Das ist das Bild aus den Krisenländern: Es gibt Zeichen der Besserung, auch wenn die ökonomische Lage weiterhin katastrophal ist. Die Krise ist noch lange nicht überwunden, das Wachstum ist schwach, die Arbeitslosigkeit hoch, im Schnitt aller Krisenstaaten liegt sie bei 18 Prozent. Auch in den Zentralbankkreisen heißt es, es werde noch eine Weile dauern, bis die Menschen die Besserung spüren werden. Das Wachstum komme eben nur allmählich in Fahrt. Die Frage lautet: Haben die Menschen die Kraft für den langen Anpassungspfad?

Entscheidend wird dabei am Ende auch sein, wie schnell das Wachstum nach Europa zurückkehrt. Läuft es schlecht, wird der Sparkurs die Volkswirtschaften im Süden weiter abwürgen, was die Regierungen noch stärker in Erklärungsnot bringt: Wie lässt sich etwa die Streichung von Sozialtransfers begründen, wenn die Zahl der Leute ohne Jobs weiter steigt? Im besten Fall reformieren die Staaten im Süden weiter, das Wachstum kehrt irgendwann zurück, die Steuereinnahmen steigen, die Sozialausgaben und schließlich die Schulden sinken.

Ob es so kommen wird? Aus Sicht des Ökonomen Eckhard Wurzel vom Industrieländerclub OECD kann die Wette aufgehen. Allerdings nur, wenn die Krisenstaaten jetzt nicht aufhören mit ihrem Reformeifer. Außerdem müsse die EU dringend das regulatorische Gerüst für den Bankensektor auf den Weg bringen. Dann müsse es keine jahrelange Phase der Stagnation geben, "ein verlorenes Jahrzehnt", wie es etwa Japan in neunziger Jahren erlebt hat. Und wenn das alles nicht gelingt? Wurzel: "Dann könnte die Krise wieder zuschlagen, und zwar heftig."