gefährlich werden. Nicht nur, weil unsere Küsten überschwemmt werden, sondern auch, weil solche Extremwetterlagen die Grundlage unserer menschlichen Existenz gefährden : die Fähigkeit, uns selbst zu ernähren.

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Weizen, Mais und Reis – diese drei Rohstoffe bilden die Grundlage für die meisten Nahrungsmittel der Welt. Der Anbau aller Drei wird schon heute vom Klimawandel beeinflusst, Weizen aber besonders, weil er äußerst empfindlich auf höhere Temperaturen reagiert. Das führt zu Schwierigkeiten in der Nudelproduktion, aber auch in der Herstellung von Brot, dem Grundnahrungsmittel schlechthin.

Mark Hertsgaard
Mark Hertsgaard

lebt in San Francisco, USA. Der Journalist und Buchautor arbeitet unter anderem für The Nation, Vanity Fair und The New Yorker.

Wissenschaftler haben starke Belege für einen direkten Zusammenhang zwischen den steigenden Temperaturen und den weltweit sinkenden Erträgen in der Weizenproduktion . Allein in den vergangenen 50 Jahren sank wegen des Temperaturanstiegs die Weizenproduktion um 5,5 Prozent im Vergleich zur Situation, wenn es keinen Temperaturanstieg gegen hätte, hat David Lobell in einer Studie gezeigt. Er ist Professor am Zentrum für Lebensmittelsichelsicherheit und Umwelt der Stanford Universität. "Weizen mag es lieber kühl", sagt Frank Manthey, ein Professor an der Universität von North Dakota, der die regionale Weizenkommission berät. Dass die gestiegenen Temperaturen die Qualität und das Wachstum des Weizens schädigen ist für Manthey "ohne Zweifel".

Bis zum Jahr 2050, so sagen es die Wissenschaftler voraus, werden die weltweit führenden Weizenanbauländer Kanada , die USA , China, Indien und Russland Jahr für Jahr heißere Sommer erleben. Das Internationale Forschungsinstitut für Agrar- und Ernährungspolitik (IFPRI) schätzt, dass die Weizenproduktion bis dahin um 23 bis 27 Prozent zurückgehen könnte – es sei denn, der Klimawandel wird gestoppt oder die Wissenschaft entwickelt robustere Weizensorten. "Bislang fehlt es Forschung und Privatfirmen allerdings an Möglichkeiten, zumindest von der DNA-Seite der Saaten auf steigende Temperaturen zu reagieren", sagt Gerald Nelson von IFPRI. "Wir machen uns alle Sorgen."

In diesem Sommer konnte man die Zukunft besichtigen. Die USA erlebten eine Jahrhundertdürre . Mais- und Soyaernten brachen ein und ließen die internationalen Nahrungsmittelpreise in die Höhe schnellen . In Indonesien kam es zu Protesten, weil sich viele Menschen ihre Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten konnten. "Viele Pflanzen konnten diesen Wetterverhältnissen nicht standhalten", sagt Jay Fuhrer von der staatlichen Landwirtschaftskommission in North Dakota. "Das betrifft auch die Verbraucher."

Leserkommentare
  1. 211. Peinlich

    Es entsetzt mich, wie kritiklos die Zeit-Online-Redaktion mittlerweile jede irgendwo erhobene Behauptung zur "Klimawandel-Bedrohung" abdruckt, ohne ein Mindestmaß an journalistischer Sorgfaltspflicht zu erfüllen.

    Wie können Sie in Ihrem Artikel einen Satz wie: "Allein in den vergangenen 50 Jahren sank die Weizenproduktion um 5,5 Prozent, während die durchschnittliche Temperatur anstieg......" zitieren? Die Weizenproduktion hat sich in diesem Zeitraum weltweit etwa verdreifacht. Und selbst wenn die Erwärmungsrate in einigen Weltregionen diesen Anstieg in irgendeiner Art und Weise etwas abdämpfen würde, gäbe es mindestens genauso viele Gegenden, in denen bisher Weizen nicht gedeiht, weil es ihm dort um die selbe Temperaturdifferenz zu kalt ist.Ich denke hier wäre einmal eine öffentliche Entschuldigung und Korrektur überfällig.

    2 Leserempfehlungen
  2. Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Fehler sich in den Artikel eingeschlichen haben, die auch noch alle in die gleiche Richtung gehen, nämlich die Angst vor einer Klimakatastrophe zu schüren. Eine aufschlussreiche Analyse des Artikels gibt es hier:

    http://www.kaltesonne.de/...

