Berliner FlughafenBER-Architekt wirft Flughafengesellschaft Täuschung vor

Der geschasste Architekt Gerkan macht die BER-Manager für Terminverschiebungen verantwortlich. Verkehrsminister Ramsauer will die gewonnene Zeit für einen Ausbau nutzen.

Verkehrsschild in der Nähe der Flughafenbaustelle

Verkehrsschild in der Nähe der Flughafenbaustelle  |  © Thomas Peter/Reuters

Meinhard von Gerkan, der Architekt des neuen Berliner Großflughafens, hat die Arbeit der Flughafengesellschaft laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel als "großangelegte Täuschung" kritisiert. Das Magazin bezog sich dabei auf einen Schriftsatz von Gerkans Anwälten. Darin hieß es, die Manager hätten mit ständigen Umbauwünschen den Bauablauf "regelrecht zerschossen". Den Eröffnungstermin hätten sie gegenüber Aufsichtsrat und Öffentlichkeit "wider besseres Wissen" als realistisch dargestellt.

Gerkans Team war im Mai von der Flughafengesellschaft entlassen und später wegen angeblicher Fehlplanung verklagt worden. In einer Klageerwiderung wirft Gerkans Architekturbüro der Flughafengesellschaft laut Spiegel nun vor, die Verschiebung des Eröffnungstermins sowie die Mehrkosten selbst verschuldet zu haben. 286 Planänderungsanträge hätten zu einer "fortdauernden Behinderung der eigenen Baustelle" geführt. Vor allem die Entscheidung, das Terminal zu einem Shopping-Center umzubauen, hätte verheerende Folgen gehabt. Für einen sogenannten Walk-Through-Shop nach der Sicherheitskontrolle hätte die Anzahl der Check-in-Schalter reduziert werden müssen.

Anzeige

Die Berliner Flughafengesellschaft wies die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher sagte, die Flughafengesellschaft bestärke "ihre Kritik an der Arbeitsweise des Architektenbüros". Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will die Verantwortung für das Chaos von externen Anwälten und Wirtschaftsprüfern klären lassen. "Sämtliche Haftungsfragen und Verantwortlichkeiten werden geklärt. Das gilt auch für das Flughafenmanagement und den Aufsichtsrat", sagte er der Bild am Sonntag. Schadenersatzforderungen schloss er nicht aus.

BER-Eröffnung könnte auch erst nach 2014 sein

Auf einen neuen Eröffnungstermin wollte sich Ramsauer nicht festlegen. Er nannte es vermessen und verantwortungslos, jetzt schon einen neuen Termin zu nennen. In der Planung müsse es zahlreiche Änderungen geben, die umgesetzt werden müssten, sagte der Bundesminister. Jetzt sei es an der Zeit, "genau zu hinterfragen, zu analysieren, Lösungswege zu skizzieren." Am Ende könne 2014 als Eröffnungsdatum herauskommen, "genauso aber ein anderes Datum."

Laut Spiegel gibt es aber auch Hinweise, dass Ramsauer schon deutlich vor Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) über die erneute Verschiebung des Eröffnungstermins Bescheid wusste. In einem persönlichen Treffen habe Technikchef Horst Amann Ramsauer von der voraussichtlichen Terminverschiebung unterrichtet, schreibt das Magazin. Beide bestätigten das Treffen.

Ramsauer will Ausbau des Flughafens vor Eröffnung

Wowereit bemerkte zu der jüngsten Terminverschiebung im Focus: "Wir werden uns auch auf keinen Termin festlegen." Er zeigte sich aber sicher, dass der Airport in Schönefeld noch in seiner Amtszeit eröffnet wird. Die planmäßige Abgeordnetenhauswahl in Berlin findet 2016 statt. Das von Grünen und Piraten eingebrachte Misstrauensvotum gegen Wowereit war am Samstag im Parlament mit 85 zu 62 Stimmen abgelehnt worden.

Ramsauer plädierte dafür, die durch die Bauverzögerungen gewonnene Zeit zu nutzen, um den Flughafen noch vor der Eröffnung zu erweitern: "In Tegel und Schönefeld haben wir rund 25 Millionen Passagiere im Jahr. Mit dem BER können wir 27 Millionen bewältigen. Das heißt: Der BER ist von Anfang an stark ausgelastet. Wir können den Terminalbereich aber deutlich ausbauen, für zusätzlich zehn Millionen und mehr Passagiere."

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Zorbas
    • 13. Januar 2013 18:53 Uhr

    Als Profi wird er sich mit Schriftverkehr und Hinweisen auf nicht Durchführbarkeit bzw fehlender Brandschutz abgesichert haben. Aber.... Was hat den der Behördliche Brandschutz bei den Änderungen und Teilabnahmen gesagt? Wieso hakt denn hier die Presse nicht mal nach? Oder glaubt jemand das da bei der Genehmigung ein Zettel beilag Achtung Brandschutz bitte erfüllen?!

    2 Leserempfehlungen
  1. *M*einhardt von Gerkan - erster Satz :)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert.

    Viele Grüße
    Matthias Breitinger

  2. die BWLer mal in Schutz nehmen, die da werkeln sind meist Wirtschaftsings. die leider suggerieren, dass sie von Ingenieurwesen irgendeine Ahnung haben, was leider nicht der Fall ist. Werden aber in D gerne eingestellt, da sie von nichts wirklich Ahnung haben und damit leicht führbar sind. Denn wer will schon einen Ing. dort sitzen haben, der beim ersten Anzeichen von Misswirtschaft rummosert und vlt. auch noch Lösungen anbietet.

