SanierungskostenDeutsche Bank macht zwei Milliarden Verlust

Massive Einbußen im Schlussquartal bei der Deutschen Bank, die sich saniert und zahlreiche Rechtsstreits führt. Der hohe Verlust überrascht selbst Experten.

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main  |  © Thomas Lohnes/Getty Images

Die Deutsche Bank meldet wieder schlechte Nachrichten: Das Haus hat im Schlussquartal 2012 wegen erheblicher Sanierungskosten einen Milliardenverlust eingefahren. Auch Kosten für offene Rechtsstreitigkeiten schlugen auf die Bilanz. Unter dem Strich stand darum ein Minus von 2,2 Milliarden Euro, wie die Bank mitteilte.

Damit verfehlte die Deutsche Bank die Analystenerwartungen deutlich: Experten hatten zwar mit einem Verlust gerechnet, aber nicht in solcher Höhe. Börsianer zeigten sich unzufrieden: "Das Ergebnis ist sehr enttäuschend. Die Zahlen sind deutlich schlechter als erwartet, vor allem die Höhe der Abschreibungen war überraschend", sagte einer. "Man kann jetzt nur hoffen, dass alles, was in der Bilanz aufgeräumt werden musste, nun erledigt ist und das Geldhaus im neuen Quartal neu durchstarten kann."

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Die neuen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die die Bank derzeit komplett umstrukturieren, hatten bereits im Dezember vor vielen Sonderbelastungen zum Jahresende gewarnt. Diese Belastungen beliefen sich jetzt auf insgesamt 2,9 Milliarden Euro, die offenen Rechtsstreitigkeiten belasteten das Ergebnis mit etwa einer Milliarde Euro. Auch die Investmentbank fuhr im abgelaufenen Quartal einen Verlust ein, ebenso wie die Vermögensverwaltung. Im Vorjahreszeitraum hatte die Deutsche Bank noch einen kleinen Gewinn von knapp 200 Millionen Euro erwirtschaftet.

Über das Jahr gesehen ging der Gewinn nun um 85 Prozent auf 665 Millionen Euro zurück. Trotzdem will die Bank für das vergangene Jahr eine unveränderte Dividende von 75 Cent pro Aktie ausschütten.

Die Deutsche Bank hatte in den vergangenen Monaten zahlreiche Negativ-Schlagzeilen gemacht: Weil dem Geldinstitut Steuerbetrug mit Emissionsrechten vorgeworfen wird, waren gleich mehrfach Büros von der Polizei durchsucht worden. Vom Oberlandesgericht München wurde die Bank zudem zu Schadenersatzzahlungen verurteilt, weil sie mitverantwortlich für die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch sein soll. Auch gegen Bank-Co-Chef Fitschen wird im Zusammenhang mit den Luftverschmutzungsrechten wegen Steuerbetrugs ermittelt.

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Leserkommentare
  1. ...Deutsche investiert in Aktien, meldetet vor zwei Tagen handelsblatt.com, und dank solcher Nachrichten wird das wohl auch so bleiben.

    Dabei, nüchtern betrachtet, der Kurs der Aktie April 12 bei 39, Juli bei 22, jetzt bei 36, mit anderne Worten, wer in den unsicheren Zeiten im Juli hübsch eingekauft hat, konnte einen Gewinn von über 60 % machen, vor Steuern, wo es gibt es denn sowas noch sonstwo ?

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    ... am Freitag der Woche bereits die Lottozahlen vom Samstag kennen würde, könnte ich auch einen hübschen Gewinn machen.
    Sogar noch deutlich hübscher als die Wette auf steigende Kurse der Deutschen Bank.
    Will sagen: Retrospektiv kann ich immer schlau beurteilen, wo ich am Aktienmarkt ein Geschäft hätte machen können.
    Doch wie der österreichische Volksmund so schön sagt,
    "Hätt mei Tant a Pimperl, wärs mei Onkel."

    ...wie Banken ihr ihr Geld verdienen und würde daher keine Bankaktien kaufen, selbst wenn sie 300% Gewinn bringen würden.
    Aber ich bin natürlich nicht das Maß aller Dinge :-)

  2. ... am Freitag der Woche bereits die Lottozahlen vom Samstag kennen würde, könnte ich auch einen hübschen Gewinn machen.
    Sogar noch deutlich hübscher als die Wette auf steigende Kurse der Deutschen Bank.
    Will sagen: Retrospektiv kann ich immer schlau beurteilen, wo ich am Aktienmarkt ein Geschäft hätte machen können.
    Doch wie der österreichische Volksmund so schön sagt,
    "Hätt mei Tant a Pimperl, wärs mei Onkel."

