EU-Kommission"2012 war ein weiteres schlechtes Jahr für Europa"

Die EU-Kommission warnt vor einem Auseinanderdriften der Nord- und Südländer. Die Arbeitslosigkeit ist in ganz Europa auf Rekordhöhe, mit riesigen Unterschieden.

Menschen betteln in Sofia

Menschen betteln in Sofia  |  © Dimitar Dilkoff/AFP/Getty Images

Der Europäischen Union droht die soziale Spaltung: Besonders zwischen dem Norden und dem Süden der Euro-Zone bestünden gravierende wirtschaftliche und soziale Unterschiede, heißt es in einer Stellungnahme der EU-Kommission. Staaten wie Deutschland stehen zwar in der Krise noch vergleichsweise gut da, aber die Unterschiede zu Ländern wie Griechenland und Spanien vergrößern sich.

In dem Bericht über Beschäftigung und die soziale Lage in Europa im Jahr 2012 stellt die Kommission einen "besorgniserregenden Trend" und ein "neues Muster" der Auseinanderentwicklung zwischen den Ländern fest. Der Unterschied bei der Arbeitslosenquote zwischen Nord- und Südländern der Euro-Zone lag im Jahr 2000 bei 3,5 Prozentpunkten und verschwand bis zum Jahr 2007 sogar. Seit dem Beginn der Finanz- und Schuldenkrise ist die Spaltung auf 7,5 Prozentpunkte angestiegen.

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Diese Entwicklung lässt sich auch an den neuen Arbeitslosenzahlen des EU-Statistikbüros Eurostat ablesen. In Österreich waren demnach im November 4,5 Prozent der Erwerbsfähigen arbeitslos, in Luxemburg waren es 5,1 Prozent und in Deutschland 5,4 Prozent. In Spanien und Griechenland hatte hingegen mehr als jeder Vierte keine Arbeit. In Spanien lag die Quote im November bei 26,6 Prozent, die letzte Statistik für Griechenland aus dem September weist eine Arbeitslosenquote von 26 Prozent aus.

Auch von Jugendarbeitslosigkeit sind Spanien und Griechenland mit Quoten von 56,5 Prozent beziehungsweise 57,6 Prozent besonders betroffen. Insgesamt stieg die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone mit einer Quote von 11,8 Prozent und 18,82 Millionen Menschen ohne Job auf ein Rekordhoch. In allen 27 EU-Ländern zusammen wuchs die Zahl der Arbeitslosen auf mehr als 26 Millionen an.

2012 war ein weiteres schlechtes Jahr für Europa

EU-Sozialkommissar Laszlo Andor sagte: "2012 war ein weiteres schlechtes Jahr für Europa, was die Arbeitslosigkeit und die sich verschlechternde soziale Lage angeht." Eine deutliche Verbesserung sei auch in diesem Jahr unwahrscheinlich, wenn es im Kampf gegen Euro-Krise und soziale Ausgrenzung sowie bei der Suche nach Investitionen keine schnelleren Fortschritte gebe. Besonders im Süden Europas sieht die Kommission das Problem, dass die Arbeitskräfte nicht den Anforderungen des Marktes entsprechend ausgebildet sind.

Die Gefahr eines dauerhaften Abrutschens in die Armut ist nach Angaben der EU-Kommission höchst unterschiedlich zwischen den EU-Ländern. Ein wachsendes Armutsrisiko bestehe nicht nur im Süden, sondern auch im Osten der EU. Eine "neue Trennung" zeichne sich ab zwischen Ländern, in denen in der Krise schnelle Job- und Einkommensverluste folgen, und Staaten mit robusteren Sozialsystemen und reformierten Arbeitsmärkten. Besonders von Armut bedroht seien junge Menschen, arbeitslose Frauen sowie alleinerziehende Mütter.

Während die durchschnittlichen Haushaltseinkommen in zwei Dritteln der EU-Staaten in der Krise sanken, wuchsen sie etwa in Deutschland, Frankreich und Polen. Die stärksten Einbrüche erlitten die Menschen in Griechenland, Spanien und Zypern.

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Leserkommentare
    • zfat99
    • 08. Januar 2013 16:39 Uhr

    Die Antwort hat der Sozialist Zapatero in seinem Interview schon vor 5 Jahren gegeben. Wer das damals gelesen hat, wusste schon, was auf Europa zukommt.

    2 Leserempfehlungen
  1. ihr Unwesen treiben kann, wird jedes Jahr ein schlechtes Jahr für Europa sein.

    3 Leserempfehlungen
    • beat126
    • 08. Januar 2013 16:46 Uhr

    ...wenn die Bürgschaften zu Forderungen werden, die der Deutsche Steuerzahler tragen muss.

    Und da gibt es doch tatsächlich Leute, die plädieren mit Überzeugung auf ein Mehr an Europa.

    Trugbild, Luftschloss oder Hirngespinnst? - Ich tippe auf Fata Merkelana.

    Eigentlich müsste man CDU wählen, dass Angela Merkel sehen kann, was sie angerichtet hat.

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    "Trugbild, Luftschloss oder Hirngespinnst? - Ich tippe auf Fata Merkelana."

