KlimaschutzDer exklusive Energie-Klub des Umweltministers

Umweltminister Peter Altmaier plant Ungewöhnliches: Das Atomland Frankreich, das Ökoparadies Dänemark und China sollen zusammenarbeiten. Warum? von 

Stolz war Peter Altmaier, als er im vergangenen August seinen Zehn-Punkte-Plan zur Energiewende vorlegte. Kein Ghostwriter, nur er selbst hatte das Dokument verfasst, ein echter Altmaier. Schon damals schwebte Altmaier unter dem Punkt "Internationale Dimension der Energiewende" ein Klub von Staaten vor, die "den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben" sollen.

Nun füllt der Umweltminister die Idee mit ein wenig Leben. Altmaier nimmt derzeit in Abu Dhabi an der Jahresversammlung der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) teil. Offenbar sucht er dort auch Mitglieder für seinen Klub. Frankreich, Marokko, Tonga, Großbritannien könnten mitmachen. Und, der Clou: vielleicht China.

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China? Wie kann das sein? Das Land ist der weltweit größte Klimagasemittent, kein Land stößt mehr Kohlendioxid aus. Bislang ist China auch nicht dem Kyoto-Protokoll beigetreten, internationale CO2-Verpflichtungen torpediert die Führung in Peking regelmäßig. Die jüngsten Berichte über den dramatischen Smog in Chinas Hauptstadt zeigen, wie schwerwiegend die Abhängigkeit des Landes von der Kohle als Energieträger ist.

Tatsächlich wirkt die Auswahl der Staaten willkürlich. Es handelt sich keineswegs um klassische Energiewende-Staaten, zumindest dann nicht, wenn man Energiewende mit dem Ausstieg aus der Atomkraft gleichsetzt. Frankreich setzt weiter auf Atomenergie, auch wenn die Stimmung im Land gerade leicht kippt. London handelt ähnlich. Dänemark hingegen hat sich dem radikalen Ausbau von Ökostrom verschrieben und soll ebenfalls dazugehören. Auch das südpazifische Inselreich Tonga wird als Teilnehmer gehandelt, ein Land, das seine Dieselgeneratoren zur Stromerzeugung durch erneuerbare Energien ersetzen will.

Dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit: Alle Staaten verbindet der politische Wille, die erneuerbaren Energien auszubauen. Gerade China, um dessen Mitgliedschaft Altmaier wirbt, hat ambitionierte Pläne. Inzwischen ist das Land einer der größten Investoren in erneuerbare Energien. Allein im Jahr 2011 installierte das Land Windräder mit einer Kapazität von 18.000 Megawatt – das entspricht 18 Atomkraftwerken – wenngleich die Windräder auch nicht rund um die Uhr Strom liefern können. Insgesamt drehen sich in China inzwischen Windräder mit 63.000 Megawatt Kapazität. Die Solarstromkapazitäten hat China allein in den vergangenen zwei Jahren verzehnfacht.

Zwar setzt China weiterhin exzessiv auf Kohlestrom. 70 Prozent aller neuen Kohlekraftwerkskapazitäten werden dort gebaut. Aber auch hier sind langfristig Änderungen in Sicht. Schon jetzt experimentiert China mit einem nationalen CO2-Handel. Das Land bewegt sich also und will eine Vorreiter bei den erneuerbaren Energien nicht Deutschland überlassen. Erst am Montag gab China bekannt, ebenfalls der IRENA beizutreten.

In Deutschland sieht man Altmaiers Club kritisch. Grünen Fraktionschef Jürgen Trittin nennt die Idee eine "Alibiveranstaltung in der Wüste". Auch Greenpeace hält den Plan Altmaiers für reine Symbolpolitik. "Wir brauchen nicht ein weiteres Wohlfühlprogramm mit ein paar Dollar für ein paar Solaranlagen und eine jährliche Konferenz", sagt Sven Teske, Klimaexperte der Umweltschutzorganisation. "Wir brauchen sicher nicht noch ein Jahrzehnt neue Energiewende-Konferenzen." In der Tat gibt es bereits die IRENA mit ihren 159 Staaten, die sich den erneuerbaren Energien verschrieben haben. Ein Exklusivklub innerhalb dieses Zirkels wäre also eine Parallelorganisation.

Was Aufgabe und Ziel des Klubs sein könnten, ist unklar. Der Klub wird wohl eine lockere, informelle Veranstaltung werden, ohne eigenes Sekretariat, ohne Personal. Entscheidungskompetenz wird die Versammlung nicht haben. Offenbar geht es Altmaier darum, dass die Staaten voneinander lernen und sich besser koordinieren. Und natürlich eröffnen sich über den direkten Kontakt bessere Exportmöglichkeiten für deutsche Umwelttechnologien. 

