UmweltverschmutzungChina räumt "ineffizientes Wachstumsmodell" ein

Die Luftverschmutzung in chinesischen Städten erreicht neue Rekordwerte. Offen spricht die Regierung nun von "rückständigen Produktionsmethoden" und verspricht Besserung.

Das verschwenderische Wachstum in China ist nach Ansicht der Regierung die Ursache des anhaltenden Smogs in vielen Städten des Landes. Chinas Vizepremier Li Keqiang sagte in einer ersten Stellungnahme zu der Luftverschmutzung in weiten Teilen des Landes, dass die zweitgrößte Wirtschaftsnation "ihr ineffizientes Wachstumsmodell nicht fortsetzen kann". Das berichtete die Nachrichtenagentur China News Service.

Trotz angekündigter Besserung durch Wind, ist die Feinstaubbelastung in Peking und anderen Millionenstädten unverändert hoch. Hinter der Schadstoffbelastung steckten neben den extensiven Produktionsmethoden aber auch natürliche Ursachen, sagte der künftige Regierungschef Li Keqiang mit Blick auf die ungünstige Wetterlage und den ungewöhnlich strengen Winter.

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"Wir können nicht auf Kosten der Umwelt produzieren, bauen und konsumieren", sagte Li Keqiang. "Rückständige Produktionsmethoden müssten entschlossen ausgemerzt werden", fügte er hinzu. Übermäßiger Verbrauch müsse eingestellt werden. Auch müssten Umweltbehörden größere Anstrengungen bei der Umsetzung von Vorschriften machen.

Der Kampf gegen die Luftverschmutzung sei eine langwierige Aufgabe. Smog gebe es nicht erst seit ein paar Tagen. "Eine Lösung braucht Zeit", sagte Li Keqiang. "Aber wir müssen etwas dagegen tun." Die Behörden müssten derweil die Luftwerte und die Feinstaubbelastungen zeitgemäß und transparent veröffentlichen, um die Menschen vor der Luftverschmutzung zu warnen, damit sie Schutzmaßnahmen ergreifen könnten. Das Bewusstsein der Menschen müsse geweckt werden, weil das Problem die Mitwirkung der ganzen Gesellschaft brauche.

Chinas Städte haben die höchste Luftverschmutzung weltweit

Nach einer neuen Studie der renommierten Pekinger Qinghua Universität zusammen mit der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) erreichen weniger als ein Prozent der 500 größten Städte in China Feinstaubbelastungen (PM2,5), die den Höchstwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von durchschnittlich 25 Mikrogramm über 24 Stunden entsprechen. Von den zehn Städten mit der höchsten Luftverschmutzung weltweit liegen sieben in China.

Obwohl Wind vorhergesagt worden war, waren die Schadstoffwerte in zahlreichen Millionenstädten am Mittwoch unverändert hoch. In Peking warnte die US-Botschaft weiter vor "gefährlicher" oder "sehr ungesunder" Luft. Allein die besonders bedrohlichen Feinstaubwerte (PM2,5) erreichten das Zehnfache der empfohlenen WHO-Höchstgrenze.

Andere Metropolen bekamen auch nicht genug frische Luft: Die Schadstoffkonzentration in Harbin in Nordostchina lag sogar jenseits der offiziellen chinesischen Skala und damit über dem Höchstwert von 500, wie die Behörden mitteilten. In der Stadt Zhengzhou (Provinz Henan) in Zentralchina wurde ein Wert von 440 und "schlimme Verschmutzung" gemessen. Das US-Konsulat stufte die Luft in Shanghai als "gefährlich" ein.

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Leserkommentare
    • scoty
    • 16. Januar 2013 8:45 Uhr

    "Wir können nicht auf Kosten der Umwelt produzieren, bauen und konsumieren", sagte Chinas Vizepremier Li Keqiang"

    Ich denke das und aus diesem Grund China vieles in den Ausland verlagern wird inkl. der Arbeiter.

