Ägypten : "Ohne Finanzhilfen droht der Staatsbankrott"

Innenpolitisches Chaos, ausbleibender Tourismus: Der Westen wird Mursis Regierung helfen müssen – im eigenen Interesse, sagt der Ägypten-Experte Thomas Demmelhuber.

ZEIT ONLINE: Herr Demmelhuber, seit Wochen gibt es in Ägypten wieder Demonstrationen und Ausschreitungen. Welche Rolle spielt die wirtschaftliche Misere des Landes?

Thomas Demmelhuber: Sie spielt eine zentrale Rolle, auch wenn wir es vordergründig mit einem politischen Konflikt zu tun haben. Präsident Mohammed Mursi hat in den vergangenen Monaten versucht, möglichst viel Macht an sich zu reißen. Das weckte Erinnerungen an den "alten Pharao" Mubarak, was den Protest gegen Mursi weiter befeuerte.

Hinzu kommt der Streit zwischen der säkular-liberalen Opposition und den Muslimbrüdern über die grundsätzliche Ausrichtung des Landes. Das Problem ist, dass das säkular-liberale Lager sehr heterogen ist und seine Vertreter immer noch glauben, es reiche, Forderungen auf der Straße zu artikulieren, ohne die dafür vorgesehenen institutionalisierten Modi des Konfliktaustrags zu nutzen.

ZEIT ONLINE: Die politischen Konflikte werden der ohnehin kriselnden ägyptischen Wirtschaft nicht helfen.

Thomas Demmelhuber

ist Juniorprofessor für Politikwissenschaft an der Universität Hildesheim und forscht schwerpunktmäßig zur Entwicklung in Ägypten und den arabischen Ländern der Golfregion.

Demmelhuber: Die ökonomische Lage Ägyptens hat sich in den vergangenen zwei Jahren massiv verschlechtert. Unter Mubarak wuchs die Wirtschaft jährlich um knapp sieben Prozent – auch wenn die breite Masse davon wenig hatte und einige wenige Oligarchen davon profitierten. Nun aber ist die Wachstumsrate massiv eingebrochen, sie beträgt nur noch zwei Prozent. Die Devisenreserven schwinden. Der Regierung gelingt es nicht, für ein Mindestmaß an öffentlicher Sicherheit und Ordnung zu sorgen, was wiederum die Touristen abschreckt.

Viele Ägypter haben in der Euphorie des politischen Wandels 2011 fest geglaubt, dass der Sturz Mubaraks bald mehr Wohlstand und Gerechtigkeit für alle bringt. Das war bis dato ein Irrtum und treibt viele Gruppen, vor allem junge Leute, in ihrer Perspektivlosigkeit und Frustration auf die Straße.

ZEIT ONLINE: Im Moment deutet nichts darauf hin, dass sich die Sicherheitslage bald wieder stabilisieren könnte. 

Demmelhuber: Das stimmt. Mursis Regierung musste jetzt schon das Militär zu Hilfe rufen, um die öffentliche Ordnung einigermaßen zu gewährleisten. Das ist besorgniserregend. Wenn die unterschiedlichen politischen Lager nicht bald wieder zu einem Dialog miteinander finden, könnte die staatliche Ordnung weiter erodieren.

Doch statt aufeinander zuzugehen, radikalisieren sich die Konfliktparteien. Egal, ob Mursi oder die säkulare Opposition: Jeder sieht sich als Hüter der Revolution und bezeichnet den Gegner als konterrevolutionär, das ist Ausdruck einer besorgniserregenden politischen Radikalisierung.

ZEIT ONLINE: Kann die Regierung in dieser Lage überhaupt die Kraft für Wirtschaftspolitik aufbringen?

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Immer ruhig mit

den Pferden, erstmal will man ordentlicher Professor werden und da braucht man dt. Fördermittel für also gibt man natürlich pro-muslimen dt. Zeitungen Interviews um den seriösen Bedarf an dieser Thematik zu wecken und sich als Lösender ins Gespräch zu bringen.

Und ja der Islam ist die Lösung, etwas das auch die Europäer bald auf dem harten Weg lernen werden. Allein die Demographie wird schon dafür sorgen.

Glaube auch nicht das die Ägypter diesen ganzen Schlamassel wollten, sondern dieser vom Westen orchestriert wurde, nachdem man sich mit den Experten beraten hat, die jedoch kenen Plan hatten, was sie da eigentlichen machen.