Im besten Fall ließen sich auf diesem Wege auch etwa Streitigkeiten informell klären, zum Beispiel die aktuellen Klagen wegen Preisdumping von europäischen Solarkonzernen gegen chinesische Solarhersteller. Im schlechtesten Fall ist der Klub nichts weiter als eine exklusive Telefonliste, die niemand nutzt.

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Leserkommentare
    • sudek
    • 15. Januar 2013 15:13 Uhr

    "....Offenbar geht es Altmaier darum, dass die Staaten voneinander lernen und sich besser koordinieren...."

    Wie wäre es, wenn die Regierung erst einmal hier in diesem unseren Lande einige nachhaltige Schritte für die Energiewende beschreiten würde.

    Statt SolarStrom zu reduzieren, Photovoltaik ausbauen.

    Energieeffizienz europaweit ausbauen, statt in Brüssel zu boykottieren.

    Gesetzentwurf für Nuclearentsorgung wasserdicht gegen Export nach außen machen.

    Es gibt übrigens noch laufende Kernkraftwerke:

    Vorhandene Kernkraftwerke sicher gegen Risiken machen, d.h. Ergebnisse des Sicherheitschecks umsetzen.

    3 Leserempfehlungen
  1. 2. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Kommentare, die als beleidigend verstanden werden können. Danke, die Redaktion/jk

    2 Leserempfehlungen
  2. von der Regierung verkorkste "Energiewende, Merkelwende" nicht noch mehr zu verwässern.

    Da schon alle die Erneuerbare Energie betreffenden Kosten auf die "Normalverbraucher" abgeschoben sind sollte er sich auf den Verbraucherschutz und Kostensenkung konzentrieren.

    Aber bei der momentanen Klientel Politik kann man das wohl nicht erwarten.

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    er darf sogar etwas sagen.
    Korruption hoch Zehn.
    Der Bürger zahlt für den Aufbau der Leitungen und Mehr.
    Wer bekommt dann die Einnahmen aus diesen Leitungen?

    Die Atomlobby.

  3. ein noch immer ungelöstes, von noch viel zu vielen Mitbürgern verdrängtes Entsorgungsproblem hat, ist es dennoch nicht das Haupt-Ziel der Energiewende, einfach nur die Atomreaktoren abzuschalten. Auch wenn die Diskussion darüber in den Medien und der Politik gerne daruf reduziert wird. Es geht darum, zum einen eine dezentrale Energie-Infrastruktur aufzubauen, deren einzelne Einheiten wesentlich weniger kapitalintensiv sind als die bisherigen Monster-Kraftwerke und zudem durch Redundanz und lokale Verfügbarkeit die Störanfälligkeit verbessern. Das zweite Ziel besteht darin, die absehbar endlich verfügbaren Fossilen Primärenergien, da gehört auch Uran dazu, durch dauerhaft verfügbare Energiequellen zu ersetzen. Und dies so früh wie möglich - solange die Preise der Fossilen der Knappheit wegen noch nicht explodiert sind.

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    • P_S
    • 15. Januar 2013 16:19 Uhr

    Ich gebe ihnen fast recht, bei der Energiewende geht es die "alten" Kraftwerke durch dauerhaft verfügbare Energiequellen zu ersetzen.

    Aber, warum setzt man
    - auf Wasserkraft wo die Alpengeltscher schmelzen und es es nur eine Frage der Zeit ist bis die Flüße versiegen. Ok es erleben erst die Urenkel....
    - auf Windkraft, wo es doch seriöse Studien gibt, die besagen, das Windparks für zur Erderwärmung beitragen!

    Und hier der Widerspruch:
    Der Vorteil mit Uran ist, dass
    1. das Abfallprodukt auch noch Ernergie abgibt.
    2. der Erdkern radioaktives Material erzeugt.
    3. die Sonne der größte, nichtabschaltbare Reaktor ist!

    D.h. eine echte ökologische Energiewende ist, sich darum zu kümmern, wie man das Beste aus dem Atommüll machen kann.
    Sprich wenn der "Mist" schon 5 Millionen Jahre Energie abgibt, warum dann den schrott vergraben?

    Für die Leser, die mit der Krebskeule um die Ecke kommen: Aromastoffe (z.B. Benzol - jeder tankt) und Feinstaub (durch Wind aufgewirbelt) können auch Krebs verursachen!

    Sie schreiben das die "kapitalintensiven grossen Kraftwerke" möglichst schnell durch erneuerbare Energieerzeugung ersetzt werden sollten.
    Warum muss man eigentlich den Strom von Photovoltiac Anlagen dann so stark subventionieren wenn es doch grosse Vorteile hat und diese Art der Stromerzeugung so wenig kapitalintensiv ist ?
    Vielleicht verstehe ich es nicht. Aber wenn man potentiellen Investoren in Photovoltaic Anlagen nur den normalen Herstellungspreis garantieren würde, würde wahrscheinlich kein Mensch mehr in diese Anlagen investieren.