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nur jeder fünfte...."
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    ...lieber Mitforist, dass nicht nur die Aktien der Deutschen Bank gestiegen ist, sondern der gesamte Dax, und ein wohlsortiertes Portfolio konnte im letzen Jahr problemlos 30 % zulegen, das ist ja auch der Grund, warum selbst konservative Strategien inzwischen zum Aktienkauf raten, Pimperl hin, Pimperl her.

  3. 3 Leserempfehlungen
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    • flo_
    • 31. Januar 2013 10:09 Uhr

    das werden Sie noch, wenn auch nur "indirekt"

    :)

  4. "zahlreiche Rechtsstreits" bitte ändern, das schmerzt echt...

  5. ...lieber Mitforist, dass nicht nur die Aktien der Deutschen Bank gestiegen ist, sondern der gesamte Dax, und ein wohlsortiertes Portfolio konnte im letzen Jahr problemlos 30 % zulegen, das ist ja auch der Grund, warum selbst konservative Strategien inzwischen zum Aktienkauf raten, Pimperl hin, Pimperl her.

    Antwort auf "Wenn ich"
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    Nur den Experten der Deutschen Bank ist dies wohl entgangen, sonst hätten sie ja durch gezieltes Investment genau diesen Effekt mitgenommen, die Risiken, die sich nun zum Jahresende realisiert haben, wären spielend aufgefangen worden.
    Wollen Sie uns das sagen?
    Ich kann mich noch daran erinnern, wie in meiner Umgebung vor einigen Jahren lange geplante Wohnungskäufe verschoben wurden, alteingesessene Handwerksbetriebe verschwanden und ähnliches.
    Die hatten alle sichere Anlagestrategien vom Experten.
    Anlage in Aktien ist etwas für Spielgeld, Geld, welches man nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt braucht.
    Vor fünf Jahren war eine Kollegin von mir bei mehreren Anlageberatern. Das Thema war klar, sie hatte knapp 100.000,- Euro geerbt, davon war ein Teil Risikokapital (Spielgeld), ein Teil Anlage für die unbestimmte Zukunft und etwa die Hälfte des Geldes sollte so angelegt werden, daß das Kapital zu einem bestimmten Zeitpunkt komplett zur Verfügung steht.
    Verkauft wurde ihr die "mündelsichere" Anlage offener Immobilienfonds für den sicheren Teil. Das Beratungsprotokoll ist natürlich eine Farce, der Zeitpunkt, an dem das Kapital benötigt wird naht, mit zinsschwachem Festgeld wäre das Leben gerade einfacher.
    Und Sie kommen mal wieder mit der Renditelüge um die Ecke.
    Schon Kostolany sagte sinngemäß, wenn man über seine Aktien nur mit dem Bankberater spricht, ist alles in Ordnung, sind sie auch abends im Kegelclub Thema, nichts wie raus.

  6. ...wie Banken ihr ihr Geld verdienen und würde daher keine Bankaktien kaufen, selbst wenn sie 300% Gewinn bringen würden.
    Aber ich bin natürlich nicht das Maß aller Dinge :-)

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nur jeder fünfte...."
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    ...gerade wenn man moralische Bedenken hat, sollte man doch Aktionär werden, auch die sgn. Kleinen können kritische Fragen stellen, wenn nicht der Aktionär nach § 131 Aktiengesetz, wer sonst ?

  7. 7. Wo....

    muss ich alternativlos und systemrelevant einzahlen?

    3 Leserempfehlungen
  8. ...gerade wenn man moralische Bedenken hat, sollte man doch Aktionär werden, auch die sgn. Kleinen können kritische Fragen stellen, wenn nicht der Aktionär nach § 131 Aktiengesetz, wer sonst ?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie scherzen. Oder wollen Sie etwa ernsthaft behaupten, man hätte als Kleinaktionär irgendein Mitspracherecht bei der Deutschen Bank? Googlen Sie mal das Wort: „Depotstimmrecht“...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Jürgen Fitschen | Leo Kirch | Abschreibung | Aktie | Anshu Jain | Dividende
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