Entwicklungszusammenarbeit: Der Westen muss in Afrika für seine Werte eintreten
Dirk Niebel und die demokratischen Werte: Warum es nicht reicht, wenn der Westen nur zuschaut, wie China oder Brasilien in Afrika investieren.
Drei Länder, drei Parallelen: China, Indien und Brasilien haben die Armut im eigenen Land in den vergangenen zehn Jahren drastisch verringert. Gleichzeitig stiegen die Länder zu machtpolitisch ambitionierten Regionalmächten auf.
Was die drei Staaten ebenfalls eint: Sie drängen zunehmend nach Afrika. Mit diplomatischer Offensive und unkonditionierten Hilfsleistungen streben alle drei Staaten eine Führungsrolle im globalen Süden an. Ohne afrikanische Kolonialvergangenheit vertreten sie in Entwicklungsländern selbstbewusst und ohne schlechtes Gewissen ihre wirtschaftlichen Interessen. Sie setzen dabei auf die Förderung des Handels, auf Rohstoffabbau und Direktinvestitionen – nicht auf Demokratie, Menschenrechte und gute Regierungsführung. Ihr Erfolg bei der eigenen Armutsbekämpfung lässt sie in Afrika als glaubwürdige Vorbilder erscheinen.
Nun fordert auch Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel, dem neuen Engagement Rechnung zu tragen. Vor allem mit China müssten die westlichen Geberländer stärker kooperieren, sagt der Minister – ohne die eigenen Werte zu vernachlässigen. Zu hören ist erneut eine Mischung aus Respekt und Skepsis, mit der die westlichen Geberländer die Entwicklung seit langem betrachten. Sie alle wissen: Die neue Wirtschaftsdynamik, die von China ausgeht, fördert in Afrika zwar im besten Fall das Wachstum. Doch dieses kommt, gerade bei autokratisch geführten Staaten, oft nicht der Bevölkerung zugute. Nur eine kleine Elite profitiert.
ist Koordinator für Entwicklungspolitik und Menschenrechte der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung.
Der westliche Ansatz, demokratische Mindeststandards zur Bedingung von Entwicklungszusammenarbeit zu machen, wird zudem in Wahrheit von den neuen Gebern oft unterlaufen. Die Chinesen betrachteten die wertegetriebene Entwicklungspolitik als "Einmischung in die inneren Angelegenheiten von Entwicklungsländern", sagt Niebel. Ohne diese Konditionierung aber, das fürchtet der Westen zu Recht, bleiben notwendige Reformen in Afrika aus. Politische Mitbestimmung und Transparenz hinken dem Wirtschaftswachstum hinterher.
Viele afrikanische Regierungen begrüßen hingegen die neue Politik der vermeintlichen Nichteinmischung. Schließlich steigert sie die Chance auf finanzielle Einnahmen auch da, wo viele traditionelle Geber den Handel und die Hilfszahlungen an korrupte Regierungen wie im Sudan oder Angola längst gestoppt hätten.
Hilfe nur gegen Vorleistung
Die Opposition und Teile der Bevölkerung sehen die Afrikapolitik der neuen Geber weitaus kritischer. Sie klagen zu Recht an, dass ausländische Unternehmen vor allem bei der Ausbeutung von Rohstoffen die lokalen Arbeits- und Umweltstandards missachten und sich so einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. China, Indien und Brasilien fordern in Afrika oft den Erwerb ihrer eigenen Produkte als Voraussetzung für Hilfsleistungen ("tied aid"). Das verzerrt den Markt und trägt dazu bei, dass sich die lokale Wirtschaft nicht richtig entwickeln kann. China, inzwischen wichtigster Handelspartner des Kontinents, exportiert zudem zehntausende Kleinunternehmer und andere Arbeitskräfte nach Afrika und setzt dort den lokalen Arbeitsmarkt unter Druck.
Nach rund fünfzig Jahren Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika stehen allerdings auch Deutschland und die traditionellen Geberländer in der Kritik. Wo China mit riesigen Summen und aus einer Hand schnell und unbürokratisch Straßen, Stadien und Fabriken baue, sei die Zusammenarbeit mit westlichen Gebern oft mühselig, kleinteilig und zwischen zahllosen Einzelakteuren zersplittert, lautet der Vorwurf. Auch Niebel sagt, dass "wir in Deutschland solche Projekte gar nicht finanzieren können".




Also ich kann schon irgentwie nachvollziehen, dass afrikanische Staaten lieber Geschäfte machen mit den Chinesen. Denn China ist ein pragmatischer, unideologischer und - man glaubt es kaum - ehrlicher Partner.