    @Thema
    Warum kommt von Gerkan erst jetzt damit raus und nicht schon vorher?
    Hätte ja klappen können und vlt. war auch eine Prämie bei fristgerechter Eröffnung vereinbart.
    Auch wäre die Verquickung von Gerkans mit der Berliner Politik interessant, da er ja fast alle großen Architektur-Wettbewerbe dort gewinnt.

    An die Redaktion der Mann heisst Meinhard von Gerkan und nicht Reinhard, wie war das mit der besten Presse der Welt (Nov. 2007, di Lorenzo).

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "BWL-Frettchen am Werk"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Mit Berufgruppenbeashing kommt mann nicht weiter. Nulpen gibt es überall! Natürlich ist ein "sortenreiner" Ingenieur mit Ingenieurerfahrung, der ein betriebswirtschaftliches Studium draufgesetzt hat, in aller Regel der Bessere! Dabei ist das für viele Ingenieure leicht, da die Handlundgsschablonen zwischen Ingenieuren und BWLern ähnlich sind. Aber Leute dieses Kalibers sind nicht häufig!
    Ich kenne das aus der Produktionsplanung und -steuerung in der Industrie!

    • TDU
    • 13. Januar 2013 19:21 Uhr

    Zit. "Laut Spiegel gibt es aber auch Hinweise, dass Ramsauer schon deutlich vor Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) über die erneute Verschiebung des Eröffnungstermins Bescheid wusste. In einem persönlichen Treffen habe Technikchef Horst Amann Ramsauer von der voraussichtlichen Terminverschiebung unterrichtet, schreibt das Magazin. Beide bestätigten das Treffen."

    Daraus kann auch man schliessen, dass Ramsauer seine Kenntnis in Abstimmung mit Berlin nicht veröffenttlicht hat. Er ist sowie recht zartfühlend im Umgang mit Wowereit und co. Kungelei ist das alles. das ist mal sicher.

    • TDU
    • 13. Januar 2013 19:33 Uhr

    Wieso? Ramsauer hätte trumphierend kommen können: "Ich weiss und Wowereit weiss nichts. Dabei hätte er als Vorsitzender doch erst recht wissen müssen."

    Fällt Ihnen nicht auf, dass da geschont wird? Den Voritzenden ist er los der Wowereit, gott sei Dank für Ihn, und politisch war die Sache gesichert durch die Koalition. Mehr ist doch nicht passiert. Wo ist Wowereit der Depp? Der wäre er gewesen, wenn er nicht mal Amann im Griff gehabt hätte.

    Es ist wie beim Kölner Archiveinsturz. Die Politik ist es nicht schuld ausser natürlich Schramma und CDU aber nur, weil der sich dämlich angestellt hat. Letztlich: Immer die bösen Unternehmer.

    • o_O
    • 13. Januar 2013 19:35 Uhr

    ... gibt es wenigstens Kommentatoren, die die Wahrheit zu wissen scheinen.

    Wissen Sie, ob das nicht vielleicht geschehen ist und man bereits recht früh darüber diskutiert hat, dass Kosten- und Zeitplan nur unter bestimmten Bedingungen halbwegs zu halten sind?

    Ich persönlich komme zwar nicht aus der Baubranche, weiss aber sehr wohl, dass "politisch brisante" Projekte immer sehr anstrengend sind, weil diese Projekte in der Regel immer von oben herab gesteuert werden. Da hat man noch nicht mal mit der Planung begonnen, aber das erste was steht, ist der Fertigstellungstermin. Und natürlich weiss man bereits, zu welchem Preis...

    Mein Vorschlag wäre an die Medien und die Öffentlichkeit mit vorgefertigten Meinungen vielleicht mal etwas kürzer zu treten! So traurig das Bild auch sein mag, das dieses Projekt in alle Welt vermittelt...

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ganz unschuldig"
  3. Hier scheint diese Regel fast umgedreht worden sein und Ramsauer will in dieser unbewährten Weise offenbar weitermachen.

    Sicher gibt es bei jedem Projekt Phasen, in denen über eine Planungsänderung nachgedacht werden muss, insbesondere wenn der bisherige Plan sich als nicht durchführbar erweist.

    Aber hier scheint allen der Gaul durchgegangen zu sein.

    Das Architekturbüro kann sich sicher nicht einfach auf diese Weise herausreden. Es lag in seiner Verantwortung, darauf hinzuweisen, welche Konsequenzen die jeweilige Änderung hat. Wenn und soweit dies geschehen ist, trifft die volle Verantwortung natürlich den Bauherrn.

    3 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 13. Januar 2013 19:42 Uhr

    Kien ist unschuldig. Aber wer ist so schuldig, dass er gefeuert werden muss. Wer hatte die Bauleitung, der Architekt auch? und ist der GU seinen Pflichten nachgekommen oder hat er nach dem Motto so und so ist es, Leerformeln aufgesagt.

    Vermutlich werden wir den Schuldigen bekommen, der der Politk am besten passt.

    Antwort auf "Ganz unschuldig"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, nf
  • Schlagworte Peter Ramsauer | Klaus Wowereit | CSU | SPD | Airport | Aufsichtsrat
Service