WeltwirtschaftsforumSchwab sieht Weltwirtschaft noch immer bedroht

Vor dem Wirtschaftstreffen in Davos herrscht verhaltener Optimismus. Doch WEF-Gründer Klaus Schwab warnt: Das Risiko eines Wirtschaftskollapses sei noch nicht überwunden.

Klaus Schwab (Archiv)

Klaus Schwab (Archiv)  |  © Vincenzo Pinto/AFP/Getty Images

Zum Beginn des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos hat sein Gründer, der Schweizer Wirtschaftsexperte Klaus Schwab, vor einer anhaltenden Gefahr für die globale Wirtschaft gewarnt. "Die Probleme und die Risiken sind nicht verschwunden", sagte er Associated Press. "Wenn sehr negative Konstellationen auftreten, kann der Weltwirtschaft noch immer der Zusammenbruch drohen."

Schwab rief Regierungen und Wirtschaftsführer dazu auf, das Vertrauen der Menschen wieder herzustellen, um eine neue Finanzkrise zu verhindern. Wachstum basiere auf dem Optimismus von Konsumenten und Investoren. "Wir müssen wegkommen von der Krisenmentalität und mehr dynamische, konstruktive Denkweisen pflegen", sagte er der Weltwoche.

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Während die Stimmung beim letzten Davoser Treffen von der Euro-Krise gedrückt wurde, herrscht inzwischen verhaltener Optimismus. Die Märkte haben in diesem Jahr stark begonnen und die Euro-Währungsunion scheint nicht mehr in Gefahr, auseinanderzubrechen.

"Brauchen neue Denkansätze"

Schwab warnte dennoch vor zu viel Zuversicht: Ein großes Problem sieht er darin, dass durch neues Wirtschaftswachstum kaum Arbeitsplätze geschaffen werden. Darum fordert er ein Umdenken auf dem Arbeitsmarkt: Gebraucht werde ein sozialer ausgerichtetes Unternehmertum, außerdem müssten Arbeitnehmer ihre Fähigkeiten in gefragten Bereichen ausweiten, etwa in Technologie und Wissenschaft. "Wir brauchen neue Denkansätze. Die traditionelle Beschäftigung wird das Problem nicht lösen", sagte Schwab.

Auch wenn sich die Probleme der Euro-Zone in letzter Zeit etwas abgeschwächt haben, steht die europäische Schuldenkrise erneut im Mittelpunkt des WEF-Treffens. Ebenso die größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich: Sie gilt laut WEF-Risikobericht 2013 mittelfristig als eine noch größere Gefahr für die  Volkswirtschaften. Hinzukommen globale Risiken durch den Klimawandel sowie aktuelle Konflikte wie in Syrien und Mali.

Treffpunkt für Politiker und Spitzenmanager

Die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF), das 1971 von Schwab gegründet wurde, beginnt am morgigen Mittwoch im Schweizer Kurort Davos. Es gehört zu den wichtigsten Treffpunkten für Spitzenpolitiker, Top-Manager und Wissenschaftler aus aller Welt: Fünf Tage lang wird hier debattiert, mehr als 250 Reden und Podiumsdiskussionen werden gehalten.

Zu den etwa 2.500 Teilnehmern gehören Kanzlerin Angela Merkel, Großbritanniens Premierminister David Cameron, Russlands Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew und Italiens Ministerpräsident Mario Monti. Auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, und der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, werden in Davos sprechen.

Im vorigen Jahr hatte Großbritanniens Premierminister Cameron die Tagung zu einem Angriff auf das deutsche Euro-Krisenmanagement genutzt. Den damaligen deutsch-französischen Plan für eine europaweite Börsensteuer lehnte er öffentlich als "Wahnsinn" ab. Merkel hatte ihrerseits als Eröffnungsrednerin mit der Warnung vor einer Überforderung Deutschlands für Diskussionen gesorgt.

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Leserkommentare
  1. Es gibt den schönen Satz: "stellen Sie dich vor es wäre Krieg und keiner ginge hin"
    ich meine: "stellen Sie sich vor es gibt einen Wirtschafstskrieg und keiner macht mit."

    In Deutschland arbeiten ca. 41 Millionen Menschen um ca. 80 Millionen Menschen zu ernähren.
    Nun stelle man sich vor, die gehen einfach alle weiter zur Arbeit, als gäbe es keine Wirtschaftskrise.
    Eine Wirtschaftskrise ist doch nur die Folge einer Finanzkrise, und Finanzkrisen sind die Folge der Kapitalakkumulation.
    Nur weil einige ständig Kapital hin und her bewegen auf der Suche nach ein paar Promill mehr Profit und den Wirtschaftskrisläufen das Kapital entziehen, gibt es Wirtschaftskrisen.