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  3. Als Alternative zum Weizen eignet sich Hafer. Die Ansprüche an den Boden sind gering, der Hafer ist sehr robust gegen Schädlinge, und außerdem viel gesünder als Weizen.

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    • Gibbon
    • 18. Dezember 2012 16:19 Uhr

    Ich glaube bei den derzeitigen Entwicklungen, brauchen wir uns über Weizenpreise keine Sorgen zu machen. Der Klimawandel hat ganz andere Möglichkeiten uns umzubringen. Aber hey, wenigstens hatten wir noch unseren Urlaub in Mallorca. Dafür nehmen wir doch das Aussterben der Menschheit gerne in Kauf :-(

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    "Aber hey, wenigstens hatten wir noch unseren Urlaub in Mallorca. Dafür nehmen wir doch das Aussterben der Menschheit gerne in Kauf."

    Ich habe Neuigkeiten für Sie. Die menschliche Spezies wird sowieso irgendwann aussterben. Keine Spezies wird für immer dominant sein auf diesem Planeten. Das zeigt auch die Geschichte. Sie denken, der Mensch kann beeinflussen wann er (als Spezies) von der Bildfläche verschwindet. Ich bin da anderer Meinung. Deshalb muss ich Ihrem Post umbedingt beipflichten. Man sollte sich die Welt anschauen bevor es zu spät ist. Mallorca muss man vielleicht nicht häufiger als 1x besuchen.

  4. "Aber hey, wenigstens hatten wir noch unseren Urlaub in Mallorca. Dafür nehmen wir doch das Aussterben der Menschheit gerne in Kauf."

    Ich habe Neuigkeiten für Sie. Die menschliche Spezies wird sowieso irgendwann aussterben. Keine Spezies wird für immer dominant sein auf diesem Planeten. Das zeigt auch die Geschichte. Sie denken, der Mensch kann beeinflussen wann er (als Spezies) von der Bildfläche verschwindet. Ich bin da anderer Meinung. Deshalb muss ich Ihrem Post umbedingt beipflichten. Man sollte sich die Welt anschauen bevor es zu spät ist. Mallorca muss man vielleicht nicht häufiger als 1x besuchen.

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  5. es ist der Anfang der Veränderungen und es wird sehr viel schneller gehen als erwartet. Also kein Haus mehr an der Nordseeküste kaufen, dafür werden viele südeuropäische Rotweinsorten (Merlot) auch in Deutschland gedeihen, dann lässt sich der Klimawandel 'leichter' ertragen...

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  6. - die Erwärmung lässt Gletscher und Polkappen schmelzen, mehr Wasser - höherer Meeresspiegel

    - höherer Meeresspiegel - mehr und stärkere Stürme, Überschwemmung von niedrigen Wohngebieten auf der ganzen Welt

    - wieviel Mrd Menschen werden das alles nicht überleben?

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    • Gibbon
    • 18. Dezember 2012 17:05 Uhr

    Für ihren persönlichen Wohlstand ist tatsächlich die "Ökodiktatur" die größte Bedrohung. Die meisten Folgen unseres Handelns werden unsere Kinder und Enkelkinder tragen und wenn wir das verhindern wollten, würde es in der Tat eine Einschränkung unseres jetzigen Wohlstands bedeuten.
    Ich schätze die Menschheit anscheinend etwas mächtiger ein als Sie es tun. Immerhin hat sie immer wieder auf lokaler Ebene ihre Lebensbedingungen so eingeschränkt, dass sie wegziehen musste, um Überleben zu können (z.B. Osterinseln). Warum sollte es ihr in einer globalisierten Welt nicht global gelingen?

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    Antwort auf "Richtig. "
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    Weil es zuviele Menschen und zuwenig Platz und Ressourcen gibt, ganz einfach...
    Bei 2 Mrd Menschen wäre das vielleicht noch zu managen, es gibt aber jetzt schon 7 Mrd und im Jahr 2025 werden es mehr als 10 Mrd Menschen sein. Die Erde ist ja jetzt schon eine riesige Kloake, die Meere zu zwei Drittel leergefischt und die Menschheit tut nichts für ihre Lebensbedingungen, Hauptsache der 'Rubel' rollt...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Klimawandel | USA | China | Indien | Italien | Kanada
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