Euro-Krise : Europas Süden kehrt zurück
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Selbst in Griechenland wächst die Hoffnung

Tatsächlich ist das nicht nur überzogener Optimismus. Beispiel Griechenland: Das Jahr hat für das Land gut begonnen. Die Regierung hat sich mit der Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU und Europäischer Zentralbank (EZB) auf mittelfristige Kreditlinien geeinigt. Das Schuldenrückkaufprogramm war erfolgreich, die Regierung versucht den Haushalt im Rahmen der Troika-Vorgaben zu halten. Deshalb fließen neue Kredite aus Europa. Das alles zusammen nimmt den Investoren erst einmal den Grund, auf einen Austritt des Landes zu wetten. Zumal die Anleger mit dieser Wette bisher viel Geld verloren haben.

Auch politisch ist die neue Koalition nicht so brüchig, wie noch im Sommer befürchtet. Entscheidend für das politische Klima ist zudem, dass von den zwei großen Populisten auf dem Athener Parkett nun einer verantwortungsvoll regieren muss. Antonis Samaras, früher ein Kämpfer für nationale Symbolik und gegen EU-Diktate, zeigt sich als besonnener Premier. Und selbst der linke Oppositionsführer Alexis Tsipras hat von seiner harschen antideutschen Rhetorik, die im Grund eine antieuropäische war, abgelassen. Neulich war er sogar bei Wolfgang Schäuble zu Besuch auf eine Tasse Kaffee.

Das alles heißt zwar nicht, dass Griechenland aus der Krise ist. Die hartnäckigen Streiks der Arbeiter im öffentlichen Dienst zeigen, dass die Unzufriedenheit weiter groß ist. Der Mentalitätswandel ist erst am Anfang, zumal die Schuldigen für die griechische Krise weiter vor allem im Ausland oder bei den Reformern gesucht werden. Samaras hat angekündigt, dass die Einschnitte seines Reformprogramms die letzten, aber wirklich allerletzten seien. Es könnte sein, dass er bei einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage nicht an seine Worte erinnert werden möchte. Dennoch stehen die Zeichen nicht schlecht, dass es Griechenland gelingen könnte, wieder mehr Investoren anzulocken. Es gilt: Je mehr die schlechten Nachrichten aus Athen abnehmen, desto besser.

"Ein Wunderkind der Euro-Rettung"

Beispiel Portugal: Auch dem Elf-Millionen-Einwohner-Land attestieren viele Ökonomen große Fortschritte. Die Regierung spart hart, streicht den Kündigungsschutz und privatisiert. Das bringt dem Land sinkende Zinsen an den Märkten ein. Dennoch ist unklar, ob das Wettrennen gegen die Zeit gelingt. Die Verschuldung steigt weiter, zuletzt von 110 auf 120 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Arbeitslosigkeit liegt mittlerweile bei 16 Prozent. Selbst wenn die Finanzmärkte Portugal wieder vertrauen: Im Land ist die Frustration groß.

Ähnlich wie in Spanien. Das Land hat unter dem Druck der Finanzmärkte etliche Reformen gestartet, die Lohnstückkosten gesenkt und den Kündigungsschutz gelockert. Die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit hat die Exporte steigen lassen – sogar nach Deutschland: In den ersten neun Monaten verringerte sich das traditionell hohe Handelsdefizit mit den Deutschen deutlich. Auch die Steuereinnahmen steigen, zumindest ein wenig. Dennoch steckt das Land weiter in der Rezession und die Arbeitslosigkeit will einfach nicht sinken: Fast sechs Millionen sind weiter ohne Job. Und die Jugendarbeitslosigkeit betrug zuletzt sogar 55 Prozent.

Und Irland? Für Ökonomen wie Ansgar Belke von der Universität Duisburg-Essen ist das Land inzwischen gar das "Wunderkind der Euro-Rettung". Die Regierung hat einen radikalen Sparkurs durchgezogen, die Bevölkerung ertrug still die Steuererhöhungen und die Kürzungen der Sozialleistungen. Mit Erfolg: In den kommenden Wochen will Dublin sogar erstmals wieder langlaufende Staatsanleihen bis 2017 an den Markt bringen. Eine kleine Revolution. 

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