    Eine Leserempfehlung
  1. Eine von Klein auf eingeprägte Glaubenshaltung, dass Wachstum immer gut ist, in Frage gestellt wird.

    Die Korrekte Erkenntnis müsste heissen, Das Weltweite Wachstumsmodell ist inzwischen nach 20 Jahren oberhalb des Limits der langfristigen Tragfähigkeit der Ökosysteme kein Produzent von Wohlstand mehr, sondern vernichtet kostbares Naturkapital. "Wachstum produziert keinen Wohlstand oberhalb der Grenzen des Wachstums".

    Übrigens ist der Smog dort Drüben unser eigener Smog, den die Reichen Länder verursacht haben. Es sind die I-phones, Billig T-Shirts und Plastikspielzeuge der reichen Welt die dort produziert werden...

    Es ist unser Müll.

    4 Leserempfehlungen
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    Jaja, China wurde ja auch dazu gezwungen für uns herzustellen. Außerdem wird ja wohl nicht nur für die "reiche Welt" produziert. Chinas 1,3 Milliarden Volk will auch versorgt sein.

    Bezüglich des Wachstumsmodell haben Sie natürlich recht.

    "Übrigens ist der Smog dort Drüben unser eigener Smog, den die Reichen Länder verursacht haben. Es sind die I-phones, Billig T-Shirts und Plastikspielzeuge der reichen Welt die dort produziert werden... Es ist unser Müll."

    Wir sanktionieren es vielleicht indem wir mit den Chinesen Handel treiben. Aber niemand zwingt diese dazu, sich einen Dreck für ihre Umwelt zu interessieren. Das machen die selber, aus Profitgier. Wenn es uns mit dem Umweltschutz jedoch ernst wäre, müsste über solche Länder ein Embargo verhängt werden. Aber wirtschaftliche Interessen gehen scheinbar vor.

  2. Jaja, China wurde ja auch dazu gezwungen für uns herzustellen. Außerdem wird ja wohl nicht nur für die "reiche Welt" produziert. Chinas 1,3 Milliarden Volk will auch versorgt sein.

    Bezüglich des Wachstumsmodell haben Sie natürlich recht.

    • zappp
    • 16. Januar 2013 10:23 Uhr

    Noch mokieren wir uns darüber, dass "die Chinesen" unsere Fehler in Umweltpolitik, Stadt- und Verkehrsplanung wiederholen anstatt von ihnen zu lernen. Es ist eben kein Volk doppelverdienender Lehrerehepaare, dass sich in Reformhäusern verköstigen kann. Die Mehrheit lebt immer noch ohne eigenes Auto, verzichtet auf Fernreisen und auf in fernen Billiglohnländern gefertigte Konsumträume, ganz ohne ideologischen Antrieb.

    Die faktische Hinwendung zur Marktwirtschaft über die letzten 20 Jahre zeigt dagegen, wie schnell eine vermeintlich dogmatische und auf Gesichtswahrung bedachte Partei eine Gesellschaft umgestaltet hat. Es könnte durchaus sein, dass sie in der Umweltpolitik nicht weniger schnell umdenkt und dann auch handelt.

    Dagegen beobachten wir bei uns und erst recht bei unserer Führungsmacht USA, dass dringende Reformen durch bezahlte Lobbyisten sowie nicht zuletzt durch populistische Verschleierer und Nichtwahrhabenwoller blockiert oder verbogen werden. Alles volldemokratisch.

    5 Leserempfehlungen
    • Quas
    • 16. Januar 2013 10:24 Uhr

    Es hat durch seine extreme Entwicklung mit extremen Auswirkungen zu kämpfen und wird extreme Entscheidungen treffen, diese zu verhindern. Es ist kein schleichender und noch akzeptabler Prozess, sondern kommt schnell und hart. Die westliche Welt hingegen hat gelernt mit der im Vergleich geringen Verschmutzung zu leben und ein Umdenken ist daher schwierig. Die Bereitschaft die Mobilität grundlegend zu ändern gering.
    Die Stimme des Volkes redet immer von der langen Zeit, die China aufzuholen hat. Ich denke aber, es wird einfach eine Epoche (und damit Jahrzehnte) überspringen und nun direkt mit sauberer Energie weiter machen. Es gibt bereits Städte in denen nur Elektrofahrzeuge fahren dürfen.