    Ich würde sagen, es handelt sich hauptsächlich um verblendete Linksideologen, die aus irgendwelchen Gründen in der Abschaffung der bestehenden Nationalstaaten das große Allheilmittel sehen, ohne natürlich rational begründen zu können, warum das so ist, geschweige denn ein echtes Konzept vorlegen zu können.

  2. <<< EU-Sozialkommissar Laszlo Andor sagte: "2012 war ein weiteres schlechtes Jahr für Europa, was die Arbeitslosigkeit und die sich verschlechternde soziale Lage angeht." <<<

    Jep, und mit 2013 folgt nun ein Jahr was noch schlimmer wird als 2012, weil
    a) die schwachen Süd- und Ostländer nicht aus der Rezession/Depression heraus kommen
    b) die starken Nordländern, v.a. Dtl. in die Rezession hinein kommen.

    Und es sind nicht nur die verschiedenen Länder, die ökonomisch/finanziell auseinanderklaffen, es sind die Gesellschaften selbst.

    Und die herrschende Realpolitik hat bislang NULL Interesse gezeigt, abseits von konzequenzlosen Sonntags- oder Wahlkampfreden, diesen Phänomenen entgegen zu wirken.
    Im Gegenteil, wird die "Krise" doch offenbar ganz bewusst dazu benutzt, sonst politisch unmögliche "Reformen" durchzupeitschen, die allerdings nichts besser machen, sondern vorrangig lobbystarke, mächtige Partikularinteressen bedienen und die ohnehin Starken auf Kosten der Schwachen weiter stärken und damit den dysfunktionalen Status Quo nur weiter zementieren.

    2013 wird ein Jahr mit noch mehr unnötigen Elend, neuen Bankenrettungen, noch mehr politisch gewollter Prekarisierung, vielen weiteren Protesten und Aufständen mit vielen weiteren Bildern von prügeldenden Polizisten und anderen Systemschergen und vielen weiteren großen und kleinen Schritten zur politischen Restauration.
    Halt das, was immer passiert, wenn eine Herrschaftsform ihren Zenit überschritten hat und klammert...

    4 Leserempfehlungen
  3. "Trugbild, Luftschloss oder Hirngespinnst? - Ich tippe auf Fata Merkelana."

    Ich würde sagen, es handelt sich hauptsächlich um verblendete Linksideologen, die aus irgendwelchen Gründen in der Abschaffung der bestehenden Nationalstaaten das große Allheilmittel sehen, ohne natürlich rational begründen zu können, warum das so ist, geschweige denn ein echtes Konzept vorlegen zu können.

    4 Leserempfehlungen
    • genius1
    • 08. Januar 2013 17:52 Uhr

    In drei Jahren, ist Schluss mit Lustig, für die Verantwortlichen!

    Wem wollen Wir eigentlich unsere Exporte verkaufen, wenn die Importländer Pleite gegangen sind, oder selbst zu Exporteuren Mutieren?

    Kommentar 114:

    http://www.zeit.de/karrie...

    2 Leserempfehlungen
    • gooder
    • 08. Januar 2013 18:28 Uhr

    Anstatt etwas festzustellen, was ohnehin jedem bekannt ist, sollte die EU-Kommission vernünftige Maßnahmen erarbeiten, die diesem Trend entgegenwirkt.Ein Abrutschens in die Armut, wird durch die Spardiktate beschleunigt und nicht aufgehalten und denn den Gürtel enger schnallen müssen sich stets die mittleren und unteren Einkommensgruppen.

    3 Leserempfehlungen
  4. Das soll also ein Europa sein, für ein friedliches miteinander ?
    Das ist ein neuer europäischer Krieg, vom Feinsten.
    Und alles unter dem Deckmantel einer Demokratie.
    Alle wissen sagen und schreiben, dass es in Europa kein Gleichgewicht geben kann, und das erleben wir jeden Tag.
    Alle gewöhnen sich daran, und halten das, was geschied, für normal. Immer neue schlechte Meldungen bestimmen den Alltag in diesem Europa, und das schon sehr lange. Änderungen sind da eher nicht in Sichtweite. Mehr als 26 Millionen Menschen sind in diesem Europa ohne Beschäftigung, und die Zahl derer, die kein Auskommen mehr haben, nimmt nicht ab, sondern nimmt permanent weiter zu.
    Die Jugend ohne Ausbildung, ohne Beschäftigung, nimmt ebenfalls zu, statt ab. Wohin soll das alles führen ?
    Mit einem demokratischem Verständnis scheint das nicht viel gemein zu haben. Nicht nur die Länder driften weiter auseinander, sondern auch die Gesellschaften, die Gesellschaftsschichten. Das alles sind lang bekannte Situationen, und die Spirale dreht sich weiter in die gleichen Richtungen. Die einen nehmen immer mehr, wobei die anderen immer weniger zur Verfügung haben werden. Das ist eine Spirale der "Gewalt", und die Gewalt wird, oder soll sogar zunehmen, so kommt es einem vor. Ein Vertrauen in die Zukunft, ist nicht mehr vorhanden, Unsicherheit macht bis breit, in allen Gesellschaftsschichten, und wer kann, nimmt noch so lange, so viel, wie möglich.
    Soll das unseren Alltag bestimmen?
    Das soll ein Europa sein ?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, sk
  • Schlagworte EU-Kommission | Arbeitslose | Arbeitslosenquote | Arbeitslosigkeit | Arbeitsmarkt | Armut
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