    • tobmat
    • 16. Januar 2013 11:54 Uhr

    "Es geht darum, zum einen eine dezentrale Energie-Infrastruktur aufzubauen, deren einzelne Einheiten wesentlich weniger kapitalintensiv sind als die bisherigen Monster-Kraftwerke und zudem durch Redundanz und lokale Verfügbarkeit die Störanfälligkeit verbessern. "

    1. Darum geht es in der Energiewende nicht.
    2. Einzelne Anlagen sind bei zentralen Großkraftwerken zwar Kapitalintensiver, aber dafür sind die dezentralen Anlagen in Summe kapitalintensiver und ineffizienter. Bricht man das ganze auf die produzierte kWh sind Großanlagen effizienter und günstiger und auch weniger kapitalintensiv.

    Auch bei PV baut man ja lieber einen 100 MW Park als hundert 1 MW Parks.

    "zudem durch Redundanz und lokale Verfügbarkeit die Störanfälligkeit verbessern"
    Das ist ja leider nicht der Fall, da EE stark schwankt und das Gesamtsystem damit störanfälliger macht.

    • Hans B
    • 15. Januar 2013 16:00 Uhr

    Altmaier ist wieder einmal der Zeit voraus und setzt energietechnisch weltpolitische Ziele in der Zusammenarbeit: Deutschland ist immerhin in Europa an der Spitze der CO2-Emittenten mit steigender Tendenz (gerechnet in t per Kopf der Bevölkerung) und da kann China doch von Deutschland lernen und auch Weltspitze werden!
    Auch die Zukunft erscheint da rosig: Nachdem China derzeit gerade an ca. 15 KKW arbeitet, die in den nächsten 3 Jahren fertig werden sollen und China auch eine führende Rolle bei den Entwicklungen der 4.Generation von KKW aufweist , ist die zukünfige Versorgung Europas mit chin. KKW ein Muss um Deutshland mit CO2 freiem Importstrom zu versorgen.

    Wenn Deutschland dann mit chinesischen Solarzellen zugepflastert ist und auch der vorletzte Grünen merkt dass man nachts keinen Solarstrom bekommt aber dazu ja die KKW der Nachbarn laufen können, steht der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit nichts mehr im Wege und Altmaier wird Bundespräsident.

    5 Leserempfehlungen
    • Hans B
    • 15. Januar 2013 16:06 Uhr

    der Klima- Flashmob Veranstaltungen wie wir sie in Doha erleben durften.
    Und was wollen wir denn mehr, wir zahlen ja gerne dafür auch wenn ausser heisser Luft nichts raus kommt.

    2 Leserempfehlungen
    • P_S
    • 15. Januar 2013 16:19 Uhr

    Ich gebe ihnen fast recht, bei der Energiewende geht es die "alten" Kraftwerke durch dauerhaft verfügbare Energiequellen zu ersetzen.

    Aber, warum setzt man
    - auf Wasserkraft wo die Alpengeltscher schmelzen und es es nur eine Frage der Zeit ist bis die Flüße versiegen. Ok es erleben erst die Urenkel....
    - auf Windkraft, wo es doch seriöse Studien gibt, die besagen, das Windparks für zur Erderwärmung beitragen!

    Und hier der Widerspruch:
    Der Vorteil mit Uran ist, dass
    1. das Abfallprodukt auch noch Ernergie abgibt.
    2. der Erdkern radioaktives Material erzeugt.
    3. die Sonne der größte, nichtabschaltbare Reaktor ist!

    D.h. eine echte ökologische Energiewende ist, sich darum zu kümmern, wie man das Beste aus dem Atommüll machen kann.
    Sprich wenn der "Mist" schon 5 Millionen Jahre Energie abgibt, warum dann den schrott vergraben?

    Für die Leser, die mit der Krebskeule um die Ecke kommen: Aromastoffe (z.B. Benzol - jeder tankt) und Feinstaub (durch Wind aufgewirbelt) können auch Krebs verursachen!

    4 Leserempfehlungen
  4. "Wen du nicht mit Fakten überzeugen kannst, den verwirre mit Schwachsinn." wird hier eine weitere Nebelkerzenfabrik hochgezogen...

    Schade, dass Herr Rötgen gehen musste. Aber ein Minister, der tatsächlich arbeitet hätte auch den Rest dieses konservativ-liberalen Desasters viel zu offensichtlich bloß gestellt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Peter Altmaier | Klimaschutz | China | Greenpeace | Jürgen Trittin | Atomenergie
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