Berlin-BrandenburgTechnikchef rechnet mit Flughafen-Eröffnung erst 2015

Dass der neue Hauptstadtflughafen noch 2014 eröffnet wird, ist offenbar unrealistisch. Als Erstes muss ein neuer Chef für das Großprojekt gefunden werden.

Noch eine Großbaustelle: Schilder weisen am neuen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg den Weg.

Noch eine Großbaustelle: Schilder weisen am neuen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg den Weg.  |  © Tobias Schwarz/Reuters

Nach der Entlassung von Flughafen-Chef Rainer Schwarz soll eine neue Führung für die Flughafengesellschaft die Probleme des Großprojekts endlich in den Griff bekommen und für einen erfolgreichen Abschluss sorgen. Ein Nachfolger für Schwarz wird allerdings noch gesucht, vorerst führt Technikchef Horst Amann die Berliner Flughäfen. Dieser rechnet realistischerweise nicht mit einer Eröffnung des Flughafens vor 2015.

"In den kommenden Monaten soll zunächst der aktuelle Bauzustand des Gebäudes ausführlich untersucht werden", sagte Amann dem ZDF. Erst danach könnten die Restarbeiten wieder aufgenommen werden. Ein Termin im Herbst 2014 sei unter diesen Umständen nur noch unter optimalen Bedingungen einzuhalten. "Ich gehe eher von 2015 aus."

Anzeige

Ähnlich äußerte sich Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der sich nicht mehr auf einen Eröffnungstermin festlegen wollte. Mit den Beschlüssen für die Umgestaltung der Geschäftsführung und des Aufsichtsrats am Mittwoch seien wichtige Weichen gestellt worden, sagte er. Es müsse nun alles dafür getan werden, dass der Flughafen "jetzt fertiggebaut wird" und 2014 oder 2015 in Betrieb gehen könne.

Platzeck im Bundestag

Die öffentlichen Terminspekulationen wurden in einer Sitzung des Verkehrsausschusses allerdings kritisiert. Der Ausschussvorsitzende Anton Hofreiter (Grüne) sagte nach der Sitzung mit dem Technikchef, Amman habe inzwischen eingeräumt, dass seine Aussage in Bezug auf 2015 "ein schwerer Fehler" gewesen sei. Das Projekt könne nur gelingen, wenn Bund, Berlin und Brandenburg als die drei Gesellschafter konstruktiv zusammenarbeiteten, sagte Hofreiter.

Der Verkehrsausschuss beschäftigt sich am Donnerstag mit den Pannen um den künftigen Hauptstadtflughafen und befragt neben Amann auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sowie Bundesverkehrsminister Ramsauer und Vertreter des von der Flughafengesellschaft gekündigten Architekturbüros Gerkan.

Ramsauer sagte im ARD-Morgenmagazin, dass er sich selbst keine Vorwürfe mache. Die Verantwortung seitens des Bundes bei dem Projekt habe er "immer wahrgenommen in vielfältiger Weise". Flughafenchef Schwarz habe er eigentlich schon im vergangenen Herbst von seinen Pflichten entbinden wollen.

Suche nach Schwarz-Nachfolger

Der bisherige Flughafen-Chef war am Mittwoch entlassen worden. Schwarz wird maßgeblich verantwortlich gemacht für die vielen Pannen beim Bau und die wiederholte Verschiebung der Flughafeneröffnung. Künftig soll eine Dreierspitze das Unternehmen leiten: neben Technikchef Amann ein Vorsitzender der Geschäftsführung sowie ein Finanz-Geschäftsführer.

Verantwortlich für die Suche nach einer neuen Geschäftsführung ist Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck, der am Mittwoch zum neuen Aufsichtsratschef gewählt worden war. Es müsse jemand mit Erfahrung in der Branche sein, sagte er. Das Problem dabei sei, dass die drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund nicht jeden bezahlen könnten, der für den Job infrage komme, sagte Platzeck.

Ein neuer Termin kann nach Angaben des Aufsichtsratschefs erst "in einigen Monaten" genannt werden. Zuerst müssten Planungsgrundlagen vorhanden sein, die die Baubehörde auch genehmigen könne. Wegen der gravierenden Mängel an der Brandschutzanlage war die für den 27. Oktober geplante Inbetriebnahme Anfang voriger Woche abgesagt worden. Es war bereits die vierte Verschiebung.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. in dieser Zeit baut man in CHINA ganze Staedte mit completter
    Infrastruktur, armes Deutschland, was ist aus dir geworden.

    Eine Leserempfehlung
  2. ... gibt er doch offenbar eine auf die aktuelle technische Lage begründete Antwort, anstatt auf die politischen Belange zu achten.

    Zum Glück hat Ausschussvorsitzende Anton Hofreiter (Grüne) schnell reagiert und ihm den Kopf gewaschen, sagte Hofreiter doch "nach der Sitzung mit dem Technikchef, Amman habe inzwischen eingeräumt, dass seine Aussage in Bezug auf 2015 "ein schwerer Fehler" gewesen sei."

    Wo käemn wir denn hin, wenn Fachleute ungefiltert ihre persönliche Facheinschätzung kundtun, anstelle mit der Politik "konstruktiv zusammen[zu]arbeiteten".

    (Foren-disclaimer: Text kann Spuren von Ironie beinhalten)

    2 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tis
  • Schlagworte Matthias Platzeck | Peter Ramsauer | CSU | SPD | ZDF | Anton Hofreiter
Service