Während Europäer oder Amis vor den Kameras von Menschenrechten faseln und dann mittels IWF/Weltbank Entwicklungskrediten, Agrarprodukte-Dumping oder Elektroschrottentsorgung massenhaft Elend produzieren, machen die Chinesen einfache und konstruktive Deals. Hier z.B. im Kongo:
Der jüngste Coup ist ein Jahrhundertvertrag im Wert von neun Milliarden Dollar. China baut 3.500 Kilometer Autobahnen, 3.500 Kilometer Bahngleise, dazu Krankenhäuser, Universitäten und Schulen. Im Gegenzug erhält es zehn Millionen Tonnen Kupfer und 200.000 Tonnen Kobalt. - Rohstoffe gegen Infrastruktur.
http://www.phoenix.de/chi...
Wir hätten mit Geld bezahlt, das wieder in die Hände von Warlords geflossen wäre. Aber dieser Deal ist nachhaltig.
den Sie ansprechen. Generell ist es interessant zu verfolgen, wohin die Entwicklung mit Afrika geht. Europa versucht, aus nachvollziehbaren Gründen den Kontinent mit all seinen Möglichkeiten an sich zu binden und man kann nur hoffen, dass die Auswahl an Kooperationspartnern dazu führt, dass zum einen nachhaltiges geschaffen wird und zum anderen die Verhandlungsposition der afrikanischen Staaten gleichberechtigt wird.
Im Übrigen könnte Herr Niebel auch mit seinem Chef reden, denn war es nicht Rösler der meinte, man müsse die Geschäftsbeziehungen zu SaudiArabien massiv und nachhaltig intensivieren (und der nichtgesagte Satz: "Unter Ignoranz der dortigen Menschenrechtslage")
den Sie ansprechen. Generell ist es interessant zu verfolgen, wohin die Entwicklung mit Afrika geht. Europa versucht, aus nachvollziehbaren Gründen den Kontinent mit all seinen Möglichkeiten an sich zu binden und man kann nur hoffen, dass die Auswahl an Kooperationspartnern dazu führt, dass zum einen nachhaltiges geschaffen wird und zum anderen die Verhandlungsposition der afrikanischen Staaten gleichberechtigt wird.
Im Übrigen könnte Herr Niebel auch mit seinem Chef reden, denn war es nicht Rösler der meinte, man müsse die Geschäftsbeziehungen zu SaudiArabien massiv und nachhaltig intensivieren (und der nichtgesagte Satz: "Unter Ignoranz der dortigen Menschenrechtslage")
...wenn man sich einfach mal raushält? das einmischen des westens hat in den letzten jahrhunderten nicht unbedingt zu besserung des wohlstandes in afrika geführt.
Die Einmischung des Westens hat in Afrika durchaus einen gewissen Wohlstand geschaffen. Ob Südafrika, Kenia, Namibia, Simbabwe, Tansania oder Uganda: all diese Länder waren durchaus auf dem richtigen Weg. Mit dem Ende der Kolonien ging ein Großteil des Wohlstands aber wieder verloren. Heute sind die Lebensverhältnisse der breiten Bevölkerung meist schlechter als ehedem. Gerade in Simbabwe zeigt sich das mehr als deutlich. Einst Kornkammer Afrikas, sind die Farmen heute zu einem Großteil verödet. Das Land muss heutzutage Lebensmittel importieren.
Das soll nun nicht die Grausamkeiten, die während der Kolonisierung begangen wurden beschönigen. Aber irgendwann kann man die Kolonialmächte von früher einfach nicht mehr für die eigenen Fehler verantwortlich machen.
Die Einmischung des Westens hat in Afrika durchaus einen gewissen Wohlstand geschaffen. Ob Südafrika, Kenia, Namibia, Simbabwe, Tansania oder Uganda: all diese Länder waren durchaus auf dem richtigen Weg. Mit dem Ende der Kolonien ging ein Großteil des Wohlstands aber wieder verloren. Heute sind die Lebensverhältnisse der breiten Bevölkerung meist schlechter als ehedem. Gerade in Simbabwe zeigt sich das mehr als deutlich. Einst Kornkammer Afrikas, sind die Farmen heute zu einem Großteil verödet. Das Land muss heutzutage Lebensmittel importieren.
Das soll nun nicht die Grausamkeiten, die während der Kolonisierung begangen wurden beschönigen. Aber irgendwann kann man die Kolonialmächte von früher einfach nicht mehr für die eigenen Fehler verantwortlich machen.
Sie alle wissen: Die neue Wirtschaftsdynamik, die von China ausgeht, fördert in Afrika zwar im besten Fall das Wachstum. Doch dieses kommt, gerade bei autokratisch geführten Staaten, oft nicht der Bevölkerung zugute. Nur eine kleine Elite profitiert.
Ach und das ist bei unseren Partnern in Afrika anders?
Nehmen wir doch mal ein paar der wichtigsten Handelspartner Deutschlands in Afrika:
Ägypten: Langjährige enge Freundschaft der deutschen Regierung mit der Militärdiktatur Mubaraks. Ein kleptokratisches kapitalistisches System, dass es jahrzehntelang erlaubt hat, dass sich eine kleine Herrscherclique bereichert. Dazu Mursi neulich in Berlin:
«Westliche Staaten haben über Jahrzehnte das Leben solcher Regime verlängert», sagte Mursi bei einer Konferenz der Körber-Stiftung am Mittwochabend. Deshalb müsse es jetzt zu einem gleichberechtigten Dialog auf Augenhöhe kommen. Es dürfe nicht sein, «dass eine Seite glaubt, sie könne sich über die andere Seite erheben».
