In Europa baut Finnland derzeit ein eigenes, unterirdisches Endlager für seinen Atommüll, auch die Schweiz sucht einen Standort. Frankreich setzt auf das kleine lothringische Dorf Bure und macht dort Probebohrungen.

Keines dieser Lager kommt ernsthaft für deutschen Atommüll in Betracht. Was bleibt, wäre ein Transport nach Russland. Ein solcher Schritt wäre aus russischer Sicht heute schon möglich. Die Duma hat bereits im Juni 2011 zusammen mit Präsident Wladimir Putin entschieden, dass die Einfuhr radioaktiven Materials "zum Zwecke der Zwischen- und Endlagerung und zur Wiederaufarbeitung" zulässig sei.

Offenbar wittern die Russen ein gutes Geschäft mit dem Atommüll anderer Staaten. "Russland geht erstaunlich offen mit seinen geschäftlichen Interessen um, Atommüll zu importieren", sagt Tobias Münchmeyer, Atommüllexperte von Greenpeace. Die Moskauer Zeitung Kommersant berichtete im Juni 2010, dass sich mit der Entsorgung von 20.000 Tonnen Atommülls rund 16 bis 20 Milliarden Dollar verdienen ließen.

Für die Umwelt ist das keine gute Nachricht. Denn die Standards der Endlager in Russland reichen bei Weitem nicht an europäische Normen heran. Die beiden möglichen Zielorte in Russland, Majak im Ural und Krasnojarsk in Sibirien, sind nach Einschätzung von Atomkraftgegnern radioaktive Notstandsgebiete. Mayak erlebte etwa 1957 eine Atomkatastrophe, die vom Ausmaß der Havarie von Tschernobyl glich. Das Gelände ist großflächig verseucht.

Selbst wenn die Bedingung wäre, dass Russland europäische Standards erfüllen würde: Wer kontrolliert, ob sie eingehalten werden? Und wie verlässlich ist das politische System? Sind Russland ab einer bestimmten Summe Gewinninteressen wichtiger als Sicherheitsstandards?

Hinzu kommt: Der Transport des Atommülls quer durch Europa wäre ein kaum kalkulierbares Risiko. Der Müll müsste per Bahn, LKW oder Schiff transportiert werden, vielleicht sogar mit dem Flugzeug. Wie die Bevölkerung auf solche Transporte reagiert, zeigt sich in Deutschland jedes Jahr im Herbst. Dann rollt der Castor mit wiederaufbereitetem Atommüll von Frankreich nach Gorleben.