Berliner FlughafenBER-Eröffnungstermin soll in sechs Monaten stehen

Wann eröffnet der Berliner Flughafen? Der Technikchef will sich nicht festlegen und verweist auf den Sommer. Die Probleme nennt er "gravierend, fast grauenhaft".

Ein Arbeiter auf der Baustelle des künftigen Hauptstadtflughafens Willy Brandt Berlin Brandenburg

Ein Arbeiter auf der Baustelle des künftigen Hauptstadtflughafens Willy Brandt Berlin Brandenburg  |  © Adam Berry/Getty Images

Verschwundene Baupläne, lose Kabel, zu wenig Toiletten und ein zu klein geratener Terminal: Am Ende musste auch Horst Amann die "Reißleine ziehen", wie er es im Interview mit dem Hessischen Rundfunk (HR) nennt. "Ich hoffe, ich habe sie nicht zu spät gezogen".

Am Montag mussten der Technikchef des Berliner Großflughafens BER und die Gesellschafter des künftigen Airports – neben dem Bund sind dies vor allem die Länder Berlin und Brandenburg – erneut vor die Öffentlichkeit treten und eine neue Hiobsbotschaft verkünden: Auch der zuletzt eingeplante Eröffnungstermin am 27. Oktober 2013 ist nicht zu halten, das Land muss noch länger auf einen neuen Hauptstadtflughafen warten.

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Wann auf dem Gelände in Berlin-Schönefeld Flugzeuge starten und landen, steht nicht fest. Auch Amann möchte da nicht verbindlich werden und verweist im HR auf den Sommer. "Ungefähr ein halbes Jahr", so der 59-Jährige, werde es dauern, bis man in Abstimmung mit den Behörden festgestellt habe, "was planerisch und baulich notwendig" sei. Erst dann könne voraussichtlich wieder ein Fertigstellungstermin genannt werden.

Das Jahr 2014 nannte Amann "eine gute Nummer" – mehr aber auch nicht. Denn "festlegen kann ich mich jetzt darauf nicht".

Der erfahrene Planungsmanager Amann war im August 2012 als Retter des Projekts aus Frankfurt nach Berlin geholt worden. Doch auch Amann hatte sich verschätzt: "Der Eröffnungstermin 27.10.2013 steht", sagte er noch am 13. November, fügte aber wohlweislich hinzu: "Er ist kein Selbstläufer."

Lange Mängelliste

Die Liste der Mängel war am Ende zu lang. "Die Probleme sind leider Gottes nach dem, was wir jetzt wissen, und was wir sehr mühevoll in den letzten Monaten aufgedeckt haben, heftig, sehr heftig", sagte Amann dem HR. "Und zwar so gravierend, fast grauenhaft, dass die Maßnahmen, die wir jetzt ergriffen haben, notwendig waren."

So wie sein Vorgänger als Technik-Geschäftsführer, Manfred Körtgen, kämpft auch Amann vor allem mit dem komplexen Brandschutz, zu dem außer einer Entrauchungsanlage auch eine Brandmeldeanlage, ein Warnsystem für Notfälle, eine Steuerung der Türen bei einer Evakuierung des Gebäudes sowie eine Sprinkleranlage gehören.

Verantwortlich für die Installierung dieser Anlage sind die Firmen Siemens und Bosch – jeweils für verschiedene Teilbereiche. Am 18. Dezember zogen die Manager bei einer Sitzung mit Amann blank: die Anlage sei zu komplex, die Steuerung funktioniere nicht, es fehlten wichtige endgültige Planungsunterlagen. Zwei weitere Wochen prüften die Bauherren, am vergangenen Sonntag wurde ihre Entscheidung bekannt: Der Eröffnungstermin musste zum fünften Mal verschoben werden.

Laut Amann waren "die Risiken für die geplante Inbetriebnahme" zu groß. Viele Mängel seien nicht unmittelbar erkennbar gewesen. "Wir konnten beispielsweise nicht mehrere hunderttausend Quadratmeter Decken aufreißen", sagte der Technikchef dem HR und gelobt Besserung: Nun gehe es darum, "die Wahrheit auf den Tisch zu legen und zwar schonungslos".

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Leserkommentare
    • Pterry
    • 08. Januar 2013 11:19 Uhr
    2. haha,

    da wollte jemand "Ulkhafen" im Teaser schreiben (glaub ich jedenfalls)

    Eine Leserempfehlung
    • Infamia
    • 08. Januar 2013 11:20 Uhr

    Kann die Ursache solcher Probleme (Stuttgart 21, Elbphilarmonie in Hamburg, BER) nicht auch sein, dass in erster Linie an die Kosten gedacht wird und erst in zweiter Linie an die Projektierung?

    Bei einer Ausschreibung achtet der Ausschreiber darauf, wer am günstigsten anbieten kann. Der Anbieter weiß das und stapelt entsprechend tief. Wenn es dann zur Realisierung kommt, kommen die wahren Kosten häppchenweise auf den Tisch. Hätte man diese realistisch angeboten, hätte der Ausschreiber diese nicht akzeptiert und das billigere Angebot genommen.

