Es ist nur ein Satz, der eine große Diskussion ausgelöst hat. Als Peer Steinbrück, damals noch einfacher SPD-Abgeordneter, vor rund einem Jahr mit den anderen Mitgliedern des Aufsichtsrats von ThyssenKrupp zusammensaß, gab er zu Protokoll: "Ich bin gerne zur politischen Unterstützung bereit."

In der Aufsichtsratssitzung ging es um die Frage, wie die Strompreise für Unternehmen gesenkt werden können, die besonders viel Energie verbrauchen – für Firmen wie ThyssenKrupp also. Der damalige Bundestagsabgeordnete Steinbrück bot daraufhin seine politische Hilfe an. Nun steht die Frage im Raum, ob ein solches Verhalten eine unzulässige Vermischung von politischem Mandat und der Funktion als Aufsichtsratsmitglied darstellt, zumal Steinbrück für seine rund zwei Jahre im Kontrollgremium von ThyssenKrupp 170.695 Euro erhielt.

Eine Datenrecherche von ZEIT ONLINE zeigt, dass 126 der 620 Abgeordneten des Bundestages in dieser Legislaturperiode ein Aufsichtsratsmandat in einem Unternehmen ausgeübt haben (siehe Grafik). Rund 28 Prozent aller Unionsabgeordneten gingen demnach einer solchen Tätigkeit nach. Meist sind es kleinere Unternehmen, die Abgeordnete in ihre Aufsichtsräte holen. In den Kontrollgremien der 30 größten Unternehmen des DAX sitzen derzeit nur zehn aktive Politiker. (Hier finden Sie alle Daten als Google-Dokument.)

Der Wirtschaftswissenschaftler Joachim Schwalbach vom Institut für Management an der Berliner Humboldt-Universität sieht die Rolle von Politikern in Aufsichtsräten durchaus kritisch. "Es dürfen keine Interessenskonflikte entstehen", sagt der Professor. Der Aufsichtsrat habe eben in erster Linie die Aufgabe, die Geschäftsleitung eines Unternehmens zu kontrollieren. Allerdings nimmt das Gremium auch eine beratende Funktion wahr. An dieser Stelle könne ein grundsätzlicher Interessenkonflikt entstehen. Viele Unternehmen versprechen sich von einem politischen Repräsentanten einen Zugang zur Politik. Schwalbach hält das für eine "Fehlentwicklung".

Statt auf die mögliche Wirkungsmacht oder das politische Ansehen müsste bei der Auswahl von Aufsichtsräten stärker auf die fachliche Eignung geachtet werden. "In vielen Fällen erfüllen die Mitglieder nicht einmal die notwendigen Anforderungen, etwa Erfahrung im Lesen von Bilanzen", sagt Schwalbach. Die Qualität von Aufsichtsräten werde auch international bemängelt.

Dass im Fall von ThyssenKrupp der Politiker Steinbrück in den Aufsichtsrat geholt wurde, hält der Wirtschaftsjurist Michael Adams von der Universität Hamburg für nicht verwerflich. Als ehemaliger Finanzminister verfüge dieser über große Erfahrung sowie ein internationales Netzwerk. Daher sei er von großem Wert für das Unternehmen. "Ich hätte Steinbrück auch geholt", sagt Adams. Es gehe oft darum, sich politischen Einfluss zu verschaffen, "in Berlin Türen zu öffnen". Ein Verbot solcher Funktionen hält er aber für falsch. Schließlich sei Lobbyismus legitim. Mehr Transparenz fordert Adams aber schon.