Euro-KriseEuropas Süden kehrt zurück

Noch vor einem Jahr stand die Euro-Zone vor dem Kollaps. Jetzt mehren sich die Erfolgsnachrichten aus den Krisenstaaten. Ist die Euro-Krise schon vorbei? von , , , und

Die Börse von Madrid

Die Börse von Madrid  |  © Juan Medina/Reuters

Man kann die Geschichte von der Rückkehr des Südens mit Hans-Werner Sinn beginnen. Oder besser: mit seiner Rhetorik. Sinn ist Chef des Münchener Ifo-Instituts und kein anderer hat die Krise der Währungsunion so düster gemalt wie er. Wenn er gefragt wurde, prophezeite er nicht nur den Austritt Griechenlands aus dem Euro. Er warnte auch vor einem "ökonomischen Chaos" in der Euro-Zone. Vor Milliardenverlusten für deutsche Sparer. Davor, dass die Deutschen am Ende die Dummen sein werden.

Interessant ist deshalb, was Sinn zu Beginn der Woche zu Papier brachte. Die Kapitalflucht aus Südeuropa sei gestoppt, schrieb er da in einem Zeitungsbeitrag. Die Zinsaufschläge seien gesunken, die Target-II-Salden im Währungsraum, die Sinn für brandgefährlich hält, seien deutlich zurückgegangen. Zwar macht die Krise für Sinn nur eine Pause. Aber: "Die Kapitalmärkte wurden beruhigt." Vom Austritt der Griechen aus dem Euro verliert er kein Wort mehr.

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Tatsächlich gibt es Gründe dafür, dass Sinn das ganz harte Katastrophenvokabular mittlerweile meidet. Es gibt gleich mehrere Anzeichen dafür, dass Europa einen wichtigen Teil der Strecke aus dem Krisental genommen hat.

Ein Indiz lautet: Das Vertrauen der Anleger ist wieder da. Ein großes Problem für die Bewältigung der Staatsschuldenkrise waren die exorbitanten Zinsen, die Krisenländer wie Griechenland, Portugal oder Irland zahlen mussten. Nun sinken sie wieder. Die Risikoaufschläge für zehnjährige griechische Staatsanleihen haben sich seit dem Sommer 2012 mehr als halbiert. Portugal brachte in der vergangenen Woche Staatspapiere für weniger als fünf Prozent an den Märkten unter. Auch Irland verkaufte erfolgreich kurzfristige Staatsanleihen. Selbst große Investoren wie die Allianz-Tochter Pimco machen eine "bessere Stimmung" in Europa aus und kaufen wieder Staatsanleihen aus Krisenstaaten. Rund 100 Milliarden Euro seien Ende 2012 zurück in Europas Peripherie geflossen, berichtet die Financial Times. Die Zeit, in der die Anleger ihr Geld nur in sicheren Hafen parkten, scheint vorbei.

Doch für wie lange? In Notenbankkreisen und unter den meisten Ökonomen ist man sich einig, dass die Beruhigung der Märkte maßgeblich auf die unkonventionellen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückzuführen sind. Die Ankündigung der Zentralbank vom September, im Notfall auch unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern zu kaufen, habe dazu geführt, dass in der Wahrnehmung der Investoren das Risiko eines Auseinanderfallens der Währungsunion gesunken sei. Deshalb kommen die Krisenstaaten wieder billiger an Geld. Zumindest solange, wie die Anleger der Zentralbank ihr Versprechen glauben und die Währungshüter nicht den Rückzug antreten.

Das Diktum: Geld gegen Reformen

Für die Länder unter dem Rettungsschirm bedeutet das Engagement der EZB vor allem einen Zeitgewinn. Sie können weiter ihre Reformen vorantreiben und vor allem die Lücke in der Wettbewerbsfähigkeit schließen, die im vergangenen Jahrzehnt immer weiter auseinanderklaffte. Es ist ein Anpassungsprozess, der sich nur langsam und schmerzhaft vollzieht, und der nach dem Diktum der Deutschen funktioniert: Geld gegen Reformen. Es ist auch ein Prozess, der besser vorankommt, als viele in Deutschland glauben.

In EZB-Kreisen heißt es, die sinkenden Zinsen für die Südländer hätten eben auch was mit den Reformen in den Staaten zu tun. Spanien, Irland und Portugal hätten durch Lohnkürzungen etwa die Hälfte ihrer in den Boomjahren verlorenen Wettbewerbsfähigkeit zurückgewonnen. Die Exporte aus dem Süden steigen schon länger. Letztlich erhöhen sich dadurch auch die Chancen auf mehr Wachstum in der Zukunft.

Leserkommentare
    • Centime
    • 01. Februar 2013 1:15 Uhr

    Zum Glueck haben die Autoren diese Frage gestellt.Sonst koennte ich es nicht ernst nehmen.
    Es ist keine Krise, es ist eine Dauerkrise.
    Ganz Europa ertrinkt in Schulden.
    Unser Land hat vor einigen Tagen oeffentlich und laut erklaert, wir sind pleite.Spanien und Frankreich werden vielleicht zusammen eine Talfahrt hinlegen die Europa nicht gehaendelt bekommt.Hier geht es aber nur um die Zurueckzahlung der Zinsen, nicht der Schulden.Wenn man uns sagt wir sind pleite, heisst es nichts anderes als, die Zinsen koennen nicht mehr bedient werden.

