FinanzkriseBanken bekommen mehr Zeit zum Aufbau von Liquiditätsreserven

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht gibt den Instituten mehr Zeit: Statt bis 2015 müssen sie die vorgeschriebene Liquiditätsquote nun schrittweise bis 2019 erfüllen.

Bankia

Die Zentrale der spanischen Bankia  |  © Susana Vera / Reuters

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht gibt Banken eine Übergangszeit, um den geforderten Liquiditätspuffer aufzubauen. Wie das Gremium mitteilte, sollen die Anforderungen für eine Mindest-Liquiditätsquote (LCR) zwar wie geplant am 1. Januar 2015 in Kraft treten, es werde allerdings vorerst lediglich ein Puffer von 60 Prozent verlangt.

In jährlichen Schritten von zehn Prozentpunkten soll diese Reserve bis zum 1. Januar 2019 eine Abdeckung von 100 Prozent erreichen. Zudem erkennen die Aufseher neben Staats- und Firmenanleihen nun auch Hypothekenpapiere und unter bestimmten Voraussetzungen sogar Aktien als Liquiditätsreserven an.

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Ziel ist es, dass Banken im Fall einer Krise dank eines Puffers von Bargeld und hochwertigen Staatsanleihen 30 Tage ohne Hilfen von außen überleben können. Die Streckung in jährliche Schritte begründete das Baseler Komitee damit, dass das Bankensystem nicht überfordert werden solle. Einige Experten hatten sich gesorgt, hohe Liquiditätsanforderungen könnten die Kreditvergabe einschränken.

Geldinstituten fehlten Ende 2011 etwa 1,8 Billionen Euro

"Die Übergangsfrist wird sicherstellen, dass der neue Liquiditätsstandard auf keinen Fall die Fähigkeit des globalen Bankensystems beeinträchtigen wird, die konjunkturelle Erholung zu finanzieren", sagte der britische Notenbankchef Mervyn King. Der Standard sei aber nicht aufgeweicht worden.

Nach einer Erhebung des Baseler Ausschusses fehlten den weltgrößten Instituten Ende 2011 nach den bisher geltenden Kriterien etwa 1,8 Billionen Euro an flüssigen Mitteln, um die LCR zu erfüllen. Zwei Drittel davon entfielen auf europäische Institute. Im Schnitt hatten die 102 weltgrößten Banken damals 91 Prozent der geforderten Liquiditätsreserven beisammen.

Das Baseler Komitee gibt Empfehlungen für den Bankensektor aller Staaten. Es ist das erste Mal, dass der Ausschuss neben Kapitalvorschriften auch eine Mindestausstattung an Liquidität vorschreibt. Details zu den Empfehlungen sollen am Montag bekanntgegeben werden. Umgesetzt werden müssen diese Regeln in den einzelnen Ländern.

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Leserkommentare
    • Xdenker
    • 06. Januar 2013 23:07 Uhr

    D.h., wenn sie die Einheit von Handeln und Haften wiederherstellt und nicht immer wieder diejenigen (Private und Staaten) vor der Inhaftungnahme schützt, die ihre Unternehmen und Haushalte an die Wand gefahren haben.

    Antwort auf "@Xdenker"
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    ihre ausdauer - oder verzweiflung sich die realität zurechtzubiegen. exponentialfunktionen in geschlossenen systemen rnden immer in einer "explosion".

    “Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen soll.”
    Ludwig von Mises 1940

    oder hier: Harald Lesch "Zinseszins ... das perfekte Verbrechen."

    > http://www.youtube.com/wa...

  1. ihre ausdauer - oder verzweiflung sich die realität zurechtzubiegen. exponentialfunktionen in geschlossenen systemen rnden immer in einer "explosion".

    “Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen soll.”
    Ludwig von Mises 1940

    oder hier: Harald Lesch "Zinseszins ... das perfekte Verbrechen."

    > http://www.youtube.com/wa...

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    Was die Geldexpansion angeht, kommt es allein darauf an, in welchem Verhältnis diese zur Güterexpansion steht. Hier ist es zweifellos so, dass sie die Güterexpansion dank der Politik der Zentralbanken, getrieben durch die Fed, bei weitem überstiegen hat. Das führt zwangsläufig zu Kaufkraftverlusten und zur Entwicklung von Blasen, die früher oder später "automatisch" platzen müssen ("finaler Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion"). Das nenne ich die Autokorrekturprozesse des Systems. Sie sind nicht der Zusammenbruch des Systems, sondern verhindern ihn gerade.

    Leider ist es so, dass Politik immer und letztlich ergebenislos versucht, solche systemnotwendigen Autokorrekturen zu verhindern, indem sie diejenigen, die ihre Unternehmen oder Haushalte an die Wand gefahren haben, von der Haftung (und damit Vermögensverlusten) dafür befreit, sofern sie eine gewisse Größe und Bedeutung vorweisen können. Und das logischerweise zu hohen Kosten. Das müsste aber nicht sein, wenn der Staat dafür sorgte, dass Pleiten auch großer Banken die Geldkreisläufe nicht gefährden können.

    Herrn Lesch halte ich nicht für wirtschaftskompetent, und Zinseszinsen gibt es nur, wenn Zinsen nicht bezahlt werden und infolge dessen ein Zinsaufschlag auf die nicht gezahlten Zinsen erhoben wird. Ein Schuldner, der seine Zinsen nicht zahlt, ist schnell am Ende, sofern er nicht von jemand anderem gerettet wird. Was ich von derartigen Rettungen halte, habe ich wohl zur Genüge deutlich gemacht.