Oder Tunesien, dessen desaströse Menschenrechtslage klediglich einmal Steinmeier zu einer kleiner Kritik veranlasst hat. Natürlich erst, nachdem die neuen Verträge unterzeichnet waren.
Oder Nigeria oder Südafrika oder oder oder...
Überall würde es der deutschen Regierung nicht einmal in den Sinn kommen, den Handel wegen Menschenrechtsverletzungen zu stoppen. Nein, nicht mal drohen würde man damit.
Wie viel ist eigentlich so ein Teppich wert in Nordafrika? Für welche Werte sollen wir jetzt nochmal eintreten?
Doch wohl nicht für Menschenrechte, wie in Saudi-Arabien oder Bahrain?
Die Chinesen handeln aus Eigennutz und reden nicht drum herum.
Die Europäer handeln aus Eigennutz und verbergen diesen unter einem rhetorischen Schwall von sog. "Werten". Ich finde die Haltung der Chinesen viel ehrlicher.
Wie viel ist eigentlich so ein Teppich wert in Nordafrika? Für welche Werte sollen wir jetzt nochmal eintreten?
Doch wohl nicht für Menschenrechte, wie in Saudi-Arabien oder Bahrain?
Die Chinesen handeln aus Eigennutz und reden nicht drum herum.
Die Europäer handeln aus Eigennutz und verbergen diesen unter einem rhetorischen Schwall von sog. "Werten". Ich finde die Haltung der Chinesen viel ehrlicher.
wie in " für seine Werte eintreten" geht mir zunehmend auf den Zeiger.
Besonders, wenn in der näächsten Zeile von "die demokratischen Werte" die Rede ist und damit insinuiert wird, "des Westens" Werte seine das.
Es muss niemand "die demokratischen Werte" vertreten - es ist das Wesentliche merkmal von Werten, dass sie "für sich" etwas Wert sind.
Tatsächlich ist es aber so, dass Afrika schon drt ist, wo Europa erst hin will: "Nur eine kleine Elite profitiert"
Man sollte sich da nicht täuschen:
Die Menschen in Afrika mögen arm sein. Ihre Schul- und Buch-Bildung mag verbesserunsfähig sein. Aber das heisst keineswegs, dass sie nicht in der Lage sind, die Bigotterie "des Westens" zu erkennen.
"Nur eine kleine Elite profitiert"
Ich wollte die Chinesen auch keinesfalls zum karikative Wohltäter ernennen. Im Grunde ist der Chinese natürlich auch nur ein Imperialist, der auf eigenen Vorteil bedacht ist. Nur macht er es geschickter als die Europäer oder Amis.
Eben weil diese Doppelzüngigkeit der Menschenrechte und Demokratie einfach weggelassen wird. Zudem wird tatsächlich in Infrastruktur und die Weiterbildung afrikanischer Arbeiter investiert, was wir nie gemacht haben.
Ein gutes Beispiel ist doch die WM in Afika. Wo deutsche Unternehmen samt allen Arbeitern angerückt sind und durch saftige Kredite finanzierte Stadien zu bauen. Nun verrroten diese Stadien. Nichts ist geblieben ausser üppigen Schulden.
Dagegen sind die Chinesen deutlich konstruktiver:
China hat den afrikanischen Ländern bilaterale Schulden in Höhe von 10 Milliarden Dollar erlassen, schickt Mediziner auf den Kontinent und lädt jedes Jahr Tausende afrikanischer Studenten und Arbeiter zum Studium oder zu Weiterbildungsseminaren nach China ein.
Zugleich sind die Straßen, Brücken, Krankenhäuser und Schulen, die Chinesen bauen, kostengünstig und von akzeptabler Qualität. Vor allem aber werden sie in einem Bruchteil der Zeit errichtet, die solche Projekte benötigen, wenn sie zum Beispiel von der EU finanziert werden.
http://www.faz.net/aktuel...
dass der Westen mal wieder berufen ist, sein System nach Afrika zu tragen.
Nordafrika und der dortige Frühling zeigen momentan doch gerade die Grenzen solchen Tuns.
Zudem ist das, was man China vorwirft doch kein fremdes Ergebnis für westliche Hilfe - die Bildung und Bereicherung von "Eliten" und die weitere Verelendung der Massen.
...ist, dass china seinen energiehunger befriedigen kann ohne irgendwelche kriege im namen der menschenrechte zu führen. beim westen ist es scheinbar so, dass er gar nicht anders kann.
wer ist also gefährlicher für afrika? bestimmt nicht china. man kann sie auf ihrem kurs nur weiter unterstützen und hoffen, dass die macht des westens verschwindet und ausgeglichene verhältnisse herrschen.
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