    Und sollte ein Wunder geschehen und die Krise vorbei sein, die Dauerkrise wird an den Menschen haengen bleiben.

    Dieser Euro muss abgeschafft werden.

    • wulewuu
    • 01. Februar 2013 5:59 Uhr

    Welch verquere Sicht haben doch die Autoren dieses Artikels, wenn sie die Rezession in Europa als Erfolg vermelden.

    Diese systemische Krise unseres Geld- und Banksystems kann überhaupt erst durch eine tiefgreifende Reform des Euro-Geldsystems in Bezug auf ein Vollgeldsystem in ihren Grundzügen gelöst werden. Hiervon ist die herrschende Politik noch weit entfernt. ist sie sich doch nicht einmal darüber bewußt, dass sie selbst den Geschäftsbanken ein Ermächtigungsgesetz in den Schoß gelegt haben, welche diesen alle Macht über die Geldschöpfung und -zerstörung und die Finanzierung der öffentlichen Hände erteilt hat. Unsere Politiker aller Couleur haben versagt. Allein die Politiker Islands erheben sich aus der dumpfen Masse, denn sie haben zumindest eine Kommission eingesetzt, welche den Übergang zu einem Vollgeldsystem für ihr Volk diskutiert.

    ''Wohlstand für alle" hat sich zu "Bereicherung für Wenige" gewandelt. Ist dies ein Erfolg?

    2 Leserempfehlungen
  1. Sie schreiben:
    "Die Wirtschaftskriese ist erst vorbei wenn wieder ähnlich viele Menschen unter Lohn und Brot stehen wie es hie in D der Fall ist. Die Wirtschaft sollte dem Menschen dienen und nicht umgekehrt."

    Nun, ob in D die Wirtschaft den Menschen dient oder der Mensch der Wirtschaft, da wäre ich mir nicht so sicher. Getrickste Arbeitslosenzahlen nutzen den Spaniern auch nichts, zumal die offiziellen Angaben Madrids ohnehin mit Vorsicht zu genießen sind. Um Ansprüche aus der Sozialversicherung nicht zu verlieren, ist Schwarzarbeit in Spanien - meist im erweiterten Familien- oder Amigokreis alles andere als eine Ausnahme. Andernfalls hätten wir die Revolution schon lange hinter uns.

    Man sollte sich daran gewöhnen: In der Eurozone sind Statistiken nicht mehr viel wert, sondern nur noch Mittel zum Zweck: Den einen dienen sie um die Transferunion einzufordern, den anderen selbige daheim zu rechtfertigen.

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    Antwort auf "Nein!"
  2. wenn es den Banken gut geht, geht es allen gut? Denn von den angeblichen Erfolgen bekommt die Bevoelkerung nur wenig mit. Dem Normalbuerger ist es dann auch ziemlich egal, ob die Kapitalflucht gestoppt ist oder nicht, wenn er frierend in seiner Wohnung sitzt, weil er sich kein Heizoel leisten kann, jeden Tag damit rechnen muss, dass der Strom und das Wasser abgeklemmt werden und es mal wieder Reissuppe gibt, weil er mehr sich einfach nichts anderes leisten kann!

    2 Leserempfehlungen
    • FeFeCN6
    • 01. Februar 2013 9:34 Uhr

    Sie sollten Sich einmal klar machen, dass Wettbewerbsfähigkeit ein RELATIVES Konzept ist. Das heißt Sie würden angesichts der Tatsache, dass alle südeuropäischen Länder eine negative Handelsbilanz hatten doch fordern, dass die ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen sollen. Das ist aber nur dann möglich wenn es gleichzeitig Länder gibt die an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Diese zwingende Logik können Sie daran sehen, dass es keinen Sinn macht zu fordern, die ganze Welt solle ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

    Nein, es führt kein Weg daran vorbei, dass die Länder die große Überschüsse im Außenhandel hatten teurer werden müssen. Das heißt aber nicht, dass mehr arbeitslos werden und es weniger Wachstum gibt: Denn höhere Löhne auf breiter Front bedeuten auch mehr Nachfrage im Inland und damit mehr Investitionen.(und mehr Importe nicht zwingen weniger Exporte!)

    Wenn Sie beklagen, dass die Euro-Zone gegenüber der Welt wettbewerbsfähiger werden muss ist das auch falsch. Die Euro-Zone hat als ganzes gesehen einen ungefähr ausgeglichenen Außenhandel. Wenn wir jetzt wettbewerbsfähiger werden sollen stellt sich die Frage gegenüber wem?? Davon mal abgesehen haben die anderen Währungsräume eine eigene Währung die sie abwerten können wenn wir sie aus den Exportmärkten verdrängen wollen.

