WährungspolitikBundesbank holt Hälfte der Goldreserven zurück

Die Bundesbank will Vertrauen schaffen und holt fast 700 Tonnen Gold aus den USA und Frankreich zurück. Bis 2020 soll die Hälfte des Goldes in Deutschland lagern.

Die Bundesbank will in den kommenden Jahren größere Teile der im Ausland lagernden Goldreserven nach Deutschland holen. Bis 2020 solle die Hälfte der Goldreserven in Deutschland lagern, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. Dazu hole die Bundesbank 19 Prozent der deutschen Goldbestände aus dem Ausland nach Frankfurt. Bislang lagern in Deutschland 31 Prozent der Goldreserven.

Insgesamt sollen 674 Tonnen Gold aus den USA und Frankreich mit einem Gesamtwert von 27 Milliarden Euro nach Deutschland verlagert werden, sagte Thiele. Der bislang von der französischen Nationalbank gelagerte Goldbestand im Umfang von 374 Tonnen werde damit vollständig aufgelöst. In New York verblieben künftig noch 37 Prozent des deutschen Goldes statt bisher 45 Prozent. Die bei der Bank of England lagernden Goldreserven im Umfang von 13 Prozent blieben unverändert.

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Mit dem Schritt reagiert die Bundesbank auf öffentlichen Druck: Im Herbst wurde die Sicherheit des deutschen Goldes im Ausland infrage gestellt. Der Bundesrechnungshof hatte "angesichts des hohen Werts der bei ausländischen Notenbanken gelagerten Goldbestände und der Tatsache, dass diese noch nie aufgenommen wurden" regelmäßige Stichproben gefordert. Mancher Politiker meint, die Bundesbank hätte die Kontrolle über die Bestände aus der Hand gegeben.

Bundesbank will Vertrauen schaffen

"Wir wollen weiter Vertrauen schaffen", sagte Bundesbank-Vorstand Thiele. Sein Haus verfolge ein neues Lagerstellenkonzept, das sich an den beiden wichtigsten Funktionen der Goldbestände orientiere: Der "Vertrauensbildung im Inland" und der "Möglichkeit, binnen kürzester Zeit Gold in Fremdwährungen an Goldhandelsplätzen im Ausland tauschen zu können". Die Goldreserven der Bundesrepublik belaufen sich nach Angaben der Bundesbank derzeit auf insgesamt 137,51 Milliarden Euro.

Bereits in den vergangenen Jahren hatte Deutschland nach Angaben der Bundesbank Teile seiner Goldreserven aus dem Ausland zurückgeholt. Seit dem Jahr 2000 seien 900 Tonnen Gold von der Bank of England zurück nach Deutschland geholt worden. Deutschland hat nach den USA weltweit die größten Goldreserven.

Sparen wird die Bundesbank durch die Verlagerung des Goldes nicht: Die Lagerung in Paris und New York ist kostenlos, die Bank of England verlangt 500.000 bis 550.000 Euro Gebühr pro Jahr. Thiele sagte, der Beschluss sei "in keinster Weise Ausdruck von Zweifeln an der Verlässlichkeit" der Partnernotenbanken. "Unser Gold lagert nur bei Notenbanken mit höchster Reputation und zweifelsfreier Identität."


 

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Leserkommentare
  1. Arbeite zwar nicht bei der Bundesbank und kann daher für nichts garantieren, aber kurzes Nachdenken lässt folgendes logisch erscheinen:

    Goldbestände sind während des kalten Krieges angefallen, wäre der Krieg eskaliert wäre er auch auf dem Schlachtfeld Deutschland ausgetragen wurden (Grenze lief bei uns durch und das deutsche Flachland ist zudem das ideale Gelände für Panzerschlachten). Gold direkt an der Grenze zum Feind zu lagern ist wohl eher ne blöde Idee.

    Da Franzosen und Amerikaner fürs Lagern kein Geld verlangen gabs später (und auch heute) keinen sinnvollen Grund das Zeug zurück zu holen.

    2 Leserempfehlungen
  2. Hoffentlich geht der Dampfer nicht unter oder wird von Piraten gekapert. Wäre schade um unser schönes Gold.

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    aber ich denke kaum es würde irgend einen merkbaren Unterschied für den Normalbürger machen. Soviel zu "unser Gold"... Die Grenze verläuft ja nicht zwischen Ländern sondern oben und unten.

    • H.v.T.
    • 16. Januar 2013 17:24 Uhr
    11. @ all

    "...die Bank of England verlangt 500.000 bis 550.000 Euro Gebühr pro Jahr."
    ---

    Weiß jemand, wie sich diese "Gebühr" zusammensetzt ?

  3. denn hier kostet es ja ebenfalls. Und ob sich ein Umzug nach Paris oder New York lohnt müsste man abwägen. Keine Ahnung wie sowas transportiert wird, aber wohl eher nicht mit der Umzugsfirma.

    Antwort auf "@ strippenzieher"
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    • H.v.T.
    • 16. Januar 2013 17:28 Uhr

    Da muß ich doch mal nachfragen: Weshalb soll denn die Lagerung in Deutschland was kosten, wenn es in New York und Paris nichts kostet ?

  4. aber ich denke kaum es würde irgend einen merkbaren Unterschied für den Normalbürger machen. Soviel zu "unser Gold"... Die Grenze verläuft ja nicht zwischen Ländern sondern oben und unten.

    Antwort auf "Schiffsuntergang"
    • H.v.T.
    • 16. Januar 2013 17:28 Uhr

    Da muß ich doch mal nachfragen: Weshalb soll denn die Lagerung in Deutschland was kosten, wenn es in New York und Paris nichts kostet ?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    verwaltet und (falls die FDP nicht rausfliegt) immer wieder gezählt werden muss. Das haben wir ja im Moment umsonst. Warum man das Gold in London lässt kann ich mir höchstens mit dem Handelsplatz dort erklären. Bestände verteilen hat ja auch seine Vorteile.

  5. verwaltet und (falls die FDP nicht rausfliegt) immer wieder gezählt werden muss. Das haben wir ja im Moment umsonst. Warum man das Gold in London lässt kann ich mir höchstens mit dem Handelsplatz dort erklären. Bestände verteilen hat ja auch seine Vorteile.

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    Antwort auf "@ strippenzieher"
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    • H.v.T.
    • 16. Januar 2013 17:39 Uhr

    Also ist der amerikanische und französische Steuerzahler selbstlos ?

    Wirklich nachvollziehbar, Ihre Darlegung; danke für das Spässchen, einen schönen Abend noch.

    • H.v.T.
    • 16. Januar 2013 17:39 Uhr

    Also ist der amerikanische und französische Steuerzahler selbstlos ?

    Wirklich nachvollziehbar, Ihre Darlegung; danke für das Spässchen, einen schönen Abend noch.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nichtsdestotrotz ist die Lagerung in Paris und New York zur Zeit kostenlos - in Deutschland dagegen nicht. Und ob der US-amerikanische Steuerzahler überhaupt für die mehr private als staatliche FED zahlt, könnte ich noch nicht einmal sagen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP, tis
  • Schlagworte Bundesbank | Carl-Ludwig Thiele | Währungspolitik | Bank | Bundesrechnungshof | England
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