    Wir haben uns mit den alten Technologien und Denkweisen in städtischen Gebieten eingerichtet, China dagegen braucht radikale, moderne und umweltschonende Lösungen. Das wird ihnen gelingen.

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    • Statist
    • 16. Januar 2013 15:51 Uhr

    mich würde es sehr wundern, wenn China binnen kürzester Zeit komplett auf Öko umstellt. Ich sage gar nicht, dass entsprechende Beschlusslagen innerhalb kürzester Zeit entstehen werden, ich vermute viel eher, dass sie zum einen technisch dann doch billigere Ansätze verwenden, und deshalb am Ende vieles zweimal machen, und zum anderen vermute ich, dass es viele kleine Stellen und Orte gibt, an denen aufgrund von Bestechung und sonstiger Korruption weggesehen werden wird.

    Der Vorteil einer Demokratie liegt darin, dass man Kandidaten, die mehr oder weniger offensichtlich bestechlich, unfähig oder sonstig korrupt sind, beim nächsten mal nicht mehr wählen muss. Ob die Partei in China auch immer so hart durchgreift, bleibt abzuwarten.

    • dp80
    • 16. Januar 2013 10:26 Uhr

    Bevor hier das China-Bashing losgeht: Chinesen sind grundsätzlich nicht zu unterschätzen und nicht blöd. Es ist schon lange nicht mehr so, dass sie nur in der Billigproduktion gut sind.

    Wenn dort (von oben verordnet) in Zukunft der Umweltschutz großgeschrieben wird, dann denke ich durchaus, dass sie auch auf diesem Gebiet aktiv und erfolgreich werden. Das nimmt dann wiederum uns Marktanteile im Bereich Umweltschutz-HighTech weg.

    Dass sie ein "ineffizientes Wachstumsmodell" einräumen, heißt ja nicht, dass sie grundsätzlich Wachstum nicht gut fänden, sondern nur, dass sie ein anderes Modell anstreben.

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  3. 7. @ #2.

    "Übrigens ist der Smog dort Drüben unser eigener Smog, den die Reichen Länder verursacht haben. Es sind die I-phones, Billig T-Shirts und Plastikspielzeuge der reichen Welt die dort produziert werden... Es ist unser Müll."

    Wir sanktionieren es vielleicht indem wir mit den Chinesen Handel treiben. Aber niemand zwingt diese dazu, sich einen Dreck für ihre Umwelt zu interessieren. Das machen die selber, aus Profitgier. Wenn es uns mit dem Umweltschutz jedoch ernst wäre, müsste über solche Länder ein Embargo verhängt werden. Aber wirtschaftliche Interessen gehen scheinbar vor.

    Eine Leserempfehlung
  4. Es sind also sowohl schädliche Produktionsmethoden als auch schädliche Konsumgewohnheiten - beides ist hausgemacht.

    Mit T-Shirts, Spielzeug o.ä. hat das überhaupt nichts zu tun; niemand zwingt die Chinesen, Dinge umweltschädlich zu produzieren und selbst Waren und Dienste auf diese Art zu verbrauchen.

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    • Sikasuu
    • 16. Januar 2013 12:32 Uhr

    Klar erkannt., aber zu kurz gedacht.
    .
    Angenommen die Chinesen stellen jetz massiv von Kohle auf "sauberes" Edgass/Erdöl um.
    .
    Such da einmal zahlen zu und rechne ein wenig. Dann wirst die über jede "Windmühele" und jedes "Solarpanell" hier glücklich werden.
    .
    weiss
    Sikasuu

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte China | Li Keqiang | Umweltverschmutzung | Weltgesundheitsorganisation | Behörde | Luftverschmutzung
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