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    • FeFeCN6
    • 01. Februar 2013 9:44 Uhr

    Es ist eigentlich ganz einfach: Es kann nicht sein, dass ein Land wie Deutschland ständig unter seinen Verhältnissen lebt (also mehr herstellt als es verbraucht und deshalb Überschüsse hat) und andere Länder wie Spanien, Griechenland leben ständig über ihren Verhältnissen.

    In einer Währungsunion können solche Ungleichgewichte nur behoben werden, indem jedes Land seine Löhne an die eigene Produktivität koppelt. (man strebt eine gemeinsame Inflationsrate an). Bei Ländern mit unterschiedlicher Währung kann der Wechselkurs geändert werden.

    Wenn Deutschland aus dem Euro aussteigen würde (und, entschuldigen Sie, aber das ist der Punkt, an dem man sieht, dass Sie den Zusammenhang nicht ganz erfassen) dann würde die neue deutsche Währung massiv aufwerten und wir würden über Nacht riesige Marktanteile verlieren. Die Exportwirtschaft würde schockartig zusammenkrachen. Deshalb ist es besser einen langsamen behutsamen Anpassungsweg zu gehen und diesen mit Transfers zu überbrücken.

    Das versteht die Regierung aber nicht (Merkels Rede in Davos!) und deswegen steht uns eine historische Krise bevor, die die letzte Finanzkrise noch in den Schatten stellen wird. Wenn Sie sich eine unabhängige Meinung bilden wollen schauen Sie sich den Vortrag an:

    http://www.youtube.com/wa...

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    • u.t.
    • 01. Februar 2013 9:54 Uhr

    wenn ich mal stellvertetend etwas dazu sagen darf:

    Sie gehen hier auf einige Punkte, die die Vorkommentatoren angesprochen haben, nicht weiter ein.

    Werden in D. die Kosten stark nach oben gedrückt, werden weit weniger Gr, Spa, oder Por davon profitieren. Allenfalls Italien ein wenig mehr.
    Gr oder Spa konkurrieren kaum irgendwo mit D. Die beiden konkurrieren mit ganz anderen Produktionsstandorten, mit Osteuropa und mit asiatischen Staaten (wobei dort auch nicht mit den hochentwickelten, wie Südkorea oder Taiwan).

    Im Übrigen wies die Eurozone ungefähr zwischen 2004 und 2011 durchaus meist ein Handelsbilanzdefizit auf. Das "Giftige" daran war, dass sich gleichzeitig Staat und/oder Konsumenten auch (im Ausland) verschuldeten.

    Das war sozusagen das Gefährliche: Es wurden auf zwei bis drei Ebenen Defizite produziert.

    Nun wäre es für einige Jahre durchaus ganz gut, wenn die Eurozone moderate Handelsüberschüsse erzielt, um damit vorherige Defizite zu decken.
    Abnehmer gibt es genug in der Welt, viele mit dicken Bilanzüberschüssen (Ölexporteure, andere Rohstofflieferanten, etc.).

    • u.t.
    • 01. Februar 2013 9:46 Uhr

    als das glänzende Beispiel darstellen:

    Island hat drei Jahre schärfster Kürzungsprogramme hinter sich.

    Die haben das im gesellschaftlichen Konsens verabschiedet, es wurde nicht gestreikt und die Kürzungen stringent verfolgt.

    Außerdem sollte man noch hinzufügen, dass die staatliche Administration Islands zu den effektivsten und am wenigsten korrupten der Welt gehört.
    Ein gleiches resolutes Reformprogramm sich für Griechenland oder Spanien vorzustellen, ist reines Wunschdenken.

    2 Leserempfehlungen
    • u.t.
    • 01. Februar 2013 9:54 Uhr
    64. Hallo,

    wenn ich mal stellvertetend etwas dazu sagen darf:

    Sie gehen hier auf einige Punkte, die die Vorkommentatoren angesprochen haben, nicht weiter ein.

    Werden in D. die Kosten stark nach oben gedrückt, werden weit weniger Gr, Spa, oder Por davon profitieren. Allenfalls Italien ein wenig mehr.
    Gr oder Spa konkurrieren kaum irgendwo mit D. Die beiden konkurrieren mit ganz anderen Produktionsstandorten, mit Osteuropa und mit asiatischen Staaten (wobei dort auch nicht mit den hochentwickelten, wie Südkorea oder Taiwan).

    Im Übrigen wies die Eurozone ungefähr zwischen 2004 und 2011 durchaus meist ein Handelsbilanzdefizit auf. Das "Giftige" daran war, dass sich gleichzeitig Staat und/oder Konsumenten auch (im Ausland) verschuldeten.

    Das war sozusagen das Gefährliche: Es wurden auf zwei bis drei Ebenen Defizite produziert.

    Nun wäre es für einige Jahre durchaus ganz gut, wenn die Eurozone moderate Handelsüberschüsse erzielt, um damit vorherige Defizite zu decken.
    Abnehmer gibt es genug in der Welt, viele mit dicken Bilanzüberschüssen (Ölexporteure, andere Rohstofflieferanten, etc.).

    Antwort auf "Überschuss - Defizit"

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