    • MeÖz
    • 06. Januar 2013 23:53 Uhr
    11. Jaja.

    Und 2019 kriegen wir die Meldung das Banken bis 2025 Zeit haben. Und so spielt es sich weiter fort - bis zum St. Nimmerleinstag.

    2 Leserempfehlungen
  2. Was die Geldexpansion angeht, kommt es allein darauf an, in welchem Verhältnis diese zur Güterexpansion steht. Hier ist es zweifellos so, dass sie die Güterexpansion dank der Politik der Zentralbanken, getrieben durch die Fed, bei weitem überstiegen hat. Das führt zwangsläufig zu Kaufkraftverlusten und zur Entwicklung von Blasen, die früher oder später "automatisch" platzen müssen ("finaler Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion"). Das nenne ich die Autokorrekturprozesse des Systems. Sie sind nicht der Zusammenbruch des Systems, sondern verhindern ihn gerade.

    Leider ist es so, dass Politik immer und letztlich ergebenislos versucht, solche systemnotwendigen Autokorrekturen zu verhindern, indem sie diejenigen, die ihre Unternehmen oder Haushalte an die Wand gefahren haben, von der Haftung (und damit Vermögensverlusten) dafür befreit, sofern sie eine gewisse Größe und Bedeutung vorweisen können. Und das logischerweise zu hohen Kosten. Das müsste aber nicht sein, wenn der Staat dafür sorgte, dass Pleiten auch großer Banken die Geldkreisläufe nicht gefährden können.

    Herrn Lesch halte ich nicht für wirtschaftskompetent, und Zinseszinsen gibt es nur, wenn Zinsen nicht bezahlt werden und infolge dessen ein Zinsaufschlag auf die nicht gezahlten Zinsen erhoben wird. Ein Schuldner, der seine Zinsen nicht zahlt, ist schnell am Ende, sofern er nicht von jemand anderem gerettet wird. Was ich von derartigen Rettungen halte, habe ich wohl zur Genüge deutlich gemacht.

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    Antwort auf "ich bewundere"
  3. Leider werden immer wieder Geld und Kapital gleichgesetzt. Die Begriffe meinen aber verschiedenes. Eigenkapital ist der Teil des "Vermögens" (der Aktiva), der einem selbst gehört, Fremdkapital demenstsprechend der Teil des "Vermögens", der anderen gehört. Eigenes oder fremdes Geld ist jeweils ein Teil davon.

    Eigenkapital ist keineswegs mit Zinsen belastet. Es hat aber, wie das Fremdkapital einen Entlohnungsanspruch (Zinsanspruch), weil es als Produktionsfaktor, wie die Arbeit, einen Beitrag zur Wertschöpfung leistet (es macht Arbeit produktiv). Beim Eigenkapital wird der Zinsanspruch aus dem Gewinn als Vermögenseinkommen, beim Fremdkapital aus dem Umsatz im Wege der Zinszahlung an den Kapitaleigner befriedigt.

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    "Eigenkapital ist keineswegs mit Zinsen belastet."

    Immer wieder machen Sie den gleichen Fehler.

    Es gibt kein "Eigenkapital", welches keine Gegenbuchung im Wirtschaftskreislauf aufweist. Alleine durch die doppelte Buchführung und der Art, wie Geld erzeugt und bilanziert wird, ist der Zins gegeben.

    Der das Eigenkapital aufweist, muss nicht die Zinslasten tragen, aber sicherlich einer IM System.

  4. kommt eine Sache auch deutlich zum Vorschein. Währungsstabilität, sowie Stabilität der Märkte (vor allem Aktienmärkte) beruht auf Vertrauen. Vielleicht müssen sich Politik + Medien (die ZEIT ist da nicht ausgenommen) + Krisenmanager + Ratingagenturen + Banken die Frage gefallen lassen, inwiefern sie für Vertrauen gesorgt haben?

  5. 15. .....

    "Eigenkapital ist keineswegs mit Zinsen belastet."

    Immer wieder machen Sie den gleichen Fehler.

    Es gibt kein "Eigenkapital", welches keine Gegenbuchung im Wirtschaftskreislauf aufweist. Alleine durch die doppelte Buchführung und der Art, wie Geld erzeugt und bilanziert wird, ist der Zins gegeben.

    Der das Eigenkapital aufweist, muss nicht die Zinslasten tragen, aber sicherlich einer IM System.

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    • Xdenker
    • 07. Januar 2013 11:42 Uhr

    .

  6. Mittlerweile hat die Bankenaufsicht nun endlich auch gemerkt, daß der Aufbau von Liquiditätsreserven gerade bei den Banken mit Liquiditätsanspannungen zur Verschärfung der Liquiditätsfalle führt.

    Es sind allerdings gerade jene Banken, die direkt oder indirekt von den Problemen der Staaten betroffen sind, die mit erheblichen Haushaltsdefiziten kämpfen und deren Wirtschaft sich im Sinkflug oder sogar teils im freien Fall befindet.

    Grundschulklässler hätten vermutlich schon früher bemerkt, daß die Forderungen der Bankenaufsicht kontraproduktiv bezüglich der Krisenüberwindung in den südlichen Eurostaaten sind.

    Aber das hat ja bislang so schön davon abgelenkt, daß etliche Regierungen in Euroländern und die EU, sprich deren Politiker, die eigentlichen Schurken und Verursacher des Desasters sind.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, nf
  • Schlagworte Finanzkrise | Aktie | Bank | Euro | Liquidität | Staatsanleihe
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