    Unser Planet ist so groß und reich, wenn alle, die arbeitn können mitarbeiten (dürfen), dann ginge es allen gut.

    Nur die Gier bringt die Wirtschaft ins Schleudern.

    6 Leserempfehlungen
    • SonDing
    • 22. Januar 2013 11:25 Uhr

    "Die Märkte haben in diesem Jahr stark begonnen und die Euro-Währungsunion scheint nicht mehr in Gefahr, auseinanderzubrechen."

    Ich habe noch nie erlebt, dass ein bei Hochwasser gefährdeter Staudamm, durch einen noch höheren Staupegel, gesichert oder gestärkt werden könnte. Sicher wird man eine Zeitlang mehr Strom produziern und damit mehr Geld erwirtschaften können - aber eben nur so lange, wie der Staudamm das durchhält.

    3 Leserempfehlungen
  2. ""Wir brauchen neue Denkansätze. Die traditionelle Beschäftigung wird das Problem nicht lösen", sagte Schwab."

    Vielleicht wäre aber gerade die "trditionelle" Beschäftigung ein wichtiger Schritt zur Lösung des Problems.
    Wenn Bekleidung, Spielwaren, Unterhaltungselektronik, Nahrungsmittel, etc. einmal wieder in Deutschland, Frankreich, dem UK, etc. hergestellt würden, also dort, wo sie auch verbraucht werden, wäre viel gewonnen.
    Steigende Rohstoffpreise, die den Transport verteuern, könnten in diese Richtung führen. An erster Stelle müsste sich allerdings das Produktionsverhalten der Unternehmen und das Konsumverhalten der Verbraucher ändern.
    Der Weg ist noch weit, aber ich halte ihn ökonomisch, ökologisch und gesellschaftspolitisch für sinnvoll.

    2 Leserempfehlungen
  3. "Jeder soll voll Optimismus Kredite aufnehmen, die er sich eigentlich nicht leisten kann auf Hoffnung von künftiger Karriere".

    Dasselbe gilt für Firmen, die Dividende, Übernahmen und Expansion auf Kredit durchführen sollen in Vertrauen auf künftige Gewinne.

    Das ganze geht nur langfristig gut, wenn schlechte Presse und Kritik aller Art verboten ist. Bei schlechter Stimmung ist eine "Happy Pill" einzuwerfen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "kurzer Kommentar"
  4. >> Gebraucht werde ein sozialer ausgerichtetes Unternehmertum [...] <<

    ... erfreulich, dass diese Erkenntnis auch in Davos angekommen ist.

    Angemerkt sei hier, dass sich diese Forderung nicht allein an die Unternehmer richten kann. Freiwilligkeit und wohlklingende Selbstverpflichtungen sind nicht zielführend. Als Beispiel sei Kristina Schröders verunglücktes Pflegezeitmodell genannt, das ohne gesetzlichen Anspruch auskommen wollte und so weitgehend wirkungslos bleibt.

    Hier wurde kürzlich von der aktuellen Studie der Stiftung Weltwirtschaftsforum berichtet:
    "Die wachsende Kluft bei der Entwicklung der Einkommen wird nach Ansicht von Experten zu einer Gefahr für die Weltwirtschaft. Zusammen mit chronischen Ungleichgewichten der Haushalte vieler Staaten gehört das Auseinandergehen der Einkommen laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) voraussichtlich zu den "beiden vorherrschenden globalen Risiken" der kommenden Jahre."
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-01/weltwirtschaftsforum-einkommen

    Der Haken an der Sache: das auf Quartalszahlen ausgerichtete Unternehmertum denkt nicht in Zeiträumen von mehreren Jahren.

    Die Botschaft müsste sich also an den Gesetzgeber richten - unsere schwarz-gelben Deregulierungsfans werden allerdings auf Durchzug schalten.

    2 Leserempfehlungen
    • Trypsin
    • 22. Januar 2013 13:37 Uhr

    'Ein großes Problem sieht er darin, dass durch neues Wirtschaftswachstum kaum Arbeitsplätze geschaffen werden.'

    Zuerst einmal ist das Wort 'Wirtschaftswachstum' ein positives Wort, aber es bedeutet momentan nicht, dass jeder etwas davon hat. Wenn alle, die arbeiten wollen, auch Arbeit bekommen und jeder von seinem Lohn leben und dementsprechend auch wieder konsumieren und demzufolge die Binnenwirtschaft ankurbel kann, haben wir ein ideales Wirtschaftsystem.

    Eine Leserempfehlung

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