    Denn wenn sich das Projekt erst einmal im Bau befindet, gibt es kein Zurück mehr. So geschehen in Stuttgart 21, bei der Elbphilharmonie und jetzt BER. Also wird nachgefordert, weil Abbruch nicht in Frage kommt.

    Würde man die wahren Kosten anbieten, käme wohl öfters heraus, dass das jeweilige Projekt so nicht realisierbar ist.

    Aber welcher Landesfirst will das schon? Jeder will sich doch gerne ein Denkmal setzen, so wie in Hamburg Ole von Beust.

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    Genau, Ausschreibung. Erstmal guenstig, dann sehen wie weit es geht, dann schauen ob es jemand merkt, dann betreten gucken, Besserung geloben, pleite gehen und zurueck zu Start. Zu welchem?

    ... die Ausschreibungen müssen so hieb- und stichfest sein, inclusive Konventionalstrafen und Terminen, dass sich keiner traut, unrealistische Angebote abzugeben. Dazu gehört allerdings auch ein rechtlicher Unterbau, der es erlaubt, jemanden persönlich haftbar zu machen, der hier bei uns aber leider nicht existiert. Wenn jemand fürchten muss, wegen seiner Lügen (nichts anderes sind unrealistische Angebote für mich) in den Knast zu wandern, sieht die Sache doch ganz anders aus.

    weil die Baufirmen an die Verträge gebunden sind. Hinterher sagen, dass es eben teurer wurde geht nicht. Da haftet dann die Firma, was in den meisten Fällen aber trotzdem für alle Beteiligten katastrophal ist. Deshalb bekommt auch nicht immer der Billigste den Zuschlag.
    Kostensteigerungen kommen zustande, wenn vertraglich nicht vorgesehen Dinge auftreten, sich also die Bedingungen ändern. Ich nehme aber an, in dem Augenblick holen sich die Firmen dann das rein, was sie bei der eigentlichen Ausschreibung mit dem Preis runter gegangen sind. Der Bauherr kann nämlich meist aus Termingründen usw. nur die ausführende Firma verpflichten.

    "Bei einer Ausschreibung achtet der Ausschreiber darauf, wer am günstigsten anbieten kann. Der Anbieter weiß das und stapelt entsprechend tief."

    Das ist leider so nicht richtig: Der Ausschreiber wird immer darauf achten möglichst umfassend und genau auszuschreiben.
    Meiner Meinung nach gibt es nichts schlimmeres als Ausschreiber wenn man vom Chef oder Auftraggeber gerügt wird, schlecht ausgeschrieben zu haben und nun jede Menge Nachträge (Mehrkosten) produziert zu haben.

    Als Ausschreiber kann ich eine Auschreibung auch nur so genau machen, wie es die Pläne und Beschreibungen hergeben. Sind die Unterlagen scheisse, wird`s auch die Ausschreibung werden.

  1. Genau, Ausschreibung. Erstmal guenstig, dann sehen wie weit es geht, dann schauen ob es jemand merkt, dann betreten gucken, Besserung geloben, pleite gehen und zurueck zu Start. Zu welchem?

    2 Leserempfehlungen
  2. statt immer mehr Geld zu verbrennen.
    Wenn denn ein neuer Flughafen wirklich nötig sein sollte, könnte man ja, diesmal mit geeigneten Leuten, von vorne anfangen.

    3 Leserempfehlungen
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    Keiner wollte den Flughafen, Tegel läuft super und der Neue hat eh nicht genug Kapazitäten, keiner will ihn haben, er kostet jetzt schon mehr als das doppelte und die meisten kennen nicht mal seinen Namen.

    Warum hat man im Übrigen Tegel nicht einfach ausgebaut / erneuert?
    Mit einer vernünftigen Planung (lach) hätte man da nicht mal einen Stillstand gehabt.

  3. Erst wurden Eröffnngstermine genannt.
    Dann Eröffnungstermine verschoben.

    Jetzt werden Termine genannt, wann Eröffnungstermine genannt werden.
    Dann..

    Das Muster ist erkennbar.

    Mein Verdacht ist, man könnte ohne weiteres die Schilder "BER" und "S21" der beiden Baustellen tauschen, weiter bauen und würde mit je rund 1,5Milliarden Euro einen funktionsfähigen Flughafen Und Bahnhof bekommen - halt nicht genau da wo man wollte, aber wer wird schon so kleinlich sein.

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    • Sauzahn
    • 08. Januar 2013 11:39 Uhr

    Zwei Vorzeigeunternehmen - oder soll es ehemalige Vorzeigunternehmen heißen?
    Kaputtgespart. Die Chinesen wird es freuen.

    5 Leserempfehlungen
  4. Vorschlag meinerseits: Man macht die Baustelle zu einem Erlebnispark für Heimwerker. Gegen ein geringes Entgelt darf jeder mal ran. Möglicherweise wird BER dann schneller fertig als gedacht. Die Politik schickt man derweil in die Talkshows. Dort kann man sie 'kucken' - muß man aber nicht!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, kg
  • Schlagworte Siemens AG | Bosch AG | Airport | Brandschutz | Evakuierung | Behörde
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